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Kritik auf fragwürdiger Basis

Kritik muss kreativ sein. Sobald sie nur destruktiven Charakter offenbart, sollte man sie aber ignorieren.

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Gerade habe ich erfahren, dass die Toten in den deutschen Altenheimen gar keine #coronaopfer waren. Sie wurden Opfer der von Regierung und „Staatsmedien“ angezettelten Hysterie. Solche Aussagen lesen und liken viele tausend Menschen im Internet. Mir bereiten sie nicht nur starkes Unbehagen, sondern sie lassen mich am Geisteszustand vieler verzweifeln.

Zur Unterstützung abwegigster Thesen werden beinahe beliebige Aussagen von Wissenschaftlern verlinkt. Diese würden sich – wie ich stark annehme – vehement gegen die Vereinnahmung in diesen Zusammenhängen wehren. Diejenigen, die alle möglichen Behauptungen in die Welt setzen, versehen ihre Beiträge mit Fußnoten. Links zu Äußerungen zum Teil von renommierten Wissenschaftlern werden angeführt, um eine Qualität des eigenen Beitrages zu suggerieren.

Folgen des Lockdowns

Oft handelt es sich dabei aber lediglich um kritische Stimmen zu den Folgen des Lockdowns. Aber darum geht es den Autoren solcher Beiträge in der Regel nicht. Außerdem haben sie eins gemein: Sie bieten nie Lösungen bzw. Alternativen an. Sie kritisieren und attackieren Entscheidungen, die ihnen nicht passen. So einfach kann man es sich machen.

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Bei Broders Achse des Guten liest man in den Kommentaren (die wiederum direkte Folge der fortwährenden, regierungsfeindlichen Propaganda der Autoren sind), dass nun die Zeit für „zivilen Ungehorsam“ gekommen sei. Da tun sich Allianzen zwischen Prantl und Broder auf, die wir unter normalen Umständen nicht erleben würden. Spricht das nun dafür, dass sie mit ihren Einwänden (ohne alternativen Ansatz wohlgemerkt) richtig lägen? Ich denke nein!

Recht und Pflicht zur Kritik

Jeder hat sein Recht auf Kritik. Das ist Bestandteil unserer Meinungsfreiheit. Viele von uns nutzen die gegebenen Möglichkeiten, nicht mehr bloß Empfänger, sondern auch Sender zu sein.

Da gilt allerdings oft genug: je größer die Distanz zu den Mainstreammeinungen desto größer die Chance durchzudringen und eine ordentlich Reichweite zu erhalten. Mir kommt es so vor, als eigneten sich dafür die abwegigsten Themen und Meinungen am besten. Stichwort: Verschörungstheorien.

Aber Leute, ernsthaft: Fake News als Basis für Kritik?

Problematisch wird es, wenn mit böser Absicht Fake News und Wahrheit vermischt werden. Rtdeutsch oder Sputik sind Paradebeispiele dafür.

Was ist Youtube?

So machen es auch viele Youtuber, die die Coronaepidemie dazu missbrauchen, ihren Kanal zu pushen. Nein! ich verlinke diese Idioten nicht. Ich fürchte, sie sind ohnehin bekannt genug.

Manche Leute glauben, dass all das, was vom Mainstream abweicht, besonders schick, klug, plausibler und vor allem immer etwas näher an der Wahrheit liegt.

Es ist deshalb auch einleuchtend, dass von vielen Jüngern dieser Webangebote pauschal der deutsche Untertanengeist, wahlweise gern auch die fehlende Intelligenz der „anderen“ Menschen beklagt wird. Also nach dem Motto: wie kann die Zustimmungsrate zu den Maßnahmen der Regierung nur so wahnsinnig hoch sein??

Widerstand! lautet vielfach das Motto von Linken und Rechten gleichermaßen. Ich bekomme Schüttelfrost.


Andererseits, sogar ich denke darüber nach, was wäre, wenn die Folgen der Epidemie sich nicht als so verheerend erweisen würden, wie es heute noch den Anschein hat.

Obwohl es für Schlussfolgerungen aus meiner Sicht nun wahrhaftig noch viel zu früh ist, stelle ich mir aufgrund der gewaltigen Auswirkungen auf unser aller Leben vor, wie einmal die Bilanz (nicht bloß im ökonomischen Sinn) aussehen könnte.

Was, wenn diejenigen, die heute ein Gebräu von berechtigter Kritik, Fake News und politischer Propaganda zusammenmischen, sich auch weiterhin gegenseitig bestätigen, in naher Zukunft das erreichen, was andere bisher nicht vermocht haben?

Destabilisierung der Demokratie

Es ist schließlich nicht ausgeschlossen, dass die Opfer der #Corona-Epidemie durch die drastischen Maßnahmen zu ihrer Eindämmung größer sein werden als die Zahl der direkt vom Virus verursachten Opfer. Ich möchte dann lieber abtauchen und lieber nicht miterleben wollen, was dann passiert.

Es muss sich schließlich erweisen, ob die Demokratien stark genug sein werden, um den penetranten und unverantwortlichen Vorwürfen derjenigen zu widerstehen, die alles daransetzen werden, Recht zu behalten. Selbst dann noch, wenn sie wissen, dass im Großen und Ganzen die richtigen Maßnahmen getroffen wurden. Denn sie werden auch nach der Corona-Zeit alles daran setzen, den Regierungen Nachlässigkeit und schwere Fehler vorzuhalten.

Eben las ich in der NZZ den Beitrag des deutschen Journalisten Jonas Hermann. Auch er gehört zu denen, denen ich hier bereits mehrfach vorgeworfen habe, eine negative Stimmung gegen die deutsche Regierung und Institutionen zu erzeugen. Im Artikel nimmt er sich vor allem Zeit, „Qualitäten“ unserer Virologen zu vergleichen. Prof. Streeck, Uni Bonn, wird vor allem von vielen Lockdown-Kritikern, also von denen für die die Handlungsweise unserer Regierung massiv kritisieren als die neue Lichtgestalt beschrieben.

Tatsächlich gehört er zu den wenigen Figuren der Krise, die Zuversicht verströmen und nicht unter der Last der Verantwortung zu leiden scheinen. Ganz anders Drosten: Er wurde im Verlauf der Pandemie zum obersten Mahner der Bundesrepublik. Sein Gesicht wirkte dabei mitunter wie eingefroren, und in seinem Blick lag etwas Düsteres. So wie Drosten stellt man sich den Arzt vor, der am Ende eines schweren Leidens ans Krankenbett tritt und sagt, dass er leider nichts mehr für einen tun könne.

NZZ

Jonas Hermann räumt sogar dem Vergleich von Streecks und Drostens Aussehen viel Raum ein. Außerdem erwähnt er die riesige mediale Präsenz von Prof. Streeck. Vor allem die kritischen Stimmen beziehen sich gern auf ein Gespräch, das dieser im letzten Monat mit Markus Lanz geführt hat.

Gegenspieler – konstruiert von und für die Medien

Zuerst war Prof. Kekulé der erwählte Gegenspieler, der in Position gebracht wurde, nun ist es also Prof. Streeck. Ich glaube, er wird darüber nicht sonderlich erfreut sein, weil er zum einen der Nachfolger von Drosten in Bonn wurde und weil er, auch nach eigener Aussage ein gutes Verhältnis mit seinem Kollegen pflegt.

Das ficht die Lichtgestalten des „Westfernsehens“ in Zürich nicht an. Hauptsache, sie finden wieder etwas, das man der deutschen Leserschaft um Leute wie Maaßen, Gauland oder Meuthen erfolgversprechend offerieren kann. Im Artikel konstruiert man den Vorwurf, dass die deutsche Regierung nur auf Drosten und eben nicht auf den tüchtigen Streeck gehört hätte. Denn dieser hat die Viren nicht nur am Mikroskop, sondern leibhaftig verfolgt.

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Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

12 Gedanken zu „Kritik auf fragwürdiger Basis“

  1. Du weißt ja, dass ich den medialen Aushub der bekannten Schwätzer in Sachen eigener Wichtigkeit, die du so oft erwähnst und kritisierst, nicht lese.

    Aber ich hatte kürzlich in einem Motorradforum, wo auch intensiv über Corona und die Folgen diskutiert wird, einem Kollegen, der auch jeder Verschwörungsthese hinterher rennt, antworten müssen. Er hat die folgende ‚Erkenntnis‘ (über Youtube-Videos von selbsternannten ‚Experten‘, daher bezieht er wohl all seine Informationen) gewonnen:

    „Die Todeszahlen wirken für mich immer noch nicht besorgniserregend im Vergleich zu den Grippetoten 2017, vor allem da man durchaus berichtet das es hauptsächlich Geschwächte erwischt.
    Wenn 70 Millionnen Corona haben und nach 3 Tagen etwas Hustens sich ihr Zustand deutlich bessert sehe ich keinen Grund für all die Einschnitte in die Grundrechte.“

    Daraufhin habe ich geantwortet:

    „Erstaunlicherweise scheinen das rund 50 bis 60 Millionen Bundesbürger, nebst aller Kommunal- und Landesparlamente zuzüglich 1 Bundesregierung ganz anders zu sehen. Ganz zu schweigen von einer weltumspannenden seriösen Forschungsgemeinde in renommierten wissenschaftlichen Institutionen, und das ganz unabgesprochen.

    Die müssen ja alle an einer Art kollektiven Wahns leiden, einer Corona-Psychose, quasi durchseucht von einer weltumspannenden Verschwörung.“

    Daraufhin hat er wohl irgendweine total abseitige Antwort gegeben, die einer der Admins gesperrt hat (und die ich deswegen nicht kenne), da man im Forum keine dümmlich dahergebrachten Vergleiche mit der Nazizeit zu akzeptieren bereit ist. Recht so. Er sieht sich wohl verfolgt…

    Aber du siehst, es ist einfach zwecklos, sich mit solchen Leuten auseinanderzusetzen, jedenfalls unter der Voraussetzung, dass sie ihren Wirrglauben einsehen mögen. Die wollen das glauben, weil sie überzeugt sind, die Wahrheit erkannt zu haben, dass man den ’sogenannten seriösen Quellen‘ nicht glauben kann.

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    • Lieber Boris, solche Argumente verfangen natürlich nicht bei diesen Leuten. Die sind im Recht. Basta! Selbst wenn sie den Blick weiten und in die USA schauen kommen ihnen offenbar keine Zweifel. Alle Regierungen sind Idioten und reagieren (gesteuert von den Medien) mit hysterischen und vor allem demokratiefeindlichen Maßnahmen. Die Diskussionen auch in einigermaßen ernsthaften Medien nehmen hier bei uns zu. Je länger es dauert, desto schlimmer wird es werden. Daran besteht vermutlich kein Zweifel. Es ist unmöglich, solche Leute zu überzeugen. Aber wissen sollte man schon, was viele denken. Nur deshalb schreibe ich ja darüber und natürlich, weil ich es selbst kaum glauben kann.

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  2. Alter Tobak.

    Das Allerbeste ist, wenn sich (angebliche) Wirtschafts-und Geldexperten herunterlassen und mit Menschen wie Du und ich über die Konsequenzen Dises Locks und geheime Hintergründe auslassen.
    Als Vergleich möge ein fiktiver Mathematikprofessor, dienen, der etwas zur Weltlage äussern möchte: 1+1 = 2, 2 + 2 = 4, dann folgt recht bald eine Formel aus der Primzahlentheorie, da sagt der Zusschauer auch ja, ja, soweit kann er ja noch folgen, Primzahlen kennt er ja, und dann folgen weitere Geheimnisse aus dem Reich der Mathemaik, auch hier, ja, ja, Fraktale kennt man ja auch, Boolesche Alebra, auch gehört, bekannt…und dann ist der Boden begründet, zu finalen Schlussfolgerungen zu kommen bzgl. der Welt.
    Und man pflichtet diesen bei, denn man wurde ja den ganzen Weg SCHON MITGENOMMEN.

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    • Lieber Gerhard, ich habe heute morgen ein Video von Roger Köppel vom 7.04. angesehen. Einer meiner „Lieblingsjournalisten“. Der Mann argumentiert im Video mit Hochrechnungen. Er betrachtet die schweizerische Entwicklung (also nach erfolgreicher Anwendung der getroffenen Eindämmungsmaßnahmen, die er natürlich außerordentlich kritisch sieht). Seine Konklusion lautet: italienische „Zustände“ für die Schweiz sind nicht zu befürchten und suggeriert gleichzeitig, dass das natürlich auch ohne die Maßnahmen der Regierung möglich gewesen wäre. Da fehlen mir die Worte.

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  3. Gerade habe ich erfahren, dass die Toten in den deutschen Altenheimen gar keine #coronaopfer waren

    Wo hast du was erfahren? Welche(s) Altenheim(e)?

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    • Es geht um Würzburg, Osnabrück und Wolfsburg. Und eine Verlinkung dieser völlig unglaubwürdigen Quelle gibt es hier nicht. So wird heute jedenfalls von manchen Leuten geredet. Schlimm.

      P.S.: Ich hoffe, du hast schon verstanden, wie ich das gemeint habe?

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      • Ich lese selber keine dubiosen Quellen, halte mich an Tagesschau, ZDF, WDR und NDR – das sind für mich mehr als genug Infos – warum sollte ich „unglaubwürdige/zweifelhafte“ Quellen dazu auch noch lesen?

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        • Das ist eine viel gestellte Frage. Warum liest du so einen Quatsch denn überhaupt? Besser für mejn Seelenheil wäre, wenn ich es ließe. Meine ehrliche Antwort ist, dass ich ja Futter für meinen Blog brauche. Ne, Quatsch. Ich möchte gern wissen, wodurch andere sich informieren. Also, vor allem auch diejenigen, die den so genannten Mainstream Medien nicht vertrauen wollen und diesen ganzen Staat zum Teufel wünschen. Was denken solche Menschen und kann man wenigsten etwas davon nachvollziehen. Meistens schaffe ich es nicht, etwas von diesem Hass und dieser Haltung zu verstehen.

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  4. „..stelle ich mir vor….. wie einmal die Bilanz aussehen könnte….“

    Ich glaube, Horst, das wollen wir uns nicht wirklich vorstellen, oder? Die Flüchtlingskrise, unter der kaum Bürger wirklich Not leiden mussten, geht mir ca. 25 Mrd. Eur/Jahr durch. Peanuts.

    Ich muss auch schon die ganzen letzten Tage an das Szenario denken, wenn das Volk zur Abrechnung antritt. Und das wird es.

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  5. Diese Gelddruckmassnahmen sind aber auch echt etwas unheimlich. Ob all diese so genannten Instrumente des Finanzmärkte wirklich etwas Positives bewirken oder ob sie uns nicht eher ins Unglück stürzen? Ich habe auch das mulmiges Gefühl, dass das nicht gut enden wird. Aber es gibt auch Wirtschaftsexperten wie Prof. Flassbeck, die das Jonglieren mit noch weit höheren Zahlen nicht so kritisch sehen.

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  6. Es wird „kein Geld gedruckt“. Das Geld für die Maßnahmen ist da. Das ist immer dieselbe Verwechslung, die auch schon fast an eine Verschwörungstheorie heranreicht: Die US-Notenbank druckt tatsächlich neues Geld, wenn sie es ökonomisch für geboten hält, d.h. sie erhöht die verfügbare Menge an US-Dollars. Mit allen Gefahren, die damit verbunden sind (Grundkurs Wirtschaft…). Die EZB (und die unter ihr versammelten Nationalbanken) tut das nicht. Sie arbeitet mit auf dem Kapitalmarkt verfügbaren Mitteln.

    Unsere gesamten Wirtschaften beruhen auf dem Sockel des internationalen Kapitalmarktsystems. In diesem System kursieren alle verfügbaren Mittel und finanztechnischen Maßnahmen.

    Es gibt nirgendwo auf der Welt ein alternatives System eines Wirtschaftskreislaufes, das in einem größeren Rahmen funktioniert. Die einzige Alternative, wenn wir wirklich Angst haben sollten (was wir tatsächlich gar nicht haben, es ist bloß die Angst vor dem Nicht-Verstandenen), wäre, dieses gesamte System des Wirtschaftens zu kippen — für knapp 10 Milliarden Menschen, auf der ganzen Welt — und etwas anderes zu etablieren, und dieses bisher völlig unbekannte neue System müsste von der ersten Sekunde an funktionieren — für knapp 10 Milliarden Menschen, auf der ganzen Welt.

    Es gibt schlicht und ergreifend keine Lösung, bei der man an ein paar Stellschrauben ein bisschen dreht, um damit die unangenehmen Auswüchse des Kapitalmarktsystems abzustellen, und alles andere kommt dann wie von selbst ins Reine.

    Wir können nicht quasi aus dem System irgendwie heraustreten und von außen daran herumschrauben und die Welt wird auf wundersame Weise besser: Es gibt kein Außen, es gibt nur die Mittel, die wir uns selbst innerhalb des Gesamtsystems verfügbar gemacht haben. Die sollten wir nutzen, denn etwas Besseres haben wir nicht.

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    • @Boris: Du hast Recht, weil meine Bemerkung übers Gelddrucken einfach falsch ist. Eigentlich hätte ich von neuen Schulden schreiben müssen. Der Staat kann sich seit Langem wegen der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt günstig bedienen. Dass unsere Schuldenquote leicht unter den Maastricht-Regularien liegt, hilft dabei auch. Die Geldmenge wächst allerdings: Zur Erhöhung. https://bit.ly/39ZBxmo

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