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Klimawandel

Wer die Oma „Umweltsau“ nennt, hat sein Recht auf Satirefreiheit verwirkt

Ob Kurt Tucholsky das alles wirklich so gemeint hatte?
Wie mag er über seine Großmutter gedacht oder geschrieben haben?

Der WDR hat die Neuauflage des Liedes »Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad« veröffentlicht. Für einen Dortmunder Kinderchor wurde der Text zeitgemäß angepasst. Eine Liedzeile daraus gefällig? Bitte sehr.

„Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad
Das sind tausend Liter Super jeden Monat
Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“
Noch andere Umwelt-Sünden werden in dem neuen Text aufgegriffen. So fährt die Oma etwa auch mit ihrem SUV beim Arzt vor und „überfährt dabei zwei Opis mit Rollator“. Zudem brät sich die fiktive Oma „jeden Tag ein Kotelett“ und das einfach nur, „weil Discounter-Fleisch so gut wie gar nix kostet“.

Was mich als geübtem Leser solcher Witzigkeiten gleich an den FFF – Tweet erinnert, der kurz vor Weihnachten für Furore gesorgt hat: ❝ Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei. ❞

Immerhin zeigten sich die Verantwortlichen einsichtig: ❝ Wir möchten uns aufrichtig bei allen entschuldigen, die sich durch unseren satirisch gemeinten Tweet heute Morgen verletzt gefühlt haben. ❞

Zu den mächtigen Streitern für das Gute in Sachen Klimaschutz ist auch der WDR zu zählen. Der Sender hat über Hambach völlig einseitig berichtet und ist auch weiter an der Klimafront dabei.

Dieser Text macht deutlich, wie weit die Propaganda-Tricks des öffentlich-rechtliches Sender gehen. »Botschafter für Klimagerechtigkeit…« nennt der WDR das.

Link zur WDR – Website

Für mich klingt das ein bisschen zu sehr nach Umerziehung.

Meine Gedanken wanderten jedenfalls zu den Auseinandersetzungen um den UN – Flüchtlingspakt. So lange ist es nicht her und auch bei dem Thema gab es welche, die zu Papier gebrachten Absichten als den Versuch bezeichneten, die Menschen unzulässig zu beeinflussen (s. Punkt 8).

Übertreibt die Satire? Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.
Kurt Tucholsky

Das Gesangsvideo des Dortmunder Kinderchors wurde inzwischen gelöscht, weil die als Satire ausgegebene Darbietung bei vielen Menschen starke Proteste ausgelöst hat. Natürlich wissen sich die Linken gegen die Vorwürfe zu wehren. Neben Verweisen auf Dieter Nuhrs Verfehlungen stehen viele von ihnen auf Konfrontation. Böhmermann, der im Gegensatz zur Nuhr in den Augen linker Humorkonsumenten witzigste aller bekloppten öffentlich-rechtlichen Witzbolde natürlich mittendrin.

Ja, nennen wir die Sachen doch beim Namen. Sofern wir nicht selbst angesprochen sind oder uns nicht angesprochen fühlen, ist doch alles OK, nicht wahr, Böhmermann?


Die immer brutalere Art der Auseinandersetzung hat ihre Gründe. Sie liegen vermutlich nicht nur in den gegenseitigen Verletzungen, die durch Übertreibungen oder üble Wortwahl fast zur Normalität geworden sind.

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.
1. Mose 1,28

Immer mehr von uns wissen oder ahnen zumindest, dass die Menschheit den Punkt erreicht hat, an dem wir unserer Erde nicht mehr zumuten können.

Dass ein Stopp oder gar eine Umkehr schlechterdings unmöglich scheint, ist angesichts der unterschiedlichen Regimes und Bedürfnisse der Menschheit, unübersehbar. Vielleicht macht die unterbewusste Einsicht die Menschen zum Teil so unausstehlich und aggressiv?

Wir wissen, dass die meisten von uns (s. SUV, Flugreichen, Fleischkonsum etc.) echte Umweltsäue sind. Nur, wer lässt sich schon gern so bezeichnen – noch dazu von Kindern? Vor allem dann, wenn man das Gefühl kriegt, dass andere die vom Kinderchor gesungen Strophen durchsichtig und natürlich absichtsvoll »gedichtet« haben.


Update: Weihnachten ist vorbei und jetzt bauen alle ihre aufgestauten Aggressionen ab. Die Provokateure, also die Dumpfbacken, die sich dafür halten, haben Hochkonjunktur:

„Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau“: NRW-Ministerpräsident Laschet schaltet sich in Debatte um WDR-Video ein – Panorama – Gesellschaft – Tagesspiegel

Im Internet kursierte die Aussage, der sympatisch Danny Holleck seit Mitarbeiter des WDR. Die Stellungnahme des Senders:

Von Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

6 Antworten auf „Wer die Oma „Umweltsau“ nennt, hat sein Recht auf Satirefreiheit verwirkt“

Ich sehe das ganze als die sich weiter ausbreitende Unprofessionalität bei den Öffentlichen, in mehrer Hinsicht. Es war schon handwerklich, schlecht gemacht, ein – in der Feuerzangenbowle würde man sagen – Pennälerstreich auf unterem Niveau. Sowas wie wir als Kinder gesungen haben, „Ich kauf mir ein rotes Gummiboot, und fahre alle Lehrer tot“, ohne sich wirklich was dabei zu denken. Das das auf den besagten FFF-Tweet zurückgehen könnte, wäre da nur logisch. Solche Ideen kommen in Redaktionen auf – aber es scheint nicht mehr die Stimmen zu geben, die sich trauen zu sagen, wartet erst mal, denken wir erstmal drüber nach. Der Erziehungsgedanke ist inzwischen so dominant, dass man ihn quasi als Mission wahrnimmt. Und dann zögert man nicht, oder denkt schon gar nicht darüber nach, ob es eine blöde Idee ist. Man ist so von der Mission überzeugt, dass man alles andere ausblendet – und das, obwohl man in diesem Fall hätte wissen müssen, dass sich nicht nur das rechte Spektrum darüber aufregt, sondern die Aufregung wegen des „satirischen“ Angriffs auf die Großelterngeneration auch weit in die Mitte der Gesellschaft geht.

Das ist wohl so. Ich habe mir die WDR2 – Sendung angehört. Neue Erkenntnisse gab es eine. Aber Entschuldigungen vom Programmdirektor und vom Intendanten Buhrow ebenfalls. Er bezeichnete das Video als Fehler (ohne Wenn und Aber). Immerhin. Aber das bestätigt nur, was du geschrieben hast. Vorher hätte man wissen können, welche Reaktionen dieser dümmliche Text auslösen würde. Übrigens habe ich mir auch nicht vorstellen können, dass dieses alte Liedchen mal Gegenstand einer solchen Kontroverse werden könnte. Wie oft hab ich das als Kind gesungen?!

Hallo Horst, ich finde den „Like“-Button nicht mehr. Bin ich schon dement, oder war der früher nicht auf deiner Seite eingebunden? Ich denke, da waren keine Dummen am Werk. Aggressionen, besonders gegen Schwache oder Minderheiten, waren schon immer ein Marketing-Renner. Das hat schon seinerzeit das Mode-Label „Benetton“ sehr gut inszeniert. Jedenfalls Bernd und ich, mit unserem zuletzt dargebotenen und abgehalfterten Weihnachtsliedchen, würden uns über diesen Erfolg mit Klicks und Resonanz erstmal einen „Dom Perignon, rose, 2008“ gönnen :))

Hallo Menachem, der Button ist weg. Er wurde kaum genutzt. 🙂 Wenn es allerdings danach ginge… Gestern war ein verrückter Tag. Heute versuchen manche, den Shitstorm, der ausgebrochen war, zu erklären. Mit mäßigem Erfolg. Aber gewiss, man hätte mit etwas mehr Ruhe und Gelassenheit wieder mal nicht so krass übertrieben. Heute ist man klüger – nur einen Tag später. Aber bei allen trifft das nicht zu. Provokationen und Inszenierungen sind in der heutigen Zeit einfacher als früher. Benetton hat prachtvolle Beispiele dafür geliefert. Sie waren, egal wie man zu ihnen gestanden haben mag, hinsichtlich ihrer Breitenwirkung nicht vergleichbar. Leider leidet, glaube ich, unsere Demokratie durch diese Form der Auseinandersetzung, weil oft mit ihr eine Polarisierung voranschreitet, die keiner Gesellschaft gut tun dürfte.

Ich wünsche dir einen guten Rutsch und bis bald. LG Horst

P.S.: Hab den Applaus-Button wieder drin 🙂

Sorry, Horst, war die letzten Tage viel unterwegs. Ich wünsche dir und deiner Familie auch einen guten Rutsch und alles, alles Gute im neuen Jahr. Auf ein Neues!!!

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