Bedburg   ·  3 Min.

Außer einer Libelle hab ich kaum Tiere gesehen

Vor 50 Jahren wohnte meine Familie auf dem Sonnenhof. Der Name war Programm. Wir Kinder der Umgebung haben dort eine Kindheit verbracht, wie man sie sich nicht schöner ausmalen könnte. 1969 mussten wir unser Haus räumen und umziehen. Die Rheinbraun-Bagger rückten an und, wie all unsere Nachbarn, wurden wir umgesiedelt.

Als Kinder haben wir das damals eher nicht als Zwang empfunden, dafür erfüllt mich die Erinnerung an dieses Paradies heute mit ein bisschen Wehmut. Nie mehr können wir diese Ruhe und Schönheit genießen.

Von meinem heutigen Wohnort ausgehend, war das Anwesen, in dem meine Schwester und ich unsere Kindheit erlebten und dessen Ortsbestimmung mir traurigerweise nur in Ansätzen gelingt, in schätzungsweise ca. 6-7 km Entfernung, in südöstlicher Richtung.

Fotos

Heute war ich mit dem Auto in der Gegend. Ich hatte Zeit, parkte irgendwo und bewaffnete mich mit meiner Kamera. Sie nehme ich fast immer mit – auch, wenn ich gar nicht vorhabe, etwas Bestimmtes zu fotografieren.

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Verlängerung der Bergheimer Straße – Richtung Glesch

Reststraße

Es existiert bis heute noch ein Rest der damaligen Landstraße, die Bedburg mit dem Nachbardorf Glesch verband und auf der wir damals tausende Male rauf- und runtergefahren sind. Den Schulweg fand ich damals ganz schon lang. Vermutlich lag das an dem «Berg», den man aufwärts auf dem Rad nicht schaffte. Ich erinnere mich, dass ich genau das nur einmal geschafft habe. Es war schon dunkel, die ganze Reststrecke war unbeleuchtet und ich hatte Schiss. Diese normalerweise also zwangsweise zu Fuß zurückgelegte Strecke – das letzte Stück den «Berg» hinauf, zog sich. Insgesamt waren es vielleicht 1,5 – 2 km.

Das sind etwa 4,4 km, die ich entlang gewandert bin. (Quelle: Google Map)

Die alte Landstraße ist vermutlich noch von den genau gleichen Bäumen gesäumt, an denen ich, oft genug auch zu Fuß, entlang geschlendert bin. Es wirkte ein bisschen so, wie es auch früher war. Ich erinnere, dass die Straße zwar etwas breiter war. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Natur Stück für Stück zurückgeholt hat? Heute fahren da höchstens ein paar Radler, motorisierte Fahrzeuge sind nicht zugelassen. Es handelt sich heute um ein Naturschutzgebiet.

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Alte Bäume links und rechts der Reststraße
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Diese Libelle war eines der wenigen Tiere, die ich vor die Linse bekam.

Spaziergang

Abseits meiner nostalgischen Gefühle ist mir bei meinem Spaziergang etwas anderes aufgefallen. Auf den Wegen sind mir nur sehr wenig Menschen begegnet, obwohl es ein wunderschöner sonniger Spätsommertag war und Samstag.

Einmal mehr hat mich beunruhigt, wie wenig Vögel, Insekten und andere Tiere dort wahrzunehmen waren. Ein paar helle Schmetterlinge (Zitronenfalter?) waren unterwegs, eine Libelle habe ich entdeckt, eine tote Maus am Weg, ein toter schwarzer Käfer, kein Eichhörnchen, kein Hase, zwei Fasanen.

Warum surren keine Mückenschwärme, kaum eine Hummel, ja, nicht mal eine Wespe belästigte mich – und davon hat es in diesem Jahr hier wahrlich genug. Dieser Gegend sah man den extremen Wassermangel (Dürre) der letzten Jahre an. Vor ein paar Jahren war das Gebiet noch von größeren Sumpf- bzw. Feuchgebieten gekennzeichnet. Heute erinnern daran nur noch ein paar vereinzelte, vertrocknete Schilfbüschel. Von Reihern und anderen Wasservögeln fehlt jede Spur.

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Steppe / ehemalige Klärteiche

Ich hoffe, dass sich meine Eindrücke nicht mit denen anderer Beobachter decken und ich auf dem falschen Trip bin. Das mag daran liegen, dass ich ständig lese, dass die Populationen von Vögeln und Insekten sich krass verringert haben. Das macht vielleicht sensibler für Beobachtungen, kann aber – was ich hoffen möchte – auch zu falschen Schlussfolgerungen führen.

Dass unsere Stadt in der Nähe dieses Naturschutzgebietes ein großes Bauprojekt plant, das allmählich konkrete Züge annimmt, spielt hoffentlich beim Austrocknen der Sumpf- und Feuchtgebiete keine Rolle. Ich meine, darüber wurde im Rat doch auch gestritten. Inwieweit kann bei einem solchen Bauprojekt sichergestellt werden, dass die neuen Hausbesitzer keine nassen Füsse kriegen? Welche Maßnahmen sind da opportun?

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Der in unserer Region bekannte Fotograf Bernhard Henke, schrieb im Juli 2019 folgendes: «Die Klärteiche befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Der erste Teich ist schon länger trocken. Der hier gezeigte zweite Teich ist fast trocken. Schon im letzten Jahr waren die Teiche fast trocken. Dieses Naturschutzgebiet verliert mehr und mehr an Bedeutung.»

Hier sein Foto dieses Bereiches. Eine größere Bedeutung scheint das Thema in den Medien (Internet) bisher nicht erlangt zu haben. Vielleicht sollte die Stadt ihre Website mal anpassen oder irgendwas Vernünftiges dazu schreiben?

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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