Bedburg   ·  3 Min.

Fotografieren verboten

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Beim Fotografieren kann man unangenehme Erfahrungen machen. Ich habe sowas bisher nicht auf dem Zettel gehabt.

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Wenn ich, was leider sehr selten ist, mit meiner Frau mal für ein paar Stunden unterwegs sein kann, nehme ich grundsätzlich meine Kamera mit. Das habe ich mir so angewöhnt.

Ruine in Alt-Kaster

Heute waren wir in Grevenbroich. In einem Einkaufscenter habe ich ein paar Fotos gemacht, weil mir das Licht gefiel. Es war leer. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes forderte mich unvermittelt in sehr höflichem Ton dazu auf, nicht mehr zu fotografieren. Es sei verboten, fügte er hinzu.

Vielleicht lag es an den Beschränkungen, die uns wegen Corona auferlegt wurden (Die Maske war übrigens aufgesetzt): ich war irgendwie sauer. Deshalb fragte ich nach, weshalb das Verbot denn existiere und fügte meine Mutmaßung an: „Liegt es daran, dass das Center so wenig vermietete Flächen hat?“ Natürlich erhielt ich auf diese Frage keine Antwort. Das war auch irgendwie gemein. Es ist ein schön gelegenes Center, aber es scheint auch nicht geholfen zu haben.

Später las ich die Hausordnung des Centers. Da stand es, ich glaube, unter Punkt 2 der langen Liste: Hausieren, fotografieren…. verboten! Nun, wer liest schon beim Besuch eines Einkaufscenters die Hausordnung? Also ich bisher noch nicht.

Draußen war’s dann einfacher. Ich habe fotografiert.

Kirche in Grevenbroich

Erst kürzlich hatte ich ein anderes schräges Erlebnis. Meine Frau und ich waren mit meinem Großneffen unterwegs. Ich hatte ihm versprochen, die Ruine von Kaster zu besuchen, und zwar im wörtlichen Sinne. Wir wollen sie, wie schon häufig, besteigen, nicht nur anschauen oder fotografieren.

Burgruine Alt-Kaster

Auf dem Weg dorthin begegnete uns ein Mann mit Hund. Er erzählte, dass an der Ruine ein paar Jungs unterwegs seien, die dort halsbrecherische Übungen vollziehen würden. Sie sprangen von einer meterhohen Mauer zur nächsten. Sie hätten nicht auf seine Warnungen gehört, diese riskanten Manöver zu lassen.

Von der der Ruine gegenüberliegenden Seite habe ich schon viele (zu verschiedenen Jahreszeiten insgesamt bestimmt 10-15) Fotos gemacht. Ich sah die drei Jungs und machte auch jetzt ein Foto von der Ruine.

Einer der Jungen, der mir später verriet, er sei 12 Jahre alt, schrie zu uns herüber (Distanz ca. 30 Meter), ich solle sofort das Foto löschen. Er hätte mir das nicht erlaubt.

An dieser Stelle konnte ich die volle Souveränität meiner 66 Lebensjahre ausspielen.

Ruine Alt-Kaster
Nochmal die Ruine

Da wir immer noch zur Ruine wollten, haben Fynn und ich unseren Weg fortgesetzt und kamen mit diesem unverschämten Heranwachsenden sozusagen Brust zu Auge ins Gespräch.

Ich stelle mir vor, wie überfordert ich wohl als Lehrer oder Erzieher gewesen wäre. So einen rotzfrechen Bub hab‘ ich bisher noch nicht erlebt. Aber was heißt das heute schon? Wenn man sich so mit jüngeren Menschen unterhält, scheinen derartige Erfahrungen mit unerzogenen, rotzfrechen Kindern ganz normal zu sein.

Der Junge drohte mir, seinen Polizisten-Onkel in den Fall einzuschalten. Ich wollte gefälligst das Foto sofort löschen und so weiter und so fort.

Ich hätte ihn stehen lassen, einfach weggehen sollen, aber ich hatte Fynn versprochen, auf die Ruine zu klettern. Und das taten wir schließlich auch. Die 3 Burschen behielten uns die ganze Zeit über im Auge und verfolgen uns mit ihren Rädern bis zu unserem Auto. Wahrscheinlich hat sich der 12jährige meine Autonummer notiert, um seinen Onkel um Amtshilfe zu bitten. Er war zwar saufrech aber so clever wie er glaubte, war er wohl doch nicht.

Heute kann man Sachen erleben, die ich in der Form für unmöglich gehalten hätte. Was dieser Rotzlöffel mir alles erzählt hat, auch von sich, möchte ich nicht alles wiederholen. Es war happig.

Ich hätte mich nicht hinreißen lassen und diesen Flegel ignorieren sollen. Vielleicht lags an Corona, dass ich drauf eingestiegen bin?

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Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

8 Gedanken zu „Fotografieren verboten“

  1. Ich hab schon oft in Einkaufscentern fotografiert, was ist das denn für eine blöde Hausordnung?
    Erlebt hab ich mal eine „Ansprache“, als ich in einem Laden was fotografiert habe (Home-Deko), um es dem Liebsten zu senden, wie er das findet (war eine Figur). Wurde ich angemacht, fotografieren verboten, Foto löschen usw. Der Onkel hatte noch was von „Musterschutz“ oder so geschwafelt. Hatte mich danach kundig gemacht, es darf sowieso jeder nach Hausrecht eine Hausordnung kreiren, wie idiotisch auch immer. Nur sichtbar muss diese sein.
    Jedenfalls durfte der Elefant dann nicht bei uns einziehen…
    Zu der Ansprache des Rüpels: finde ich immer besser als ignorieren, denn irgendwas bleibt immer hängen (ob der Rüpel das nun will oder zugibt oder nicht).
    „Sein“ Recht am eigenen Bild ist ja erloschen, wenn er nur Beiwerk im Foto von öffentlichen Raum ist, das hast du ihm ja sicher erklärt? (vielleicht isses ja hängen geblieben, denn Rüpel hat sich den Quatsch ja nicht ausgedacht sondern, von wem auch immer, Blödsinn erzählt gekriegt… )

  2. @Miki, sone Hausordnung muss man ja erst einmal lesen. Wer liest die schon, wenn er ein EKZ besucht? Ich habe das noch nie getan. Allerdings weiß ich seit gestern (Recherche im Internet), dass diese Bestimmung in Hausordnungen von Einkaufszentren durchaus vorkommt. Insofern muss man sich juristisch gesehen dran halten. Es gehört zum Hausrecht. Und vielleicht möchte man ja, dass die übrigen Kunden von Fotografen nicht unnötig „belästigt“ werden. Wäre ja als Grund irgendwie auch anzuerkennen. Ich fands doof.

    Was den Rüpel anlangt, habe ich ihm kindgerecht zu erklären versucht, dass er mit seine Forderung falsch liege. Von den juristischen Regelungen habe ich nur allgemein gesprochen und ihm geraten, seinen Polzei-Onkel diesbezüglich ruhig mal zu fragen. Dieser werde das vielleicht auch wissen. Aber er war einer von denen, die wir im Erwachsenenalter als unbelehrbar kennengelernt haben.

  3. @Claudia, ich habe versucht, es ihm zu erklären. Auch, dass es rechtliche Regeln für diese Dinge gibt. Das hat ihn nicht beeindruckt. Ich könnte mir vorstellen, dass seine Eltern ihn mit ihrem Halbwissen beeinflusst haben. Übrigens es hat ihn auch nicht beeindruckt, dass ich dieses Foto nicht veröffentlichen würde. Ich hätte schon genügend andere Bilder der Ruine. Diese wären mir auch besser geglückt, weil sie ohne darauf herumturnende Kinder waren.

    • Vielleicht hättest Du dem Bubi ja erzählen sollen, dass er berühmt wird, weil Du das Foto im Auftrag einer Modelagentur oder eines weltbekannten Fotografen machst? Hey, da hätte er aber gestrahlt!

      • 🤣👀Das glaube ich eher nicht. Wenn du seine Augen gesehen hättest, würdest du das auch nicht glauben. Der war einer diesen zukünftigen Krawallos. Einer von denen, die immer überzeugt davon sind, im Recht zu sein.

  4. Nützt nichts, der Betreiber des Einkaufzentrums ist im Recht. Wenn er keine Fotos will, kann er das verbieten, auch in der Hausordnung, selbst wenn sie nicht sichtbar ist. Was mich nur immer ärgert, ist die Tatsache, dass Kamerafotografen unerwünscht sind, aber alle Handyfotografen hemmungslos abdrücken und es offenbar auch niemanden interessiert. Deshalb mache ich Fotos in Einkaufszentren oder großen Geschäften immer nur mit dem Handy. Und wenn sich jemand aufregt, sage ich, ich wolle einer Freundin dieses oder jenes Foto schicken, um sie zu fragen, ob ihr die Ware gefällt und das ein gutes Geburtstagsgeschenk sei.

    • Das mit den Handys ging mir auch sofort durch den Kopf. Da werden doch garantiert laufend Aufnahmen gemacht und keiner macht was dagegen. Vielleicht fürchten die in den Einkaufszentren, dass durch die Fotografien zu viele Leute mitkriegen, wie die Leerstände in den verschiedenen EKZ’s sind. In meinem Fall ist es z.B. eine ausgemachte Katastrophe. Aber das liegt ja leider auch im Trend. Vielleicht wollen die Betreiber aber auch nicht, dass ihre Kunden sich belästigt fühlen? Egal, Hausrecht ist Hausrecht.

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