Andreas Vollenweider wiederentdeckt

Meine LP-Sammlung verrottet im Keller. 600 Stücke, die ich irgendwann mir vor Jahrzehnten als Sammlung nach und nach zusammengespart hatte. Ok, so schlimm ist es nicht. Die Platten stehen geschützt in einem alten Schrank.

Nur – gehört werden sie nicht mehr.

Vor Jahrzehnten hat die CD sie ersetzt. Diese Sammlung ist nicht ganz so umfangreich, weil das Streamen gewissermaßen dazwischenkam.

Ich hörte eben ein Jazz Stück, in dem eine Harfe dominierte. Da fiel mir schlagartig ein wunderbarer Musiker ein, von dem ebenfalls ein paar LPs in meiner Sammlung im Keller stehen. Eine echte Schade.

Das Stück »Behind the Gardens«

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von Andreas Vollenweider habe ich vor Jahrzehnten zuletzt gehört. Dabei ist diese Musik doch so wunderbar.

Wie so viele bin auch ich eben in vielfacher Hinsicht ein Kretin. Solidarität oder Treue könnte man doch sein.

Vollenweider ist übrigens – wie ich – inzwischen 67 Jahre alt.

Er ist übrigens einer der tollen Musiker, die auch bei Luciano Pavarotti and Friends dabei waren.

Billig gestreamt

Vor kurzem hörte ich irgendwo (im Radio?), dass ungefähr 500.000 Streams bei Spotify für viele Künstler lediglich einen beschämend kleinen Betrag ausgezahlt.

Ich habe mal kurz recherchiert. In einem Beitrag von iGroovemusic.com heißt es:

Im Schnitt erhält man in den 18 wichtigsten Musikmärkten 2.739 Euro für eine Million Streams ausbezahlt.

Wie viel erhalte ich pro Stream auf Spotify? – iGroove | Push Your Music

Demnach variieren die Auszahlungsgrößen je Land erheblich. Wie auch immer: welcher Künstler, der nicht zu den wenigen Superstars zählt, könnte mit solchen Beträgen existieren?

Schaut man sich die unterschiedlichen Zahlen der Streams bei Spotify an, kann man sich vorstellen, wie hart das Brot ist, das die meisten Künstler zu kauen haben. Und da ist von den Corona-Folgen nicht mal die Rede. Leben ohne Konzerte geht unter diesen Voraussetzungen schon gar nicht mehr.

Andreas Vollenweider ist da leider wohl ein ganz normales Beispiel. Internationale Künstler, wie zum Beispiel Andrea Bocelli oder der leider viel zu früh verstorbene großartige Luciano Pavarotti, haben es leichter.

Sie erreichen bei vielen Titeln Hunderte von Millionen Streams. Manche, wie Pavarotti, sogar nach ihrem Tod.

Per Stream zahlt Spotify 0.002862237673 Euro. Für das Premium-Abo gibt man 9,99 Euro im Monat aus. Ich teile mir einen mit meiner Frau und zahle monatlich über 12 Euro.

Von meinen Hörgewohnheiten werden Künstler nicht profitieren, obwohl wir schon recht viel Radio und auch Spotify (Mutter eingeschlossen) hören.

Was nützt die Jammerei? Bestimmt werde ich nicht noch einmal damit beginnen, mir eine eigene Musiksammlung anzulegen.

Zu einfach und komfortabel ist es schließlich, »Hey Google« oder »Alexa«: spiel (die wunderbare) Ina Regen »Fenster« abzurufen. Im Moment mein Lieblingslied.

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Über den Autor

Ich bin Horst Schulte. Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt.

Mein Motto: "Bloß nicht zynisch werden..."

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15 Gedanken zu „Andreas Vollenweider wiederentdeckt“

  1. Ach, Andreas Vollenweider… von dem hatte ich die zweite Platte (Caverna Magica), gleich nach Erscheinen 1983. Irgendwie war der Bursche eine Zeit lang in Mode und dann ziemlich schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Zumindest in unserer Clique…

    Aber er macht immer noch Musik, ich höre gerade in Youtube in seine letzte Platte rein. Harfe plus Cello, klingt gar nicht schlecht.

    Wirklich Geld im Sinne vollen Lebensunterhaltes plus etwas Rücklagen verdienen mit ihrer Musik eine ganz kleine Minderheit von Künstlern, das war noch nie anders als heute. Den ganz großen Löwenanteil schöpften schon immer die Plattenfirmen und die Managements ab. Der Künstler ist das Produkt, die Ware, die möglichst gewinnträchtig verkauft wird.

    Wenn ich mich erinnere, es gab am Wochenende eine Doku über Frank Zappa, selbst der hatte erst in seinen letzten Jahren mit eigenem Label die Freiheit, seine Platten so zusammenzustellen und zu veröffentlichen, wie er es wollte.

    Ich mache mir da überhaupt kein schlechtes Gewissen, wenn ich neuerdings zum Streaming übergegangen bin und wahrscheinlich keine Platten mehr kaufen werde. Für den Lebensunterhalt der Musiker, die ich höre, spielt das kaum eine Rolle.

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  2. Zappa war sicher eine der wenigen Ausnahmen. Wären denn unter den Voraussetzungen, dass es „früher ™“ auch schon so gelaufen ist, so viele Popstars zu Millionären geworden? Heute verdienen die an verkauften Platten nichts mehr. Natürlich waren es die großen Plattenlabels, die viel Geld abgegriffen haben. Aber es blieb doch immer noch einiges über. Wo wären die legendären, immer noch existierenden Bands, heute, wenn es immer so gewesen wäre? Hätten die durchhalten können nur in dem sie Konzerte gespielt hätten? Ich fand Künstler auch immer gut (oft sind es aber einzelne Leute), die sich nicht dem Druck der Majorlabels unterworfen haben und ihr eigenes Ding durchzogen. Wenn das aber alle so gemacht hätten, wäre das sicher schiefgegangen, oder?

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  3. Spätestens seit es Streaming und Musik per Download gibt, hätte ich gehofft, dass sich Musiker zusammenfinden und direkte Vertriebsplattformen entwickeln. Aber da hatte ich wohl Illusionen einer besseren Welt.

    Früher sahen Plattenverträge wohl oft (meist?) so aus, dass man als Talent entdeckt wurde und einen Plattenvertrag bekam. Der lautete z.B. über 3 Alben, die man in zwei Jahren veröffentlichen sollte. Die Firma berechnete pro Album den zu erwartenden Verkaufserfolg. Diese Summe bekam der Musiker/die Band sozusagen als Vorschuss-Honorar. Davon wurden alle Kosten der Produktion nach und nach abgezogen. Wenn die Platte sich wie erwartet verkaufte, blieb ein Plus. Verkaufte sie sich sehr gut, blieb ein großes Plus. Verkauft sie sich schlechter, hatte man Pech, weil Schulden. M.a.W. sehr viele Musiker verdienen zwar einen Lebensunterhalt, sind aber letzten Endes auch Vertragssklaven der Industrie und machen genau die Musik, die man von ihnen erwartet.

    So zumindest habe ich das vor Jahren mal bei verschiedenen Quellen gelesen.

    Bei Konzerten lief es wohl ähnlich. Konzerte waren früher meist Draufzahl-Geschäfte, besonders, wenn sie technisch sehr aufwändig waren.

    Im Jazz oder der klassischen Musik ist es noch armseliger. Das absolute Gros aller Jazzmusiker lebte und lebt von der Auftrags-Studioarbeit für Massenware, Film und Fernsehen. Klassische Musiker sind meist Angestellte eines Orchesters.

    Da fällt mir gerade was ein:
    Ich hatte früher, so mit 18, Ende der 70er, vielleicht 250 LPs von vielleicht 35 bis 40 Musikern/Bands. Mein Vater nahm mich mal mit ins Hörfunkarchiv des HR. Dort zeigte mir ein Redakteur den LP-Fundus des Senders — ein enger Raum, lang und zig Meter hoch, die Wände waren LP-Regale. Er sprach, glaube ich, von rund 25.000 LPs. Ich schätze, von 90 Prozent der Musiker/Bands hatte ich wahrscheinlich noch nie – und nie wieder – gehört.

    Wir kennen die erfolgreichen, die Stars, von denen die meisten über viele Jahre aktiv waren oder sind. Die verdienen meist auch ziemlich gut.

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  4. Für die allermeisten Musiker war das der Fall. Ich denke wohl zu sehr an die Super-Stars, die sich auch über Jahre und Jahrzehnte gehalten haben. Für viele ist das Leben als Musiker nicht leicht. Nur Spotify und die anderen Streamer haben es vermutlich nicht gerade verbessert.

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  5. Andreas Vollenweider fand und finde ich toll. Zum ersten Mal in Berührung gekommen bin ich mit ihm in den 80ern. Da gab es so einen Plattenvertriebsladen namens „Govi“ (ähnlich wie Zweitausendeins, aber ohne Bücher), wo dann immer die „Platte des Monats“ vorgestellt wurde. Die war in diesem Fall „White Winds“. Ich fand das Cover so toll und die Beschreibung der Musik gefiel mir auch, also habe ich mir die Platte bestellt. Die Musik hat mich sofort fasziniert und ich habe die Platte rauf und runter gehört. Danach habe ich mir „Down to the Moon“ geholt – genauso toll.

    Danach habe ich ihn lange Jahre vergessen, aber seit kurzem höre ich ihn wieder sehr gerne. Beim Musikstreaming bin ich seit einigen Monaten bei TIDAL, mit denen ich – auch aufgrund der hervorragenden Qualität und Auswahl – sehr zufrieden bin.

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  6. @Martin, ich hatte Vollenweider vergessen. Wie so viele. Plötzlich fiel mir sein Name ein. Wie ich hier erzählt habe. Ja, die Musik ist toll und trotzdem habe ich sie (fast) vergessen. Als ich das erste Stück der genannten Platte bei Spotify hörte, war das so vertraut und schön.

    Danke für deinen Tipp. Der Name Alexandra Janzen sagte mir bisher nichts. Ich höre sie mir an.

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  7. Anderer womöglich interessanter Aspekt, es fällt mir gerade ein:

    Stream-spezifisch verdient natürlich ein Musiker schon Geld (bescheiden..), wenn ich mal bei Amazon Music (oder ihr auf euren Plattformen) in ein Album reinhöre.
    Habe ich neulich gemacht, z.B. bin ich bei Radio Paradise (mein einziger Internetradiosender) auf Michael Kiwanuka aufmerksam geworden. Gleich Amazon Music aufgerufen und die ganze Platte gehört, danach noch zwei Stücke von anderen Alben. Dafür hat der Gute natürlich etwas Geld verdient, was früher zu LP- oder CD-Zeiten nicht möglich war. Da hat man nicht mal eben eine Platte nur zum Reinhören gekauft, sondern bestenfalls bei einem Freund oder bei Saturn mit einem zerfledderten Kopfhörer, wofür niemand Geld bekam.

    Ähnliches habe ich inzwischen auch schon bei anderen Musikern gemacht. Es gibt tatsächlich keinen Unterschied mehr zwischen „mal eben reinhören, weil man es nicht kennt“ und „Platte kaufen“.

    Wenn mir jetzt ein Musiker gefällt und ich Stücke von seinen Alben oder die ganzen Alben in eine persönliche Playliste packe, verdient er jedesmal Geld, wenn ich sie abspiele. Die gekaufte LP/CD bringt ihm nur genau einmal Geld, auch wenn ich sie über 30 Jahre zig-hunderfach höre.

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    • Nachgetragen:
      (Ich habe gestern Abend im Bett vor dem Einschlafen noch eine ganze Zeit über das Thema nachgedacht)
      Früher war die „Radio-Auswertung“ für die Einnahmesituation von Plattenfirma, Management und Musiker enorm wichtig, denn nur die ließ einen kontinuierlichen Einnahmestrom über längere Zeiträume entstehen. Plattenverkäufe dagegen sind eben, wie oben beschrieben, ein wirtschaftliches Einmal-Ereignis.

      Das ist heute wohl ganz anders…

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    • Das waren noch Zeiten. In den Plattenladen rein Kopfhörer an und durchhören. Manchmal dauerte das Stunden. 🙂 Heute geht so was mit einem Klick. Das ist der gute Part in #Neuland.

      Es stimmt natürlich, dass ein einmaliger Kauf an x Personen u.U. weniger bringt, als ständige Klicks auf diversen Streaming-Plattformen. Andererseits vergleiche ich die Klickzahlen nationaler mit internationalen Größen. Das sind irre Differenzen. Als internationaler Star tut man sich naturgemäß leichter, ein paar Ocken mehr einzustreichen. Hoffentlich normalisiert sich das mit den Konzerten wieder, so dass diese Einnahmen den Künstlern wenigstens bleiben.

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  8. Musik? Ich hab keine Ahnung – nur im Abi ne „gut“ stehen ^^ Interessant Dir und den Kommentatoren zu lesen. Eins hatten die alten Platten von Vorteil, irgendwie mehr Romantik – als Kind der 80ziger gab es Geschichten und Hörspiele auf LP und Kassette und, eins war klar – die Vergütung bei den Künstler und Machern kam bei den „Richtigen“ an!!!

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  9. Kassetten und LP’s kannte man in den 80ern. Obwohl so etwas wie eine Renaissance bei LP’s stattfand (ist toll so’n teuren Plattenspieler zu besitzen…) wurde die Kassette voll zum Auslaufmodell. Wenn ich meinem Großneffen (6) davon erzähle, schaut der mich mit großen Augen an, greift zu seinem Tablett und schaut seine Videos oder zockt ein bisschen. Ist alles prima, nur ein faires Entgelt für Kreative ist auf der Strecke geblieben. Ob das neue Urheberrecht daran viel ändert?

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  10. Bin ein Fan des zeitgenössischen Ambient von Hauschildt.
    Das Video mit Ina Regen gefällt mir nicht, zu viele Klischees.
    Wer hören möchte, was zeitgenössischen Ambient ist, der kann sich bandcamp und dort die montaliche Vorstellung der Neuveröffentlichungen anhören.
    Hardcore ist „everynoiseatonce“, da kann man sich in alles reinhören, was überhaupt als Ambient zu bezeichnen ist.

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