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Wie die Internet – Opportunisten dabei helfen, unsere Demokratie zu beschädigen

Es war igendwann im Juli dieses Jahres, als ich Facebook, Twitter und etwas später dann auch Instagram und Pinterest verlassen habe. Ich pflege mein Blögchen und wundere mich nun darüber, dass sich der Hass innerhalb dieser kurzen Zeit noch gesteigert zu haben scheint.

Ich bin froh, dass ich da raus bin!

Morddrohungen

Es gab Morddrohungen gegen Claudia Roth und gegen Cem Özdemir. Diese Drohungen wirkten ihrerseits wiederum wie Brandbeschleuniger. Die Medien sind voll von Reaktionen auf den zunehmenden Hass im Internet, vor allem natürlich in den sozialen Medien. Eine Seite spricht der anderen inzwischen gar das Recht ab, sich überhaupt noch zu äußern. Schaut auf Hashtags wie #donalphonso, #hetze.

Ich habe mir die Talkshows der letzten Zeit angesehen und genau zugehört. Erkenntnisgewinne gab es keine. Nur die um sich greifende Ratlosigkeit war unübersehbar.

Intelligenz, kein Geschwafel

Die Rezepte taugen wenig. Schon gar nicht die, die von so genannten Experten kommen. Aussagen von Pörksen oder Grünewald finde ich klüger als das meiste, was in irgendwelchen Talkshows zu hören war. Aber sie kommen in den großen Talkshows leider eher selten zu Wort.

Augen zu und durch

Wir kommen aus den Feindseligkeiten nicht heraus, wenn wir uns weiter gegenseitig die Bereitschaft und die Fähigkeit absprechen, überhaupt noch in einen produktiven Dialog einzutreten. Stattdessen treiben die Medien und viele verschiedene Akteure die Eskalationsspirale weiter an. Leider sind dabei viele Links-Liberale, die doch eigentlich für etwas anders stehen wollen.

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Es gab schon immer kontroverse Ansichten über politische Fragen.

Die Streitigkeiten waren auch ziemlich extrem. Ich erinnere zum Beispiel an Willy Brandts Ostpolitik, an die Friedensbewegung und Proteste gegen die Startbahn West und anderes. Vielleicht gibt es heute wesentlich mehr davon. Aber vor allem ist die Intensität und vor allem die Gemeinheit, die diesen Auseinandersetzungen innewohnt, heute viel extremer als damals.

Grabenkämpfe

Die Liste der heutigen Grabenkämpfe ist lang:

  1. Kinderreiche gegen Kinderlose
  2. Junge gegen alte Alte
  3. Radfahrer gegen Autofahrer
  4. berufstätige Mütter gegen Hausfrauen
  5. Ökos gegen Normalverbraucher
  6. Städter gegen Provinzler
  7. Ossis gegen Wessis
  8. Einheimische gegen Ausländer
  9. Trumpfans gegen Trumpfeinde
  10. Brexit-Versteher gegen Brexit-Gegner
  11. Putinfeinde gegen Putinfreunde
  12. Befürworter und Gegner von Geschwindigkeitsbeschränkungen

Ich fürchte, ich habe längst nicht alle Gegenpole aufgeführt.

Die Themen sind natürlich nicht gleichrangig, schon gar nicht für alle. Aber alle bieten sie Zündstoff für rücksichts- und haltlose Streitereien. Jedenfalls, wenn man im Internet dabei ist. Und wer ist das heutzutage nicht? Zuhause ist das alles noch längst nicht so, wie die Fehden im Internet. Aber sie wirken zurück ins Private. Und nicht anders herum (Herr Lobo!).

Es gab Zeiten, in denen ein oder zwei Themen die Nachrichtenlage beherrschten. Heute hängen wir am Smartphone und Newsfeed. Wir lesen und reagieren. Das ist fast eins geworden. Jeder hat zu allem eine Meinung. Ich nehme mich da nicht aus.

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Zwei Pole

Die großen Gegenpole spiegeln sich in Deutschland in zwei Parteien wider. Die Grünen stehen für eine progressive internationalistische, die AfD für eine national-konservative bis völkische Politik.

All die Positionen, die ich in meiner Liste aufgeführt habe, lassen sich leicht und eindeutig diesen beiden Blöcken zuordnen. Machen Sie die Probe aufs Exempel.

Es ist leicht, sich über jede dieser beiden Positionen verächtlich zu machen. Die sozialen Netzwerke, die in ihrer Bedienung kinderleicht, in ihren Wirkungen jedoch hochkomplex sind, dienen längst nicht mehr (nur) dem Austausch von Meinungen, sondern der Festschreibung und Bestätigung eigener Sichtweisen und Positionen. Sie sind also keineswegs das demokratische Tool, für das wir sie anfangs gehalten haben.

Wir bekommen die Folgen unserer Nutzung der sozialen Netzwerke nicht mehr in den Griff. Der Traum, die Menschen wären lernfähig oder ein gehauchter Ansatz von Quellenkritik würde ihnen wenigstens dabei helfen, die Folgen ihres Handels mitzudenken, ist ausgeträumt! Sie reagieren und verletzen. So läuft es immer mehr in eine falsche Richtung.

Radikale Gegenwehr

Es sind radikale Maßnahmen notwendig, um unsere Demokratie zu schützen. Es ist einfach so, dass diese so genannten sozialen Medien (das Internet insgesamt) einen Beitrag zum Status quo geleistet haben. Sascha Lobo und die anderen Internet-Opportunisten liegen so falsch, wie es falscher gar nicht sein könnte.

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Appelle oder eine Rückbesinnung auf „gute Manieren“ wird uns auch nicht weiterhelfen. Darauf zu warten, bis dieser Staat die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellt, damit Beleidigungen oder Bedrohungen von Menschen als solche zunächst identifiziert werden und nach rechtsstaatlichen Mitteln geahndet werden können, hilft nicht mehr weiter. Dafür gibt es in unserem Land weder die menschlichen Ressourcen (Demografie) noch die dafür nötigen finanziellen Mittel. Die ausländischen Internet-Konzerne werden uns diesen Klotz nicht von den Schultern nehmen. Jedenfalls nicht in der Weise, in der das notwendig wäre.

Von Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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