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Win-Win-Situation entdeckt: Wir exportieren den Schrott unserer Windkraftanlagen nach Afrika, Asien oder Ost-Europa

Die ersten Millionen von Windkraftschrott werden ab Ende 2020 anfallen

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Es liest sich wie Satire. Aber es ist ernst gemeint. Wenn Ende 2020 die staatlichen Subventionen entfallen, geregelt im EEG-Gesetz, werden rund 6k der heute 30k Windräder nicht mehr gebraucht. Sie werden demontiert und irgendeiner neuen Verwendung zugeführt. Das Thema ist kein Neues.

Was könnte man mit den alten Windrädern tun, die für die Investoren dann zur freudlosen Kostenbelastung würden?

Wesentliche Teile der Windräder können, wie Experten sagen, nicht recycelt werden, sondern man muss sich was anderes überlegen. Für ein Volumen von insgesamt 5 Mio. Beton- und 1 Mio. Stahlschrott soll es Wiederverwendungsmöglichkeiten geben. Ob das auch so eintritt scheint angesichts der Ansprüche, die die Bauindustrie künftig an Baumaterialien stellen, heute nicht zu 100% sicher zu sein. Hinzu kommt dann noch weitere vier Mio. Tonnen Schrott, der zum Teil giftig ist und schwer entsorgt werden kann. Wenn man mal keine Herausforderung ist!

Die Sache mit dem Beton soll – je nachdem mit wem man redet – überhaupt kein Problem sein. Den kann man ja einfach in der Erde belassen. Der stört nicht, weil er erst ab einer bestimmten Tiefe im Erdreich steckt und deshalb angeblich nicht raus muss. Was die Landwirte dazu wohl sagen, wenn sie ihre Maschinen auf zubetonierten Flächen einsetzen? Wissen diese Experten eigentlich was sie tun? Ich will es hoffen.

Aber der eigentlich Clou ist, was die Damen und Herren des Experten-Stadls sich ausgedacht haben, sich bei der Entsorgung der alten Windkraftanlagen einen schlanken Fuss zu machen. Sie wollen die ganzen Anlagen irgendwohin ins Ausland exportieren. Dort wäre man sehr froh, den deutschen Abfall für kleines Geld abnehmen zu dürfen.

Eine «Win-Win-Situation», zumal beim Verkauf einer gebrauchten Anlage die in Deutschland kostenintensive Verschrottung bzw. Entsorgung für den Erstbesitzer wegfällt. «Es gibt mittlerweile überall auf der Welt Abnehmer: Afrika, Südamerika, Asien. Wir arbeiten inzwischen mit 190 Ländern zusammen», so Bernd Weidmann, Geschäftsführer des Informationsportals wind-turbine.com.

Viele Windkraftanlagen vor Aus: Alte Windräder – ein ungelöstes Müllproblem? – ZDFmediathek

Ich möchte wetten, dass bei der Entstehung dieser brillanten Ideen auch glühende Befürworter dieser «nachhaltigen Energiequelle» dabei waren! Die Fürsprecher dieser Lösung, die wir aus anderen Problemlösungen für Giftmüll und anderes ekliges Zeug aus deutschen Nachlassenschaften kennen, überschlagen sich ob der tollen Möglichkeiten und behaupten, es handle sich dabei um eine Win-Win-Situation.

Sorry, aber wer das glaubt, ist mit dem Hammer gepudert!

Das harmlose Wort, dass die zuständigen Stellen für diese Giftschrott-Entsorgung im riesigen Umfang gefunden haben, lautet Zweitverwertung. Geil, oder? Ich könnte mir vorstellen, dass die wahre Verwendung dieser Sachen aus Deutschland, erst mit großer Verspätung das Licht der Sonne erblicken wird.

Die Anlagen können nicht weiter betrieben werden, weil sie aufgrund des Auslaufens der Subventionen nicht mehr rentabel wären. Wenn besagte Zweitverwertung klappen würde, wäre das zwar alles andere als nachhaltig, aber die Investoren würden sich darüber freuen können, bestimmte Rückstellungen (also die fürs Verschrotten) gar nicht mehr bilden zu müssen. Entsorgungs- und andere Folgekosten wären, wenn sie überhaupt je richtig kalkuliert wurden, auf diese Weise (wie bei der Atom- oder Kohleenergie) nicht mehr relevant. Außer für die Afrikaner und Asiaten, die uns den Dreck abgekauft haben.

Was übrigens noch völlig ungeklärt ist: Wie holen wir das fehlende Volumen an Strom aus Windenergie auf? Die großen Klagewellen haben den Ausbau dieser angeblich wichtigsten Energiequelle für die Zukunft regelrecht einbrechen lassen. Natürlich ist auch das bekannt, bloß scheint sich irgendwie keiner so richtig zu kümmern.

Moment!, Altmaier wollte doch die Abstandsregeln (1000 Meter vom der nächsten Wohnbebauung) in einem Bundesgesetz (Klimaschutz) regeln. Bloß, manchen geht das längst nicht weit genug. Sie beziehen sich auf interessante internationale Vergleichswerte. Eine Antwort auf dieses Dilemma finden offenbar auch die Grünen nicht. Sie schweigen lieber. Dass die Abstandsregel nun (neben anderem) aus dem Kohleausstiegsgesetz gestrichen wurde, erfreut auch nicht alle:

Denn mit dem Wegfall aller den Ausbau der Erneuerbaren betreffenden Teile gehen auch Regelungen verloren, die die Branche als Segen empfunden hatte. So enthielt der Entwurf des Gesetzes zunächst auch den Wegfall des 52-Gigawatt-Ausbaudeckels für die Photovoltaik sowie die Erhöhung des Ausbauziels für die Offshore-Windkraft von 15 Gigawatt (GW) auf 20 GW im Jahr 2030. „Diese Streichung ist nicht nachvollziehbar. Daran würde sich auch nichts ändern, sollte es einen Zusammenhang mit einer zu begrüßenden Entschärfung der geplanten Abstandsregelung für Wind an Land geben“, sagte Uwe Knickrehm, Geschäftsführer des Bundesverbands der Windparkbetreiber Offshore (BWO).

Die Abstandsregelung für Windräder ist vorerst vom Tisch

Es soll ein eigenes Gesetz für die Abstandsregel geben, schreibt der Spiegel.

Was sich da alles in allem abzeichnet, kann ich nicht als nachhaltig verstehen.

Vor allem aber ist es ein Gemurkse, das die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes in hohem Maße gefährdet. Gut gemeint bedeutet in der Praxis leider oft genug nicht, dass es auch gut gemacht ist.





Artikelautor Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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