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„Tesla“ und die Deutschstunde der Umweltschützer

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Umweltschützer

Update: 20.02.2020
Ein Gericht hat den Rodungsstopp wieder aufgehoben. Ein Hoch auf die Gerichte. Mal gucken, ob es den Umweltschützern gelingt, die Arbeiten in der nächsten Instanz erneut zu behindern. Übrigens haben sich die Grünen vom Tun der Umweltschützer klar distanziert!


Der Vorstandsvorsitzende der Grünen Liga, Brandenburg, Heinz-Herwig Mascher, ist ein streitbarer und streiterfahrener Mann, ein Umweltschützer. Streiten ist sozusagen die Natur seines Vereins. Darin ist er ebenso erfolgreich wie viele andere Vereine in Deutschland, die sich mit ihren Klagen einen Namen gemacht haben. Mascher ist auch Mitglied der Grünen.

Grün, so grün

Die «Grüne Liga», die immer wieder mit erfolgreichen Klagen gegen alle möglichen vermeintlichen Umweltsünden aufgefallen ist, hat es geschafft, dass Tesla-Chef Elon Musk eine neue Risikobewertung für seine Brandenburger Giga-Factory an die US-Börsenaufsicht schicken musste. Es geht um wahnsinnig viel Geld!

Ist das ein erneuter Sieg der Zivilgesellschaft über politische Opportunitäten oder ist es der grassierende Wahnsinn, der seit Langem in unserem Land zu beobachten ist?

Wie sehr freute sich die Landesregierung in Brandenburg über dieses Projekt und was hat sie dafür getan, dass es schnell vorankommt? Es gab einen «vorzeitigen Baubeginn», der auf der Seite der Landesregierung ausdrücklich erwähnt ist. Und jetzt? Die Grüne Liga sah einen Rechtsbruch durch die Landesregierung und handelte.

Toller Erfolg! Wenn da bloß nicht die vielen anderen Klagen (Stromtrassen,Windräder etc. etc.) wären, mit denen sich unsere Gerichte befassen, während andere, vielleicht noch wichtigere Entscheidungen auf die lange Bank geschoben werden.

Der Rodungsstopp verhagelt die Terminplanung und vielleicht noch mehr.

Dass Ministerpräsident Woidke dem Investor einen solchen Zeitplan verspricht, haben wir als öffentliche Aufforderung zum Rechtsbruch empfunden. Alle Beteiligten sollten auf den Boden der Tatsachen zurückkehren und den Tesla-Antrag genauso sorgfältig prüfen, wie das bei jedem anderen Antragsteller auch erfolgen muss […]

Ob große und schwere Fahrzeugmodelle wie das zur Fertigung in Grünheide vorgesehene SUV Modell Y einen sinnvollen Beitrag zur Verkehrswende leisten, wird auch vom VCD bezweifelt. Sie könnten vielmehr zu einer «Verschärfung bestehender Problemlagen» führen.

Quelle: Grüne Liga Brandenburg e.V. – Tesla steht nicht über dem Gesetz

Interessen der Umweltschützer

Dass Bündnis90/Die Grünen Mitglied der brandenburgischen Landesregierung sind, die diesen Zeitplan vermutlich ausgehandelt haben wird, sei nur am Rande erwähnt. Illoyalität gibt es nicht nur in Thüringen oder Berlin. Offenbar wird darüber nicht groß diskutiert. Die Umweltschützer und ihre politischen Ambitionen bilden eine Phalanx.

Die Geschichte des Vereins «Grüne Liga» weist Eigenständigkeit aus. Allerdings ist der Vorstandsvorsitzende des brandenburgischen Grüne Liga-Ablegers, wie erwähnt, Mitglied der Partei Bündnis 90/Die Grünen.


Es ist für uns in Deutschlands gar nichts besonders, wenn wir von den «Erfolgen» der zahlreichen Umweltvereine und -Verbände hören, die unsere Politik am Gängelband führen und es wird mehrheitlich vielleicht sogar positiv bewertet. Das tun wir schlechterdings immer, wenn wir nicht selbst von den Auswirkungen dieser segensreichen Arbeit betroffen sind.

Ja, ich sage das mit einer ordentlichen Brise Sarkasmus. Ich lebe seit meiner Geburt in einem großen Braunkohleabbaugebiet.

Befürworter und Gegner

Ich lese, dass es in der fraglichen Region Brandenburgs Skeptiker und Befürworter des Tesla-Projektes gibt. Auch die AfD hat sich schon negativ (wie zu erwarten mit reichlich völkischem Touch) geäußert. Das war wenig erfolgreich, jedenfalls soweit wir im Westen davon wissen. Ich meine, es könnte ja sein, dass die Umfragewerte der AfD in Brandenburg aufgrund der Haltung der dortigen Landesregierung plötzlich etwas anderes belegen.

Umweltschützer

Vielleicht sind die Besorgnisse der Umweltschützer, des Vereins «Grüne Liga», gerechtfertigt. Nichtsdestotrotz macht dieser Fall einmal mehr deutlich, wohin Deutschland sich entwickelt. Hier werden Chancen vertan, alle Risiken nach Möglichkeit gescheut. Jeder will alles haben aber die negativen, aber unvermeidbaren Begleiterscheinungen auf gar keinen Fall vor der eigenen Haustür.

Hemmnisse und Gefahrenabschätzungen

Ob es um Windräder geht, um Stromtrassen, um Landebahnen für Flughäfen, um neue Fabriken, selbst dann, wenn es sich um neue, umweltfreundliche Technologien handelt – irgendwer finde das Haar in der Suppe, und es wird sich gewiss irgendeiner dieser feinen Umweltvereine finden, die – selbstlos wie sie nun mal sind – ihre Kraft voll im wohlverstandenen Interesse der deutschen Meckerer und Zauderer einsetzen.

Ich lese mit viel Verständnis, dass viele Menschen sich um ihre berufliche Existenz sorgen. Stichwort: Digitalisierung, künstliche Intelligenz. Da wurden gewaltige Transformationsprozesse in Gang gesetzt und viele wissen das natürlich.

Dass viele Leute mit industrie- und wirtschaftsfeindlichen Denkansätzen liebäugeln und deshalb die Grünen unterstützen, kann ich nicht nachvollziehen.

Nachhaltiges Wirtschaften

Es mag gut sein, dass wir es nicht schaffen, den verbreiteten und verständlichen Wunsch nach nachhaltigem Wirtschaften zu erfüllen. Es gibt nämlich Milliarden Menschen auf dieser Welt, die das komfortable Leben erst noch erreichen wollen, das für uns in den vergangenen Jahrzehnten so normal war, das zu viele es offenbar nicht mehr zu schätzen wissen.

Diesen Traum werden jene Milliarden Menschen und ihre politischen Vertreter nicht aufgeben, auch nicht, wenn wir sie nett darum bitten. Und das wir unser eigenes Streben nach einem guten Leben (für unsere Kinder und Enkel) einfach eben mal abbrechen, aus Angst vor dem Tod, macht -realistisch gesehen- wohl auch wenig Sinn. Außer natürlich, man steht mit den FFF-Leuten auf den Straßen. Denn die glauben das.

Die «erfolgreiche Arbeit» der Umweltvereine, die in diesem Land blockieren was geht, alles, was sich bisher noch bewegt, funktioniert bisher ohne allzu große öffentliche Aufmerksamkeit. Wir ignorieren die Prozesse vermutlich vor allem, weil wir selten ganz direkt davon betroffen sind. Aber das ändert sich! Vielleicht zieht Tesla sich zurück, wenn Musk einsieht, dass hier nichts läuft, selbst wenn es sich angeblich doch um eine zukunftsträchtige Technologie handelt. Was wohl andere internationale Investoren darüber denken werden, was hier in Deutschland so abgeht?

Sollte es demnächst beispielsweise mal zu einem ausgedehnten Blackout kommen oder zu einem rasanten Anstieg der Arbeitslosenquote, wird es zu spät sein, um sich darauf zu besinnen, dass wir mal in einem von seinen Exporten total abhängigen Hochtechnologieland lebten.





Artikelautor Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

2 Gedanken zu „„Tesla“ und die Deutschstunde der Umweltschützer“

  1. Es wird nicht mehr lange dauern und gar nichts mehr wird hierzulande in Sachen wirtschaftlicher Entwicklung gehen. Auch die Investoren in nachhaltige, zukunftssichere Technologien und Produkte werden sich mehr und mehr zurückziehen.

    Ein Umstieg auf mehr Bahnverkehr wird nicht mehr kommen, weil neue Strecken nicht gebaut werden können.

    Die „Energiewende“ habe ich schon abgehakt, denn Wind- und Solarenergie sind hier nicht mehr weiter entwickelbar. Und damit werden wir zukünftig immer mehr Strom aus dem Ausland zukaufen müssen, aus Kernkraft- und Kohlekraftwerken erzeugt natürlich.

    Aber es hat ja auch sein Gutes:
    Bauen Tesla oder andere keine Industrieansiedlungen z.B. in Brandenburg, dann entstehen da eventuell doch noch Kohls blühende Landschaften — zurückgelassene verödete Landstriche, in denen niemand mehr leben will, weil dort niemand mehr existieren kann.

    Landschaften, in denen dann auf riesigen Flächen nachhaltiger ökologischer Landbau stattfinden kann. Mit regionalen Produkten, die keiner mehr kauft, weil niemand mehr da ist. Und ins weitere Umland kann man die Waren nicht transportieren wegen der zu weiten Transportwege.

    Hier in Frankfurt ist die Schaffung von neuem Wohnraum in größeren Bauprojekten praktisch nicht mehr möglich. Projekte liegen schneller beklagt vor den Gerichten als die Bebauungspläne fertiggestellt sind. Wäre ich Bauinvestor, ich wäre längst aus Frankfurt verschwunden. Es hat einfach keinen Sinn.

    Ich kann mich inzwischen eines merkwürdigen Eindrucks kaum noch erwehren, dass es eine unausgesprochene gemeinsame Agenda von radikalen Umweltschützern und der extremen Rechten in den Parlamenten gibt, die darauf abzielt, die gesellschaftliche Basis im Land zu zerstören.

    Es gibt offenbar Gruppen (auf beiden Seiten), die nur noch ihren jeweiligen Partikularinteressen folgen und alles andere massiv bekämpfen.

    Auch das scheint mir ein „Echokammer“-Phänomen zu sein…

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  2. Ich höre mit Freude, dass die Grünen in Brandenburg sich mit eindeutigen Worten vom Rodungsstop distanziert haben. Das habe ich erst heute Morgen gelesen. Trotzdem ist das Gesamtszenarium ein bisschen so trostlos, wie du es hier ausführlich beschrieben hast. Danke für den Kommentar.

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