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Flüchtlinge Gesellschaft

Wie die Rechten sagen, wer nicht dazu gehört

Rechte sammeln Lügen und benutzen sie gegen alle, die ihnen nicht passen.

Eine rechter Schmierblog aus Österreich (kein Link) liefert nach diesem Wochenende Munition für neue Tiraden gegen die deutsche Flüchtlingspolitik.

In »liebevoller Kleinarbeit« hat man dort eine Linkliste erstellt, die am letzten Wochenende über vierzig Angriffe auf Menschen im ganzen Bundesgebiet dokumentieren. Großenteils erfolgten diese Angriffe mit Messern. Auf Assoziationen ist die Rechte damit nicht mehr angewiesen. Das Narrativ der »Messermänner« steht und wird von den AfD-Führern penetrant »genutzt« (Weidel, Curio etc.).

Saubere Zählung?

Verbrechen werden aufgelistet, damit sie einer Bevölkerungsgruppe in die Schuhe geschoben werden können

Ich habe einige Links dieser Liste gecheckt. Die Zählung geht auf Pressemeldungen unterschiedlichster Herkunft zurück. Häufig ist darin die Nationalität der Täter nicht genannt (deutscher Pressekodex). Das beanstanden viele. Ich bin auch heute noch zwiespältiger Ansicht. Schließlich instrumentalisieren die Rechten selbst dieses abgestimmte Vorgehen der Medien.

Viele von denen, die unbedingt die Herkunft von Tätern wissen wollen, sind sicher anständige Leute. Auch Reitschuster, Tichys Einblick, interessiert sich offenbar sehr für die Nationalität von Tätern:

Das schreibt der Tichy – Mann Boris Reitschuster über den Angriff auf einen Polizisten in München.

Niemals Deutscher, weil viel zu braun

Er schließt aus dem Foto: der Täter ist kein Deutscher! Diese Brille trägt kein Deutscher, schon gar nicht im Winter. Er hat diesen Teint, ein Teint wie ein Südländer. Bingo. Wenn Polizei so vorginge, wäre gleich von »Racial Profiling« die Rede. Aber der Herr Reitschuster ist ja für die gute Sache unterwegs, er arbeitet schließlich für Tichys Einblick.

Damit ist für Reitschuster klar, dass es kein Deutscher war. Viele Rechte anerkennen die deutsche Staatsangehörigkeit nicht. Ein Migrant mit deutschem Pass bleibt ein Ausländer. Vor allem einer, dem man solche Taten auch zutraut. Täte ein Deutscher sowas?

Reitschusters erbärmliches Bemühungen, so genannte Mainstream-Medien bloßzustellen, wird bei seiner Klientel auf Zustimmung treffen. Darum gehts ihm vor allem.

Stinkstiefel mit schlechten Absichten

Die Kritik an die Kollegen anderer Medien beherrscht der Mann aus dem Effeff. Schließlich ist das integraler Bestandteil eines Negativ-Spektrums, das Tichy, Achgut und andere rechte Stinkstiefel-Medien bedienen.

Es handelt sich also immer um Ausländer, wenn nicht explizit auf die Herkunft hingewiesen wird. Gut, dass ich das jetzt weiß.

Auch Erika Steinbach hat die »Bemühungen« des österreichischen Hetzblogs für ihre politische Agitation zu nutzen gewusst.

Sicherheitsgefühl in Deutschland

Sie beklagt das schwindende Sicherheitsgefühl in Deutschland. Sie wird damit bei ihren Fans offene Türen einrennen. Alles ist schließlich so schrecklich. Die Leute trauen sich kaum noch auf die Straße… Weihnachtsmärkte werden kaum noch besucht.

Es ist leider wahr, dass als Nachrichten verstandenen Medienberichte mitunter eine manipulative Note haben. Bevor das Internet und die sozialen Medien uns zu Allwissenden gemacht haben, waren die Zeiten ruhiger.

Das lag vielleicht vor allem daran, dass wir es mit vergleichsweise wenigen Informationen (und Quellen) zu tun hatten bzw. nicht in der Weise geflutet wurden, wie es heute schon als normal empfunden wird. Beim Umgang mit diesem Phänomen ist ein Sinn für Quellenkritik hilfreich. Das ist eine längst anerkannte Notwendigkeit. Leider wird jedoch in das dafür nötige Wissen zuwenig Zeit und Mittel investiert.

Statt auf fundierte und geprüfte Informationen Wert zu legen, hängt unser Herz viel mehr an aufmerksamkeitsgewinnender Empörung.

Wenn es anders wäre, würden wir uns daran nicht in dieser exzessiven Form beteiligen – oder?

Die Vorfälle werden untersucht. Die Verantwortlichen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und in den Gerichten werden klären, wieso der Feuerwehrmann auf »offener Straße« von einem 17jährigen getötet wurde. Er und die Mitverantwortlichen werden für ihre Tat bestraft werden.

Motivlage

Wir wissen inzwischen einiges über den Hintergrund der Tat. Dass wir den Vorfall entsetzt zur Kenntnis nehmen ist normal. Nur wissen wir »Zaungäste« nicht, was sich im Detail abgespielt hat bzw. wie und warum es zu diesem tödlichen Schlag gekommen ist. Das ist die Aufgabe der Behörden, die sieben Tatbeteiligte festgenommen hat. Dass alle einen Migrationshintergrund haben sollen, spielt in der öffentlichen Diskussion eine Rolle. Dass genau dies zu nichts führt, sollten wir langsam begriffen haben. Deutschland hat einen Migrantenanteil von 18,6%. Das sind 15,3 Millionen Menschen. Jeder 3. Mensch mit Migrationshintergrund wurde in Deutschland geboren.

Die sieben Verhafteten von Augsburg besitzen alle die deutsche Nationalität. Sie wurden in Deutschland geboren. Sechs haben einen türkischen (einer libanesischen?) Migrationshintergrund, ein weiterer italienischen.

Fazit

Welche Schlussfolgerungen sollen wir aus dieser Tatsache ziehen, die nicht einmal etwas mit dem üblichen Hinweis von Rechten zu tun hat, der an dieser Stelle folgen könnte? Demnach sollen Migranten (Nichtdeutsche) überproportional zu ihrem Anteil an der Bevölkerung an bestimmten Straftaten beteiligt sein. Die Debatten darüber führen nicht weiter, weil die Gegenseite die Korrektheit der Daten / Aussagen der jeweils anderen Seite bestreitet.

Es liegt also vor allem bei uns, wie wir mit den Informationen umgehen und sie für unsere Meinungsbildung nutzen. Dafür ist es notwendig, viel zu lesen, unterschiedliche Quellen zu nutzen und vor allem die extremen Positionen möglichst zu meiden.

Von Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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