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Klimawandel

Wie bekommen wir die anderen auf Linie?

Angeblich soll in der Lausitz kein Dorf mehr für die Braunkohle abgebaggert werden. Das habe ich heute irgendwo gelesen. Die Grünen heften sich diese Tatsache ans Revers. Das stärkt der Partei den Rücken, wahrscheinlich über die Mitgliedschaft und Sympathisanten hinaus.

Eine Umfrage in dieser Woche ergab 38 % Zustimmung für die Grünen. Ein bisher nie erreichter Wert, der allerdings auf Baden-Württemberg und damit vor allem auf den dortigen Regierungschef Winfried Kretschmann zu beziehen war.

Etwas anderes als solche einschlägigen Nachrichten aus Brandenburg (laufende Koalitionsverhandlungen) werden die Anhänger der Grünen von ihrer Partei nicht erwartet haben. Das ist der Preis für Koalitionen mit einer Partei, deren Mitglieder beim Thema Klimawandel ebenso rigoros sind, wie die AfD bei der Ablehnung von Flüchtlingen. Dass die Entscheidung auch Konsequenzen hat, über die jetzt nicht geredet wird, ist unwichtig. Man muss schließlich eine Koalition bauen, damit die AfD wirklich draußen bleibt! Natürlich findet das Vorgehen außerhalb der Partei nicht nur Fürsprecher.

In Deutschland scheint sich definitiv eine weitere Meinungspolarisierung in der Gesellschaft zu entwickeln. Zu den unterschiedlichen Ansichten über die Migration ist längst der Streit über den richtigen Weg beim Klimawandel gekommen.

Regionale, gut bezahlte Arbeitsplätze gehen verloren

In unserer Region wird Politikern und vielen anderen Menschen mulmig, weil nicht „bloß“ die Jobs im Braunkohletagebau verloren gehen. Ich kenne persönlich einige Leute, die in diesem Aluminiumwerk (siehe Link) seit vielen Jahren arbeiten. Ob sie unter den Unglücklichen sind, die ihre Jobs verlieren, weiß man noch nicht. Warum es Problem gibt, konnte ich dem Artikel nicht entnehmen. Vermutlich sind es die irre hohen Energiekosten, die dieses Unternehmen in die Knie zwingt. Ich glaube, das ist erst der Anfang. Unsere Energiekosten sind sie zweithöchsten in ganz Europa und eine Trendwende ist nicht in Sicht.

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Aber „wir“ haben ja höhere Ziele, als den Erhalt irgendwelcher Arbeitsplätze. Schließlich bringt die beste Arbeit nix, wenn Mutter Erde uns bald schon die Rechnung für all die Missetaten vorlegt, die wir uns in den Jahrhunderten seit der Industrialisierung geleistet haben.

Dass sich die verantwortlichen Politiker dazu hinreißen lassen, die Hysterie, der sich so viele hingeben, in reale Politik umzumünzen, hatte ich so nicht erwartet. Klar war nur, dass denen, die diese Hysterie für ihre Zwecke ausnutzen, all diese Dinge nicht reichen werden.

Von den Grünen über Greenpeace, andere Ngos, die sich in diesem lukrativen Bereich tummeln, von Friday for Future, Scientists for Future bis hin zu Greta Thunberg wird volle Kanne gegen eine demokratisch gewählte Regierung Stimmung gemacht. Als hätten wir nicht schon genug Probleme. Was die AfD bisher nicht beschafft hat, diese Leute besorgen der Demokratie den Rest.

Aber das ist ja auch schon egal.

Wenn es so kommt, wie uns die Wissenschaftler erzählen, müssen wir uns keine Sorgen mehr zu machen. Wir ahnen, dass wir im Arsch sind. Da meldet sich wohl unser schlechtes Gewissen. Die Demokratie scheint nicht die beste Gesellschaftsform zu sein, um mit Hysterien dieser Art umzugehen. Ich kann nur sagen, mir macht die Entwicklung längst Angst.

Angeschlagene Demokratie

Einmal ganz abgesehen davon, welche Wirkungen solche Bewegungen auf unsere sowieso angeschlagenen Demokratien haben werden, im weltweiten Maßstab tun sich ganz andere Probleme auf, die auch von den Millionen von Menschen (wenn die Pressemeldungen stimmen!), die die Bewegung inzwischen erfasst zu haben scheint, nur zu einem Teil erfasst zu sein scheinen. M.a.W.: Alle rennen mit, haben aber keinen Plan!

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Natürlich ist es zutreffend, dass unsere CO2-Emissionen gemessen an unserem Anteil an der Weltbevölkerung hoch ist.

Dennoch dürften für unser Klima die absoluten Mengen von CO2, die beispielsweise von China, Indien oder auch den USA emittiert werden, bedeutender sein. Damit will ich nicht behaupten, dass unser Beitrag zu klein wäre, um uns mit der Problematik auseinanderzusetzen.

Ich kann nur nicht glauben, dass all diese klugen Leute die aktuellen Entwicklungen in den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Erde einfach so beiseite schieben und stattdessen so tun, als hätten wir das Heft des Handels in der Hand.

In China und Indien werden Kohlekraftwerke gebaut, Atomkraftwerke sowieso. In diesen Industrien sind Millionen von Menschen beschäftigt.

Wie können manche ernsthaft glauben, dass sie darauf Einfluss nehmen könnten, dass die dort emittierten CO2-Mengen signifikant innerhalb eines kurzen Zeitraumes gesenkt werden können? Das ist eine Verkennung unserer Möglichkeiten, die mir größenwahnsinnig vorkommt.

Weltweite Vereinbarungen sind nötig

Die größten Emittenten werden sich nicht an die Regeln halten, die wir uns in einigen Ländern der Welt durch den Druck der Öko-Rebellen auferlegen lassen.

Wer wird diesen ungleichen Wettkampf wohl gewinnen? Die UNO hat sich in Person ihres Generalsekretärs Guterres geäußert und von einem „Weckruf“ durch die jungen Menschen gesprochen. Er setze viele Hoffnungen in die Aktivisten.

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Es bleibt seinerseits (wie gewöhnlich, wenn die UNO was sagt) bei dem Appell, die Klimaziele (zunächst die Begrenzung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit) zu erreichen.

Das wird Leute wie Trump oder Xi Jinping ganz sicher schwer beeindrucken.

Wenn Merkel jetzt zum nächsten Klimagipfel reist, wird sie dort die Beschlüsse ihrer Regierung sicher vorstellen. Wenn ich die Interpretationen der deutschen Medien, auch die noch halbwegs wohlwollenden, zurate ziehe, habe ich keine Illusionen, dass Merkel dafür kaum Applaus bekommen wird.

Ob diese Entscheidungen tatsächlich Weichenstellungen darstellen, weil diese die Bereiche, in denen konkreter Handlungsbedarf besteht, immerhin fixiert und für diese – wenn auch kleine – konkrete Maßnahmen eingeleitet hat, könnte es aber vielleicht auch anders laufen. Schließlich trifft sie auf PolitikerInnen, die – ebenso wie sie selbst – nun einmal auf den Zusammenhalt der ganzen Gesellschaft zu achten haben. Da ist weniger vielleicht mehr.

Ob wir die Zeit für diese eher traditionellen Rituale der Politik haben, bleibt für mich unklar. Die Verunsicherung großer Teile der Bevölkerung ist in vielen Ländern zu antizipieren. Hoffentlich resultieren daraus nicht heute noch nicht absehbare Resultate der ganz unschönen Art.

Von Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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9 Antworten auf „Wie bekommen wir die anderen auf Linie?“

Ich sehe wirklich nicht ein, warum Kritik an den Entscheidungen einer gewählten Regierung „die Demokratie in Gefahr bringen soll“. Wie kommst du denn darauf?

Ganz im Gegenteil findet Demokratie so statt: Es wird nicht nur alle 4 Jahre ein Kreuz gemacht, sondern zu jedem strittigen Thema gibt es fortlaufende Auseinandersetzungen, Analysen, Forderungen unterschiedlicher Interessenten – und immer auch Kritik an der Regierung.

Das Klimapäckchen ist nun mal eine Lachnummer – ich gehe davon aus, dass du die Artikel gelesen hast, die das im Detail begründen.

Nicht nur, dass die Maßnahmen bei weitem nicht den Forderungen von FFF entsprechen (das war zu erwarten, da diese von jetzt auf gleich nicht umsetzbar sind), sondern sie erreichen auch die selbst gestecken Ziele 2030 nicht. DAS darf man dann mit Fug und Recht Politikversagen nennen, bzw. schlechtes Regieren.

Das mit dem Aluwerk Hydro hat mich zu einer kleinen Recherche motiviert. Sie entlassen also „aus wirtschaftlichen Gründen“, oder wie es andere formulieren: „um den Rendite-Erwartungen der Anteilseigner und der Finanzmärkte zu entsprechen“.

Dabei boomt Alu eigentlich, wie ich aus diesem Artikel entnehme. Im übrigen wird da auch die fürchterliche Ökobilanz von Aluminium – da kann einem richtig schlecht werden.

Immerhin:
„Das Neusser Aluminumwerk des Hydro-Konzerns erhält für neue umweltfreundliche Schmelzverfahren bis zu vier Millionen Euro vom Bundesumweltministerium.“
https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/hydro-aluminium-stellenabbau-grevenbroich-100.html

Der ständige Verweis auf andere Länder ist m.E. keine gute Begründung für eigene Untätigkeit. Deutschland ist der sechstgrößte Treibhausgas-Verursacher der Welt, nach China, USA, Indien, Russland, Japan.

Bei den Pro-Kopf-Emissionen standen wir 2016 bei 8,8 Tonnen (China 6,57, Indien 1,57).
Zitat:
„Dabei ist zu beachten, dass jedem Land diejenigen CO2-Emissionen zugerechnet werden, die auf dem Staatsgebiet erfolgen. Wenn Güter und Dienstleistungen international gehandelt werden, für deren Produktion Treibhausgase emittiert wurden, werden diese also dem Land der Produzenten und nicht dem der Konsumenten zugeordnet. Zum Beispiel geschehen rund 33 % der Emissionen in China für den Export und nicht für den Inlandskonsum.“

Und:

Deutschland bestellt in keinem anderen Land so viele Waren. Umgerechnet hat bei uns 2017 jeder Einwohner Sachen für 1.220 Euro aus China gekauft.
https://orange.handelsblatt.com/artikel/44616

Und da sagst du, DE hätte „keinen Einfluss“ auf andere Länder?

Lies mal hier, wie Lieferkettenverantwortung derzeit angestrebt/etabliert werden soll:
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/lieferketten-berlin-will-unternehmen-zu-globaler-verantwortung-zwingen-/24088046.html

Nur mal so als Beispiel, natürlich muss das EU-weit passieren, was Heil auch während des deutschen Vorsitzes nächstens anstrebt.

Was Technisches für den Meister der Theme-Einrichtung: anstatt einfach nur die URL zu posten, hab ich im letzte Kommentar bei einigen Adressen das Link-Modul in Anspruch genommen. Z.B. sitzt im Satz

„Dabei boomt Alu eigentlich, wie ich aus diesem Artikel entnehme. “

ein Link auf „diesem“. Das sieht mal allerdings leider gar nicht, da der Link weder unterstrichen noch farblich hervorgehoben ist. Könntest du das vielleicht in den Styles verbessern?

Ich lasse deinen Kommentar so für sich stehen. Nur soviel dazu. Vielleicht wird der aufgebaute Druck dazu führen, dass wir Deutschland ökonomisch und politisch weiter isolieren. Die Wirkung der erzwungenen Maßnahmen wird aus meiner Sicht dafür sorgen, dass unser Land mittelfristig keine Demokratie mehr sein wird.

Und das schon wegen diesem viertelherzigen Kimapäckchen? Diese Sorge teile ich tatsächlich nicht. Rechne mit einer CDU/Grünen-Koalition bei der nächsten Wahl.

Ein gruendliches Missverständnis, dass ich irgendeinen Ärger von rechts oder links gemeint hätte. Aber die Zuspitzungen, die jetzt passieren, wären einer der Punkte, die die Gesellschaft auseinandertreiben und die Demokratie nicht fördern, sondern ihr schaden. Aber warten wir mal ab. Die Welt geht ja vorher vllt unter.

Das hab ich ja noch nie gehört, dass das Leben aus Veränderung besteht… Viele Menschen entsprechen dem Bild des Professors, viele aber eben nicht. Und dieser Differenz gilt meine Aufmerksamkeit. Leider lässt sie sich über Umfragen nur schwerlich bestimmen. Ich sehe, dass Mehrheiten sich offensichtlich nicht dazu durchringen können, bestimmte Wege mitzugehen, wenn es sie persönlich angeht. Nicht nur in finanziellen Fragen sind sie da recht eindeutig.

Wenn ich dann die Kommentare zu diesem Stuss-Video von Broder durchgelesen habe, glaube ich Bescheid zu wissen. https://www.youtube.com/watch?v=k4eHDBFRBAI Meine Sorge ist nicht neu. Die Art der Diskussionen zum Klimawandel nähern sich immer stärker derjenigen an, die zur Migrationskrise geführt worden. Wir leben in einem gespaltenen Land. Das im Auge zu behalten sind Mühe und Ärger wert, dem sich die Politiker der Groko im Moment ausgesetzt sehen.

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