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Luminar – Wie viel Bearbeitung ist erlaubt?

An vielen Stellen wird inzwischen seit einigen Monaten das Bildbearbeitungstool «Luminar» in der neuen Version (4.x) vorgestellt (Die Häufigkeit der Werbung bei Youtube nervt etwas). Die Bewertungen der neuen Version fallen unterschiedlich aus. Nach meinem Eindruck überwiegen aber die positiven Kritiken. Ich hatte mir die Testversion angesehen und mir dann (zusätzlich zum Adobe Paket) die Vollversion von «Luminar» 4.2 gekauft.

Lightroom & Luminar

Im Vergleich mit Lightroom hat «Luminar» nicht nur den Vorteil des deutlich günstigeren Preises. Ich erwähne dies deshalb, weil es in den Kritiken manchmal so rüberkommt, als solle «Luminar» sozusagen als die Lösung für Fotografie-Anfänger eingeordnet werden. Ich glaube nicht, dass das der Leistung des Tools gerecht wird, denn «Luminar» bietet tolle Features, die sich auch Leute leisten können, die halt nicht bereit sind, für ein Monatsabo von «Adobe» mindestens ca. 10 Euro zu berappen.

Ich habe noch kein Bearbeitungsprogramm gesehen, mit dem so leicht und zielgenau Gesichter aufgehellt werden können oder der Himmel in einem Landschaftsbild so exakt ausgetauscht werden könnte. Dass dies auch mit anderen Programmen wie etwa Photoshop gelingt, ist schon klar. Nur der zeitliche Aufwand ist doch erheblich höher und man muss relativ viel Zeit investieren, bis man den Umgang etwa mit diesem komplexen Programm halbwegs drauf hat. Da reizt es schon, wenn man solche Effekte mit einem einzigen Klick realisieren und das Ergebnis sich wahrhaftig sehen lassen kann.

Stephan Wiesner hat in einem Video die Vorzüge von «Luminar 4» beschrieben.

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Detaillierter ist hier das Video von Kaplun. Bei der Vorstellung durch Miho Birimisa zeigt sich die Liebe zur Fotokunst, etwa zum Foto-Composing, das – wenn ich es richtig verstehe, bei Stephan nicht ganz so hoch im Kurs steht. 🙂

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Von allem zu viel?!

Vor einigen Monaten las ich im Blog eines Hobby-Fotografen, dass er von der Fotografie nach und nach Abschied nehmen wolle. Er möchte seinen anderen Hobbys, darunter dem Videofilmen, mehr Zeit widmen. Das, so dieser Fotograf, läge vor allem daran, dass sich das Fotografieren so grundlegend verändert hätte, dass ihm der Spaß daran etwas verloren gegangen sei. Er sprach davon, dass die Digitalfotografie zu große Massen an Fotografien hervor brächte. Da ist zweifellos viel dran. Die Tatsache, dass auch mit Smartphones wunderbare Fotos gelingen, spielt dabei sicher auch eine Rolle.

Musik und Musiker

Mich erinnerte das ein bisschen an die Entwicklung der Musik. Nicht, dass es heute ähnlich viele Musiker gäbe wie Fotografen (sic?), aber der Wert der Musik hat sich durch die Streamingangebote radikal verändert gegenüber früheren Jahrzehnten. Oder? Ich merke das auch bei mir selbst. Früher legte ich LP’s auf den Plattenteller und wechselte nach ungefähr 20-25 Minuten die Seite. Dann kamen die CD’s, dann die CD-Wechsler, dann das MP4-Format und schließlich die Streaming-Anbieter. Doch, das machte einen Unterschied! Was ist Musik für uns heute noch? Ich lasse mich zu sehr berieseln und weiß vielleicht die Leistungen der Künstler gar nicht mehr wirklich zu würdigen. Ich finde, das ist eine traurige Entwicklung gegen die der Einzelne kaum etwas Effektives einzusetzen hat.

Wertvolle Kunst

In Corona-Zeiten werden auch viele Musiker, Profifotografen übrigens auch!, in schwere Existenznöte gestürzt. Wenn man weiß, wie wenig Streamingdienste wie Spotify auch für sehr erfolgreicher Titel zahlen, wird schnell klar, wie wichtig für Musiker heutzutage Konzerte geworden sind. Und die fallen nun auf unbestimmte Zeit aus. Eine echte Katastrophe.

Zurück zum Fotografieren. Die tollen Tools mit denen man heute Fotos bearbeiten bzw. entwickeln kann, sind sehr verführerisch. Sogar im Smartphone gibt es Möglichkeiten der Bildbearbeitung, die wahnsinnig interessante Ergebnisse zeigen. Die Verwendung bestimmter Filter ist so leicht, dass sich damit auch unter relativ schlechten Voraussetzungen tolle Bilder machen lassen.

Unter «Lightroom» ist eine gewisse Einarbeitungszeit nötig. Die aktuellen Versionen sind diesbezüglicher vermutlich weitaus intuitiver zu bedienen als das in den Anfängen wohl der Fall gewesen sein dürfte. Die Möglichkeiten, die «Lightroom» oder «Luminar» bieten sind gigantisch und sie lassen sich immer leichter, manchmal durch einen Klick nutzen. Die erhältlichen Presets gehen soweit, dass von einer Einklick-Optimierung sprechen kann.

Tritt das Fotografieren in den Hintergrund?

Der Nachteil dieser Entwicklungen besteht vielleicht darin, das eigentliche Fotografieren in den Hintergrund zu treten scheint. Wer nutzt heute noch unbearbeitete Bilder? Wahrscheinlich werden es mehr Leute sein als ich denke.

Auf der anderen Seite erhöhen die Werkzeuge sicher auch die Aufnahmebereitschaft für Inspiration und Kreativität. Wer sich ein bisschen damit auseinandergesetzt hat, wird schnell merken, wie wunderbar diese Möglichkeiten sind und was man damit gewinnen kann.

In einem Blog klagte ein Leser sinngemäß darüber, dass man sich ja eigentlich über Fake News, also auch nicht über manipulierte Fotos zu wundern brauche. Die könne ja heute wirklich jeder mit geringem Aufwand herstellen. Das kann man so sehen, und es kommt ja noch etwas hinzu: Die Puristen, vielleicht auch richtige Könner des Metiers, werden von Bildbearbeitungsprogrammen wie «Luminar» vielleicht wenig halten. Schließlich kann man sagen, ein Foto muss so vor dem Auge der Betrachter bestehen können, wie es aus der Kamera herauskommt.

Bearbeitung oder Entwicklung, das ist hier die Frage

Vielleicht nennt Adobe den Menüpunkt in Lightroom auch deshalb nicht «Bearbeitung», sondern «Entwicklung». Gut, dass das ja jeder halten kann wie er mag. Ich bin in der Phase, in der ich für all die Möglichkeiten total dankbar bin. Es ist faszinierend, was man auf diese Weise alles lernt. Deshalb glaube ich auch, dass man durch die Nutzung all dieser technischen Möglichkeiten auch viel über das Fotografieren an sich lernt. Ich bilde mir ein, dass ich heute mit meiner alten Spiegelreflexkamera (Olympus E 420) viel schönere Bilder mache als vor 10 Jahren. Und das liegt eben nicht an der «Entwicklung» mit «Lightroom» oder an ein paar Wolken, die ich mit «Luminar» an den Himmel «gezaubert» habe.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

10 Gedanken zu „Luminar – Wie viel Bearbeitung ist erlaubt?“

  1. Bilder wurden schon immer retuschiert, es wurde schon immer bei den Vergrößerungen hin und her gezaubert.
    Bekommt man Luminar nur als Monatsabo? Das wollte ich bislang immer vermeiden.
    LG
    Sabiene

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  2. Hallo Sabine, Lightroom gibt’s im Monatsabo. Luminar wird derzeit im Paket mit Presets etc. angeboten, für 90 Euro. Das wird nur einmal erhoben. Ich find’s gut, auch alternativ. Du kannst dir ja Mal die Testversion ansehen. Das habe ich auch so gemacht.

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  3. Bisher schneide ich nur meine Fotos.
    Gelegentlich rücke ich sie zurecht.
    Oder helle sie auf, etwa bei einem Objekt auf hellem Hintergrund.
    Mehr mache ich nicht.
    Denn ich habe immer hunderte Fotos am Tag.

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  4. Entwicklung war früher also man noch «den 36er» eingespannt hat um losknipsen zu können. Und so wie es dann war….. so war es eben.

    Bearbeitung ist zeitgemäß und ich denke dass extrem viele Fotos denen man es nicht zwangsläufig ansieht «bearbeitet» sind. Derjenige, der darin echt fit ist kann das tun ohne dass man es wirklich auf den ersten Blick sehen kann.

    Ich habe auch Photoshop und Lightroom im Abo, für 9,99 € im Monat. Ich habe zuvor auch mit allem möglichen hantiert. Darkroom hatte ich auch mal, Gimp mit zig Plugins. Aber irgendwie kam ich immer wieder an Punkte, an denen es einfach nicht weiterging. Das Programm konnte das so eben nicht leisten. Ich habe mich auch lange gewehrt gegen so ein Abo, aber Photoshop und Lightroom sind halt eben der Mercedes in diesem Bereich.

    Und was bekommste heute noch für umsonst? Selbst «simple Plugins» für WordPress kosten Lizenz wenn sie sicher, zuverlässig und vor allem auch DSGVO-konform sein sollen. Das ist alles nicht mehr wie früher, heute wird mit allem abgeschöpft – leider.

    Das ist jetzt nur meine Meinung.

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    • Hi Thomas, schön, dich wieder mal zu lesen 🙂

      Das Abo nutze ich auch und schätze es inzwischen sehr. Man muss sich halt eine Weile damit befassen, um die Möglichkeiten halbwegs zu überblicken. Dann machts aber auch wirklich Spaß. Vorausgesetzt natürlich man nimmt sich die Zeit, die nötig ist.

      Im Grund ist die Gratiszeit im Internet vorüber. Ich hatte ja gerade vor ein paar Tagen noch was zum Thema Journalismus und Web geschrieben. Wenn die Leistung stimmt, ist das ja voll in Ordnung. Nicht so schön ist allerdings, wenn die Plugins oder Programme nicht so wollen wie ich mir das als Kunde wünsche.

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      • Jo jo, mich gibts schon noch 🙂

        Der Master of Photoshop bin ich noch lange nicht, eben weil das Programm sehr mächtig ist und ja, man muss schon Zeit investieren – immer wieder. Aber wie schon gesagt, den Zehner ist es halt eben wert.

        Es gibt schon noch was gratis, doch das ist dann – um jetzt z.B. die Plugins nochmal zu nehmen – so abgespeckt, dass es entweder keinen wirklichen Sinn macht oder die Funktion die man haben wollte erst gar nicht dabei ist. Und verdammt schnell biste mit 70, 80 und mehr Dollar im Jahr mit dabei. Von daher, so ist die zeit, da kannste echt nix gegen tun. Nur «aufhören». Und dazu hab ich keinen Bock um ehrlich zu sein 🙂

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        • Geht mir nicht anders, was Photoshop anlangt. Ich bastle damit ab und an mal was oder versuche mich im Nachstellen bestimmter Möglichkeiten, die ich z.B. bei Youtube gefunden habe. Hauptsächlich beschäftige ich mich mit Lightroom. Das fasziniert mich allerdings sehr. Ich habe erst vor ein paar Jahren angefangen, nur noch mit RAW zu arbeiten. Das gefällt mir sehr und meine Aufnahmen durchlaufen fast immer die Entwicklung unter Lightroom oder alternativ Camera Raw. Seit Kurzem habe ich Luminar, das man auch als Plugin in Lightroom und Photoshop nutzen kann. Die Möglichkeiten der AI in diesem Programm sind verrückt. Vor allem aber einfach. Das macht echt Spaß. Wie gesagt, die Puristen finden das meistens nicht so prall 🙂 Aber was solls?

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  5. Ich versuche immer so zu fotografieren, dass ein ansehnliches Resultat dabei herauskommt. Einfach, weil das für mich eine Herausforderung ist. Wenn Kleinigkeiten zu ändern sind, z.B. die Helligkeit, dann mache ich das mit der Bildbearbeitung. Ich denke beim Fotografieren immer: «Ganz früher hätte man das auch nicht machen können, da musste das Bild 'out of the box' gut sein.»

    Aber selbstverständlich bieten Programme wie Luminar oder Lightroom Möglichkeiten, Bilder einzigartig zu verändern. Dann muss man sich eben im Klaren darüber sein, dass man mit dem eigentlichen Foto nur das «Rohmaterial» erstellt hat und das eigentliche Ergebnis durch die Bildbearbeitung zustande kommt. Wenn einem das klar ist, ist alles kein Problem 😉

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  6. Meine erste Kamera war eine Agfa, damals, Anfang der 70er. Ich war froh, wenn die Aufnahmen ok waren. Ich habe sie in meinen ersten Urlaub nach Andalusien mitgenommen. Die Fotos habe ich zum Teil noch. Sie sind leider aufgrund der langen Zeit total gelbstichig geworden. Das lag am Film, der -glaube ich- ebenfalls von Agfa war. Nun, dieses Unternehmen (Tochter von Bayer) gibts schon lange nicht mehr.

    Seit es die digitalen Kameras gibt, macht das Fotografieren mehr Spaß. Die Schattenseite ist, dass durch die Möglichkeiten Fotos entstehen, die kaum noch wirklich geschätzt werden. Wenn ich mir zum Beispiel die total schönen Fotos bei Flickr oder anderen Fotoportalen ansehe, bedaure ich das ein bisschen. Es ist fast wie bei der Musik, die heute fast nur noch gestreamt wird. Spotify und die anderen haben IMHO nicht nur die Verdienstmöglichkeiten von Musikern krass reformiert, sondern auch den Wert der Musik stark verändert. Aber man kann halt nicht alles haben. Wenn alles immer und überall verfügbar ist, verliert es an Wert.

    Ich experimentiere gern mit Lightroom, neuerdings auch mit Luminar, herum. Da kommen Sachen heraus, die wirklich erstaunlich sind. Und ich kann damit wenigstens auch ein bisschen kreativ sein.

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