Mit dem Virus leben

Mein Abo bei der NZZ habe ich storniert. Noch muss ich es aber »ertragen», was die dortigen Journalisten unter großem Beifall vieler Deutscher über unser Land vom Stapel lassen. Erst in ein paar Tagen läuft meine Leseberechtigung aus. Dann verschwinden die Artikel über die ich mich ständig ärgere, wieder hinter einer Bezahlschranke.

Hier steht: »Deutschland muss lernen« und nicht, wie in einigen Fällen im Internet zu lesen ist: »Auch Deutschland muss lernen….«

Die Journalisten der NZZ, von denen nicht wenige Deutsche sind und die so wirken, als würden sie in ihrem Job hauptsächlich damit befasst sein, ihren wie auch immer entstandenen Frust gegen unser Land abzubauen, gehen mir mit ihrem Deutschland-Bashing echt auf den Nerv!

NZZ immer dabei, wenn es darum, Deutsche zu kritisieren

Vor allem ihr Vorturner, Chefredaktor Gujer. Allein schon der Titel: »Deutschland muss lernen, mit dem Virus zu leben« ist doch eine Unverschämtheit – finde ich.

Natürlich verteidigt Kanzleramtsminister Helge Braun das Vorgehen. Schliesslich hält sich das Kanzleramt immer für zuständig, gleichgültig, ob es um die Besetzung der Thüringer Staatskanzlei geht oder die Gesundheitspolitik.

Auch Deutschland muss lernen, mit dem Virus zu leben

Vor allem mit der MP-Ministerpräsidentin, Manuela Schwesig, hat Gujer ein Hühnchen zu rupfen. Mit der SPD hat es der Schweizer sowieso nicht. Seine Konklusion im Streit ums »Beherbergungsverbot« ist heftig:

Wenn die Ostdeutsche so leichthin die innerdeutsche Solidarität preisgibt, könnten die westdeutschen Geberländer im Finanzausgleich auf den gleichen Gedanken kommen.

Auch Deutschland muss lernen, mit dem Virus zu leben

Durchregieren ohne Parlamente?

Gujer nimmt die innerdeutsche Diskussion auf und kritisiert, das Durchregieren auf Bundes- und Länderebene, ohne dass die Parlamente ihren Part wahrgenommen haben. Damit nimmt er die lauter werdende Kritik vor allem seitens der FDP und der AfD auf und schlägt grunzend in die gleiche Kerbe.

Für wen da geschrieben wird, wird in diesem Leserkommentar deutlich.

Es ist völlig klar, dass diejenigen sich in parlamentarischen Debatten Gehör verschaffen würden, die stets billig ihre Permanent- und/oder Grundsatzkritik äußern. Wo sind die konstruktiven und hilfreichen alternativen Lösungen der Oppositionsparteien auf Bundes- und Landesebene?

Da nehmen sich alle Parteien in ihrem jeweiligen Aggregatszustand wenig. Befinden sie sich in der Regierung sind sie ziemlich zurückhaltend und üben verhältnismäßig wenig Kritik. Sind sie jedoch in der Opposition, so gehen die Regelungen höchstens in die richtige Richtung aber leider nicht weit genug oder sie werden einfach mal als schlechte Arbeit abqualifiziert, freilich ohne selbst Substanzielles verlautbaren zu lassen.

Mein Kommentar zum Artikel

Das ist in der Schweiz nicht viel anders. Da muss man sich nur die ständigen Klagen eines Roger Köppel (Weltwoche) anhören, der über die schweizerischen Maßnahmen auch wenig Gutes zu berichten weiß.

Andere Beispiele – keine Dauerregelungen

Ich unterschätze es keinesfalls, dass die Parlamente auch in dieser Krise einmal mehr aus ihrer Rolle als parlamentarische Kontrollgremien gefallen sind. Es erinnert an die Finanzkrise und die im Eilverfahren beschlossenen Hilfspakete in für unsereinen unvorstellbaren Größenordnungen.

Auch in der Flüchtlingskrise wurden parlamentarische Prozesse nicht in der Form berücksichtigt, wie wir es aus »normalen Zeiten« kennen. Da sich solche krisenhaften Lagen innerhalb weniger Jahre auffällig gehäuft haben und nicht zu erwarten ist, dass sich das in der Zukunft wieder deutlich normalisieren wird, ist Skepsis angebracht.

Aber jetzt – in der Corona-Krise – ist Eile geboten. Da bleibt keine Zeit für langwierige Debatten. Es ist die Zeit zu handeln und nicht die für zeitraubende Profilierungsversuche vor allem derjenigen, die nach meinem Dafürhalten ohnehin mehr um sich und die Eigeninteressen ihrer Parteien besorgt sind.

Opposition versagt

Die Grünen zähle ich deshalb nicht dazu, weil sie im Großen und Ganzen die Regierungspolitik erkennbar unterstützt haben – früher und auch gegenwärtig. Ganz anders sehe ich das bei der FDP und der AfD. Ich denke dabei auch gleich wieder an die viel zu hohe Zahl an Personen, die im Bundestag sitzen. Aber das ist ein anderes Thema.

Gujer erhebt den ungeheuerlichen Vorwurf an die Fraktionen von Union und SPD, dass diese kein Interesse an ihrer parlamentarischen Kontrollfunktion gegenüber der Regierung hätten.

Der Freifahrtschein, den sie der Regierung ausgestellt haben, lässt daran zweifeln, dass sie es mit der parlamentarischen Kontrolle sonderlich ernst meinen.

Auch Deutschland muss lernen, mit dem Virus zu leben

In seinem Video vom 15.10. nahm Roger Köppel (Weltwoche) daran Anstoß, dass eine Spitalleiterin im Kanton Schwyz einen Hilferuf an die Öffentlichkeit adressiert habe. Dort neigen sich die Kapazitäten auf den Intensivstationen dem Ende entgegen. Köppel fand diese Panikmache unverantwortlich.

Wir wissen aus anderen Ländern, dass auch dort nicht wenige Krankenhäuser über ähnliche Engpässe berichten und die so genannte Triage als Horrorszenario im Raum steht. Ich halte den Schweizern die Daumen, dass in ihrem Land solche Leute wie Gujer von der NZZ nicht über politische Entscheidungen mitbestimmen dürfen.

Über den Autor

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt.

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2 Gedanken zu „Mit dem Virus leben“

  1. Wenn wir nicht lernen wollen, mit dem Virus zu leben, werden wir lernen müssen ohne Grundrechte zu überleben („leben“ kann man das ja nicht nennen). Das Virus wird mutieren. Tut es ja jetzt schon. Es werden Varianten auftreten, die nicht durch die verfügbaren Impfstoffe abgedeckt werden. Weitere ähnliche Epidemien werden folgen. Alles nur eine Frage der Zeit. Möglicherweise sind sie schon unentdeckt am Laufen. Entweder wir finden einen anderen Umgang damit oder nach dem Lockdown wird vor dem Lockdown sein. Und ob Triage ein Horrorszenario ist? Horrorszenario ist für mich viel mehr ein wochenlanger qualvoller Sterbeprozess, angeschlossen an Beatmungsmaschinen. Der meisten älteren Leute überleben so eine Prozedur nicht, vermutlich nicht einmal wenn sie kein COVID-19 haben. Unsere Fehler ist, dass wir die Leute im Vorfeld, also so lange sie noch gesund sind, nicht darüber aufklären, was die Intensivmedizin kann und was nicht und wenn, zu welchem Preis. Auch die meisten, die diese Prozedur überleben, stehen hinterher nicht auf und gehen Golf spielen.

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  2. Wenn man überlegt, dass von den ca. 50.000 Todesopfern in Deutschland, die am oder mit dem Virus verstorben sind, weniger als 2000 unter 60 Jahre waren, kann man sich vorstellen wie künftige Diskussionen vor einem so tristen und dystopischen Hintergrund aussehen könnten. Ich wünschte, wir wären schon ein Jahr weiter. Vielleicht kommt es nicht so schlimm.

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