Wer den Sumpf trocken legen will, darf die Frösche nicht fragen.


| Aktualisiert: 30. Juni 2020   6 Kommentare 2 Min. Lesezeit

Das ist ein Bild, das mir noch nie gefal­len hat. Einer mei­ner frü­he­ren Chefs hat es gern benutzt, wenn es um «Ratio­na­li­sie­rungs­maß­nah­men» ging. Dabei ging es in der Regel um mög­li­che Ent­las­sun­gen, die bevorstanden.

Jetzt bemüht Hen­dryk M. Bro­der das Bild und natür­lich geht es dies­mal wie­der um Men­schen. Und zwar die­je­ni­gen, die sich nicht vor den Kar­ren der Spal­ter die­ser Gesell­schaft span­nen las­sen. Eini­ge der Rädels­füh­rer des Coro­na-Wider­stan­des sam­meln sich um ihn, Roland Tichy und eini­ge ande­re Leu­te, die sich als Publi­zis­ten gegen die Grund­rechts­ein­schrän­kun­gen unse­rer Regie­rung «enga­gie­ren».

Wenn ich mir anse­he, wie sich der Wider­stand gegen Regie­rung und Staat prä­sen­tiert, kommt in mir eine unheim­li­che Wut auf. 

Die Men­schen, die sich bis­her neu­tral oder zufrie­den mit der Coro­na-Poli­tik unse­rer Regie­rung geäu­ßert haben, wer­den von den Coro­na-Leug­nern fort­wäh­rend belei­digt. Zu Beginn der Kri­se waren es noch die übli­chen Sek­tie­rer auf Sei­ten der AfD oder ande­rer rechts-natio­na­ler Grup­pie­run­gen. Inzwi­schen haben sich Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker aller mög­li­chen Fär­bun­gen hinzugesellt. 

Sie ver­su­chen mit­hil­fe sol­cher staats­ver­dros­se­nen Publi­zis­ten Rabatz gegen unse­ren Staat zu machen. Wer hat die­sen alten Män­ner wohl mehr zuge­setzt und ihre in ruhi­gen Bah­nen ver­lau­fe­nen Kar­rie­ren zer­stört? War es Mer­kel per­sön­lich oder viel­leicht ande­re erfolg­rei­che Frau­en? Ich tip­pe auf die Kom­bi­na­ti­on aus Grü­nen und Lin­ken. Links­grün­ver­si­fft ist in die­sen Krei­sen seit Jah­ren schon fast sowas wie das Lieb­lings­wort. Die Kli­en­tel springt sofort zu 100% drauf an. Soviel Vor­ur­teil muss sein!

Wenn die­se Leu­te nicht mehr dif­fe­ren­zie­ren, bit­te: ich kann das auch!

Die Anhän­ger­schaft sol­cher Leu­te hat lan­ge vor Coro­na behaup­tet, dass sich die Ita­lie­ner oder die Fran­zo­sen (so platt argu­men­tie­ren die ja grund­sätz­lich!) das doch alles nicht bie­ten lie­ßen. Aber mit den dum­men Deut­schen könn­te die Regie­rung ja alles machen. Jetzt haben wir eine erns­te Kri­se und sie­he da: die Ita­lie­ner und Fran­zo­sen ertra­gen die weit­aus grö­ße­ren Ein­schrän­kun­gen gelas­se­ner als der Teil der Deut­schen, die jetzt gar nicht schnell genug zu den unver­ant­wort­li­chen Demos auf die Stra­ßen kommen. 

Ich fin­de es sau­scha­de, dass das Virus sich auf kei­ne Garan­tie ein­lässt, nur die Voll­idio­ten zu infi­zie­ren, also die­je­ni­gen, die sich an nichts hal­ten als an ihre haus­ge­mach­ten Ver­schwö­rungs­theo­rien oder die Ansa­gen ihrer intel­lek­tu­el­len Vorbeter. 

Es bleibt letzt­lich nichts ande­res übrig, als die­sem unver­ant­wort­li­chen Trei­ben die­ser Leu­te zuzu­se­hen, die Wut irgend­wie ste­cken zu las­sen und ihren Anhei­zern ab und zu mal ver­bal auf Maul zu hau­en. Das hier liest zwar kaum einer, aber es tut trotz­dem gut.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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6 Gedanken zu „Wer den Sumpf trocken legen will, darf die Frösche nicht fragen.“

  1. Dei­ne Auf­re­gung kann ich gut nach­voll­zie­hen. Gra­de hat jemand in den Kom­men­ta­ren bei mir ange­merkt, wir leb­ten in einer «glo­ba­len Dik­tur» – und mei­ne mit Bei­spie­len gesät­tig­te Anwort plus Bewer­tung des Eini­gungs­po­ten­zi­als der real exis­tie­ren­den Dik­ta­tu­ren als «welt­fremd» han­del­te mir gleich einen Rüf­fel von einem Stamm­le­ser wg. «Respekt­lo­sig­keit» ein. Was ist nur los mit den Leuten? 

    Habe ver­ges­sen, wer gesagt hat: «Der Kapi­ta­lis­mus lebt von Bestän­den, die er selbst nicht schafft». Viel­leicht ist das die gro­ße Grund­ur­sa­che: das Sinn­de­fi­zit, das eine bloß Kon­sum-ori­en­tier­te Wirt­schaft und Gesell­schaft erzeugt. Des­halb auch der grö­ße­re Pro­test in den «neu­en» Bun­des­län­dern: da wirkt noch eine ande­re Gesell­schafts­ord­nung nach, in der das «Kol­lek­tiv» gro­ße Bedeu­tung hat­te und die Ein­zel­nen nicht so sehr zu Wett­be­werb und Kon­kur­renz erzo­gen wur­den. Dass die ersehn­te «Frei­heit» auch bedeu­tet hat, dass sich der Staat weit weni­ger um den Ein­zel­nen küm­mert, war ihnen zu Zei­ten der Wen­de nicht klar. 

    Ziem­lich erschre­ckend sich auch die all­über­all fest­stell­ba­ren Bil­dungs­de­fi­zi­te. Was es heißt, hier­zu­lan­de Staatsbürger/in zu sein, was die Basics einer reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie sind, wie und war­um Recht und Gerech­tig­keit bei Gericht manch­mal aus­ein­an­der fal­len (müs­sen), wie es zu viel Büro­kra­tie kommt (näm­lich wg. der Aus­dif­fe­ren­zie­rung der Vor­schrif­ten im Bemü­hen um MEHR Gerech­tig­keit etc.) – von alle­dem und noch viel mehr ist nicht viel als Hin­ter­grund­wis­sen prä­sent, wie ich immer wie­der bemerke. 

    Die heu­te behaup­ten, es gehe hier grund­sätz­lich unde­mo­kra­tisch zu, mei­nen in Wirk­lich­keit: es geht nicht nach ihrem Wil­len. Dass Poli­tik ein Geschäft des Inter­es­sen­aus­gleichs ist, dass ein Minis­ter kei­ne Fach­kraft auf sei­nem Gebiet sein muss, dass die Bezah­lung in der Poli­tik ein Lacher gegen das ist, was in der Wirt­schaft ver­dient wird – all das sehen sie nicht bzw. wol­len es nicht sehen.

    Kei­ne Ahnung, wohin das noch alles füh­ren wird!

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  2. Beim ers­ten Ver­such, die­sen Kom­men­tar zu pos­ten, erschien nach Absen­den eine Mel­dung, die die Wor­te «Goog­le re Cap­t­cha» ent­hielt. Ich muss­te zurück, glück­li­cher­wei­se war der Kom­men­tar noch in der Mas­ke, beim 2.Mal ging er durch. Das nur zur Info (kannst du ger­ne löschen).

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  3. Hal­lo Clau­dia, die Deep Sta­te – Geschich­te ist sehr beliebt. Ich kann es nicht fas­sen, dass es so vie­le Leu­te gibt, die an die­sen Mist glau­ben. Bei denen muss etwas im Leben ziem­lich schief gelau­fen sein. Viel­leicht haben sie irgend­wann die Kon­trol­le dar­über ver­lo­ren, weil sie zu viel in Jog­ging-Hosen rum­lau­fen? Wer weiß es?

    Im Ernst, mir geht das Beneh­men man­cher Leu­te so sehr auf den Sen­kel, dass ich mir gar nicht mehr vor­stel­len kann, dass sich das noch ein­mal kit­ten lässt. Zuerst war es die Flücht­lings­kri­se, in der mei­ne Aver­si­on gegen «Anders­den­ken­de» lang­sam in Fahrt kam. Es folg­te die Dis­kus­si­on um die Kli­ma­kri­se und schließ­lich haben wir das abso­lu­te Extrem, die Coro­na-Kri­se. Mein per­sön­li­cher Sinn für Frei­heit ist gar nicht so unter­ent­wi­ckelt, wie die­je­ni­gen offen­bar glau­ben, die ande­re für dumm ver­kau­fen. Ich fin­de, gera­de in die­ser Kri­se hat unse­re Regie­rung viel rich­tig gemacht. 

    Lei­der ist es so, dass die Leu­te, die die­ses Staa­tes ohne­hin längst über­drüs­sig sind, an vie­len Rädern gleich­zei­tig dre­hen. Die AfD macht das geschickt. Die­sen Arsch­lö­chern flie­gen zwar die Her­zen nicht gera­de zu, aber sie sor­gen für Ran­da­le. Schlim­me Fol­gen für unse­ren Staat, bis hin zur Abschaf­fung der Demo­kra­tie, sind des­halb nicht undenk­bar. Das macht mir mehr Sor­gen als die Ker­ne der Kri­sen unse­rer jün­ge­ren Vergangenheit.

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  4. Ich woll­te mal nicht «Antis­pam Bee» nut­zen und das hab ich nun davon. 🙂 Schal­te das Goog­le Din­gens ab und keh­re reu­mü­tig zurück zu Anti­sam Bee. Dan­ke für dei­nen Hinweis.

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  5. Wohin du schaust, über­all auf Blogs kannst du ver­schwö­rungs­gläu­bi­gen begeg­nen. Und wenn du end­lich auf einem «sau­be­ren» Blog warst, mischen sich schnell Leu­te drun­ter, die ihr Zeug da vorbringen.
    Es ist ernüchternd!

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    • Hal­lo Ger­hard, das ist eine Ent­wick­lung, die komi­sche Züge hat und die mich doch beun­ru­higt. Es gibt zu vie­le Idio­ten. Hof­fent­lich gibt sich das, wenn irgend­wann der Virus weg ist. Aber dann kommt bestimmt ein neuer.

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