Haben Migranten es in Deutschland noch schwerer als in anderen Ländern?

Für rechte und konservative Medien scheint klar zu sein, dass die Übertreibungen rund um #blacklivesmatter dazu beitrugen, dass es in Stuttgart zu schweren Ausschreitungen gekommen ist. Meinen Artikel von gestern hatte ich schon geschrieben, bevor ich Cicero, NZZ oder Junge Freiheit gelesen hatte. Die Achse und Tichy reichern ihre Berichterstattung an mit Hinweisen auf Gewalt durch Migranten.

Objektive Berichterstattung über die ethnische Zusammensetzung der Gewalt – Fehlanzeige

Es bereitet mir ein echtes Missvergnügen, die Einschätzung dieser Medien weitgehend zu teilen.

Was die Beschreibung in den deutschen Mainstreammedien (ARD und ZDF eingeschlossen) anlangt, kann ich ebenfalls kaum widersprechen. Ich lese im subtext ihrer Nachrichten zu den Ausschreitungen: Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Für mich jedenfalls. Sie nennen die Dinge nicht beim Namen. Kann man also nicht vom Framing sprechen?

Stuttgarter Partyszene rastet aus

Den folgenden kurzen Text habe ich einem Tweet entnommen. Man kann ja darüber lachen. Und Rex Gildo wird sich im Grab rumdrehen, damit in einen Top geworfen zu werden.

Wir sind früher auch in #Kleingruppen durch die #Partyszene gezogen und haben „Allahu Akbar“ gerufen. Meist im direkten Wechsel mit „Hossa, Hossa, Hossa„…

Die Zahl der beteiligten Migranten ist zu groß, um die Bedeutung herunterzuspielen. Deren Beteiligung war kein Zufall, sondern das Resultat dieser penetrant wehleidigen Abrechnung mit allem, was weiß ist! Und natürlich dem, was Deutschland den Migranten insgesamt antut.

Mir ist ganz egal, ob man mir abnimmt, dass ich kein Rassist bin und deshalb nie einem Menschen mit anderer Hauptfarbe etwas Böses antun oder auch nur wünschen würde. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass Chancengleichheit hergestellt wird, im persönlichen und beruflichen Kontext. Das ist nämlich das Wesentliche. Die Voraussetzung für so vieles, das aber leider längst noch nicht erreicht ist.

Migranten - Blacklivesmatter

Jetzt komme ich zum Punkt! Menschen, die sich zu Unrecht beschuldigt und angegriffen fühlen, reagieren mitunter aggressiv. Das dürfte jeder wissen oder insofern auch verstehen. Menschen funktionieren so und zwar unabhängig von Bildung und sozialem Status und zwar selbst dann, wenn sie ihrem Naturell entsprechend, nicht dazu neigen.

Deutschland – Alptraum für Migranten

Wenn ein Migrant den Satz postet, „Eure Heimat, unser Alptraum“ (heute gelesen) und dafür jede Menge Likes und Retweets erntest, pisst mich das echt an. Ich gehöre nicht zu denen, die als Antwort das fast unvermeidbare „Dann hau doch ab“ in der einen oder anderen Variante posten.

Die brutalen Angriffe auf Polizisten mögen manche Idioten beklatschen und als „normale“ Reaktion auf sonstwas bezeichnen. Die sollte man daran erinnern, dass das Gewaltmonopol beim Staat liegt. Er hat es an die Polizei delegiert.

Die Idee des Gewaltmonopols will, dass die Angehörigen eines Gemeinwesens darauf verzichten, Gewalt (z. B. im Wege der Selbstjustiz) auszuüben. Die Angehörigen verzichten darauf, tatsächliche oder vermeintliche Rechte und Ansprüche durch individuelle Ausübung von Zwang durchzusetzen. Vielmehr überträgt in Deutschland das Volk in Art. 20 GG „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ seinen Schutz und deren Durchsetzung ganz auf die staatlichen Judikativ- und Exekutivorgane; also an Gerichte beziehungsweise Polizei und Verwaltung. Diese wiederum sind in einem demokratischen Rechtsstaat an das von der Legislative sanktionierte Recht und Gesetz gebunden.

Gewaltmonopol des Staates – Wikipedia

Wozu noch Polizisten?

Weil es durch Beamte der deutschen Polizei immer wieder zu rassistisch motivierten Taten gekommen ist und weil in dieser Gesellschaft ein (nicht kleiner) Teil der Bevölkerung rassistische Tendenzen zeigt, soll jetzt nach Ansicht mancher Demonstranten eine neue Welt erschaffen werden. Eine, die frei ist von Rassismus und Vorurteilen. Wo darf ich unterschreiben?

ABER – wir brauchen unsere Polizei wie auch die vielen anderen, die mit dazu beitragen, unsere Gesellschaft am Laufen zu halten und ein zivilisiertes Miteinander garantieren. Vielleicht wünschen sich manche Anarchie oder etwas mehr Sinn für ein gewisses Maß an Anarchie. Manche behaupten, die Firnis der Zivilisation sei sehr dünn und zerbrechlich. Wir haben eine Vorstellung davon, was gemeint ist. Dazu muss man kein Fan von so was Verrücktem wie The Purge sein. Schaut euch auf der Welt um und denkt ruhig etwas gründlicher darüber nach, was uns in Deutschland seit Kriegsende dieses behütete Leben ermöglicht hat. Nein, nicht Trump und seine Soldaten und Atomwaffen. Vielleicht auch – ein bisschen. Aber im Wesentlichen ist unsere demokratisch-rechtsstaatliche Grundordnung der Grund dafür. Dazu gehört die Polizei PUNKT!

Gemeinwesen ohne Polizei?

Zu einem funktionierenden Gemeinwesen gehört Polizei. Teile unserer Gesellschaft driften aus Gründen, für die mir Verständnis fehlt, in eine eigenartige, manchmal selbstzerstörerisch wirkende Richtung. Die Diskussionen um eine rassistische Vergangenheit und Gegenwart (Denkmäler, Spielfilme, Bücher u.s.w.) forciert die sowieso schon fortgeschrittene Spaltung einer Gesellschaft, die sich vor große Probleme gestellt sieht und der darauf die Antworten fehlen.

Dass es viele im Land gibt, die die Anwesenheit so vieler Migranten nicht richtig finden, ist leider eine Tatsache. Der Deutsche hat es, glaube ich, gern ruhig und geordnet. Das mag man kleinbürgerlich oder einfach nur typisch deutsch finden. Ob die ganz Jungen noch so ticken? Ich weiß es nicht. Ich sehe, dass die ethnische Zusammensetzung unserer Bevölkerung für ganz viele (Junge vor allem) etwas völlig normales ist. Meine Hoffnung ist also, dass sich die Schwierigkeiten, die wir heute noch sehen, auf natürlichem Weg entfallen könnten. Die Dinge ändern sich, nicht nur ethnische Zusammensetzungen der Länder.

Wieso üben auch Migranten diese brutale Gewalt gegen Polizisten aus?

Wenn sich andererseits aber junge Männer mit Migrationshintergrund so aufführen, wie wir das in Köln, jetzt in Stuttgart und überhaupt an vielen anderen Stellen des Landes erlebt haben, ist das nicht nur ein Zeichen von fehlender Dankbarkeit. Viele Menschen im Land sehen darin eine Bedrohung für sich und ihre Familien. Wir haben erlebt, wie allein diese Gefühle zu einem Meinungswandel über Migration führen.

Ich frage mich, ob wir mit dem, was wir in Stuttgart oder in Dijon, Frankreich, gesehen haben, nicht an einem Punkt angelangt sind, an dem wir erkennen müssen, dass unsere Polizei, egal, wie sie personell oder technisch ausgestattet ist, nicht mehr die Oberhand gegen marodierende und sehr gewaltbereite junge Männer erlangen kann und doch gerade die Schwächeren in unserer Gesellschaft solcher willkürlichen Gewalt schutzlos ausgeliefert sind?

Schweres Los der Migranten in Deutschland

Ganz unabhängig davon, welche Beweggründe Menschen zu solchen Taten führen, ob ihr Alter, ihre Erziehung, ihr persönlicher Hintergrund oder was auch immer für Menschen prägend ist, verantwortlich zeichnen, es ist für keine Gesellschaft hinnehmbar, dass diese Vorkommnisse zur Normalität werden. Leider scheint das aber so. Wenn sich die jungen Migranten in Deutschland unwohl fühlen, hat das sicher Gründe. Aber dann sollen sie unser Land verlassen. Darin wird sie niemand hindern!

Ich kann nachvollziehen, wie einsam und verloren sich viele von ihnen fühlen, weil sie wenig bis gar nicht in dieser Gesellschaft angenommen wurden. Migrant sein ist ein schweres Los. Um das nachvollziehen zu können, muss man nicht selbst Migrant sein. Wenn aber Menschen Teilen unserer Gesellschaft in der vielleicht für sie auch nur vorübergehenden neuen Heimat, Ablehnung oder sogar offen ihre Feindseligkeit zeigen, wird es kritisch.

Nazi-Hipster melden, dass Multi-Kulti gescheitert sei

Wenn Nazi-Hipster wieder mal bekunden, wie krass Multi-Kulti gescheitert ist, hat man die Gewalt von Stuttgart gleich vor Augen. Eine der Stuttgarter Szenen, die viel Empörung ausgelöst haben, zeigen einen Mann, der mit ausgestrecktem Bein einem Polizisten in den Rücken springt. Bilder, die Abscheu und Wut auslösen. Man wünscht sich, dass er geschnappt und hart bestraft wird. Es war unfair und dieser Angriff sollte den Polizisten schwer verletzen. Das kann jeder sehen. Daran gibts nichts schönzureden.

Die Bilder konnte man nicht anders interpretieren. Gegen diese Taten muss sich unsere Abscheu richten aber nicht auf die in diesem Zusammenhang geäußerten Vermutungen. Es hilft niemandem, zu unterstellen, dass dieser Täter ein Migrant gewesen wäre. Denn das war nicht zu erkennen. Vermutlich war es ein junger Mann. So schnell laufen die nun mal und so hoch kriegen nur die ihre Beine.

Mir ist das Image unseres Landes nicht egal, auch nicht, wer es verdirbt!

Es ist allerdings so, dass die vielen Aufnahmen häufig junge Männer mit dunkler Hautfarbe zeigen. Inwieweit Schlussfolgerungen daraus gezogen werden, bestätigt die ethnische Zusammensetzung der festgenommenen mutmaßlichen Täter nicht. Die „BILD“ schert sich nicht darum. Aber das kennen wir ja nicht anders.

Deutschland ist ein tolles Land. Ich habe nur dieses eine Heimatland und möchte, dass es hier gut bleibt und Wunden geheilt werden. Ich wünschte, das könnten alle, auch Migranten und Nicht-Weiße so sehen. Dass sie es nicht tun, muss allen zu denken geben. Die Antworten, die die Rechten darauf parat haben, sind nicht Ausdruck irgendeiner Form des Nachdenkens.

Sie schüren und praktizieren Hass. Der beziehungsweise seine schlimmste Form der Eskalation ist ja der eigentliche Hauptgrund dafür, dass so viele Migranten nach Deutschland gekommen sind und hier endlich in Frieden und sicher leben möchten. Die Allermeisten jedenfalls.

Also — haben Migranten es in Deutschland schwerer als in anderen Ländern? Woher soll ich das wissen? Die Lebensbedingungen werden überall auf der Welt unterschiedlich sein. Aber ich habs gründlich statt, ständig zu lesen und zu hören, wie mies wir hier mit Migranten umgehen würden. Ich habe nämlich den exakt gegenteiligen Eindruck. Aber das eigene Land mit Schmutz zu bewerfen, scheint in Deutschland irgendwie ja auch Tradition zu haben. Eine dumme Tradition, die von Linken und Grünen gepflegt wird.









Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

13 Gedanken zu „Haben Migranten es in Deutschland noch schwerer als in anderen Ländern?“

  1. Hast du auch den Tweet gelesen, in dem jemand berichtet hat, dass der dann angegriffene Polizist die Frau „an den Haaren hinter sich her geschleift habe, sie sich vor Schmerzen gekrümmt hätte, und er sich auf ihren Brustkorb kniete“?
    Da kann man nun sagen, der lügt, reine Schutzbehauptung. Aber ebenso könnte es wahr sein und wurde nur nicht gefilmt. Hätte das Video das gezeigt, wäre die Empörung in eine ganz andere Richtung gegangen.

    Ich habe die Zuspitzung auf das übliche „die bösen Migranten“ diesmal gar nicht ernst genommen, weil es laut den ersten Berichten „Deutsche und eine Mischung quer über den Globus“ waren, die da randaliert haben. Jedenfalls Leute, die spontan agierten und nicht im Rahmen einer Agenda.

    Wir wissen nicht, wie genau die Zusammensetzung nun war – und für jede Gruppe könnte ich unterschiedlich über die Beweggründe spekulieren. Etwa wenn auch Asylbewerber dabei waren: Die mussten während des Corona-Lockdowns weiter in Verhältnissen leben, die den Vorgaben der Virologen Hohn sprechen – wäre es da ein Wunder, wenn sie sich durch die Parole „Black Lifes matter“ angesprochen fühlen? („schwarz“ im Sinne einer „politischen Positionierung“, da fallen auch weiße Migranten drunter, die nicht so deutsch aussehen).

    Ich will die Randalierer nicht entschuldigen, aber ich lebe halt seit 40 Jahren in Berlin und habe schon sehr viel „Randale“ mitbekommen, auch Heftigeres als jetzt in Stuttgart. Das Ausmaß der Empörung richtet sich jeweils danach, wie sehr und wie viele Nicht-Randalierer mit den Anliegen der Randalierer sympathisieren.

    Man liest, es wäre applaudiert und ermuntert worden – da aber kein politisches Anliegen erkennbar war, neige ich dazu, es auf die gestiegene Aggression durch den Corona-Frust zu schieben – da wirkt so eine Randale dann wie ein Ventil.

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  2. Es gibt Polizeigewalt. Und es gibt Rassismus in der Polizei. Wahrscheinlich auch in stärkerem Maße aus im Durchschnitt unserer Bevölkerung. Die Szene, von der du berichtest, habe ich nicht gesehen. Dabei habe ich viele Videos dieses Gemetzels angeschaut. Nach Gründen dafür zu suchen, warum Demonstranten so gegen die Polizei vorgingen, ist schon legitim. Aber für mich hat Priorität, wie die Reaktion von Teilen dieser Gesellschaft gegenüber der Polizei ausschaut bzw. wie sie sich entwickelt. Nun, ich bin (fast) ein alter Mann. Da hat man es nicht mit Aufruhr und Rebellion. Da möchte man Ruhe im Karton.

    Übrigens habe ich das Gefühl, du hast den fiktiven Angriff der Polizei meinem Gedanken in einem Text zu den amerikanischen Verhältnissen genommen und einfach mal umgedreht. (•_•) Ich hatte im Fall Georg Floyd zu bedenken gegeben, dass wir alle nicht wissen, was dieser brutalen Gewaltszene vorausgegangen war. Aber solche Aussagen werden allgemein ja schnell als Relativierungsversuche bezeichnet. Wie auch immer. Natürlich kann das passiert sein. Wir haben nur den Teil der Wahrheit im Kopf, den wir als solche über die Kraft der Bild verarbeiten. Nur – was bedeutet das?

    Für mich als konservativem Bürger ist es ein Gräuel mitanzusehen, wie die Staatsmacht versagt. Die Polizisten in Stuttgart waren überfordert und sie wären es vielleicht sogar in Berlin und Hamburg gewesen, obwohl dort in dieser traurigen Hinsicht erheblich mehr Erfahrung existiert. Auch das wissen wir nicht. Ich denke wegen dieser Gemengelage an Dijon und an bürgerkriegsartigen Situationen. Und dass diese von Menschen ausgehen, die sich in einem Gastland gefälligst anders zu verhalten haben. Wer kann uns eigentlich vor solchen marodierenden Banden schützen, wenn es nicht einmal die Polizei kann? Und wie leicht lassen sich solche „kleinen“ marodierenden Banden von interessierter Seite mobilisieren und zum Zweck der Destabilisierung des Landes nutzen?

    Bemerkenswert finde ich, dass in den MSM die Beteiligung von Migranten an diesem Scharmützel heruntergespielt und zuerst sogar (wie üblich) überhaupt nicht thematisiert wurde. Dass die Stuttgarter Partieszene aufgrund der aufgezwungenen Enthaltsamkeit durchgedreht ist, halte ich für einen plumpen Versuch, irgendwas zu verniedlichen. Wie OB Kuhn in der Pressekonferenz rüberkam, fand ich absolut lächerlich.

    Wenn diesem Ereignis nicht die wahnsinnigen Blacklivesmatter Demos mit ihren für Deutschland geradezu typischen Begleiterscheinungen (Selbstbezichtigungen en mass, Denkmalschändungen, Sperre von angeblich rassistischen Filmen und die Einlassungen ach so vieler Gutmenschen im linksintellektuellen Spektrum zum Thema) hätte ich keinen Zusammenhang gesehen. Wie ich schon schrieb, ich war echt überrascht, dass konservative Medien exakt den gleichen Zusammenhang mit Blacklivesmatter gesehen haben. Vielleicht schmeichelt mir meine Einfalt nicht besonders, aber so war es nun einmal.

    Ich nehme wahr, wie immer mehr Leute still geworden sind, wenn es um Flüchtlinge geht. Ja, es ist eine Schande, wie auch Europa in dieser Beziehung versagt. Kaum einer redet noch über die Lage in Griechenland und in der Türkei. Hauptsache, die Zahl weiterer Flüchtlinge bleibt möglichst gering. So wirkt es auf mich. Dazu hat die Behandlung von Flüchtlingen in den deutschen Lagern während Corona eine Haltung offenbart, für die ich mich schäme. Ich kann mir vorstellen, wie die Menschen, die unter diesen Umständen leben müssen, über uns denken. Und trotzdem: Wenn von ihnen (ich muss es pauschalisieren) Leute auf die Straße gehen und zur Gewalt gegen die Polizei greifen, sollten sie nicht im Land bleiben.

    Ich war dafür, dass all diejenigen, die sich vor Jahren in Köln so „dankbar“ gezeigt haben, sofort ausgewiesen werden. Ich glaube, es hat fast keinen einzigen Flüchtling gegeben, dem etwas nachgewiesen werden konnte. Ausgewiesen wurde niemand. Wie mag diese Situation nachgewirkt haben bei denen, die danach hierherkamen, hier leben und die das mitbekommen haben, wie ein bedeutender Teil der öffentlichen Meinung sich positioniert hat (blacklivesmatter)? Die bösen deutschen Rassisten mit ihrer gewalttätigen Polizei? Vielleicht rede ich mir da was ein. Aber ich glaube schon, dass die Vernetzung und Information von Migranten soweit reichen, dass sie die Stimmung in Teilen unserer Bevölkerung antizipieren können.

    Selbst wenn es so wäre, dass sich hier der Corona-Frust Bahn gebrochen hat – das gibt keinem das Recht, so gewalttätig gegen Polizeibeamte vorzugehen. Auf mich wirkt deine Erklärung wie ein Beschwichtigungsversuch. Für mich gibts an solchen Auswüchsen aber rein gar nichts nachzusehen oder zu beschwichtigen. Wir leben noch nicht in einer Anarchie, sondern in einem Rechtsstaat. Wenn den Tätern, sofern die Polizei welche zu fassen kriegen sollte, etwas über ihre Motivation zu entlocken sein sollte, werden wir das vermutlich nicht erfahren, weil solche Meldungen in den Medien wohl untergehen werden.

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  3. Nun, ich wette mal, wenn die Berliner Polizei bei den mittlerweile häufig stattfindenden nächtlichen Partys im Park aufscheinen und Drogenkontrollen durchführen würde, gäbe es auch Randale. Und ebenfalls könnte man einen hohen Anteil von Migranten feststellen, denn da kommen „alle“ hin. Nur wäre es vermutlich weniger schlimm, weil es nicht direkt in einer innerstädtischen Umgebung stattfindet.

    Deine Idee, dass Migranten erst von anderen hören müssten, „wie böse die Polizei hier sei“, ist aus einem Grund falsch: Sie kommen in aller Regel als Ländern, wo das Verhältnis zur Staatsmacht (soweit überhaupt vorhanden) völlig im Keller ist! Sie erwarten von der Polizei nur Schlimmes und haben in der Regel Angst. Es fehlt also eher an Info, dass das hier anders aussieht – ich hab auch schon einige sagen hören, dass das toll und bewundernswert ist, wie friedlich die Polizeit hier sei.

    Dass in Stuttgart übrigens alle so tun, als hätte es in Stuttgart nie nie Auseinandersetzungen mit der Polizei gegeben, ist nun wirklich absurd. Ich sag nur „Stuttgart 21“, wo sogar ein Rentner beim Polizeieinsatz ein Auge verlor. Das war allerdings politisch, was ich hier nicht wirklich sehe.

    Dass wir unterschiedliche Meinungen und Empörungsbereitschaften haben, ist doch ok. Ich diskutiere gerne mit dir und finde es gut, dass du zu aktuellen Ereignissen schreibst!

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  4. Es reicht ja für Übergriffe auf die Polizei schon aus, dass überhaupt Uniformierte erscheinen. Dass sowas in allen Städten (sogar in Kleinstädten) vorkommt, ist mir nicht entgangen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass für solche Übergriffe insbesondere Migranten anfällig wären. Im Gegenteil, ich weiß, dass dieses Virus unsere Bevölkerung durchdrungen hat. Das war ja nicht das Thema. Nur habe ich mir aufmerksam die vielen Videos von der Stuttgarter Nacht angesehen. Was ich da sehe kannst du als zufälligen Ausschnitt oder wie auch immer darstellen. Ich erkenne insbesondere viele dunkelhäutige Menschen. Also tippe ich unkorrekterweise einmal darauf, dass mehr Migranten als Einheimische unter den Gewalttätern waren. Mir ist offengestanden auch egal, ob diejenigen einen deutschen Pass hatten und wie es wirkt, wenn ich das so einfach aufschreibe.

    Die Sache selbst und sogar mein Denken (was du vermutlich nicht unterstellen wirst) ist in dieser Hinsicht weitaus schwieriger bzw. differenzierter. Wenn Demonstranten und Medien wochenlang darüber herumschwadronieren, wie furchtbar das Leben für Migranten (vor allem die Schwarzen unter ihnen) hier in diesem Land ist und die Schuld dafür insbesondere der Polizei zugewiesen wird, ist doch wohl unausbleiblich, dass die hierdurch erzeugte Stimmung von verschiedenen Kräften ausgenutzt und sogar zum Vorwand von Gewaltanwendung wird. Die taz Journalistin, die gerade am Pranger der Rechten steht, ist auch ein schönes (eigentlich abschreckendes) Beispiel. Sie hat eine „Satire“ platziert, die wieder einmal nicht als solche erkannt werden sollte. Von denen, die ja zu allem zu dumm sind, selbst dazu, Satire zu begreifen. Na ja, was soll man von Rechten in dieser Beziehung schon groß erwarten. Es gibt keine rechten Satiriker (soweit ich weiß).

    Zur Klarstellung: Ich bin gegen Rassismus und ich finde, dass es davon zuviel gibt in Deutschland. Vielleicht auch bei Polizei und Bundeswehr. Anhaltspunkte für diesen Verdacht gibt es leider genug. Aber ich mag es überhaupt nicht, wenn unser Land so pauschal von denen verurteilt wird, die andererseits einen Anspruch auf Gleichbehandlung und Gleichberechtigung einklagen möchten. Vielleicht zeigt das, wie ich in Wahrheit ticke. Manche würden jetzt sagen: Der Typ ist ja selbst ein Rassist. Er gesteht Migranten und Schwarzen nicht einmal zu, sich über Missstände zu beschweren. Falsch! Wenn ein Migrant bei Twitter schreibt: „Eure Heimat, unser Alptraum“ und diesen Satz ohne weitere Erläuterung postet, geht mir die Hutschnur hoch und zwar obwohl ich weiß, dass er mit dem Posting exakt nichts anderes im Schilde geführt hat, als zu provozieren. Natürlich ist diesem Arschloch das auch in diesem Fall wunderbar gelungen. Ja, man kann sich dann so schön lustig machen, über die dummen Kartoffeln. So stelle ich mir kein Zusammenleben von Menschen vor. Ganz sicher nicht!

    Wenn die Leute für ihre Rechte protestieren wollen – dafür gibt es genug Anlass – sollen sie das mit Sinn und Verstand und bitteschön gewaltlos tun. Aber wie weit sind wir heute (wie die AfD behauptet) von einem Bürgerkrieg entfernt? Die einen glauben an die Umvolkung und sind bereit, diese gewaltsam zu verhindern und die anderen sind überzeugt davon, dass sie ihre Rechte nur mit Gewalt durchsetzen können. Weil dieser „Schweinestaat“ ihnen keine andere Wahl lässt. Sie greifen Polizisten an, stürzen Denkmäler um. Andere denken, sie könnten Deutschland in ein Agrarland (ökologisch) verwandeln und attackieren Fleischesser als Wurzel allen Übels. Da gehen Fahrradfahrer auf Autofahrer los und umgekehrt und die Leute schnappen immer öfter über.

    Die Polizei soll ihren Job machen. Nicht so wie damals bei Stuttgart 21. Die schrecklichen Bilder mit dem Rentner habe ich auch nicht vergessen.

    Ich diskutiere auch gern mit dir. Meine Frau findet übrigens, ich wäre sehr konfliktscheu. Das ist wohl so. Hier im Blog mag das gelegentlich nicht so wirken. Mein Anliegen ist, dass wir zusammen in Freiheit und Frieden leben können. Da machen wir die Entwicklungen der letzten Jahre einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Dabei ist Deutschland ja, glaube ich, immer noch ein Ort, an dem es sich sehr gut leben lässt. Hier in Königshoven jedenfalls. (⊙_⊙;)

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  5. Wow, du bist ja wirklich sehr engagiert und bloggst jede Menge dazu – ich arbeite gerade, hab also nicht genug Muße, wollte nur eben mal das hier nachschieben:

    Stuttgart steht noch
    Vieles ist nicht falsch, zu wenig aber richtig: Die Berichterstattung über die „Nacht der Schande“ („Bild“) in Stuttgart hat bundesweit eine mediale Realität erzeugt, die von der Wirklichkeit weit entfernt ist. Dabei war die schlimm genug. Jetzt steht das sensationslüsterne Zerrbild der Aufarbeitung im Weg.
    https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/482/stuttgart-steht-noch-6827.html

    Das beschreibt, weshalb ich nicht mehr so viel „rumlese“ über solche Ereignisse!

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  6. Verstehe ich natürlich. Als ich noch gearbeitet habe, war das bei mir auch nicht viel anders. Aber heute bestand mein Programm aus Lesen und 3 Stunden mit den Kindern auf’m Spielplatz und danach noch ein dickes Eis essen. Eben zurück. War ganz schön heiß.

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  7. Grade eine Brandrede von Michael Sommer zu den Krawallen auf Cicero (zu rechts für mich, lese ich sonst nicht) gelesen, aus der ich zwei seltsam selbst-entlarvende Sätze zitieren will. Sätze, die an die Analyse „zusammen gewürfelter Haufen“ anschließen:

    „Es ist der Hass der Zukurzgekommenen auf die Besitzenden; der Hass der „Kanaken“ auf die „Kartoffeln“; der Hass der Jungen, die wissen, dass sie sich nie ein Reihenhaus werden leisten können, auf die Alten, die ihr Schäfchen längst im Trockenen haben; der Hass der Underdogs auf das Establishment; der Hass auch des Groben, Niederträchtigen auf alles, was edler und besser ist als ihre eigene verkrachte Existenz.“

    und gegen Ende:

    „Stuttgart dokumentiert, wie sich die vielen Dimensionen des Hasses zu einer explosiven Gemengelage verquirlen. Und die Reaktionen auf die Krawallnacht lassen ahnen, wie sehr sich das bürgerliche Deutschland aus Angst, seine Privilegien könnten ruchbar werden, schon in die Defensive hat drängen lassen. …“

    [Aus „Dieser Hass und seine Verharmlosung sind brandgefährlich“ – ich verlinke das nicht.]

    Der Autor bestätigt somit, dass es sich bei diesen „Privilegien“ um etwas handelt, das man tunlichst vor dem „ruchbar werden“ (=thematisiert werden) schützen muss. Wozu es gut passt, dass es laut ihm „die Zukurzgekommenen“ sind und auch die „Jungen, die sich nie ein Reihenhaus werden leisten können“ (wie die Alten, die ihre Schäfchen [aus besseren Zeiten] im Trockenen haben).

    Dass die immer größer werdende soziale Kluft ein tieferer Grund für solche Ereignisse ist, ist ihm also klar. Er kritisiert das allerdings nicht, sondern findet es gut so:

    „Aus dieser Angst sollte es wieder erwachen und seine Werte selbstbewusst vertreten. Und mit dem Mob die Sprache sprechen, die er versteht.“

    Das Ganze wirkt wie eine subtilere Variante des Warren-Spruchs:

    „“There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.”

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  8. Dieser Michael Sommer ist ein richtig konservativer Knochen. Dabei hat er den gleichen Namen wie der damalige DGB-Chef. Ich hatte mich arg gewundert, als ich deine Zitate las… Dabei hätte ich natürlich wissen können, dass er gemeint war. Von ihm habe ich schon einige Artikel gelesen. Nie mit Vergnügen.

    Es ist zynisch nur leider wahr, was Sommer da über die Gemengelage in D schreibt. Auch das mit der Angst vor der Ruchbarwerdung. Wenngleich das doch längst passiert ist. Seit gefühlten Ewigkeiten haben wir doch gegen diese Ungleichheit gewettert. Und? Was ist passiert? Beispielsweise mit Occupy, also nach der letzten Finanzkrise? Sie wurde kurzerhand zur Schuldenkrise umfunktioniert und das hat vieles nur noch schlimmer gemacht. Nur nicht unbedingt hier in Deutschland. Wir sind die Profiteure, die es sehr gut hinkriegen, den Profit nicht ruchbar werden zu lassen. Insofern hat Sommer ja recht. Nur mit den verordneten Gegenmitteln können wir nicht einverstanden sein.

    Den Rassismus, der ein bisschen durchkommt, würde ich ihm auch nicht nachsehen wollen. Allerdings tue ich mich selbst sehr schwer damit, die richtigen Worte zu finden, um nicht missverstanden zu werden. Denn das geschieht (egal, um wen es geht) im Handumdrehen. Warren Buffet hat diesen Spruch damals rausgehauen und ich hatte das Gefühl, dass er das nicht triumphierend gemeint hätte. Obwohl…

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  9. Bin irritiert: jetzt heißt das hier nicht mehr „Wortschwatz“, sondern wieder horstschulte.com / Horst Schulte – wie das?

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  10. und das kam so… Ich saß da und fand, dass sich was ändern sollte. Dann änderte ich was und musste erkennen: das war aber doof. Und dann änderte ich es wieder und du bist verblüfft…

    Die Teilung von Inhalten wir blöd. Deshalb habe ich wieder alles unter einer Adresse. Hab ja sonst nichts zu tun.

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  11. Genau! Mut zum Mischthemenblog! Wir als nonkommerzielle Blogger können uns das ja leisten – ein Glück!

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