Die naheliegendste Erklärung dafür, dass Qualitätsfehler zunehmen, ist simple Mathematik: es gibt immer mehr Produkte. Die irrwitzigen Zahlen von Ver- und Gebrauchsartikeln, die uns von der Werbeindustrie aufgedrängt werden, führt zwangsläufig zu mehr Fehlern.

Und von Fehlleistungen dieser Art leben wiederum viele ganz gut, beispielsweise Journalisten, die sich nicht nur mit Artikeln über Fehler beschäftigt sind, sondern auch TV-Sendungen, die die Qualität und Seriosität von Produkten und Dienstleistungen unter die Lupe nehmen. Dass ich manchmal das Gefühl habe, dass eine regelrechte Konjunktur von Fehlerberichterstattungen existiert, mag übertrieben sein.

Ich mag es zum Beispiel nicht, wenn von TV-Sendern Computer- oder TV-Techniker „nach Hause“ bestellt werden, um diesen genüsslich nachzuweisen, dass diese bei der Diagnose, beim Kostenvoranschlag oder der Reparatur Fehler gemacht haben. Fehler, die naturgemäß immer zu Lasten der Kundschaft gehen. Da liegt es nahe, dass die Zuschauer den Eindruck gewinnen, dass die Auftraggeber mit Vorsatz betrogen werden sollten. Sicher, ich finde es auch nicht in Ordnung, dass es schwarze Schafe gibt. Aber oft wird der Eindruck vermittelt, als seien wir nur noch von Betrügern umgeben.

Auto fängt mit A an und hört mit O auf

Sicher fällt bei diesem Thema nicht nur mir sofort der VW-Abgasskandal ein. So ein bisschen habe ich immer noch den Eindruck, dass wir froh darüber sein müssen, dass diese Ungeheuerlichkeit überhaupt das Licht der Sonne erblickt hat. Das hiesige unsägliche Zusammenspiel von Autoindustrie und Politik ist ebenso unfassbar wie es für die Betroffenen teuer und ärgerlich ist. Außerdem lässt dieser Skandal viele Bürgerinnen und Bürger an der Rechtsstaatlichkeit zweifeln. (Link: Rückruf-Statistik: Die Überlegenheit deutscher Autos erweist sich als Märchen – WELT)

❝ Die Zahl der öffentlichen Lebensmittelwarnungen ist weiter gestiegen. Im Jahr 2017 warnten die Behörden in Deutschland auf dem staatlichen Internetportal lebensmittelwarnung.de 161 Mal vor Lebensmitteln – das ist noch einmal rund zehn Prozent häufiger als im Jahr 2016 (147 Einträge auf lebensmittelwarnung.de). Vor fünf Jahren war die Zahl der Meldungen gerade einmal halb so hoch (2012: 83 Einträge), wie eine Auswertung aller Meldungen auf lebensmittelwarnung.de durch foodwatch ergab. ❞ Quelle

Info: Zahl der Lebensmittel-Rückrufe ist um 50 Prozent gestiegen | wp.de | Wirtschaft

Industrielle Fertigung mit langen Lieferketten

Im verlinkten Artikel wird klargestellt, wieso es zu dieser dramatischen Erhöhung der Rückrufe gekommen ist.

Allerdings sind auch die Rückrufe bei anderen Produkten nicht gerade von Pappe.

Selbsterstellt mit Daten des Stat.-Bundesamtes 2017

Mehr Produktrückrufe

Die Zunahme von Produktrückrufen soll auch mit der weltweit zunehmenden Produkt-Piraterie zu tun haben. Es fällt wegen langer Lieferketten nicht so schnell auf. Komplexe Lieferketten sind für zahllose Produkte heutzutage ganz normal.

Viele Firmen verlieren den Überblick, woher die Teile in ihren Produkten stammen. Das habe einen besorgniserregenden Effekt, sagt Jörg Bertogg, Leiter des Grosskundengeschäfts bei der Zurich-Versicherung: Man stelle fest, dass Piraterie ein zunehmendes Problem ist. (Quelle)

Wenn sich zu solchen Qualitätsproblemen, die ich als Armutszeugnis für die Qualitätssicherungen unserer Markenhersteller empfinde, das Risiko gesellt, dass übertriebene Reduktionen nicht bezahlter Mehrwerte erfolgen oder Sollbruchstellen fester Bestandteil der Kostenkalkulation sind, läuft das weiterhin aus dem Ruder. Die verlängerten Werkbänke und Lieferketten sind für die Unternehmen vor allem Kostensenkungsmaßnahmen. Qualitative Maßstäbe spielen keine Rolle. Auch dann nicht, wenn es sich um so genannte Markenprodukte handelt. Wenn wir das erst einmal richtig kapiert haben, sind die Marken Vergangenheit. Aber das dauert offenbar.

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Autor

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

2 Kommentare

  1. Ich glaube aber auch, dass die Hersteller viel zu wenig in Endkontrolle investieren. Außer bei Diesel-Autos. Da ist reine Geldmacherei daran Schuld.
    LG
    Sabienes

  2. Money is the name of the game. Die Gründe kennen wir. Dass dadurch Kunden flöten gehen, scheint die Damen und Herren nur peripher zu tangieren. :-/

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