Die Bewegung „Aufstehen“ stellt für mich ein paar Tage nach dem angekündigten Abgang von Sahra Wagenknecht das ziemliche Gegenteil von dem dar, das sich viele (fast 200.000 Menschen?) erhofft hatten. Für mich war es immerhin erhellend, dass ein paar Klicks zur Anmeldung einer guten (jedenfalls gut gemeinten) Sache, noch kein revolutionärer Akt sind. Ich bin zu „fußfaul“ für so etwas!

Es gibt dennoch Hoffnung, denn es gibt nicht nur Greta Thunberg und ihre wachsende Anhängerschaft oder die Gelbwesten. Letztere sind zwar aus Gründen in Verruf geraten, aber sowas passiert in der Demokratie vor allem aber in unserer Mediengesellschaft schnell.

ZDF Moma

Was war das für ein merkwürdiger Auftritt dieser dunkelblonden Frau beim ZDF – MOMA heute Morgen oder war das etwa einstudiert? Zerrt an Dunja Hayali herum und faselt etwas von „Lügenpresse“. Ich glaube, einen Moment den sächsischen Dialekt der Dame erkannt zu haben… Aha, alles klar. Was sollte das? Wollte das ZDF seinen jovialen und souveränen Umgang mit „dem Zuschauer“ demonstrieren? Darauf kamen aufmerksamen Beobachter der deutschen Rechten sofort. Ob die eigene Schlechtigkeit das Bild, das ich mir von anderen mache, so prägend ist?

Einer von diesen Rechten schrieb in seinem Blog, das ZDF wolle mit dieser Inszenierung von den Diskussionen um das Framing-Gutachten ablenken: ❝ Eine Show, um zu zeigen, dass man auch bei Kritikern souverän zum Dialog bereit ist und die vom Skandal um das Framing-Gutachten ablenken soll? ❞ (David Berger). War es nicht die ARD, die mit diesem Framing-Mist berechtigte Kritik auf sich gezogen hat? Egal — die Rechten haben ihr Spässgen.

https://www.facebook.com/ZDFheute/videos/1216865521812909/?xts[0]=68.ARChqbRc_Xgdbs7bL1eToyEOYohlPjIVIW4sIldkLqQ63ssFSrpk_AIErZj4DPuPs3V3aAdUSYIrtOM-kIAUbzKITyyroHjT9gWHCeuH7jx-TwI1Q6aIHIklGG-LE2C5hZyZQlyqCigCuoTn8LITrGat23ts6QODS60KwlTAHevLSHxFKVqJpRTBCO7dTAuaaBUMwsNG9XQuYvmfA4eoWkdagjabXMw4WumPiHfIi3KpS1C2SYtLtj6XO74SBKQFJDjSc4dYMhYrDy8dHaPxU2cCZKfs_6ZsaER87cLRlBM24y2lx86bGIOTMls4ywpgEGInbA3nZfOvdHLXwPHnvn_P2WRCRF3J&tn=-R

Schließlich ging es mal wieder um die Lügenpresse und die hasst die rechte Brut bekanntlich bis aufs Blut.

Karneval muss man mögen

Viele beteiligten sich am diesjährigen Karnevals – Bashing. Egal, welchem politischen Lager sie angehören. Zum Teufel mit euch! Mich schmerzt es, dass die Linken in dieser Beziehung wenig vorbildhaft agierten. Für viele von denen sind Leute, die sich bedenkenlos ins karnevalistische Treiben stürzen, von vornherein für ernsthafte Diskurse disqualifiziert. Vielleicht sollten diese Verächter rheinischen Frohsinns mal einen Blick in die Geschichtsbücher werfen. Andererseits – die katholische Kirche gibt es ja auch schon lange.

Ob beim Karneval das Witzchen über Doppelnamen von Frauen oder ob Annegret Kramp – Karrenbauer (CDU – Vorsitzende) eine jahrhundertelange Tradition als Alibi für ihr von der anderen Seite als infames politisches Statement interpretiertes Witzchen über Sitzendpinkelnde „missbraucht“, die gegnerische Mannschaft ist hellwach. Plötzlich gilt ihnen die sonst mit Zähnen und Klauen verteidigte Satirefreiheit gar nichts mehr. Ja, die AfD und Pegida haben eben doch recht! Man darf eben doch nicht alles sagen! Jedenfalls dann nicht, wenn man nicht in einen ganz üblen und immer öfter entstehenden Shitstorm geraten möchte. Und wer will das schon? Gilt das eigentlich noch, dass schlechte PR trotzdem immer noch PR ist?

Man muss sich halt nicht erwischen lassen. AKK wäre dies ja beinahe noch gelungen, weil der Inhalt ihrer Büttenrede, die ja eigentlich gar keine war, erst ein paar Tage danach den richtigen Teil der empörungsbereiten Öffentlichkeit erreicht hat. Hätte sie sich doch nur nicht über das 3. bis 62. Geschlecht lustig gemacht.

Anlassarme Aufregung

Der kleinste Anlass treibt uns auf die Palme. Und immer öfter bleibt unser Missfallen nicht auf den obligatorischen Blitzableiter – Dreizeiler in einem sozialen Netzwerk beschränkt. Die Leute werden aktiv. Ich persönlich füge ein unsicheres „Leider“ an. Manche mögen die Entwicklung als Teil einer lebendigen Demokratie ansehen, mir kommt es so vor, als verlören wir uns zusehends in der postdemokratischen Ära.

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Autor

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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