Der kultivierte Skeptiker Fleischhauer

Wie wäre die Welt, wenn alle das gleiche dächten, die gleichen Dinge und Menschen liebten oder wenn alle die gleichen Autos führen und alle Wohnungseinrichtungen gleich aussähen?

Die Frage schließt nicht nur Geschmacksfragen ein, sondern auch Ansichten über all das, was uns Menschen im Laufe unseres Lebens begegnet und was uns möglicherweise trennt.

Sagen an dieser Stelle nicht die meisten, dass es gut ist, so wie es ist?

Es gibt Leute – ihnen sind wir alle schon begegnet -, die sich besonders darum bemühen einzigartig zu sein – in ihren Gedanken und zum Beispiel auch in der Art, ihre Wohnung einzurichten.

Individualismus ist fein, solange er nicht in der Art und Weise kultiviert wird, wie das einer wie Jan Fleischhauer in seiner neuesten Kolumne wieder mal versucht. Ich glaube, er hat nicht nur einmal erklärt, er sei einer von denen, die schon aus Prinzip dagegen seien. Sinngemäß.

Skepsis und Unsicherheit

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl der Skepsis und Unsicherheit, angesichts der Vielzahl von offenen und leider auch existenziellen Fragen? Braucht es dafür den «Henry-Nannen»-geschulten Skeptikerblick? Den des Profiskeptikers Jan Fleischhauer? Zugegeben, Fleischhauer versteht sich sehr gut darauf, geschliffene Texte zu formulieren. Aber warum muss er immer so übertreiben? Ok, das war naiv von mir. Es geht natürlich um Auflage und Klicks, die Währung die zählt.

Fleischhauer von 0 auf 1 der vielgelesenen Artikel

Fleischhauer fährt zu einem Seminar an seiner alten Schule. Es gibt Widerspruch für seine nicht nur im politisch gegnerischen Lager beliebte Thesen vom links-grün gewendeten deutschen Journalismus. Das liegt an der Klientel. Sie fühlt sich offenbar angesprochen. Jedenfalls ist das Fleischhauers Schlussfolgerung.

Gern gelesen, gern gerieben

Seine Kolumne wird ihm wieder aus der Hand gerissen – sozusagen. Sie steht kurz nach ihrer Veröffentlichung ganz oben in den Charts von Top.st. Generell ist es ja so, dass viele Menschen Fleischhauers Kolumne lesen. Durchaus auch viele, die sie nicht schätzen, sondern ihre Ablehnung äußern (wie ich zum Beispiel). Geht es darum? Warum funktionieren die Filterblasen und Echokammern nicht so, wie uns immer erzählt wird?

Als ich mich nach zwei Stunden verabschiedete, sagte die Sekretärin, sie habe noch nie erlebt, dass dem Referenten entgegengehalten wurde, er würde Unsinn verbreiten. Besonderen Widerspruch rief meine Einschätzung hervor, dass sich die meisten Journalisten auf seltsame Weise einig seien. Das wiederum fand ich ganz komisch, da die Empörung meinen Punkt eindrucksvoll zu bestätigen schien, wie ich meinte.

Jan Fleischhauer: Wenn der Journalisten-Nachwuchs geschlossen links wählt – FOCUS Online

Dabei gibt es neben seinen Lesern tatsächlich doch genug Kollegen, die seine Ansichten teilen und verbreiten. Ich kann die lange Liste von Journalisten oder alternativen Medien hier nicht aufführen, die mit einem so oder ähnlich klingenden «Framing» durchs Land reisen.

Was läuft in den USA?

Welche Hinterwäldler haben diesen Elenden in Washington nach vier Jahren wiedergewählt? Fleischhauer urteilt, seine Kollegen seien nicht bereit gewesen, sich mit dem Grund für die mögliche Wiederwahl auseinanderzusetzen. «Aber Abstecher in das Habitat des Trump-Wählers sind wie Safaris zu einer seltenen Spezies. Man besucht sie so, wie man Urwaldbewohner besucht.»

Aus Umfragen wissen wir: Corona spielt für die Demokraten die entscheidende Rolle, für die Republikaner ist es die Wirtschaft, die Waffen, die Privilegien der Weißen.

Es gibt unter den Trump-Wählern viele, für die der wirtschaftliche Aufschwung (bis Corona) mehr zählte, als die Bekämpfung eines Virus, an dessen Gefährlichkeit viele Trump-Anhänger nicht einmal heute glauben. Wem diese monokausale Begründung zu dünn ist, dem möchte ich erwidern, dass er in Erwägung ziehen möge, selbst die Amis noch nicht verstanden zu haben.

Meinungsjournalismus und das «Westfernsehen»

Möchte Fleischhauer mit seiner Kollegenschelte die Umkehr vom Meinungsjournalismus zu jenem 1000fach falsch kolportierten, nichtsdestotrotz legendären Anspruch eines Hajo Friedrichs befördern?

Ich habe schon viel über die angebliche Dominanz grün-linker Ideen unter JournalistInnen gelesen. Umfragen und Studien haben sich mit dem Gesinnungsjournalismus befasst. Hilfreich war das nicht. Dass es ör TV-Sender gibt, die den Begriff «Framing» gesetzt haben, war wenig hilfreich. Die Feinde der Demokratie sagen: Danke!

Dass es oft ältere, am Ende ihrer beruflichen Laufbahn stehende Journalisten sind, die sich mit diesen medienkritischen Themen intensiv befassen, fällt hoffentlich nicht nur mir auf (Indubio ist dafür ein Beispiel). Dass sie ihren jungen KollegInnen ein so «schlechtes» Zeugnis auszustellen, scheint mir wenig souverän. Die Zeiten haben sich geändert. Vielleicht ist für die Art von Journalismus, der sie nachweinen, gar kein Platz mehr vorhanden? Und zwar weniger aus politischer, sondern aus ökonomischer Sicht?

Dass solche Beiträge wie die von Fleischhauer rechtskonservativen Kreisen in die Karten spielen, ist offensichtlich. Sie sehen hinter dem sie kaum noch beachtenden Mainstream ein politisch-mediales Kartell am Werk.

Dies lässt sich für Propaganda sehr gut nutzen. Sie verfängt bei vielen, nicht nur in Deutschland.

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Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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