«Systemversagen der offenen Gesellschaft»


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Die Sicher­heit mit der vie­le Exis­tenz und Sta­tus der AfD als mit­ur­säch­lich für den Anschlag auf die Syn­ago­ge von Hal­le aus­ge­macht haben, tei­le ich nicht. Die Grün­de dafür sind viel kom­ple­xer. Das zei­gen die sich welt­weit häu­fen­den Anschlä­ge von Rechts­ter­ro­ris­ten auf Minderheiten.

Der Anschlag von Hal­le ist die Fol­ge einer Fehl­ent­wick­lung, für die unse­re Gesell­schaft ins­ge­samt ver­ant­wort­lich ist. Es klingt so, als wol­le ich kei­nem weh tun, die Schuld auf alle Schul­tern ver­tei­len. Das wäre mir am liebs­ten. Aber ich weiß, dass das «Spiel» so nicht funk­tio­niert. Es sind schon vor allem die Instan­zen gefor­dert, die wir beauf­tragt haben und die sich dafür auch sonst zustän­dig erklären!

Nicht nur die AfD ver­dirbt das Kli­ma in unse­rem Land. Das heißt nicht, dass ich nicht auch so man­chen Prot­ago­nis­ten der Par­tei auch am liebs­ten auf den Mond schie­ßen würde.

Der «böse» Mathi­as Döpf­ner, Vor­stand des Sprin­ger – Ver­la­ges, hat es gewagt, sich mit Grün­den aus­ein­an­der­zu­set­zen, die über­haupt erst zum Auf­kom­men und inzwi­schen zur Ver­stär­kung ras­sis­ti­scher, men­schen­feind­li­cher Gesin­nung geführt haben dürf­ten. Ob er rich­tig liegt, ob er die Umge­bung tat­säch­lich 360° gescannt hat, will ich nicht beur­tei­len. Aber er hat wich­ti­ge und all­seits bekann­te Zusam­men­hän­ge aufgeführt.

Die Reak­tio­nen sind hef­tig, zu heftig.

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Döpp­ners Arti­kel bei «Welt – Online» steckt hin­ter der Bezahl­schran­ke. Ste­fan Nig­ge­mei­er sei Dank konn­te ich ihn lesen (sie­he Tweet).

Statt sich dar­auf zu beschrän­ken, das Selbst­ver­ständ­li­che zum 1000. Mal zu wie­der­ho­len und wie­der nur «Weh­ret den Anfän­gen» zu rufen, geht Döpf­ner in die Tiefe. 

Das nimmt ihm bestimmt nicht nur Nig­ge­mei­er übel. Er stellt in einem Tweet die Fra­ge, ob jemand wie Döpf­ner unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen, Prä­si­dent der Zei­tungs­ver­le­ger sein sollte.

Kei­ner der von Döpf­ner ange­führ­ten Vor­fäl­le war mir unbe­kannt! So viel zu sei­nem Vor­wurf, dass die Medi­en dar­über nicht berich­tet hät­ten. Alle Fäl­le wur­den in unse­ren Medi­en behan­delt und in die eine wie in die ande­re Rich­tung instrumentalisiert. 

Ich glau­be, es ist wahr, dass in unse­rem Land (über ande­re kann ich nichts sagen) nicht die not­wen­di­gen Kon­se­quen­zen gezo­gen wur­den. Viel­leicht woll­te man kei­nem weh­tun, viel­leicht auch nur nicht sich selbst? Es scheint beque­mer zu sein, schreck­li­che Ver­bre­chen zu Ein­zel­fäl­len zu erklä­ren, als dar­aus die not­wen­di­gen Schlüs­se zu zie­hen. Die poli­ti­cal cor­rect­ness ist über­trie­ben wor­den. Das sehen immer mehr Men­schen so, ohne dass sie des­halb der Mei­nung wären, alle Rück­sicht auf ande­re Men­schen dafür auf­ge­ben zu sollen. 

Jede Bür­ge­rin, jeder Bür­ger liest, sieht oder hört von die­sen Din­gen und ver­fügt über die Fähig­keit zu erken­nen, wel­che Schlüs­se rich­tig und wel­che falsch sind. 

Ich begrü­ße Döpf­ners kla­res State­ment sehr. Der Text ist wahr­haf­tig, und es war gut und rich­tig, für ihn die ers­te Sei­te der Welt «frei­zu­räu­men».

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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4 Gedanken zu „<span class="dquo">«</span>Systemversagen der offenen Gesellschaft»“

  1. Vie­les von dem, was Döpf­ner schreibt, dürf­te rich­tig sein. Sei­ne Erkennt­nis­se der Ursa­chen und vie­le der Schluss­fol­ge­run­gen tei­le ich gro­ßen­teils nicht. Am Ende appel­liert er auch an die jun­gen Genera­tio­nen, sich ent­spre­chend zu engagieren.

    Ein guter Anfang für jun­ge Men­schen dürf­te unbe­dingt sein, dass sie kei­nes­falls (min­des­tens) die­ses eine all­zu bekann­te bloß schein­ba­re Pres­se­or­gan kau­fen oder gar lesen, dem Döpf­ner größ­ten­teils sein täg­li­ches Brot verdankt.

    Denn dort, in die­sem einen Blatt, beginnt seit Jahr­zehn­ten sys­te­ma­tisch Hass, Aus­gren­zung, Frem­den­feind­lich­keit, Sozi­al­neid, Eli­ten­neid – beginnt mit­hin der reak­tio­nä­re poli­ti­sche Kampf gegen die offe­ne Gesellschaft.

    Ich traue Herrn Döpf­ner, sei­nen Absich­ten und Zie­len, nicht.

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  2. Ich wür­de auch nicht behaup­ten, dass ich Döpf­ner traue. Noch viel weni­ger mag ich Bild. Selbst die Welt ist nicht mein bevor­zug­tes Medi­um 🙂 Aller­dings spricht er in sei­nem Bei­trag eben genau die Din­ge an, die in Deutsch­land ganz sicher nicht rich­tig ange­fasst wor­den sind. Bis heu­te. Dass all dies auch den Nähr­bo­den für rech­te Fana­ti­ker bie­tet, soll­te nor­ma­ler­wei­se Kon­sens sein. Aber lei­der gibt es kei­nen Kon­sens. Wir spre­chen lie­ber von einer pola­ri­sier­ten Gesell­schaft, als zu erken­nen, dass Lösun­gen immer vor­aus­set­zen, die Rea­li­tä­ten wahrzunehmen.

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  3. Da hast du sicher recht.

    Ich erwar­te jetzt von Döpf­ner, dass er als Ver­lags­chef sei­nen Blät­tern eine Rich­tung vor­gibt, die geeig­net ist, sei­ne genann­ten Kri­tik­punk­te sach­lich und begrün­det auf­zu­ar­bei­ten und kon­sens­fä­hig der Gesell­schaft zu ver­mit­teln. Und kon­sens­fä­hi­ge Lösungs­mög­lich­kei­ten auf­zu­zei­gen. Frei vom übli­chen Alar­mis­mus und per­ma­nen­ter Angst­ma­che, frei von der Bedie­nung von Vor­ur­tei­len und Res­sen­ti­ments aller Art. Reich­wei­te genug hat er dazu ja – aber lei­der haben sei­ne Blät­ter die­se bis­her immer rück­sichts­los missbraucht.

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