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Prof. Drosten: „Ich finde, die Medien müssen jetzt aufhören damit“.

Das wird doch alles von den Medien hochsterilisiert! Bruno Labbadia

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Professor Christian Drosten hat dem «Stern» ein Interview gegeben und nun mit der verkürzten Darstellung (u.a. in einigen Nebenberichten) seine Probleme. Viele Medien handhaben solche Dinge bekanntlich auch nicht anderes als der «Stern». Ein neuer Stern am Medienhimmel muss das ertragen. Oder auch nicht! Ich finde es gut, dass Drosten sich wehrt.

Medien
So sieht es in der Clickbait – Welt vieler anderer Medien aus, die es «STERN» nachgemacht haben.
Einfach mal bei Google «Drosten Fußball» eingeben, Newsbereich.

[…] Ich finde, die Medien müssen jetzt aufhören damit. Sonst können wir als Wissenschaftler auch nicht mehr solche Sachen machen, wie ich sie hier mache. Meine Kollegen sind da zum Teil viel vorsichtiger. Das ist natürlich der Hauptgrund, warum nicht viele andere Wissenschaftler in der Öffentlichkeit kommunizieren, weil es eben dauernd zu solchen Sachen kommt. Das ist einfach nicht mehr erträglich inzwischen.

Prof. Christian Drosten in seinem NDR – Podcast vom 23.03.2020

In seinem Podcast erzählt er sehr freimütig und offen, wie ihn die Handhabung seines Interviews mit dem «Stern» irritiert habe. Dass er von gewissen Subjekten (meine Wortwahl!) in fiesen E-Mails angegriffen wurde, ist zwar typisch für viele in unserer Gesellschaft, die sich gern von Überschriften beeinflussen lassen oder die keine Zeit haben, sich mit komplexeren Problemen auseinanderzusetzen. Wenn solche Menschen dann auch noch über Wochen ihr Betätigungsfeld für Aggressionsabbau vorenthalten kriegen, laufen sie verbal Amok. Leider ja nicht nur verbal.

Das ist einfach nicht mehr erträglich inzwischen. Das macht mir als Person auch Angst, weil ich natürlich merke, wenn so etwas verkündet wird. Das ging irgendwann Sonntagnachmittag raus über die Server, ich habe das daran gemerkt, dass in meinem E-Mail-Eingang plötzlich aggressive Kommentare auftauchen, die mich wirklich angreifen. Und wo ich merke, da sind Leute, die ich nicht kenne, die mich nicht kennen, die aber meine E-Mail-Adresse rausgekriegt haben und die mich jetzt befeuern. Und das ist, sagen wir mal die harmloseste Konsequenz. Ich finde es aber auch sehr gravierend, was da an Missverständnissen entsteht. Und wir müssen uns mal klarmachen: Zu welchem Zweck? Letztendlich nur für Auflage.


(19) Christian Drosten // Coronavirus-Update: Masken können andere schützen | NDR.de – Nachrichten – NDR Info

Stellungnahme des «Stern» zum Ereignis:

Anmerkung der Redaktion: In einer unserer Einzelmeldungen zum stern-Gespräch mit Christian Drosten, dem Leiter der Virologie der Charité in Berlin, haben wir seine Aussage über Fußballspiele in der Öffentlichkeit thematisiert. Drosten sagte uns im Interview: „Ich glaube überhaupt nicht daran, dass wir in irgendeiner absehbaren Zeit wieder Fußballstadien voll machen. Das ist überflüssig. Das wird es bis nächstes Jahr um diese Zeit nicht geben“. In Überschrift und Vorspann der Meldung, die auf das ganze Interview verweist, wurde nur ein Teil einer längeren Passage zu gesellschaftlichen Distanzierungsmaßnahmen hervorgehoben, in der es um unterschiedliche Wertigkeit von Freizeitveranstaltungen gegenüber gesellschaftlich unverzichtbaren Einrichtungen geht. Dabei wurden Fußballstadien und Schulen als gegensätzliche Beispiele verwendet: „Auf Dinge, die schön sind, aber nicht systemrelevant, wird man lange verzichten“, vermutet Drosten. Lediglich bei Maßnahmen wie Schulschließungen werde vermutlich in näherer Zukunft zu prüfen sein, ob diese wirklich den gewünschten Effekt erzielt hätten. Wir wollten damit in keiner Weise den Eindruck entstehen lassen, dass es in der aktuellen Debatte rund um das Covid-19-Virus um eine reine Fokussierung auf den Fußball geht. Darum geht es Christian Drosten, wie er an anderer Stelle unseres Interviews betont, ausdrücklich nicht. Das können sie in weiteren Einzelmeldungen zu seinem Interview bei uns hierhier und hier nachlesen.

Quelle

Dass solche Korrekturen nicht helfen, um gesetzte Irrlichter ungeschehen zu machen, weiß auch jede/r. Es ist ein Kreuz mit den Medien. Keine Ahnung, wie es bei denen um die Systemrelevanz steht. Auf manche könnte man verzichten.





Artikelautor Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

4 Gedanken zu „Prof. Drosten: „Ich finde, die Medien müssen jetzt aufhören damit“.“

  1. Er hatte schon letzte Woche bei lanz gesagt, dass das aus dem Ruder laufe.
    Die zweit- und drittverwertung seiner notgedrungen knapp gefassten ,verbalen Aussagen hat er nicht in der Hand.

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  2. Man ist an die entstellende Wiedergabe von Interview – Sequenzen fast gewöhnt. Beim aktuellen Theme ist das aber wohl noch weniger hinnehmbar als sonst. Drosten ist daran natürlich auch noch nicht gewöhnt. Er wird da noch hinzulernen.

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  3. Dieses Verhalten der Journalisten ist typisch und schon immer ein berechtigter Aufreger. Ich hatte damit in jeder Lebensphase zu tun, in der ich mich politisch/gesellschaftlich engagierte. Und immer wieder diesselbe frustrierende Erfahrung gemacht, dass einem die Worte im Mund „herum gedreht“, Aussagen verschärft und verkürzt werden, oft geradezu verfälscht. Hauptsache, die „Story“ wird fetzig, scheiß drauf, was das sonst so für Folgen für die Beteiligten hat.
    Ich lese Skandalisierungen irgendwelcher Aussagen auch immer vor diesem Erfahrungshintergrund. Selbst beim politischen Gegner finde ich nicht immer richtig, was da manchmal vvöllig aus dem Zusammenhang gerissen genutzt wird, um ordentlich zu shitstormen (das trifft natürlich nicht nur bei Journalisten zu, aber von ihnen erwartet man tendenziell noch ein etwas anderes Verhalten).

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    • Ja, typisch und Drosten wird auch lernen müssen, damit umzugehen. Er hat es ja indirekt auch selbst gesagt. Ärgerlich ist vor allem, dass diese Art auf eine vielfach unkritische Öffentlichkeit stößt. Was ich toll finde ist, wie offensiv Drosten damit umgeht. Davon können viele lernen. Bisher macht er das richtig gut, finde ich.

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