Medien

Annalena Baerbocks geborene Feinde beim Focus

Was dieser Jan Fleischhauer vom Focus über die Unterstützung Annalena Baerbocks durch deutsche Medien rausgehauen hat, war an Niedertracht sogar für ihn, der nun wahrlich nie durch Zurückhaltung auffällt, wenn es um Linke und Grüne geht, besonders fies. Dabei hat er nur seinem Hobby gefrönt und seine Kolleginnen und Kollegen mit seinem bereits einmal zu oft wiederholten Vorwurf konfrontiert, sie würden die Grünen an die Regierung schreiben.

Die Verantwortung liegt aber auch für Fleischhauer nicht allein bei seinen Journalistenkollegen, sondern bei denen, die vor allem Leute seiner geneigten Leserschaft im Moment auch gern als Schlafschafe titulieren:

Wenn es Annalena Baerbock ins Kanzleramt schaffen sollte, geht der Dank an die Angehörigen der Nachkriegsjahrgänge, die postmaterielle Werte schon deshalb toll finden, weil sie diese mit Entspannung gleichsetzen. Es sind dieselben Leute, die man in den Wellnesshotels trifft, wo sie dann die Kreuzfahrtprospekte studieren, die dem „Spiegel“ und der „Zeit“ beiliegen, in deren Kommentaren man wiederum lesen kann, warum die Grünen der politischen Konkurrenz weit überlegen sind.

Im Baerbock-Bann: Wieso sich viele Journalisten wünschen, nur sie dürften wählen – FOCUS Online

Für mich sind solche Journalisten – das würde ihn in seiner Haltung nur bestärken – so etwas wie Sonderlinge. Jedenfalls agieren sie als reaktionäre Speerspitze und werden in Medienhäusern wie Burda gefeiert. Ich glaube, sie sind das ihrem zweifelhaften Ruf einfach schuldig. Vielleicht sieht ja Poschardt (Welt) es wirklich mit Sorge, wie die braune Soße aus den dortigen Kommentarspalten tropft? Die vor einiger Zeit versuchte Regulierung (geschlossener Kommentarbereich, offen nur für Abonnenten) hat jedenfalls nichts bewirkt.

Vielleicht empfinden die Verantwortlichen eine Verpflichtung gegenüber der rechten Bagage in ihrer Leserschaft, die Kommentarspalten für allerlei offensichtlich rechten Ballast freizuhalten.

Es kursieren zudem heitere Verschwörungstheorien, wonach eine Gruppe norddeutscher »Elite-Journalisten« (»Focus«) versucht, Annalena Baerbock ins Kanzleramt zu schreiben.

Wahlkampf: Mephisto Maaßen und die heilige Baerbock – Kolumne – DER SPIEGEL

Ulrich Reitz, auch ein Focus Journalist, geht noch einen Schritt weiter als Fleischhauer.

Er »nimmt Stellung« zu Annalena Baerbocks Verurteilung der gewalttätigen Proteste von Linksextremen am 1. Mai in Berlin. Nein!, eigentlich beschreibt er mit seinem unverschämten Text Frau Baerbock als Lügnerin!

Er begründet das damit, dass sich im Grünen Wahlprogramm zwar einiges über Rechtsextremismus, jedoch nichts über Linksextremisten finden ließe. Um Reitz‘ Motive zu verstehen, muss man nicht in der Kommandozentrale von Focus arbeiten.

»Buchvorstellung Notizen zur Digitalen Revolution 1990-2015« by Hubert Burda Media is licensed under CC BY-NC-SA 2.0

Der »Focus« hat wie auch die »Welt« ein fettes Problem mit ihrer Leserschaft. Das erschließt sich sogleich, wenn man sich die Mühe macht, die Inhalte der Kommentarspalten beispielsweise zu diesem Artikel zu lesen. Oder auch zu denen von Jan Fleischhauer.

Die Leute sind sich dort ja so einig. Es geht nicht mehr so viel besser zu als bei PI News oder ähnlichen rechtsradikalen Publikationen. Abweichende Meinungen gibt es kaum noch. Beinahe alle stimmen in den Chor der anderen Staats- und Demokratieverdrossenen ein und reagieren ihren Frust ab.

Eine offensichtlichere Verbeugung vor Ihren rechten Lesern konnten Sie wohl nicht machen? Gott, wie armselig manche Journalisten ihren Frust über eine mögliche politische Entwicklung abzubauen versuchen. Was wollen Sie eigentlich noch von Frau Baerbock, damit Sie halbwegs fair mit ihr umgehen? Wie kommen Sie eigentlich dazu, etwas, das Sie nicht finden können, als Argument gegen ein ehrliches Statement zu nutzen? Gut, ich glaube, ich kenne die Gründe. Damit habe ich begonnen.

Ob man so mehr Klicks kriegt? Hier wohl schon. Was ist nur aus Ihnen geworden, Herr Reitz? Heute las ich davon, dass Journalisten in Deutschland mit Politikerinnen aus Gründen anders umgehen als mit Politikern. Ihr ärgerlicher Kommentar passt wohl auch in die Beweiskette.

Mein Kommentar zum Artikel von Ulrich Reitz im Focus

Mein Kommentar fand wenig Zustimmung bei den Focus-Lesern. Dabei bin ich gar kein Wähler der Grünen. War ich nie und werde ich nie sein. Aber wie meinte Bond? Sag niemals nie. Wer weiß schon, was einem noch bevorsteht.

Über den autor

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt.

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