Alles eine Frage der Prioritäten

Jetzt ist es endlich auch mal gut mit der Bevorzugung von Alten in der Corona-Pandemie. Kinder und Jugendliche drehen am Rad. Die Kinderpsychologen haben Hochkonjunktur, las ich heute.

»Es gibt psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll, dort findet eine Triage statt. Wer nicht suizidgefährdet ist und ’nur‘ eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen.«

Corona aktuell: Studie zu Astra-Zeneca-Biontech-Kombi – Politik – SZ.de

Sogar der medial überstrapazierte Schreckensbegriff der Triage wird zur Beschreibung angeblicher Engpässe verwendet. Mich erinnert das ein wenig an die Aufregung um die Ergebnisse, die ein Prof. Schrappe in diesen Tagen zur angeblichen Nichtauslastung der Intensivstationen in Deutschland ausgelöst hat.

Was ja nichts anderes heißen soll, als das wir hinsichtlich der Dramatik der Corona-Lage belogen worden sein sollen. Das wiederum erklärt, wieso andere Wissenschaftler Schrappe und sein Kollegenteam so massiv kritisieren.

Bisschen Frühling wäre mal schön

Nun bin ich ja auch einer von diesen gutwilligen Trotteln, die es immer noch nicht gerafft haben, wie wir in diesem Land hinters Licht geführt werden. Es ist schon fahrlässig von mir, den Fernsehauftritten von Chefärzten, Ärzten und Krankenpfleger*innen zu vertrauen und ihnen abzunehmen, wie furchtbar angespannt die Lage gewesen ist. Wenn Schrappe recht hat, sind wir alle Opfer einer Verblödungskampagne, die von pharmazeutischer Industrie, Krankenhauskonzernen und ihren angestellten Strohpuppen erfolgreich initiiert wurde. Die Frage nach einem Grund stellt angesichts dieser erdrückenden Faktenlage keiner mehr! Schließlich glaubt jeder zu wissen, wie schlecht diese Welt ist.

Mir scheint, dahinter steckt irgendwie System. Mit Wodarg, Bhagdi oder Schiffmann hat der Zinnober angefangen. Danach folgten Schlag auf Schlag die Gegenthesen anderer Wissenschaftler. Viele bedienten sich der Varianten, die ihnen angeboten wurden, weil sie ihnen besser in ihre Denke passten.

Gleichzeitig hat man mehr oder weniger erfolgreich andere Wissenschaftler, teilweise auch diejenigen, die unsere Regierung beraten, diffamiert. Das geht so weit, dass ihre Reputation als Wissenschaftler in infamer Art und Weise infrage gestellt wird. Melanie Brinkmann ist ein aktuelles Beispiel. Was ich heute von einem etablierten Autor der Achse des Guten gelesen habe, löst in mir Zorn und üble Laune aus. Ich frage mich, ob die Einstellung des Autors zur »Cancel Culture« dazu passt. Bestimmt tut sie das. Schließlich muss Frau Prof. Brinkmann ihn mit einer falschen Lehre dazu getrieben haben. Da muss man etwas dagegensetzen, notfalls auch ein bisschen mehr als das. Dass Christian Drosten außerhalb seines Podcasts kaum noch öffentlich in Erscheinung tritt, ist nicht zuletzt auch das »Verdienst« mancher seiner Kollegen.


Bald werden bundesweit die Prioritäten gelöscht. Dann kann sich jeder seinen Impftermin besorgen. Was dann in den Arztpraxen los sein wird, kann ich mir gut vorstellen. Ich hörte in den Medien, dass mancher Arzt sich beim Thema Impfen inzwischen ganz abgemeldet hat. Die normale Betreuung der Patienten sei unter diesen Voraussetzung nicht mehr möglich. Ich hoffe, meine Frau und ich erhalten unsere Erst- und Zweitimpfungen in halbwegs geordneter Art und Weise. Dass sich junge Menschen und einige Journalisten zusammengetan haben, um die angeblich ach so ungerechte Haltung durch die Älteren zu beklagen, geht mir auf den Zeiger. Ich kriege mit, wie viele Leute sich Impftermine mit Lug und Trug erschleichen. Alte und Junge! Darunter natürlich Leute, die angeblich ihre Eltern pflegen, die gar nicht wissen, was das überhaupt bedeutet.

Gefälschte Bescheinigungen, ärztliche Attests, die keiner wirklichen Prüfung standhalten und so weiter. Es ist erbärmlich, was sich in diesem Land abspielt. Für meine Schwiegermutter (96) kriegen wir keine Impfung. Ich habe viele Hausärzte angerufen und mit dem Gesundheitsamt unseres Kreises telefoniert. Keiner fühlt sich zuständig.

Die Hausärzte sind mit ihren Patienten so stark gefordert, dass sie nicht bereit sind, die Frau zu versorgen. Dass sie keinen Hausarzt hat, liegt daran, dass sie seit einigen Jahren bei uns lebt und ihr alter Hausarzt zu weit weg wohnt. Außerdem ist er inzwischen auch in Rente. Sein Nachfolger kann sie als Patientin nicht übernehmen. Das verstehe ich. Von mobilen Impfteams ist in unserem Kreis jedenfalls nichts zu hören und zu sehen.

Wenn also demnächst die Prios ganz aufgehoben werden, werden wir eine heillose Überforderung unserer Praxen erleben. Soviel ist sicher. Dass aus dem Funktionärskreis der Ärzte vor Kurzem noch gefordert wurde, endlich die unnützen Impfzentren zu schließen, ist auch so eine Sache, die man vor dem realen Hintergrund nicht begreifen kann.

In der Diskussion spielt es keine Rolle mehr, dass für die über 60-Jährige die ca. 60-fach höhere Gefahr eines schweren Verlaufs oder sogar des Todes bei einer Corona-Infektion besteht (s. Verteilung nach Altersgruppen). Da längst nicht alle Vorerkrankten und schon gar nicht alle über 60 geimpft sind, halte ich die Aufgabe der Prioritäten für verfrüht und deshalb für inakzeptabel.

Ich hoffe, diese Regierung reagiert mit solchen Maßnahmen nicht auf den öffentlichen Druck durch gewisse Medien, die tägliche eine andere Sau durchs Dorf treiben. Den Eindruck kriege ich immer mehr. Die Folge wird unnötiges Chaos und noch viel mehr Frust bei ganz vielen (auch bei Jüngeren) sein.

Über den Autor

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt.

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