Gesellschaft   ·  3 Min.

Corona vernebelt den klaren Blick

Wahrscheinlich spielt in meinen Gedanken über Corona mit, dass ich bald 67 Jahre alt bin. Nicht nur deshalb gehöre ich auch zur Risikogruppe.

Die Bilder von vollen Intensivstationen haben mir beunruhigt. Angst macht egoistisch. Allerdings mache ich mir auch Sorgen um meine Schwiegermutter (96) und Mutter (88). Das liegt insoweit in der Natur von uns Menschen. Warum das nicht für alle gilt, erschließt sich mir nicht. Es ist wohl eine Frage der Intelligenz.

Ich habe mich nie gefragt, welche Altersgruppen sich an den unseligen Quertreiber-Demos und Aktionen beteiligen. Sicher waren auch Leute dabei, die in meinem Alter oder älter sind. Damit scheint klar, dass das Alter allein als Trigger für eine vorsichtige, umsichtige Einstellung zum Virus nicht infrage kommt. Solidarität ist kein Wert, der allen in dieser Gesellschaft etwas bedeutet. Von diesen Leuten zu erwarten, in ihre Überlegungen die Lage in Nachbarländern einzubeziehen, ist offensichtlich zu viel verlangt.

Nicht genug Opfer?

Es gibt auch jetzt Länder, in denen hunderte bis über tausend Menschen an diesem Virus versterben – jeden Tag. Europa steht laut WHO derzeit im Zentrum der weltweiten Virus-Infektionen.

Die Zahl der Neuinfektionen treibt nicht nur in Deutschland Ärzte und Krankenschwestern- und Pfleger um. Es gibt schlimme Berichte aus Nachbarländern.

Zur Verhinderung einer Corona-Erkrankung reicht kein Vitamin C – Schub,
wie manche Corona-Leugner Glauben machen möchten.

Es steht demnach zu befürchten, dass auch bei uns Engpässe bei Intensivbetten entstehen. Und zwar auch deshalb, weil zu wenig qualifiziertes Pflegepersonal zur Verfügung steht. Kein neues Problem also und eines, für das wir auch mit größten Anstrengungen keine kurzfristigen Lösungen finden werden, selbst dann, wenn die Regierung bzw. die dafür zuständigen Stellen verrentete Ärzte und Krankenpflegepersonal in größerer Zahl verpflichten können.

Ich habe einmal gelesen, dass in den vergangenen Jahren mehrere hunderttausend Kranken- und AlternpflegerInnen ihre für unsere Gesellschaft so wichtige Arbeit aufgegeben haben, weil sie nicht mehr daran glauben konnten, dass sich an den schlechten Arbeitsbedingungen etwas ändern würde. Das ist kein Ruhmesblatt für eine vorausschauende Politik.

Belastung der Intensivstationen – auch in Deutschland

In den letzten Tagen sind am Tag über 100 Menschen in deutschen Krankenhäusern nach einer Covid-19 Erkrankung gestorben. Am 6.11. verstarben in Deutschland 179 Menschen an Covid-19. Dieser Tageswert ist gar nicht weit von den täglichen Todeszahlen entfernt, die wir im Frühjahr dieses Jahres erlebt haben.

Mir leuchtet es ein, dass die massiv gestiegenen Infektionszahlen schlussendlich dazu führen, dass auch die Zahl der Menschen mit schweren Verläufen steigt und damit die Kapazitätsgrenze der Krankenhäuser unterschiedlich schnell erreicht werden könnte. Es gibt Notfallpläne, damit überlastete Intensivabteilungen durch das Auslagern von Patienten auf andere Krankenhäuser arbeitsfähig bleiben.

Es sollen über 45.000 Demonstranten in Leipzig protestiert haben, u.a. wurde «Merkel muss weg» skandiert. Für mich macht das deutlich, mit welchen Leuten wir es bei diesen Aktionen zu tun haben. Ja, ich hätte – anders als die Richter, die diese unnütze Veranstaltung erlaubt haben, dafür gesorgt, dass es nicht zu diesem neuerlich Affront gegen die Demokratie gekommen wäre. Unsere Richter sorgen ja auch dafür, dass die Veranstaltung mitten in Leipzig stattfinden konnte und nicht irgendwo in einem Außenbezirk. Dass die Polizei am gleichen Tag gegen linke Chaoten in Connewitz erheblich aktiver war als gegen die rechten Spinner und Verschwörungstheoretikern wurde (nur) von der taz thematisiert.

So viel zum Thema, was in Sachsen immer noch Sache ist. Landespolitik und Polizei sind, was rechte Aktionen anlangt, blinder als nur auf einem Auge.

Zuletzt hören wir häufig von Ärzten, die sich über die Wahrnehmungsdefizite der Corona-Leugner beklagen. Wer unter der täglich hohen Belastung durch die stark gestiegenen Zahlen von Corona-Erkrankten steht, kann kein Verständnis für solche Leute aufbringen, die die Ursache für diese Belastung glatt abstreiten.

Für sie bleibt das schlagende Argument, dass bisher keine signifikante Übersterblichkeit belegt ist. Das reicht vielen dieser Leuten als Argument. Hauptsache, es geht hart gegen die Maßnahmen der Regierung.

Präventionsparadox

Es ist verrückt, wenn solche Leute aus fadenscheinigen Gründen alle staatlichen Maßnahmen ablehnen und später dann anhand der auf dieser Basis erreichten kleineren Opferzahlen die Frechheit besitzen, diese als Bestätigung ihrer völlig abwegigen Ansichten zu benutzen.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

3 Gedanken zu „Corona vernebelt den klaren Blick“

  1. Besonders betrüblich finde ich, dass sich jetzt auch unter normalerweise politikfreien Gartenbloggern Corona-Schwurbler outen, vom großen Plan, den «unsinnigen Masken,» den Schlafschafen etc. quatschen! Es ist ein Elend! Eine geistige Pest, die diese Leute für sachliche Argumente unzugänglich macht.

    Aber ich werde nicht mitmachen, jedenfalls nicht im Gartenblog, denn daran will ich mir die Freude nicht verderben lassen. Deshalb bleibt es politikfrei, mal abgesehen von Klima- und Ökologischen Themen.

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  2. Schlimm, wie sich diese Pest immer weiter ausbreitet. Dein Vorhaben, dir nicht die Freude an deinem Hobby verderben lassen, ist die einzig richtige Methode. Uns allen macht das Virus das Leben schwer. Dass wir es uns auch noch gegenseitig schwer machen, liegt an diesen derben Idioten.

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