Verhandlung

Die erneute Randale durch jungmännliche Migranten im Düsseldorf Rheinbad führt endlich zu konkreten Maßnahmen.

Ich las hierzu diesen Kommentar:

Bevor jetzt wieder die Ausländer-, Asylanten- und Flüchtlingshetze losgeht, will ich an den Fall der Schülergruppe in Bayern von letzter Woche erinnern, die versucht haben, eine Polizeistelle einzunehmen. Scheint eher ein Problem von Hitze und Jungmännern allgemein zu sein.

Daran, den Starnberger Vorfall in einen Kontext zu stellen, haben bestimmt viele gedacht.

Das war „nett gemeint“ und nicht ganz falsch. Die Anzahl der Übergriffe durch jugendliche, männliche Migranten (diverse Freibäder, Stadtfeste – z.B. Saarlouis – und viele andere Ereignisse wie Gruppenvergewaltigungen) ist allerdings so hoch, dass dieser eine Vergleich nicht überzeugt. Dem zunehmenden Problem werden wir durch solche Relativierungsversuche nicht gerecht!

Als ausufernde Lebensfreude lässt sich dieses Verhalten nicht verkaufen, sondern die Zahl der zunehmenden Angriffe verschärfen die Situation immer stärker. Das könnte zu einer Eskalation führen, die keiner erleben möchte.

Dass der Staat sein Gewaltmonopol offenbar nicht mehr ausüben kann wird immer deutlicher, und die Folgen für den Rückhalt der Demokratie beobachten viele mit Sorge. Auch im Osten.

Die Erkenntnis reift in allen gesellschaftlichen Gruppen, dass die Polizei friedliche BürgerInnen gegen Banden von gewaltbereiten, jugendlichen Migranten nicht schützen kann. Dies einfach herunterzuspielen oder gar ganz abzustreiten ist mehr als nur fahrlässig. Es schadet vielmehr mit jedem weiteren Fall dieser Art dem Ansehen von Polizei, Politik und letzten Endes der Demokratie.

Ich hasse es im Unrecht zu sein, weil ich doch so sicher war, die moralisch richtige Antwort auf die Migrationskrise zu kennen, die heute unser Land spaltet. Meine Prämisse, der sich bitteschön jeder anzuschließen hat: Menschen in Not muss geholfen werden. Der Gegenthese: „wir können nicht alle aufnehmen“, konnte ich nicht zustimmen. Verantwortungsfreies Gutmenschtum. Das ist/war mein Ding!

Selbsterkenntnis braucht Zeit. Ein früherer Twitter-Follower fand, meine Veränderung sei ihm unheimlich.
Mir sind andere unheimlich. Nämlich die, die keinen Schritt zurücktreten und deren Meinung in Stahl gegossen zu sein scheint.

Politik und Medien ängstigen die Öffentlichkeit, weil nur noch von einer Polarisierung der Gesellschaft geredet wird. Dass heißt am Ende nur, dass alle, die nicht meiner Meinung sind, die 50 Prozent von der anderen Fakultät wären. Eine Aufgabe der eigenen Position ist über die Jahre kaum möglich, weil dieses Thema uns weiter beschäftigen wird. Woran es liegt, ob an sozialen Netzwerken, Filterblasen, am Erstarken der immer extremer werdenden AfD oder am Zeitgeist (internationale Entwicklung) liegt, ist völlig nebensächlich. Das alles ist schädlich für die Demokratie. Wenn ich darauf hinweise, krieg ich (allen Ernstes) gesagt, dass es in diesem Land ohnehin keine Demokratie geben würde. Das ist nicht so selten, wie man es sich vielleicht denkt oder wünscht.

Es stört mich, dass meine geänderte Haltung so interpretiert wird, dass sie alle Positionen von AfD-Anhängern, Rechtsextremen oder Nationalisten abdeckt. Das ist kompletter Unsinn. Allerdings ist es nicht schmeichelhaft, dass ich so lange gebraucht habe, um zu erkennen, welche Wirkung die von interessierter Seite mit Akribie gesammelten Verbrechensfälle durch Migranten in der Gesellschaft erzeugt und dass ich dafür Verständnis habe.

Meine Wut wächst, weil sich viele Migranten auf diese Art und Weise bei uns für die Hilfe bedanken, die wir ihnen gewährt haben. Nein, so hatte ich mir das nicht vorgestellt, und ich kann dieses überhebliche Relativieren vieler Linker und Grüner nicht mehr ertragen. Beim Klimaschutz läuft es nach dem gleichen Schema. Es hat sich ein beängstigend intolerantes Format von Rede und Gegenrede eingestellt, das für urdemokratische Prinzipien immer weniger Platz lässt.

Dass man im Rheinbad in Düsseldorf quasi Grenzkontrollen in Form von Ausweiskontrollen einführt, wird die Sache vermutlich nicht beruhigen. Die ausgesperrten jugendlichen Migranten werden Wege finden, ins Freibad zu kommen. Es könnte ironischerweise ebenso ablaufen, wenn Migranten in naher Zukunft einen Weg finden werden, dann geschlossene Landesgrenzen zu überwinden. Denn wer glaubt schon noch daran, dass die EU in der Lage ist, ihre Außengrenzen zu kontrollieren? Wenn das politische Einsicht würde, kämen Grenzschutz + Bundeswehr zum Einsatz. Das wird was geben.

Die weitere Eskalation ist programmiert.

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Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

18 Kommentare

  1. Ich kann dir da eigentlich nur zustimmen. Vielleicht sollten sich einfach mal Personen der Öffentlichkeit bei diesen jungen Migranten bedanken, die sich mit ihrem asozialen Verhalten genau in die Vorurteile fügen bzw. den Vorurteilen genau entsprechen, die sich Teile der Gesellschaft gebildet haben.

    Bedanken dafür, dass sie rechtsradikale Kräfte im Land – in der Politik wie in der öffentlichen Gesellschaft – stärken, die unablässig eine Bedrohung durch ausländische Gewalttäter beschwören.

    Bedanken dafür, dass sie die Zahl derer erhöhen, die immer stärker fordern werden, solche Unruhestifter und Störenfriede, bis hin zu gewalttätigen jugendlichen Straftätern, einfach kurzentschlossen aus unserem Land zu werfen.

    Auch ich bin längst nicht mehr frei von solchen Reaktionen, vielen Dank dafür!

    Ich schüttle nur noch den Kopf über das derartige Ausmaß an Totalverblödung junger Menschen… ähh falsch: Männer!

  2. In einem heißen Sommer können Jugendliche blöde Sachen machen. Aber diese ständigen Ausfälle dieser Jungmänner sind völlig inakzeptabel. Es ist leider so wahr, dass sie mit ihrem Verhalten dafür sorgen, dass das Klima im Land sich immer stärker von der ursprünglichen Haltung entfernt. Es ist ins Gegenteil umgeschlagen. Das Verhalten selbst hat das herbeigeführt, die Forcierung dieser Nachrichten in unserer Öffentlichkeit und die begierige Aufnahme durch AfD-nahe Medien sowie die zahlreichen Unterstützer ihrer Positionen. Noch schlimmer empfinde ich es, dass unsere Polizei und die Gerichte das nicht in den Griff bekommen. Sie schaden den Menschen, die mit der Hilfe bei uns etwas anzufangen wissen und sie schätzen.

  3. Hier mal ein anschaulicher Bericht aus der Praxis eines der Berliner „Problembäder“:

    https://www.morgenpost.de/bezirke/neukoelln/article211561375/Wer-keinen-Respekt-aufbringt-muss-raus.html

    Da wird allerhand unternommen – und durchaus mit Erfolg.

    Ich finde nicht, dass man seine politische Haltung grundsätzlich „anpassen“ muss, wenn es eigentlich nur darum geht, dass der Rechtsstaat und seine Institutionen die Regeln und Gesetze durchsetzen soll: allen gegenüber, Herkunft egal.

    „Meine Wut wächst, weil sich viele Migranten auf diese Art und Weise bei uns für die Hilfe bedanken, die wir ihnen gewährt haben. “

    Das ist z.B. so eine Pauschalisierung, die oft einfach nicht passt. Obwohl ich es nachvollziehen kann, sofern es sich TATSÄCHLICH um Verhalten von Geflüchteten oder „Migranten“ (welchen? =sehr unterschiedliche Gruppen!) richtet, denen wir „Hilfe geleistet“ haben.
    Im Berliner Columbiabad und vermutlich auch im Ruhrpott kann davon aber kaum die Rede sein. Im Columbiabad sind die gelegentlichen Störer meist Türkischstämmige Deutsche und Jahrzehnte hier ansässige Araber. (Keine Flüchtlinge, jedenfalls lese ich von denen nichts in der Berichterstattung auch konservativer Medien.)

    Das Wegsehen / Ignorieren / Leugnen von Fehlverhalten diverser Sich-Links-Gebender hat mich schon immer genervt. Schon 1981 hat mich in meiner eigenen Stammkneipe ein aggressiver Typ aus Simbabwe belästigt, mir das Bier weggetrunken und mich begrapscht. Glaubst du, da hätte irgendwer Hilfe geleistet – auch als ich extra darum bat? Nix da, man wollte diesem armen marginalisierten Mitglied einer unterdrückten Gruppe keine Grenzen setzen – zu meinen Lasten, die ich mir einen anderen Tisch suchen und ein neues Bier bestellen musste. Zum Kotzen!

    Trotzdem wende ich mich immer noch gegen Sippenhaft und Pauschalisierungen. Auch wenn in zwei aufeinander folgenden Wochen jemand vor eine Bahn geschubst wird (übles Verbrechen), finde ich es nach wie vor übelste rechtsaußen-Propaganda, daraus die Forderung abzuleiten, keine Flüchtlinge mehr ins Land zu lassen oder gar alle „Ausländer“ raus zu schmeissen. Und warum ist es eine „Relativierung“, wenn man sich gegen diese „Instrumentalisierung“ wendet?

    Wie die gesamten Küsten des riesigen Europas mit all seinen Inseln mittels „Grenzschutz + Bundeswehr“ erfolgreich geschützt werden sollten, müsstest du auch erstmal zumindest skizzieren. Das schafft ja nicht mal Salvini in Italien, der zwar Schiffen die Einfahrt verbieten, aber nicht verhindern kann, dass kleine Boote anlegen.

    Wird ja auch nicht wirklich gewünscht, wer sollte denn sonst die Drecksarbeit in der Landwirtschaft unter übelsten ausbeuterischen und gesundheitsschädlichen Bedingungen leisten? https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/der-geschmack-der-freiheit

  4. „Viele Migranten“ klingt für mich eher nicht nach Pauschalisierung. Ich denke inzwischen anders über die Migration und ihre Folgen. Ich sehe, dass unser Land droht daran zu zerbrechen. Immer mehr Leute wenden sich klar dagegen, zu oft ist es feindselig. Die Ablehnung richtet sich gegen demokratische Institutionen. Wenn der Staat keine geeigneten Mittel findet, mittelfristig wirksame Maßnahmen gegen die zu finden, von denen die Unruhe ausgeht, wird die Eskalation unvermeidlich werden. Mein Traum von friedlicher Migration ist ausgeträumt.

  5. Die große Mehrheit der Flüchtlinge und Migranten IST ABER FRIEDLICH und bemüht sich, hierzulande auf einen grünen Zweig bzw. irgendwie zu einem Auskommen/Einkommen zu kommen. Das Arbeitsverbot für Asylantragssteller ist nicht gerade ein Beitrag zum sozialen Frieden, denn es schürt das Ressentiment der „Ureinwohner“ im Sinne von: Die kriegen Geld fürs Rumhängen… aber was sollen sie denn machen? Etliche werden Gras-Dealer, da kommt man leicht rein – und in großen Städten (und im öffentlich-rechlichen Krimi) ist der Konsum weitgehend anerkannt, jedenfalls nicht mehr stigmatisiert. Ist nur ein Beispiel…

    Man hätte vom Start weg gemeinnützige Arbeit (nicht Vollzeit) organisieren müssen – aber dagegen stehen ja auch wieder Linke auf, die nur „vollwertige“ Arbeitsplätze akzeptieren und alles andere als ausbeuterisch bashen. Find‘ ich falsch.

    Migration allgemein kannst du nicht rückabwickeln. Es hat sie immer gegeben und mittlerweile ist unsere Wirtschaft ohne Migranten nicht mehr lebensfähig. Pflege, Ärzte, Nahversorgung (Spätis. „Tante-Emma-Läden“), Gastronomie, Hotelliere, Verkauf – überall halten massenhaft Menschen mit Migrationshintergrund den Betrieb aufrecht. Das alles ist gelungene, friedliche Integration.

    Da ist es doch gerade NICHT zielführend, den Rechten quasi „nachzugeben“ – wobei sie ja meist gar keine wirklich realisierbaren Forderungen haben, sondern nur Emotionen schüren und Unfrieden schaffen! Wohlgemerkt: noch viel mehr und viel größeren Unfrieden, weil das erzeugte Ressentiment auch die o.g. große Mehrheit integrierter Migranten trifft – die es ja sowieso schwerer haben als „Bio-Deutsche“, wie z.B. Studien bezügl. Bewerbungen und Mietwohnungsmarkt immer wieder festgestellt haben.

    WIE soll denn der Staat „gegen diejenigen vorgehen, von denen die Unruhe ausgeht“?? Strafverfolgung funktioniert doch – und VORHER kann man nun mal nicht wissen, ob jemand demnächst eine Straftat begeht. Und wenn sich herausstellt, wie beim Bahngleis-Täter aus der Schweiz (ursprüngl. Eritrea), dass er offenbar ein Psychotiker ist, der Stimmen hört – dann kommt er am Ende in die Psychatrie, weil nicht schuldfähig. Und das ist richtig so, es wäre ja schlimm, wenn es auf die Herkunft ankäme, wie jemand verurteilt wird.

    Kurzum: Allgemein „gegen Migration“ zu sein, ist kein Standpunkt, der der Komplexität der Problematik gerecht wird. Denk nochmal drüber nach, bitte!

    1. Hallo Claudia,

      in allen Punkten stimme ich dir zu. Es gibt so viele Argumente für Migration und vor allem auch dafür, was wir alles besser und vernünftiger regeln sollten, um die Chance zu vergrößern, dass sie gelingt. Aber es gibt auch die Menschen, die nicht Migration ablehnen und das nicht nur aus falschen Gründen. Das wird in vielen Diskussionen leider nicht klar. https://dl.dropboxusercontent.com/s/1nj3pyys59r289f/2019-08-02_12h20_41.png?dl=0

      Bei den Migranten, die wir weiterhin aufnehmen, handelt es sich immer noch überwiegend um junge Männer. https://www.emma.de/artikel/frauen-freiwild-im-schwimmbad-336983 Dass vor allem junge Männer Probleme machen und wir das nicht als ein Ergebnis der Migration betrachten dürfen, wäre falsch. Das diese „Phänomene“ nachvollziehbar sind (weil es es z.B. immer junge Männer sind, von denen bestimmte Dinge eher zu erwarten sind als von älteren) ist da kein Trost.

      Vor allem macht das die Handlungen (Verbrechen) vieler dieser jungen Männer nicht besser. In Freiburg halten 11 Angeklagte und 11 Anwälte einer 18jährigen vor, sich die Gruppenverwaltigung nur ausgedacht zu haben. Und was passiert am Ende? Freispruch? Könnte ja sein, dass das Mädchen irgendwelche Männer-Pornofantasien ausleben wollte. Dabei ist es andersherum wohl viel wahrscheinlicher. Nur geht es hier nicht um Wahrscheinlichkeiten, sondern um die bittere Wahrheit.

      Ich weiß vielleicht, was du jetzt sagen wirst. Ich sollte das den Richtern und den Rechtsvertretern überlassen. Die Öffentlichkeit mischt sich in Dinge ein, die sie nicht beurteilen kann. Die öffentliche Meinung wird von Nichtwissen und Vorurteilen bestimmt. Das ist alles wahr. Wir sind anfällig für Dummheiten dieser Art und für vorschnelle Urteile.

      Hier bei uns gibt es diese Lage bisher (noch) nicht. Auch im Freibad kam es Gott sei Dank nicht zu solchen Ereignissen. Die Medien berichten allerdings ständig darüber. Es ist unmöglich, sich dem Einfluss dieser Dinge zu entziehen. Ich habe mich aus Twitter und Facebook zurückgezogen. Trotzdem erfahre ich von diesen Sachen in rascher Folge. Mich überfordert das. Deshalb wehre ich mich dagegen, so weiterzumachen. Und dass sich die Stimmung im Land derart verändert hat, kommt nicht von ungefähr und ist auch nicht nur dem Einfluss rechtsradikaler Kräfte zuzuschreiben.

  6. Sehr geehrter Herr Schulte,
    mit einer kleinen Ergänzung stimme ich in 2 Dingen mit ihnen überein:
    1. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert – nicht (NUR!) zum Guten!
    2. Es hat sich ein beängstigend intolerantes Format von Rede und Gegenrede eingestellt.

    Wie soll das weitergehen, und vor allem, wo und wie soll das enden?

    „Dass der Staat sein Gewaltmonopol offenbar nicht mehr ausüben kann wird immer deutlicher“.
    Ich denke, das hat er noch nie gekonnt, zu keiner Zeit, weil es schlicht und einfach unmöglich ist. Er konnte es nicht, als ein Eritreer einen kleinen Jungen in Frankfurt vor den Zug warf, genauso wenig, als ein deutscher Pilot 150 Menschen mit einer Germanwings in den Tod riss. Er konnte es nicht, als Anis Amri 11 Menschen in den Tod schickte, genauso wenig, als an einer Erfurter Schule 15 Menschen von einem migrationsfreien Thüringer Schüler erschossen wurden.

    Und er konnte es auch nicht, als die deutsche Autoindustrie in ihrer Skrupellosigkeit weiterhin Dreckschleudern verkaufte, die meiner bereits kranken Lunge den letzten Rest gab.

    Und er konnte es nicht und kann es auch nicht mehr, die 143 Frauen zurück ins Leben rufen, die im Rahmen häuslicher Gewalt getötet wurden, genau so wenig, wie den jährlich über 100.000 geprügelten Frauen die Schmerzen nehmen kann, oder den missbrauchten Kindern …..

    Leider hinken Vergleiche und Beispiele immer. Aber irgendwie muss ja der Versuch eines Dialoges gewagt werden. Was ich sagen möchte ist, das wir Menschen keine Engel sind und es geschehen immer sehr hässliche Dinge, die durch das staatliche Gewaltmonopol nicht auszumerzen sind. Auch wenn wir uns das wünschten.

    Ich halte es für eine gute Idee – wenn es um gesellschaftspolitische Erörterungen geht -, immer wieder mal die Frage zu stellen: Wem nützt das?

  7. Hallo Menachem,

    Vergleiche sind immer schwierig. Und die Beispiele als Argument dafür, dass das Gewaltmonopol des Staates Makulatur sein soll, sind unzutreffend. Mir geht es bei meiner Erinnerung an ein staatliches Gewaltmonopol höchstens am Rande darum, dass es Gewalt verhindern soll. Wenn Leute austicken oder anderen Menschen schaden lässt sich das durch ein Gewaltmonopol des Staates nicht verhindern. Was ich dabei im Kopf habe, ist ein konsequentes und wirkungsvolles Vorgehen gegen Randalierer im Freibad, gegen Clankrimialität und mit durchaus großen Einschränkungen um die Wirkung in den „unsicheren öffentlichen Räumen“.
    Beispiel: Wenn sich in einem Freibad 50 junge Männer mit Migrationshintergrund „daneben benehmen“, in dem sie sich hochaggressiv den Anweisungen des Aufsichtspersonals widersetzen, erkenne ich darin die Überforderung einer Ordnungsinstanz. Die Räumung kann nur durchgesetzt werden, wenn Polizei ausreichend präsent ist, weil die Aggressoren keinen Respekt haben und zumindest Gewalt androhen. Übertragen wir das als Szenario auf die Zukunft, lässt sich leicht vorstellen, was ohne ein gesellschaftlich anerkanntes und vor allem durchsetzbares Gewaltmonopol des Staates werden könnte. So stelle ich mir ein Bürgerkriegsszenarium vor. Wer schützt Bürger vor einem Mob, der gewaltbereit und dabei rücksichtslos brutal vorgeht? Ich verweise auf die von Politikern gern bestrittenen und dennoch längst zur Realität gehörenden No-Go- Area in manchen Großstädten?

    Die Entwicklung nützt nur den Menschenfeinden von der AfD oder ähnlichen rechtsextremen Gruppierungen. Die Haltung in der Bevölkerung – es nützt alles nichts – hat sich in meiner Wahrnehmung grundlegend verändert. Wir sprechen ja auch längst von einer Polarisierung der Gesellschaft.

    Jetzt gibts zwei Möglichkeiten. Entweder wir lassen es drauf ankommen und bleiben bei der Politik der offenen Grenzen und der angeblichen Willkommenspolitik (die längst ihren Nimbus durch die Verschärfung vieler Gesetze eingebüsst hat) und schauen, wie lange wir diese Belastung als Gesellschaft noch durchhalten können oder wir bewegen uns auf die zu, die vor lauter Überfremdungsangst und Sorgen um ihre persönliche Sicherheit existenzielle Nöte haben. Ich will nicht die Positionen der Rechten übernehmen. Ich halte mich an das, was Ex-Bundespräsident Gauck in seinem Buch über die Toleranz ausgeführt hat. Mir ist bewusst, wie sehr er von Linken dafür verprügelt worden ist. Ich habe Gauck in seinem Gespräch mit Lanz genau zugehört. Nur so geht es: http://bit.ly/2GHhy0e

  8. Die bestimmt interessante Sendung mit Gauck und Lanz, Herr Schulte, steht für dieses Wochenende auf meinem Programm. Danke für den link.

    Ja, es stimmt, Vergleiche und Beispiele hinken meist. Ihrem letzten Absatz stimme ich inhaltlich zu und mit Sicherheit sollte zuerst die Möglichkeit genutzt werden, sich auf die Menschen in ihren Ängsten hinzubewegen, ehe das zweite Szenario “ wir lassen es laufen und drauf ankommen“ keine hoffnungsvolle Perspektive darstellt.

  9. Wenn wir wenigstens versuchen, uns aufeinander zuzubewegen, wäre die Gefahr viel kleiner, dass wir uns (übrigens auch in anderen Fragen) als Gesellschaft auseinanderdividieren lassen. Nötig wäre, dass die verantwortlichen Institutionen in der Lage sind, den ganz normalen Sicherheitsbedürfnissen der BürgerInnen Rechnung zu tragen. Das scheint in den vergangenen Jahren nicht mehr der Fall gewesen zu sein.

  10. Nur zum Thema „No-Go-Area“ hier mal einer von vielen Artikeln, die zeigen, dass die Realität viel differenzierter ist als es oft kolportiert wird. Es geht um eine der bekanntesten (angeblichen) NoGo-Areas, nämlich Sonnenallee/Hermannplatz in Belin Neukölln:

    https://www.focus.de/politik/sicherheitsreport/sonnenallee-in-berlin-neukoelln-wie-anwohner-auf-berlins-arabischer-strasse-leben_id_10394706.html

    Man sieht, dass „der Staat“ vieles tun kann und auch tut – ganz ebenso „die Gesellschaft“ bzw. viele einzelne Akteure.

  11. Wenn selbst aus Polizeikreisen (nicht Wendt) oder vom NRW-Innenminister (Reul) klare Aussagen zu diesem Phänomen gemacht werden, bleiben wohl nicht nur bei mir Zweifel. Reul sagt, es seien über Jahrzehnte schwere Versäumnisse beim Kampf gegen Clankriminalität gemacht worden, die nun mit viel Aufwand abgeräumt werden müssten.

    Kann man sicher in NRW leben? Reul Ja. Aber es gibt Gegenden, die problematisch sind. Gibt es „No-go-Areas“? Reul Wenn sich die Menschen in einigen Stadtteilen nicht mehr auf die Straße trauen, dann ist das für die Betroffenen eine „No-go-Area“. Herbert Reul: „Ich will nicht, dass Chaoten bestimmen“

  12. Nur zur Info, der Artikel in der NZZ ging bei mir auch ohne Anmeldung auf.

    Und zur darin erwähnten „Suche nach dem Sündenbock“ frage ich mich, ist die nicht schon so alt wie die Menschheit selbst, zumindest im biblischen Sinne? „Eva“ war ihr Name.

  13. Mitunter ist das eine seltsame Sache – das mit den Anmeldungen. Vielleicht hatte ich zunächst noch den Ad-Blocker aktiviert. Das mögen manche Seiten auch nicht. Hauptsache, du konntest es lesen. Und das mit den Sündenböcken stimmt auf alle Fälle. Wir sind schon komische Wesen. Aber immerhin auch lernfähig — glaube ich.

  14. @Horst Schulte
    Kann es nicht auch sein, das über 10 Jahre gezielte, strategisch sehr kluge rechtsextremistische Propaganda „24/7“ im Internet so langsam in unser Denken sickert? Was da von Seiten der AFD & Co gelogen, gefälscht und aufgebauscht wird ist unfassbar. Und zwar täglich tausendfach auf allen Kanälen. Göbbels wäre stolz auf seine Lehrlinge.

    Unsere demokratische Öffentlichkeit hat dagegen noch kein Mittel gefunden, zumal vielen gar nicht klar zu sein scheint, wie gezielt und professionell das Internet von diesen Leuten genutzt wird.

    Thema Freibäder: Ich komme aus NRW und es scheint langsam klar zu werden, das mindestens einer der Vorfälle extrem aufgebauscht wurde. Es gibt eben z.B. auch AFD-nahe Bademeister, Polizisten, Beamte etc., die gerne vorschnell etwas behaupten. Oder Politiker, die bei jedem Vorfall sofort an „Ausländer“ denken. So wirkt Nazi-Propaganda.

    Zu den Freibädern folgende Links:
    1. Das Freibad-Narrativ. Fake Video der AFD
    2. AfD-Framing wirkt. Jugendliche waren Deutsche

    Ich bin kein Traumtänzer (hm, interessantes Wort). Natürlich gibt es massive Probleme. Bis heute verstehe ich nicht, wie Polizei und Justiz der ausufernden Clan-Kriminalität fast 20 Jahre tatenlos zugeschaut haben. Ich fass das wirklich nicht. Warum ließ man alles laufen?

    Ebenso mit vielen jugendlichen Nordafrikanern bei uns in Köln: Lange vor der Silvesternacht war das Problem mit den „Antanzen“ bekannt – und es wurde rein gar nichts ernsthaftes unternommen. Kein Wunder, wenn die Bevölkerung einen Hass bekommt. Und zwar auf „Ausländer“.

    Diese Diskussionen angesichts _historisch niedriger Kriminalitätsraten_ ist einfach nur noch grotesk und absurd. Es läuft komplett aus dem Ruder. DAS ist geschickte, jahrelange rechtsextreme Propaganda.

    DAS gefährdet den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Nicht ein paar Testosteron-gesteuerte Jugendliche und Kleinkriminelle.

    In Foren und auf Facebook lese ich so oft von Menschen, die allen Ernstes behaupten, sie würden sich – aus Angst vor Kriminalität und herumziehenden, vergewaltigend „Migrantehorden“ .- kaum vor die Tür trauen. Diese – von Rechtsextremen und Neonazis herbeigeführten – Wahnvorstellungen gefährden den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

  15. 100%ig beeinflusst die Propaganda der Rechten. Wer wird sich ihr ganz entziehen können? Auch mir kommts so vor, als seien die Rechtsextremisten in Fragen der Nutzung des Internets für ihre Zwecke allen anderen überlegen. Auch das ist wohl der penetranten Einseitigkeit geschuldet in der sie ihre Lügen verbreiten.

    Ich war nicht dabei, als in Schwimmbädern Dinge passierten. Das Düsseldorfer Rheinbad war gleich dreimal Ort von Ereignissen, die keiner von uns akzeptieren sollte. Ob es realistisch ist, dass AfD-nahe Bademeister oder Polizisten für das Bild gesorgt haben, das Migranten in ein schlechtes Licht rücken? Ich glaube das nicht, zumal ich die Pressekonferenz des Düsseldorfer OB’s (habe ich mir komplett angesehen) für sehr unglaubwürdig halte. Alle beteiligten Personen wirken recht bemüht, die Dinge herunterzuspielen. Zuerst kamen andere Aussagen, die in völligem Kontrast zu den Relativierungen stehen, die bei der PK öffentlich wurden. Dass der Polizeipräsident nicht einmal anwesend war, lässt m.E. tief blicken. Die Polizei selbst hatte in ihren Berichten nämlich von 50-60 Jugendlichen Migranten geschrieben. Das klang bei der PK plötzlich ganz anders.

    Wir sind uns ganz einig über die Folgen der behördlichen Nachlässigkeiten. Wäre schon nach Köln wirklich erfolgreich ermittelt worden und hätte die Staatsanwaltschaft gegen diesen migrantischen Terror etwas unternommen, stünden wir heute nicht an diesem Punkt.

    Dass es schreckliche Übertreibungen gibt, die gerade in den sozialen Netzwerken, die Räder der Eskalation antreiben, ist schlimm. Wir werden dagegen nur nichts tun können. Ich habe mich gestritten und bin beschimpft und beleidigt worden, weil ich fast immer für eine Seite eingestanden bin. Das ist mir leid. Deshalb habe ich FB und Twitter den Rücken gekehrt.

    Leider zeigt es sich, dass die Entwicklung eine Art Selbstläufer ist. Es gibt immer mehr Menschen, die klar bezeugen, dass sie diese Entwicklung nicht wollen und sich heute anders positionieren als vorher. Warum dieses schreckliche Verbrechen in Frankfurt, das wohl eindeutig von einem psychisch kranken Mann verübt wurde, zum zentralen Auslöser einer weiteren Eskalationsstufe wurde, verstehe ich nicht. Das wird auch etwas mit Angst und Zukunftssorgen zu tun haben. Ich bin noch längst keiner von denen, die wg. irgendwelcher Migranten nicht mehr vor die Tür gehen. Aber das wäre hier auf dem Dorf natürlich auch ziemlich blödsinnig.

    Ich habe mit meiner Mutter (86) darüber diskutiert. Sie leben in einem Städtchen wenige Kilometer von hier. Sie erzählte, dass deutsche Jugendliche auf dem Bürgersteig keinen Platz machten, während jugendliche Migranten das sehr wohl täten. Mit anderen Worten: jeder macht seine Erfahrungen mit dem „Phänomen“. Mich besorgt, dass der Teil der wohlmeinenden Menschen eindeutig zurückgeht. Ich merke an mir, wie groß die Verunsicherung darüber ist, ob wir es richtig oder vielleicht doch falsch gemacht haben. Es kann schließlich nicht immer nur um „die anderen“ gehen. Wir brauchen den Zusammenhalt der Gesellschaft. Damit ist es ohnehin nicht mehr weit her.

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