Netflix «Messiah»: Klischeehaft und langweilig?

In Fil­men kann auf Pathos und Kli­schees oft kaum ver­zich­tet wer­den. Ich bin miss­trau­isch, wenn Fil­me dafür gelobt wer­den, dass sie ganz ohne auskommen.


| Aktualisiert: 23. Dezember 2020   4 Kommentare 3 Min. Lesezeit

Ich gehe davon aus, dass die Idee der Wie­der­kehr des Mes­si­as auf Erden schon mal Film­the­ma war oder Gegen­stand eines oder meh­re­rer Bücher.

Für den Fall, dass das noch nicht der Fall war: Das war überfällig! 

Bei Net­flix hat man das jeden­falls so gese­hen. In Deutsch­land läuft jetzt die 1. Staf­fel «Mes­siah».

Ich habe mir die Serie ange­se­hen (bin bei Fol­ge 9) und war vom Start weg fas­zi­niert. Dabei sagen die meis­ten Kri­ti­ken, auch die unter den Zuschau­ern, ich soll­te die Fin­ger davon las­sen. Zu kli­schee­haft, zu lang­wei­lig – so das deut­li­che Urteil. Ob der Vati­kan mit die­ser Film­idee etwas anfan­gen kann? Wäre Jesus auf Sei­ten des einen oder des ande­ren Paps­tes, wenns um das Zöli­bat geht?

Die Zahl der Gläu­bi­gen scheint in den letz­ten Jahr­zehn­ten so stark zurück­ge­gan­gen zu sein, dass es mich nicht gewun­dert hat, wie Kri­ti­ker über die­ses Pro­dukt von Net­flix den­ken. In Jor­da­ni­en soll die Serie sogar ver­bo­ten wer­den, weil sie angeb­lich reli­giö­se Gefüh­le ver­letzt. Jede Reli­gi­on erhebt halt für sich den Anspruch, die ein­zig Wah­re zu sein. Vor allem von den Mus­li­men wis­sen wir, dass sie da kei­nen Spaß verstehen. 

Die Serie bie­tet für Eng­stir­nig­kei­ten aller­dings wenig Anlass. Jeden­falls habe ich kei­ne Aus­sa­gen aus sei­nem Mund gehört, die etwas ande­res nahe­leg­ten. Der «Mes­siah» erklärt, nach­dem er nach sei­ner Her­kunft befragt wur­de, er stam­me aus dem Iran, sein Vater sei Jude. Für man­che mag das eine Pro­vo­ka­ti­on gewe­sen sein. In den Dia­lo­gen ver­hält er sich zurück­hal­tend und wei­se. Ganz so, wie ich es mir vor­stel­le. Er zeigt also einen gewis­sen Sinn für poli­ti­sche Kor­rekt­heit, der ihm wohl auch nicht nur Sym­pa­thien ein­brin­gen dürfte.


Ich habe herz­haft über den Titel der Kri­tik der FAZ gelacht. Gar nicht mal des­halb, weil «Las­sen Sie mich durch, ich bin Jesus» treff­si­cher irgend­ei­ne Sze­ne in einer der zehn Fol­gen der ers­ten Staf­fel getrof­fen hät­te. Sowas kam nicht vor. Trotz­dem: es war wit­zig. Ande­re Kri­ti­ken waren es nicht. 

Ich ken­ne es nicht anders. Die Fil­me, die mir gefal­len, wer­den oft genug von Kri­ti­kern zer­ris­sen und die, die ich nicht mag, wer­den hochgejazzt.

Schaut man dem Mes­si­as beim Wan­deln durch die Wüs­te sei­ner Hei­mat und spä­ter in ent­le­ge­nen Tei­len der USA und noch spä­ter beim Über­das­was­ser­ge­hen in Washing­ton zu, kann ich die Titel­aus­wahl der FAZ – Autorin nur geni­al nennen!

Mich hat die Serie bis­her begeis­tert und ganz schon berührt. Ers­tens, weil ich die Idee der Wie­der­kehr Jesus Chris­tus, ange­sichts die­ser Welt, die aus den Fugen zu gera­ten droht, super span­nend fin­de, und zwei­tens auch des­halb, weil ich an ihn glaube. 

Den in der Serie the­ma­ti­sier­ten Umgang mit den sozia­len Medi­en, fand ich auch wit­zig. Wie könn­te Chris­tus wohl auf die pene­tran­te Medi­en­prä­senz reagie­ren? Was wür­de er denen sagen, die ihn mit ihrem Smart­pho­ne foto­gra­fie­ren und – natür­lich ohne Rück­fra­ge – sein Bild auf Insta­gram hoch­la­den, um sich wich­tig zu machen? 


Wel­che der Wun­der, die ihm die Bibel und sei­ne Jün­ger beschei­nigt haben, wür­de er bei der Wie­der­kehr erneut zei­gen? Wer­den die Men­schen ihm und sei­nen Wor­ten glau­ben, weil er ihnen freund­lich, beschei­den aber auch bestimmt ent­ge­gen­tritt? Wir wis­sen, dass die Begeis­te­rungs­fä­hig­keit unter den Men­schen immer noch groß ist. Aber sie ist nicht mehr von lan­ger Dau­er. Ein paar dum­me Tweets, ein Shit­s­torm reicht heu­te, um – egal wen – kom­plett zur Sau zu machen. Kann «Mes­siah», anders als Joe Kae­ser in den letz­ten Tagen, die­sem Gesetz trotzen? 

Im Film ver­ge­wis­sert sich eine CIA – Agen­tin, «Mes­siah» sei einer von denen, die die Sys­tem­fra­ge stell­ten, und sein fan­tas­ti­scher Idea­lis­mus sei gefähr­lich für die Gesell­schaft. Sol­che Sze­nen erin­nern an das Ori­gi­nal der Geschich­te. Nur dürf­ten vie­le sie so weit von sich weg­ge­scho­ben haben, dass sich auf­drän­gen­de Par­al­le­len kaum erken­nen wer­den. So sehr unter­schei­den sich die Men­schen viel­leicht nicht von denen, die ihn damals als Stö­ren­fried, als Revo­luz­zer sahen.

Wir haben über 2000 Jah­re, zwei Welt­krie­ge, eini­ge Atom­bom­ben und sehr vie­le regio­na­le Krie­ge gebraucht, um schließ­lich zu sehen, dass wir dem Auf­trag Got­tes, uns die Erde unter­tan zu machen, nicht ent­spro­chen haben. 

Es gibt die Staf­fel 2. Viel­leicht kommt «Mes­siah» gera­de noch recht­zei­tig, um uns an der end­gül­ti­gen Zer­stö­rung des Pla­ne­ten zu hin­dern? In der Serie erklärt «Mes­siah» den Plan sei­nes Vaters. Er hat vor, die Flut zu schicken. 

Schon damals bestand für Gott kein Anlass, mit uns zufrie­den zu sein. Jesus Chris­tus kam, um uns die Erlö­sung zu brin­gen. Er starb für unse­re Sün­den. Ob sei­ne gött­li­che Geduld kein Ende hat? 

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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4 Gedanken zu „Netflix «Messiah»: Klischeehaft und langweilig?“

  1. Hal­lo Horst, kein guter Bei­trag :)) Jetzt woll­te ich wirk­lich mal die Fin­ger von Net­flix las­sen, und nu machst du mich wie­der so neu­gie­rig. Werd„mich doch wie­der ein­log­gen, Den Mes­siah möch­te ich mir schon ger­ne schauen.

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  2. War­um soll es dir anders erge­hen als mir? Ich den­ke auch immer mal wie­der dar­über nach, ob ich nicht auf Net­flix ver­zich­ten soll­te. Aber dann brin­gen die wie­der eine Serie her­aus, die mich fes­selt und mein Vor­ha­ben ver­san­det. Bin gespannt, wie die Serie dir gefällt. Ich habe ges­tern die letz­te Fol­ge gese­hen. Ob es eine 2. Staf­fel geben wird?

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  3. Puhhh…, geschafft. Tief in der Nacht hab ich dann das Ende von dem viel­leicht neu­en Anfang der Staf­fel gese­hen. Wei­ter so, Horst, wenn du was emp­feh­lens­wert fin­dest, hau„s raus :)). Mir hat„s gefallen.

    Ich den­ke mal, bei Net­flix sit­zen eine Men­ge hoch pro­fes­sio­nel­ler Leu­te die sehr genau wis­sen, was und wie sie etwas auf den Markt brin­gen. Und die Staf­fel bie­tet vie­le Impul­se, dabei für jeden etwas, die des wei­te­ren Nach­den­kens loh­nen und wert sind.

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