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Aufgeregt sind wir allzu schnell – Top Positionen im allgemeinen Hysterieranking

Hätten wir uns vor der Geburt von Social Media auch so über die Themen aufgeregt, die uns heute vielleicht von den wirklich wichtigen ablenken?

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Rassismus, Gewalt gegen Frauen, Flüchtlinge, Corona, Börsencrash, Klimawandel. Man könnte diese Wörter täglich immer wieder neu sortieren, eins davon steht in Deutschland garantiert an der Top-Position im allgemeinen Hysterieranking. Der Pool an Themen, die uns aufgeregt sein lassen, ist aber auch reichhaltig wie selten.

Die Börsen brechen weltweit ein, der Aktienhandel an der Wallstreet wurde sogar für 15 Minuten ausgesetzt. Was fällt mir als erstes dazu ein? Dass die all die Internet-Crash-Gurus, die mir mit ihren Unglücksprophezeiungen tierisch auf den Zeiger gehen, falsch lagen. Der Crash ist da, aber nicht aus den Gründen, die diese nervenden Schwarzseher seit Jahr und Tag an die Wand gemalt haben. Ein schwacher Trost! Und Crash ist Crash.

Corona – aufgeregt

Die Corona – Pressekonferenz mit Spahn und ein paar Wissenschaftlern bei Phoenix habe ich mir angesehen. Ich fand es interessant, was die Damen und Herren zu berichten hatten. Irgendwie beruhigt es mich, dass die Politik, also Jens Spahn vor allem, den engen Schulterschluss zur Wissenschaft hält. Das ist an anderer Stelle, wie wir wissen, anders.

Einer der Professoren verteilte einen Seitenhieb an einen Wissenschaftskollegen, der „täglich im Fernsehen ist“ und der angeblich dafür gesorgt hätte, dass nötige Forschungsmittel zu Beginn der 2000er Jahre (nach der ersten SARS-Welle) nicht in der Größenordnung flossen, wie es sinnvoll gewesen wäre. Den damaligen Ausbruch hielt dieser Kollege für eine Ausnahme.

Wenn es sich um den Professor handelt, den ich mit dieser Aussage in Verbindung bringe, liegt seine Intention heute anders. Insbesondere Gesundheitsminister Spahn steht im Mittelpunkt seiner Kritik.

Aufgeregt
Instagram – Story

Aufgeregt über den Rassismus in Deutschland

Gestern gabs bei Twitter diese Meldung, die die Polizei in Essen betrifft. Bei Instagram hatte jemand diese Geschichte veröffentlicht. Eine Podcasterin und Autorin der TAZ hat sich dieser Story angenommen und auf ihrem Twitter-Account verbreitet.

aufgeregt
Screenshot Twitter

Bisher gibts über 3000 Retweets, 8.800 Likes und 800 Kommentare. Die Polizei wurde angefragt bzw. um Aufklärung des Sachverhaltes gebeten. Die Stellungnahme liegt seit heute Nachmittag vor. Der Vorgang wird ganz anders dargestellt. Es wird angekündigt, dass der Vorfall von einer anderen Ermittlungsbehörde überprüft wird. Abgesehen davon habe auch Politiker und andere Leute mit größerer Reichweite das Thema aufgenommen.

Ungeklärte Sachlagen hindern uns nicht an voreiligen Schlussfolgerungen

Es sollte uns nerven und zu denken geben, dass man in den sozialen Medien Täter und Mitschuldige immer schon kennt, bevor die Polizei überhaupt mit den Ermittlungen begonnen hat.

Bis dahin, also bis zu dieser Stellungnahme der Polizei und selbst danach, tauchen die übelsten Beschimpfungen und Vorhaltungen gegen die Polizei auf. Wir kennen das Verhalten bei Twitter oder anderen asozialen Medien leider zur Genüge. Was leider die allermeisten aber nicht davon abhält, bei diesen Hetzjagden ohne fundierten Hintergrund mitzumachen, sie sind wohl zu aufgeregt.

Das Polizeipräsidium Essen weist jegliche Vorwürfe rassistischer Gewalt zurück. Es liegt der Polizei weder eine offizielle Beschwerde, noch eine Anzeige durch die Beteiligten vor. Dennoch werden die Vorwürfe aus Gründen der Neutralität durch eine andere Ermittlungsbehörde geprüft.

▷ POL-E: Statement des Polizeipräsidiums Essen zu Vorwürfen rassistischer Gewalt durch … | Presseportal

Ja, es trifft zu, dass wir in Deutschland ein großes Rassismusproblem haben, und auch ich fühle mich – wie wahrscheinlich sehr viele andere auch – hilflos und überfordert. Wir wissen, dass Appelle oder Lichterketten nicht wirklich helfen. Wir dürfen uns aber trotzdem nicht dazu hinreißen lassen, die Polizei oder andere Behörden in dieser Art und Weise vorzuverurteilen.

Zivilisation in aufgeregten Zeiten

Schließlich ist eine zivilisierte Gesellschaft von der Einstellung und Arbeitsweise der Polizeibehörden empfindlich abhängig. Nur sie garantieren nämlich, dass unser Staat das Gewaltmonopol behält.

Es gibt diese unglückselige Verbindungen einzelner Polizisten vielleicht auch von Gruppen von Polizisten in einzelnen Polizeirevieren, die diesbezüglich auffällig geworden sind. Diesen Vorfällen wird nachgegangen. Deshalb dürfen nicht unser Vertrauen in die Fähigkeit der Polizei im Ganzen verlieren.

Es gibt in den sozialen Medien so viele Menschen, die locker und ohne groß darüber nachzudenken, der Polizei massive Vorwürfe machen, obwohl die Sachverhalte noch ungeklärt sind. Das zeigt auch dieser Fall erneut.

Ich bin gespannt, was die weiteren Ermittlungen ergeben werden. Vermutlich werden die Ergebnisse im verlinkten Polizei Statement aktualisiert. So habe ich das in der Vergangenheit häufiger beobachtet.

Recherchieren

Ob das Heer von Twitterern sich morgen oder später die Mühe macht, den wahren Sachverhalt nachzurecherchieren und mal schaut, was die Ermittlungen letztendlich ergaben? Nein, das werden sie nicht! Sie sind nämlich dann längst dabei, die nächste Sau durchs Dorf zu treiben. Themen gibts schließlich genug.

Der Schaden für die Polizei und unser Gemeinwesen ist trotzdem angerichtet. Das sind die Schattenseiten dieses famosen Internets.

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Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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