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Von Blackfacing zu Bahlsen Keksen und „Vom Winde verweht“ – alles rassistisch

«Eine Gruppe Menschen trampelt auf der Würde der anderen herum und erniedrigt sie.» TAZ

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Ein/e anonyme LeserIn kommentiert meinen Beitrag von gestern mit einem spärlich ausformulierten Satz: «Du machst doch mit in der Hysterie Verbreitung!»

Das ist mehr Anmache als Kritik. Aber vielleicht doch ein Grund, darüber nachzudenken?

Blogger, die sich zu aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Themen äußern, machen sich zwangsläufig angreifbar. Beim Bloggen geht es meistens um Meinung und weniger um Information. Meinung kann auf manche LeserIn provozierend wirken. Das lernt jede/r schnell, damit umzugehen ist schwieriger.

Blackfacing

Maß und Mitte

Erinnern Sie sich noch daran, welche Karnevalskostüme Sie in Ihrer Kindheit bevorzugt haben? Bei mir war es eindeutig das Indianeroutfit. Das lag an meiner starken Liebe zu den Winnetou – Filmen, die in den Jahren meiner Kindheit und frühen Jugend zu diesem Anlass in modischer Hinsicht prägend waren.

Vorsicht beim Schminken, nur kein Blackfacing bitte

Auch außerhalb der fünften Jahreszeit war ich selten ohne Fahrtenmesser unterwegs. Das diente allerdings nicht der Abschreckung meiner Feinde, sondern hatte eher praktische Gründen. Wir Kinder lebten damals auf einem wunderbaren, großen Territorium, das immer wieder neu erkundet werden wollte. Dazu war ein Fahrtenmesser hilfreich.

Zurück zum Karnevalskostüm. Es gehört sich, dass wir Rothäute rote Haut hatten. Schminke war obligatorisch. Dieser Satz, der damals als pure Selbstverständlichkeit durchging, wird heute bei manchen Zeitgenossen zuckende Augenlider verursachen. Denn er enthält Spuren von Rassismus.

Wer heute noch, und sei es auch ganz unbedarft, Blackfacing betreibt, wird aussortiert. Spätestens seit der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau politisch in größte Bedrängnis geriet, weil er vor fast zwei Jahrzehnten als Alladin verkleidet, ein Kostümfest besuchte, wissen wir, wie man sich politisch korrekt verhält. Dass solch ein Verhalten nicht nur für Nordamerika ein Minenfeld darstellt, erschloss sich nicht allen Menschen auf dem alten Kontinent auf Anhieb.  

Kekse, Kekse, Kekse

Am Valentinstag hatte Bahlsen das Produkt noch in einem Instagram-Post beworben, anschließend warfen viele User dem Unternehmen Alltagsrassismus vor.

Bahlsen benennt nach Rassismusvorwürfen die Waffelsorte «Afrika»

Jetzt ist Bahlsen dran. Richtig, die Keks-Firma aus Niedersachsen. Die machen seit 60 Jahren Schokokekse und nennen sie (Achtung!) „Afrika“. Das geht doch gar nicht oder? Der Druck in den sozialen Medien wurde zu groß. Der Konzern gibt nach und benennt seine Keksmarke um. Hoffentlich kostet das nicht viel Umsatz. Denn jeder weiß ja, wie verteufelt das mit dem Wiedererkennungswert bei Marken ist. Die Marketingleute werden sicher schwitzen.

Wir kennen diese Tücken, weil wir miterlebt haben, dass Mohrenköpfe oder Zigeunerschnitzel dem Kampf gegen den Alltagsrassismus geopfert wurden. Natürlich nicht die Produkte selbst, sondern nur ihre Namen.

Ich habe gelesen, dass in den USA bestimmte Filme gar nicht mehr gezeigt würden, weil sie rassistische Tendenzen oder Szenen enthalten. „Vom Winde verweht“ ist einer davon. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass in vielen Filmen mit rassistischen Ressentiments gearbeitet wird oder jedenfalls wurde, soviel ist sicher.

Wenn ein großartiger Ausnahmeschauspieler wie Kevin Spacey aufgrund seiner sexuellen Übergriffe (wurden sie eigentlich bewiesen? Ach, ist ja auch egal) aus einem neuen Film herausgeschnitten wurde und laufende Projekte mit ihm beendet wurden, wird es für die edlen Bewahrer weltumspannender politischer Korrektheit ein Leichtes sein, weitere Verstöße gegen die guten Sitten (so begründete man früher auch Hexenjagden) zu ahnden. Ob nicht bald auch mal ein paar große Meister der Antike Opfer dieser Säuberungsaktionen werden?

Blackfacing

Kürzlich wurde mit größtem medialen Aufwand die Wiedereröffnung des Dresdner Semperbau am Zwinger gefeiert. Eine unglaublich beeindruckende Ausstellung alter Meister ist zu bestaunen. Die TV-Bilder haben mich sehr beeindruckt. Den unübersehbaren sexistischen Touch einiger dieser großen Werke kann irgendwann sicher zum Einschreiten der Hüter der politischen Korrektheit führen. Diese alten weißen Männer hatten zu ihrer Zeit vermutlich wenig Bekanntschaft mit exotischen Schönheiten. Deshalb sind die Modelle in der Regel weiß. Da frage ich mich: ist das ausgewogen oder nicht doch in einem gewissen Maße rassistisch? Und dann werden dort viele nackte Kinder zur Schau gestellt. Ich frage mich unwillkürlich: wenn in Amerika „Vom Winde verweht“ aus dem Kino-Programm genommen wird, wann werden dann diese Bilder abgehängt?

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Ich frage mich, wann es endlich soweit ist, dass die Bräunungscremes der Kosmetikindustrie vom Markt genommen werden. Das ist doch zweifellos eine besonders perfide Methode des Blackfacing. Sie sollte nun dringend in den Fokus der kritischen deutschen Öffentlichkeit rücken!

Der ist allerdings verstellt von der Sorge über die Sterblichkeitsrate des Corona-Virus. Prof. Drosten hat heute von einer Sterblichkeitsrate bei Senioren von 25% geredet. Oh, ich gehöre auch zu dieser Gruppe.

Hysterie in Deutschland.





Artikelautor Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

13 Gedanken zu „Von Blackfacing zu Bahlsen Keksen und „Vom Winde verweht“ – alles rassistisch“

  1. Senior wird in dem verlinkten Artikel zum Schluss anders eingeordnet, weisst Du ja, Altersgenossse!
    Wieso ich das auch erwähne: Es laufen Leute rum, heute gehört, die von sich sagen: Ich gehöre ja nicht zur Risikogruppe.

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  2. Du hast den Artikel nicht richtig gelesen. Da häätest Du noch 14 Jahre Zeit bis zu dieser anzuzweifelnden Grenze.

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  3. Anonymous war ich.
    Das mit der Zahl 80 verbundene Verdict betrachte ich als kritisch, mit Verlaub gesagt. Ich KANNNN mir nicht vorstellen, daß es genaus so gefallen ist.
    Und wenn dann doch: Was sollen solche schwarzen Bilder bewirken?

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  4. Warum sich die Verantwortlichen darauf einlassen, solche Zahlen und Altersklassen zu nennen, erschließt sich mir auch nicht. Die Chinesen haben ja ähnliche Cluster erstellt. Nur denen wird ja nicht wirklich geglaubt. So bleibt uns eigentlich gar nichts übrig, als ruhig zu bleiben und diesen Mist nicht allzu ernst zu nehmen. Meine Schwiegermutter ist 95, ist aber eigentlich ganz fit. Abgesehen davon, dass sie nicht mehr laufen kann. Meine Mutter ist 87 Jahre alt. Ich mach mir da schon meine Gedanken.

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  5. Verstehe.
    Ich denke aber auch an all die Angstkranken. Wer kümmert sich um die?
    Es gibt genug Leute, die ohnehin viel Angst haben. Nun kommt das hinzu.

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  6. Das mag sein, 2019 kam ja auch ein Buch darüber raus.
    Es fragt sich, wie jetzt das andere Länder erleben. Ich bin mir da nicht sicher.

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