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Allzu viel ist ungesund

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Vielleicht ist das eines der ältesten Sprichworte überhaupt: „Allzu viel ist ungesund“. Das gilt nicht nur für übliche Übertreibungen, sondern für ganz viele Bereiche unseres Lebens. Warum sollte es bei der Fotografie anders sein?

Puristen unter den Fotografen nehmen ihre Aufnahmen, wie sie gern betonen, wie sie aus der Kamera kommen und arbeiten nichts nach oder wenn, dann in ganz geringen Dosen. Vielleicht stimmt es, dass sich da die Spreu vom Weizen trennt. Eine gute Aufnahme muss nicht nachbearbeitet werden. So kann man das zweifellos sehen.

Spaß und Kreativität

Aber wo bliebe unter dieser Voraussetzung der Spaß und der kreative Teil der Fotografie?

Sicher, das Foto selbst bildet die Basis eines kreativen Prozesses. Angesichts der heutigen Möglichkeiten in der Fotobearbeitung (Entwicklung) fände ich es schade, wenn man nicht die tollen technischen Möglichkeiten nutzen würde, um ein Foto zu gestalten.

Es gibt so viele Nutzer von Adobe Lightroom, Photoshop, Capture One oder Luminar, dass dieser Diskurs längst entschieden ist. Sie zeigen zwar (vielleicht aus Gründen) keine Vorher-/Nachhervergleiche. Aber sie tun es trotzdem. Ich finde es toll, wie Pavel Kaplun und sein Kollege Miho Birimisa damit umgehen.

Hier habe zeige ich euch gleich einmal ein Foto, das ich mit Luminar 4 „nachbearbeitet“ habe. Nachbearbeitet ist für dieses Beispiel wohl ein zu schwaches Wort. Es gilt halt eben der Grundsatz, den man etwas krasser auch so ausdrücken könnte: „Die Dosis macht das Gift“. Jedenfalls mussten meine Frau und ich lachen, nachdem wir uns mein „Werk“ angesehen haben. Trotz dieser gnadenlosen Übertreibung kann man aber doch immerhin feststellen: Das links Foto ist die schiere Langeweile, während rechts… nun ja.

2014 waren wir zuletzt im Urlaub. Wir waren wieder einmal in Bergen an der nordholländischen Küste. Ich war noch mit meiner Spiegelreflexcamera Olympus E-420 unterwegs und fotografierte ausschließlich im JPG-Format. Ein Jahr später habe ich die Sony A 6000 gekauft und Anfang dieses Jahres die Sony A 7 III. Diese beiden Systemkameras mag ich sehr, so dass die Olympus ein bisschen ein Mauerblümchendasein fristet.

Ich habe mir kürzlich die letzten Aufnahmen noch einmal angesehen. In Holland habe ich das Objektiv Olympus Zuiko Digital ED 70-300 mm 1:4,0-5,6 dabei gehabt. Kamera und Objektiv besitzen keine Bildstabilisatoren. Gerade bei höheren Brennweiten ist das Fotografieren aus der Hand nicht so easy. Trotz habe ich schöne Erinnerungsfotos mitgenommen. Das linke Foto war 2014 mit der Olympus E 420 entstanden. Rechts die Nachbearbeitung mit Luminar 4.









Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

6 Gedanken zu „Allzu viel ist ungesund“

  1. „Eine gute Aufnahme muss nicht nachbearbeitet werden. So kann man das zweifellos sehen.“

    Oder nicht. Ich komme ‚aus der Schule‘ von Fotografen wie Andreas Feininger und habe gelernt, dass die (gute) Aufnahme gemacht ist (spätestens) unmittelbar vor dem Druck auf den Auslöser. Die Kamera hat damit im Grunde nichts zu tun, sie ist lediglich meine ausführende Technik.

    Die Entscheidung, wie genau das gute Bild am Ende aussehen wird, ist vorher schon getroffen und kann selbstverständlich Nachbearbeitungsprozesse im digitalen ‚Labor‘ beinhalten.

    Das Entstehen eines guten Bildes beginnt mit der Motivwahl (meist noch ohne Kamera) und endet mit dem endgültig bearbeiteten digitalen oder analogen Abzug. Das, was in der Kamera passiert, liegt innerhalb dieses Gesamtprozesses, nicht am Ende.

    Nur zum Beispiel:
    Perfekte High-Key- oder Low-Key-Aufnahmen sind ohne Nacharbeit im Labor gar nicht machbar. Oder Aufnahmen, die innerhalb einer reinen Graustufenumgebung ein einziges farbiges Motiv enthalten.

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    • Verstehe ich. Das faszinierende für mich ist, wie einfach es heute ist, zu manipulieren. Auch dann, wenn ich gar nicht die Absicht habe, Leute zu manipulieren, die Technik macht es so einfach, dass außer Fachleuten keiner mehr einen Unterschied feststellen kann. Es sei denn natürlich, man übertreibt es. So wie ich hier. 🙂

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  2. „Das linke Foto war 2014 mit der Olympus E 420 entstanden. Rechts die Nachbearbeitung mit Luminar 4.“

    Ich sehe kein Bild „rechts“ neben dem Balkonfoto. ?

    Für mich sind Bilder Gesamtkunswerke, die beim Aufnehmen beginnen und mit der Bearbeitung enden. Finde es toll, was man heute alles machen kann, wobei es bei mir meist bei Beschnitt, Helligkeit/Kontrast, Schatten-Aufhellung und „Level-Korrekturen“ bleibt.

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    • Da hab ich dich erfolgreich in die Irre geführt. Ich habe das zweite Foto jetzt erst platziert. Das hätte ich besser gleich gemacht.

      Für mich ist Luminar 4 noch ein ganz neues Programm, dessen Möglichkeiten ich erst nach und nach erschließe. Ich habe bisher immer mit Lightroom gearbeitet. Aber du hast völlig Recht. Es macht irren Spaß, diese Möglichkeiten nach und nach zu erschließen. Das ist ja nicht zuletzt auch der Grund für meinen kleinen Beitrag.

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  3. Ich bin beeindruckt (und ahnungslos). Habe von Foto- Bearbeitung leider (!) keine Ahnung, ist mir völlig schleierhaft, wie man so einen Himmel in ein Bild basteln kann. Ich mache viel mit Photoshop, aber mehr nur meine Illustrationen und in meinen Augen dilettantisch.
    Außerdem bin ich nur Smartphoneknipserin. Als ich ganz jung war (…) bin ich noch mit Spiegelreflexkamera und Belichtungsmesser rumgerannt, habe Filme und Bilder (schwarz/weiß) selbst entwickelt und noch einiges in der Dunkelkammer rausgezaubert. war sehr spannend. Aber was einem in der DDR schnell und erschwinglich zu Fotos verholfen hat, wurde dann auf einmal teure Kunst, Filme wegbringen (und natürlich Farbe!) wesentlich preiswerter. Da hab ich das Hobby abgeschafft, weil bei mir immer ganz & oder gar nicht ist.
    Was mich bei der Bildbearbeitung stört, ist, dass man gar nichts mehr glauben mag, was man sieht, man unterstellt immer gleich „Schummelei“ bzw. Bearbeitung.
    Ist n bissel wie beim Busen 😀 hat eine Frau einen schönen Busen, dann denken/unterstellen „alle“, der ist gemacht.
    (Finde ich wirklich doof).
    Jetzt hab ich so viel Unfug geschrieben, aber ich finde die bearbeiteten Fotos toll. Als Erinnerung würden sie mir nicht taugen, da will ich den erlebten Himmel/Wetter/Duft/Wind noch fühlen… und das wird ja verfälscht. (Bewundern tue ich es trotzdem).
    Viele Grüße Miki

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  4. Ich habe die Illustrationen gesehen, die du mit Photoshop erstellt hast. Ich finde Sie sehr gelungen. Dagegen ist das Hinzufügen von Himmeln oder Landschaften in Fotos mit Luminar 4 buchstäblich mit einem Klick (also völlig ohne irgendwelche Kenntnisse) möglich.

    Mir macht Fotografieren viel Spaß. Inzwischen kann ich mit Lightroom ganz gut umgehen und habe mir erst kürzlich das schon erwähnte Luminar 4 zusätzlich angeschafft. Damit ist Bildbearbeitung echt ein Kinderspiel. Der einfache Umgang mit diesem Programm verleitet aber auch zur Übertreibung. Schön, dass es dir gefällt. Wenn ich das erste Originalbild (Schiff auf Meer) anschaue, gefällt mir das zweite (auch wenn es übertrieben ist) doch viel besser. 🙂

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