Erft

Im Wirtschaftsteil des Kölner Stadt-Anzeigers wurde heute vom beabsichtigten Verkauf der Real-Märkte an eine Investoren-Gruppe berichtet. Man weiß, dass die Metro die Verbrauchermärkte schon seit Jahren loswerden möchte.

Wenn der Deal zustande kommt, sollen die Real-Märkte zum Teil durch Edeka-Lebensmittel-Märkte ersetzt werden.

Es ist leider davon auszugehen, dass es auch Schließungen von Real Märkten geben wird. Die Schwierigkeiten, die die Metro mit den großflächigen Verbrauchermärkten hat, liegen in der mangelhaften Kundenfrequenz und den generierten Umsätzen im Verhältnis zu den enormen Verkaufsflächen. Fortgesetzte hohe Millionenverluste belasten längst auch das Metro-Ergebnis.

Anderseits ist es kein Geheimnis, dass die Probleme der Real Märkte hausgemacht sind. Branchenkenner reden davon, dass die Metro ihren Sprössling zu stiefmütterlich behandelt hätte.

Alle Zeichen stehen auf Verkauf. Und das nicht erst, wie es im Artikel des Stadt-Anzeiger heißt, seit diesem Jahr. Das Immobilienkonsortium Redos ist wieder im Spiel, nachdem die Verhandlungen zunächst gescheitert waren und mit einem anderen Investor verhandelt wurde.

An Redos ist unter anderem die Immobiliensparte der US-Bank Morgen Stanley beteiligt. Es ist geplant, dass die Übernahme der Verbrauchermarkt – Kette sukzessive erfolgt und die Metro eine Minderheitsbeteiligung von 24,9 % behalten wird. Im Artikel ist erwähnt, dass bei eventuellen Standortabgaben (Weiterverkäufen) die Mitarbeiter übernommen werden sollen. In größeren Standorten plant man weitere Geschäft aufzunehmen. Edeka soll 80 bis 100 Filialen übernehmen.

Womit wir bei Bedburg wären.

Die Planung für den Umbau rund um den ehemaligen Toom-Marktes sieht die Ansiedlung eines Edeka-Marktes vor. Man kann sich an zehn Fingern ausrechnen, dass diese Tatsache zur Folge haben dürfte, dass der Real-Markt in Bedburg zu den Märkten gehört, die geschlossen werden. Vielleicht übernimmt den Bedburger Markt die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), so dass zumindest noch eine Chance auf den Erhalt dieser Arbeitsplätze bestehen würde.

Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass zwei so nahe beieinander liegende Konkurrenten in diesem hart umkämpften Wettbewerb lukrativ sein würden. Schließlich hat Rewe damals auch deshalb den Markt im Zentrum Bedburgs geschlossen, weil der Wettbewerber Real sich bereits ankündigte. Ich denke, dass ich mit dieser Aussage die damalige Entscheidung nicht überinterpretiere.

Jedenfalls ist allzu viel Zuversicht bezüglich eines möglichen Erhalts des Real-Marktes für meine Begriffe nicht angebracht. NRW-Wirtschaftsminister Pinkwarts, FDP, optimistischen Worten würde ich nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Er gibt hier Allgemeinplätze von sich, die rein gar nichts daran ändern, dass eine bisher offene Zahl von Filialen geschlossen werden. Die Metro übernimmt die Kosten für die Sozialpläne. Das zeigt, wie prekär die Situation in Wirklichkeit ist.

Bei Real sind heute noch 34.000 Menschen beschäftigt.

Trauerspiel für Bedburg

Die Landes- und Kommunalpolitik sollten angesichts des unausweichlichen Strukturwandels kreativ und engagiert arbeiten. Von unserem agilen und beliebten Bürgermeister, Sascha Solbach, darf man das bestimmt behaupten. Allerdings hat an diesem Mittwoch ein Termin stattgefunden, der viele Bedburg betrüben dürfte.

Der Unternehmer Bernd Reuter wird nicht nach Bedburg kommen. Die bereits gekaufte Fläche im Gewerbegebiet „Mühlenerft“ in der Größenordnung von 120.000 Quadratmetern wird nicht benötigt und wurde deshalb am Mittwoch an die Stadt Bedburg zurückverkauft.

Ein Logistikzentrum, ein Internethandel und eine 5000 Quadratmeter große Ausstellung mit Bädern und Sanitäreinrichtungen kommen nicht nach Bedburg!

Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung (was für eine geile Zusammenstellung) hatte gemeinsam mit der Bezirksregierung in Köln etwas gegen dieses Projekt. Die Entscheidung dieser Behörden hat zwei Jahre Zeit in Anspruch genommen. Die Begründung für die nun ausbleibende Genehmigung und den Rückzug des Unternehmens ist, dass zentrenrelevante Sortimente geschützt bleiben sollen. Das klingt sperrig.

Es soll wohl bedeuten, dass der stationäre Handel mit diesen Produkten den Schutz des Staates so dringend benötigt, dass man Wettbewerber dieser Größenordnung und dieses Kalibers nicht zulassen wollte.

Und das geschieht in einer Region, die, wir wir alle wissen, vor großen Umbrüchen steht und die dringend auf neue Arbeitsplätze angewiesen ist. Zwar noch nicht jetzt und sofort aber in absehbarer Zeit.

Es ist bestimmt so, dass unsere Leute sich in den Gesprächen mit den Entscheidern für das Projekt ins Zeug gelegt haben. Leider hat das nicht geholfen.

Der Wettbewerb sollte geschützt werden. Hoffen wir mal, dass die Baumärkte und Sanitärhändler in unserer Umgebung das auch zu schätzen wissen.

Für sich genommen halte ich es für ebenso ärgerlich wie bezeichnend, dass Behörden sich für derart wichtige Entscheidungen zwei Jahre Zeit lassen.

Dass Bürgermeister Sascha Solbach das Grundstück zu einem sehr fairen Preis von Herrn Breuer zurückkaufen konnte, ist leider nur ein schwacher Trost.

Es sollten 400 neue Arbeitsplätze entstehen. Die fehlen zunächst einmal und was bei Real passiert, ist auch noch offen. Wer weiß, was mit den Unternehmen wird, die unmittelbar am Real ansässig sind und die vermutlich doch von dessen Präsenz – Frequenz her oder hin – wohl profitiert haben dürften?