Wenn zwei sich mögen

Henryk M. Broder hat sich mit Alice Weidel, AfD, fotografieren lassen – in der anheimelnden Atmosphäre des Deutschen Bundestages.

Dazu gibts eine Menge Meinungen. Es scheint so, als sei das Foto ein „gefundenes Fressen“ für alle, nicht nur für Gegner der AfD. Jürgen Braun, AfD-MdB, lässt es sich nicht nehmen, das Foto auf seiner FB-Seite zu posten. Geschmackvollerweise sehen AfDler die positive Parallele zu Charlotte Knoblochs kritischer Ansage an die Partei. Weidel durfte einen Juden drücken und alles ist wieder gut. Der letzte Satz stammt nicht von mir, ich habe ihn irgendwo gelesen.

Alan Posener kommentiert dort zurückhaltend:

Übergriffig? Ja, das kann man sagen, weil es tatsächlich ein bisschen so wirkt, als würde sich der arme Hendryk M. Broder nur widerwillig für AfD-Propaganda missbrauchen lassen. (Update -30.1., 21:00 Uhr- : Eben las ich, dass Broder das Foto im Nachhinein selbst für keine gute Idee gehalten hat). Er wird allerdings mit seinem ausgeprägten Sinn für die Provokation derjenigen, die politisch immer was zu mäkeln haben, eine ganz andere Geschichte zum Besten geben.

Neutrale Haltung des Journalisten

Broders Kolumnen sind voller Kritik an der deutschen Politik und für meinen Geschmack zu oft gegen uns Deutsche im Ganzen. Unsere Vernunft, unsere Haltung zu sehr vielen gesellschaftlichen und politischen Fragen, lassen sich vom Intellekt dieses Zynikers kaum mehr bewältigen. Zu blöd sind wir. Seine Sympathie für die von der AfD vertretenen Positionen verbirgt er nicht, was ihm regelmäßig hohe Zustimmungswerte bei „Welt“-Lesern beschert. Aber das wundert mich persönlich nicht. Dort tummeln sich fast nur noch Leute in den Kommentarspalten, mit denen ich nichts anzufangen weiß – vorsichtig ausgedrückt.

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Melden macht frei!

Broder und auch Tichy haben es sich in ihrer Meinungsbeiträgen bequem eingerichtet, werden aber ihrerseits nie müde, deutschen Journalisten Einseitigkeit und Parteilichkeit zu attestieren. Dafür erhalten sie, was Wunder?, uneingeschränkte Zustimmung aller der AfD Nahestehenden. Viele der eher rechten Medien-Kritiker übersehen geflissentlich, dass es neutrale und regierungskritische Artikel in der deutschen Presse gibt. Man muss dafür nicht die NZZ und andere ausländische Zeitungen lesen, wie es häufig von AfD – Anhängern behauptet wird.

Jedenfalls ist die AfD verständlicherweise sehr angetan von der anheimelnden Szene, die da im Foto festgehalten wurde, während andere dann doch eher ihre Bedenken anmelden:

Shapiras Hinweis finde ich sauwitzig. Auch, wenn er nicht ganz den Punkt trifft. Weidel hat nämlich (noch) kein Hausverbot in Buchenwald. Das legt Shapiras Hinweis auf einen der Fraktionsvorsitzenden der AfD allerdings nahe. Falsch ist es aber auch nicht, weil „Bernd“ Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD im thüringischen Landtag, dort seit 2007 Besuchsverbot hat. Es passt also, wenn auch nicht auf Weidel.

Einen Streit um kritische AfD-Aussagen über Buchenwald gab es erst gerade wieder. Die thüringische AfD-Fraktion war nicht willkommen bei einer Gedenkfeier. Bei einem Besuch des KZ – Sachsenhausen waren Leute aus Weidels Wahlkreis „unangenehm aufgefallen“. Das macht deutlich, in welcher Tradition sich diese Leute teilweise agieren.

Dass AfD-Leute diese für die Nachwelt herzigen Szene zwischen Broder und Weidel in ihrem schaurigen und abscheulichen Krieg gegen Charlotte Knobloch benutzen, passt ins Bild.

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Subversive Kräfte in den ÖR gefunden

Die AfD und ihre Anhänger fühlen sich wie immer ungerecht behandelt. Wer schon mal einen Blick ins Verfassungsschutzpapier geworfen haben sollte, wird darin viel Schmutz und Unverschämtheiten finden, mit dem Mitglieder und Führung der Partei in den letzten Jahren um sich geworfen haben. Die AfD, die nachweislich die größte Schuld daran trägt, dass das gesellschaftliche Klima in unserem Land schlecht wie noch nie seit dem 2. Weltkrieg ist, führt die eigenen Rechtfertigungsversuche ad absurdum, wenn sie mit Knoblochs offenen und kritischen Worten so umgeht.

Schließlich ist das doch die AfD, die stets für sich reklamiert hat, dass man „gewisse“ Dinge in Deutschland sagen dürfen müsse.

Die Repräsentanten welcher Partei waren es doch gleich, die die political correctness auf den Müllhaufen der Geschichte wünschten?

Wie die rechtsextreme Partei Frau Knoblochs zutreffende Beschreibung im bayerischen Landtag anlässlich der Holocaust-Gedenkstunde „beantwortet“ hat und die mutmaßlichen Anhänger der Partei Frau Knobloch drangsalieren, ist einfach ungeheuerlich!

Noch ein Hinweis – der Vollständigkeit halber: Es ist wahr, dass mit den muslimischen Asylbewerbern der Antisemitismus in Deutschland zugenommen hat. Es kann aber nicht sein, dass die AfD vor dem Hintergrund dieser Situation die Antisemiten in ihren Reihe ungebremst wirken lässt. Diese Menschen gehören, wie es jahrzehntelange Praxis in unserer Gesellschaft war, mit allen politischen Mitteln bekämpft.

Was Frau Knobloch passiert ist, dürfen wir in unserem Land nicht dulden.

Update: Die Rede von Broder vor der AfD-Fraktion ist insofern bemerkenswert, als sie meine Erwartungen noch übertrifft. Aber in negativer Hinsicht. Link.  Wie war das gleich mit den alten, weißen Männern? Ich darf mich über sowas einfach nicht mehr aufregen. Es gibt sie tatsächlich!





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