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Von Tastaturen und Mäusen

Ich erlebe meine 3. Jahreszeit als große Befreiung. Nach 47 Arbeitsjahren hatte ich dieses Gefühl von Freiheit vergessen. Es fühlt sich an wie in der Vorschulzeit. Man macht was man liebt und woran man Spaß hat. Ich brauch dazu halt Technik. Und Tastaturen und Mäuse. Ganz frei bin ich also doch nicht. 🙂


 • Letzte Änderung: 23. Jan. 2021  4 Min. Lesezeit 1.101

Auf den Tag genau begann gestern vor fünf Jahren so etwas wie meine persönliche 3. Jahreszeit. Das Ende meines Berufslebens war nicht die zu erwartende Zäsur. Ich vermisse überhaupt nichts, im Gegenteil. Ein Abschied von Tastaturen und Mäusen war es nicht. Moderne Technik und mein Faible dafür begleiten mich weiterhin.

Ich hatte mich mental auf die Zeit »danach« gut vorbereitet. Meinen letzten Job hatte ich sowas von satt. Er hatte mich nie wirklich gefordert, so dass mir der Ausstieg wie eine Erlösung erschien.

Das war der Fall, obwohl ich zu den privilegierten Personen im Unternehmen gehörte, die Homeoffice praktizieren konnten. Damals war das noch eine Ausnahme, von der (leider) nur wenige profitierten. Ich arbeitete mindestens einen Tag in der Woche zu Hause und kam mit meinen damals noch 8 Mbit/s und einer VPN-Anbindung richtig gut parat. Die eingesetzte Software ermöglichte eine Arbeitsweise, die sich in der Performance (SAP, Microsoft Office-Anwendungen, etc.) kein Stück von der lokalen Nutzung unterschied. (Heute steht mir hier eine 100 Mbit/s-Leitung zur Verfügung.)

Langeweile kenne ich seit meinem Übergang in meine 3. Jahreszeit nicht, ich bin echt gut beschäftigt. Vielleicht sollte ich besser sagen: ich kann mich sehr gut beschäftigen?

Leute, die mich gut kennen, werden einwenden, dass ich aber ein bisschen zu viel am Computer sitze und sich – ohne es freilich gleich auszusprechen – denken: der und seine Bloggerei… Ihr kennt das vielleicht?

Es stimmt, ich sitze viel auf meinem Hintern, esse und trinke gut und denke manchmal zu viel nach. Nicht nur gesunde Dinge. Darauf weist mich übrigens auch mein Hausarzt (Übergewicht, Bluthochdruck) bei meinen seltenen Besuchen vorsorglich hin.

Wenn ich auf das Thema sitzen und lesen komme, denke ich manchmal an Helmut Schmidt. Dieser hat in seinen späten Jahren über sich erzählt, dass er den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen und lesen würde. Manchmal 10 – 12 Stunden lang. Den ganzen Tag lang lesen und denken?

Jou, manchmal bringe ich das auch. Ich sehe trotz dieses kühnen Vergleiches gewisse Weisheitsdefizite (und mehr), was ich auch daran festmache, wie ich auf gewisse Debatten reagiere. Mir fehlt die Altersmilde oder wenigstens sowas wie die Abgeklärtheit, die manche Ältere an den Tag legen. Andererseits, die 3. Jahreszeit ist halt doch was anderes als die 4.

Tastaturen
Mein Arbeitsplatz mit neuer Tastatur und Maus

Meine Frau und ich gehen aber auch regelmäßig spazieren. Immerhin! ??‍? Meine Fotokamera nehme ich oft mit und fotografiere Motive, die am Wegesrand liegen. Ich versuche, die Fotos möglichst gut zu variieren, damit der Mangel an Motiven nicht zu stark sichtbar wird. Dabei hilft mir »Lightroom« mit dem ich meine Fotos entwickle.

Ich schrecke nicht davor zurück, Kompositionen zu probieren (wenn auch auf vergleichsweise sehr bescheidenem Niveau) und (anhand von Filtern) auch schon mal übertriebene Farbdarstellungen zu nutzen. Die Puristen lehnen sowas ab. Aber ich finde, auch dabei lernt mal viel übers Fotografieren. Ich liebe es zu experimentieren.


Schmerzlicher Verlust

Am Montag ist mir was ganz Dummes passiert. Meine Tastatur gab den Geist auf. So was gehört zu den Dingen, die ich absolut nicht leiden kann. Meine Frau auch nicht. Denn sie mag es überhaupt nicht, wenn ich wie ein Rohrspatz in einer Lautstärke lamentiere. Mein Standpunkt ist da klar: Geräte haben gefälligst zu funktionieren. Wenn der Strom weg ist, ist das blöd. Aber das Schlimmste für mich ist nicht etwa, wenn das Gefrorene im Eisschrank auftaut, sondern wenn der Internetzugang nicht funktioniert.

Eine neue Tastatur sollte her. Schließlich muss ich doch »arbeitsfähig« bleiben. Es war bereits Spätnachmittag, und es war Eile geboten. Bei uns gibts keine Geschäfte, die PC-Tastaturen im Programm haben. Das letzte seiner Art hat vor ein paar Monaten die Segel gestrichen. Insolvent vor Corona.

Beschaffungsprobleme

Also fragte ich bei Google nach, ob die Saturn Filiale in Kerpen geöffnet wäre. War sie nicht. Dann habe ich nach den Öffnungszeiten des Saturn Markes in Köln Weiden geguckt. Auch zu. Corona sei Dank!

Also habe ich im Internet nachgesehen. Amazon weist darauf hin, dass aufgrund der Coronaepidemie die Lieferzeiten ein wenig länger seien. Normalerweise hätte ich mit meiner Prime-Mitgliedschaft die Lieferung am nächsten, spätestens übernächsten Tag bekommen. Jetzt hieß es tatsächlich: warten bis Donnerstag (bis spätestens 21 Uhr).

Natürlich blieb ich online. Schließlich habe ich mein Smartphone, mein IPad und – nicht zu vergessen – ein noch ziemlich neues Macbook Pro. Es mag vielen seltsam scheinen. Aber an Notebooks kann ich mich einfach nicht gewöhnen. Ich habe das Macbook auf meinen Schreibtisch in der Ecke unseres Gästezimmers platziert. Dort steht mein PC.

Es ist mein persönlicher Rückzugsort. Dort sitze ich und lese, lese und sitze und schreib dort auch meine Blogartikel. Wahrscheinlich kann man die Situationen an einer Hand abzählen, an denen ich einen Artikel im Wohnzimmer am Macbook geschrieben habe. Mein letzter Artikel ist am Macbook entstanden. Aber ich saß, wie sonst, am Schreibtisch in meiner Ecke.

Eben ist die neue Tastatur angekommen. Schön klein, sehr dünn aber auch ziemlich gewöhnungsbedürftig. Die Maus ist es ebenso. Aber mit so plötzlichen Wechseln komme ich immer gut klar – auch nach immerhin fünf Jahren!

Mich stört zum Beispiel auch nicht der voreingestellte Vollbildmodus in der neuen WordPress – Version 5.4, die gerade ausgerollt wurde. Darüber klagen jetzt schon wieder welche. Es gibt einfach immer Leute, die über dieses tolle Tool meckern. Dabei ist dieses WordPress mit dem »neuen« Gutenberg – Editor in meinen Augen einfach eine Wucht. 🙂 Ich benutze dieses Ding von Anfang an und habe noch nie einen Grund gesehen, mich dem Genörgel anzuschließen.

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