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Presseclub debattiert über Belarus, nicht über den versuchten Sturm des Reichstages

Man mag unterschiedlicher Meinung über den Nutzen öffentlicher Diskussionen (z.B. Presseclub) sein. Allerdings gibt es für BürgerInnen nicht gerade viele Möglichkeiten, sich aktuell und kompetent über tiefere Zusammenhänge politischer Vorgänge zu informieren. Mir ist klar, was diese Darstellung bei manchen jetzt wieder auslösen wird. «Wer guckt heute schon noch Talkshows?». Denen rate ich, mal die Einschaltquoten bestimmter Formate zu checken. Sie spielen in der politischen Meinungsbildung immer noch eine Rolle, würde ich sagen. Ja, deshalb gibt es sie nämlich immer noch!

Ich sehe jeden Sonntag «Presseclub». Dieses Format hat gegenüber anderen, vergleichbaren Sendungen den Vorteil, dass dort i.d.R. ausschließlich Journalisten (in- und ausländische) zu Wort kommen. Meistens finde ich die Themenwahl sehr gelungen. Auch deshalb bin ich regelmäßiger Zuschauer.

Eben habe ich mich im Gästebuch der Sendung darüber beklagt, dass heute das Thema «Belarus» auf der Tagesordnung steht und nicht der versuchte Sturm deutscher Nazis auf den Reichstag in Berlin. Diesen hatte es gestern im Schatten der Corona-Demonstration gegeben. Allein diese Tatsache sollte all den Teilnehmern, die vielleicht mit den Positionen der Nazis wenig am Hut haben, die Schamesröte ins Gesicht treiben. Hier hat sich erwiesen, dass die Querdenker bestensfalls als Verquerdenker anzusehen sind und nicht als Verteidiger der Freiheit von irgendwem im Land. Diese Leute haben für mich jede Legitimität verloren, ihrem zum Teil ja vielleicht nachvollziehbaren Ansichten in diesem Rahmen vorzutragen.

Zurück zum Presseclub. Heute gehts also nicht um die Gefahren für unsere Demokratie, die von diesen Wahnsinnigen ausgelöst worden sind, sondern um die Vorgänge in Belarus.

Ehrlich, ich habe überhaupt kein Verständnis für diese Themenwahl. Dass Anne Will nach so langer Zeit immer noch nicht wieder online ist, sondern offenbar ihren Urlaub in vollen Zügen genießt, halte ich unter dem gleichen Aspekt auch für ignorant. Auch wenn man so vielleicht erreichen möchte, dass dieser Demo nicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, die gestrigen Vorgänge sind wichtig und das Fernsehen lässt eine wichtige Gelegenheit verstreichen. Kein Wunder, wenn sich immer mehr Leute kritisch gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen positionieren!

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Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

2 Gedanken zu „Presseclub debattiert über Belarus, nicht über den versuchten Sturm des Reichstages“

  1. Zur Ehrenrettung des Presseclubs möchte ich anmerken, dass eine solche Sendung doch ein bisschen Vorlauf benötigt und die Vorgänge am Sonnabend eventuell etwas zu kurzfristig waren. Allerdings hätte die Redaktion das Thema auch ohne das angebliche Stürmen des Reichstags auf die Agenda setzen können, und zwar in dem das Demo-Verbot, die Zwickmühle des Rechtsstaats und die Demonstranten und ihre verqueren Anliegen hätten thematisiert werden können. Insofern gebe ich Dir halb Recht.

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  2. Gab es nicht schon TV-Diskussionen, die ebenfalls ganz kurzfristige Themenwechsel erforderten? Du hast da Recht, glaube ich. Obwohl es mir speziell um die Auswüchse (den Sturm) ging, hätte das Thema auf die Agenda gehört, weil die Ankündigungen der Verquerdenker und ihrer Anhänger darauf hindeutete, dass in Berlin was «passieren» würde. Das ging ja bis zur Drohung, Waffen einzusetzen. Furchtbar, was sich in unserem Land abspielt.

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Presseclub debattiert über Belarus, nicht über den versuchten Sturm des Reichstages