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Von peinlichen, kurzgeschorenen Rasen und Gärten des Grauens

Timo Rieg schreibt bei Heise: „Kurzgeschorene Rasen müssen peinlich werden“. Man erkennt die Analogie. Alles mögliche soll irgendwie peinlich werden, damit wir den Klimawandel und mögliche Folgen kurz vor Schluss aufhalten.

Die Deutschen wieder mal im Alleingang. Es heißt, nirgendwo sonst ist man wegen der „guten Sache“ so leicht dabei, auf Mitbürger*innen loszugehen. Zu gern bauen sie ihren Pranger auf dem virtuellen Marktplatz auf.

Urlaubs,- Flug- und Schiffsreisen, übermäßiges Autofahren, Stadtverkehr sowieso, Fleischverzehr, die Verwendung von Nespresso Kapseln (eigentlich alles von Nestle) und vieles mehr soll geächtet werden. Manche gehen soweit, dass sie Geburten wegen der hohen Umweltbelastung dazu zählen. Bestimmt nur ein blöder Fake der üblichen Verdächtigen von rechts.

Ich wäre nicht darauf gekommen, dass selbst ein gepflegter Rasen zu den anprangerbaren Peinlichkeiten zählen könnte. Gott sei Dank haben wir sendungsbewusste Journalisten, denen selbst die „Gärten des Grauens“ nicht entgehen.

Hier auf’m Dorf lebt es sich entspannt. Hier findet man selten einen mit Granulat zugeschütteten Vorgarten. Es gab einen, der, wie ich mit Freude registriert hatte, nur wenige Monate später wieder renaturiert war.

Wer weiß, vielleicht hatte Timo Riegs Wunsch aufgrund der dörflich-spießigen Atmosphäre schon Früchte getragen. Wer möchte sich hier auf’m Dorf schon nachsagen lassen, er habe keinen Sinn für Naturschutz?

Ich laufe viel durch unser Dorf und fotografiere, was das Zeug hält. Was mir bei diesen Exkursionen oft durch den Kopf geht, ist, wie liebe- und hingebungsvoll die Leute ihre Gärten und Vorgärten pflegen. Ja, darunter befinden sich kurzgeschorene Rasen. Na und?

Wahrscheinlich sind wir nun schon soweit, dass dies zu den Umweltfreveln gehört, die aus einem grünen Verbotsverständnis heraus, zuerst einmal angeprangert und schließlich verboten werden sollen.

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Von Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

10 Antworten auf „Von peinlichen, kurzgeschorenen Rasen und Gärten des Grauens“

Ich habe zwar ein MacBook Pro aber damit schreibe ich noch weniger Kommentare als mit meinem Windows – PC. Insofern kann ich das echt nur schwer nachvollziehen. Eigentlich dürfte es ja nicht sein. 💔

Wenn es dem Herrn Rieg nicht tatsächlich ernst wäre mit seiner Meinung, könnte man glatt drüber lachen. Aber leider ist dieser Mann mit seiner Meinung nicht alleine. Während Städte und Kommunen Grünflächen zupflastern und im Gegenzug mit fragwürdigen Maßnahmen versuchen, der Umwelt etwas Gutes zu tun, sollen nun den Bürgern auch in ihrem privaten Lebensraum wie z.B. den Gärten vorgeschrieben werden, was sie zu tun und zu lassen haben.
Willkommen in Deutschland 2019! Der Grüne Wahnsinn ist im vollen Gange

Ich finde, du machst es dir mit diesem Artikel-Bashing zu einfach – und folgst dem Trend, vor allem auf Überschriften zu reagieren (die in aller Regel überspitzt und besonders provozierend formuliert werden – oft nicht mal vom Autor selbst).

Der von dir kritisierte Artikel ist kein bloßes Rasen-Bashing, wie dein Kommentar nahe legt, sondern ein langer Text mit vielen Beispielen und Argumenten – darunter auch:

„Kurz gehaltener Rasen ist nur dort sinnvoll, wo er stark vom Menschen strapaziert werden soll, etwa als explizite und viel genutzte Liegewiese. “

Der ganze Kampf gegen jedes Gänseblümchen und jeden Löwenszahn ist doch tatsächlich ziemlich absurd. Das mag in Eurem Dorf selten sein, aber in Städten und sogar Kleingartenanlagen ist es durchaus geübte Praxis. Nicht nur wird so Artenvielfalt unterbunden, so ein Rasen zieht auch jede Menge Konsum nach sich – Gerätschaften, Zuschlagstoffe, besondere Düngungen etc.

Ganz blödsinnig finde ich die vom Autor angeprangerte „Pflege“ des Stadtgrüns. Saisonpflanzen rein und wieder raus, mancherorts dreimal im Jahr (je nach „Niveau“ des Stadtteils). Ist es ein Stadtteil mit geringem Pflegeniveau, wird dennoch Rasen angelegt oder sogar gepflastert (diese Streifen zwischen Fahrbahnen) – anstatt dass man versucht, dort dauerhafte Blühstreifen mit Wildstauden anzulegen.

Und sonst: in meiner Tätigkeit als Auftragsschreiberin beschreibe ich oft (Garten-)Grundstücke, die mir vorgegeben werden. Da treffe ich oft auf die modernen „Gärten des Grauens“ voller Gabionen und Kiesbeeten, auf denen nichts wächst außer einer plakativen Agave, oder so.

Einerseits finden die Leute den drastischen Insektenschwund bedenklich, andrerseits ändert sich das „Bekämpfungsverhalten“ gegen alles, was so kreucht und fleucht (mittlerweile außer Bienen) und „ungeordnet“ wächst, nur sehr sehr langsam – die Jüngeren sind „naturnäher“ drauf, immerhin.

Aber nochmal, ganz abseits des Themas Rasen/Garten/Natur etc.: Ich finde es höchst bedenklich, wenn man den postmodern-regressiven Trend mitbedient, der nurmehr über Gefühle und Moral, Betroffenheit und Befindlichkeit agiert und rationale Debatten mit Argumenten gar nicht mehr mitmacht. Das tut diese Headline, das machst du aber auch, indem du NUR auf sie eingehst und die Argumente im Artikel gar nicht zur Kenntnis nimmst.

Rein gefühlig sind auch diese Verallgemeinerungen:

„Urlaubs,- Flug- und Schiffsreisen, übermäßiges Autofahren, Stadtverkehr sowieso, Fleischverzehr, die Verwendung von Nespresso Kapseln (eigentlich alles von Nestle) und vieles mehr soll geächtet werden.“

Sag an: Wie soll es anders funktionieren, den Ressourcenverbrauch zu senken, wenn rationale Argumente den Individuen am Arsch vorbei gehen? Das Rauchen ging zurück aufgrund von Ächtung und Verboten – obwohl schon lange zuvor die Gesundheitsschädlichkeit bekannt war.
Gegen die Anschnallpflicht gab es trotz vieler Unfalltoter erheblichen Widerstand – und hätte man den Kauf FCKW-freier Kühlschränke dem individuellen Lifestyle überlassen, wäre das Ozonloch nicht kleiner geworden.

Tja, wie du siehst, inspirierst du mich zu längeren Einlassungen! 🙂

Hallo Claudia, ich habe den Artikel ganz gelesen. Aber du hast trotzdem recht: der Titel kam mir gelegen, um dieses kurze Statement vom Stapel zu lassen. Ich übernehme hier mal die Position des Reaktionären. Und warum mache ich das? Weil mir die Übertreibungen der letzten Zeit (doch, ausgerechnet ich sag das!🤷‍♂️ unsympathisch und zu oft auch bevormundend sind. Der Artikel „Heise“ – Artikel beschreibt ja nicht nur gewisse Zustände (die es, wie ich von dir höre, in Großstädten häufiger gibt), sondern fordert durch seine Beschreibung der aktuellen Zustände ja explizit zur Gegenwehr auf.

Eine zweite Seite ist, dass der Autor auf Missstände in einem durchaus interessanten und faktenreichen Artikel hinweist. Aber die Botschaft, die grüne Botschaft, bleibt und offen gestanden nervt mich das inzwischen.

„Die grüne Botschaft“ ist doch tatsächlich schwer angesagt angesichts der Lage in Sachen Klima, Ressourcenverbrauch, etc. Oder meinst du, das wäre alles überflüssig und wir sollten einfach so weiter machen wie bisher? Nach uns die Sintflut….

Nix für ungut, ich finde grade deine Art, die inneren Widersprüche auszudrücken, voll ok. Auch das Genervt-Sein ist ok – solange du deshalb nicht AFD wählst! 🙂

Es wäre aber interessant, dem „genervt sein“ nachzuspüren bzw. nachzudenken. Es kann doch noch immer jeder selbst entscheiden, ob Gabionen & Kies, viel Fleisch, viele Flüge – oder nicht.

Ich denke, das „genervt sein“ kommt aus einem innern Double Bind: eigentlich findet man die Ansagen richtig, aber hey, es schmeckt halt gut, Kies braucht weniger Pflege und mal in den Urlaub fliegen möchte man nicht missen (sind jetzt nur Beispiele…).

In der spirituellen Psychologie (ich nenn‘ das jetzt mal so, weiß nicht, ob das offiziell so heißt) gibt es die sog. „Schattenintegration“. Das meint die Erkenntnis, dass wir definitiv nicht immer „bei den Guten“ sind, sondern auch die andere Seite in uns tragen: den Schatten, das Widerständige, Unvernüftige, klassisch das „Sündhafte“ bzw. „Böse“.

Üblicherweise glaubt mensch sehr lange, selbst immer nur gut zu sein – alles Falsche, alle Fehltritte und „Sünden“ sind den Umständen geschuldet…

Schattenintegration bedeutet: einsehen, auch ich bin DAS, auch ich bin SO. Und damit seinen Frieden zu machen.

Das heißt nicht, die Bemühungen komplett aufzugeben, das Gute und Richtige im eigenen Leben zu verwirklichen (=nach mir die Sintflut). Aber es bedeutet, gegenüber dem eigenen SoSein nachsichtig zu sein: Ok, ich kann und will nicht hundertprozentig „die grüne Botschaft“ leben… aber hier und da, wo ich kann, da mach ich es! Und ansonsten mach ich mir keine Vorwürfe und bin auch nicht GENERVT wegen gefühlter Vorwürfe anderer. (Die sind nämlich auch nicht anders).

Lieben Gruß!

Hoffe mal, meine Abweichung ins Psychologische hat jetzt nicht zu sehr genervt! 🙂

Hallo Claudia,

egal, wie diese Psychologie auch heißt, ich verstehe die Aussage und finde sie gut. Bei mir kommt wohl eine Komponente dazu. Ich habe das dieser Tage hier irgendwo aufgeschrieben. Viele Menschen wissen wenigstens im Unterbewusstsein, dass wir frevelhaft mit unseren Ressourcen umgegangen sind und das dringend ändern müssten. Die damit verbundenen Risiken und Einschnitte sind aber so groß, dass viele sich gar nicht trauen, sich damit ernsthafter zu befassen. Das löst Aversionen aus. Vor allem gegen diejenigen, die in dieser Hinsicht einen klaren Kurs fahren.

Dass ich die AfD niemals wählen werde, muss ich nicht extra erzählen – oder? Übrigens habe ich gestern Abend bei Markus Lanz einen Joachim Gauck erlebt, der mich sehr beeindruckt hat. Meine Frau ebenfalls. Er hat ausführlich erläutert, was er mit seinem (leider) umstrittenen Buch über mehr Toleranz gemeint hat. Ich bin gespannt, wie die Resonanz auf die Sendung ist.

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