Bildungsauftrag verkleidet als Satire

Ob nur die Gegner von Dieter Nuhr denken, dass sich Satire in eine Richtung entwickelt, die mehr Frust als Freude bringt?

»Heute Show«, »Mitternachtsspitzen« (Sievers) oder vor allem »Die Anstalt«, allen Sendungen ist eines gemein: Diese Form der Satire wirkt wie ein Versuch, politische Bildung mit linker Attitüde zu verkaufen.

Das ist meiner Meinung nach sogar wohlwollend formuliert. Anstelle der letzten Sendung von Max Uthoff und Claus von Wagner hätte man auch gleich Rezos damaliges CDU-Zerstörungsvideo bei YouTube senden können. Ich sage trotz meines Widerwillens gegen solche Programmangebote, dass sich die Union diese Scharte, die sie sich durch diese Skandale zugezogen hat, redlich verdient hat.

Die Macher bemühen sich also darum »Werte« zu vermitteln, und zwar mit einem eine Ecke zu klar erhobenen links-/grünen Zeigefinger.

Was, verdammt, soll denn daran falsch sein, solche ungeheuerlichen Dinge nicht nur zu entlarven, sondern in unterhaltsamer Form in einer beliebten Satire-Sendung zu vertiefen, könnte man mich fragen? Mir geht es nicht darum, die Affären oder Skandale der CDU / CSU mit dem Mantel des Schweigens zu bedecken. Dafür gibt es genug Medien, die das in der Regel auch sehr gut machen. Ich sehe bei manchen Leuten, wie man so sagt, dass sie das Kind mit dem Bade ausschütten. Einfacher gesagt: Sie übertreiben, die Pointen unterbieten leider jedoch meinen Anspruch an Satire.

«Die Anstalt» läuft weiter mäßig: Gerade während der Corona-Pandemie ging das Interesse spürbar zurück. […] Nun waren die Affären der Union das Thema und 2,25 Millionen Menschen ab drei Jahren schalteten die Sendung ein, die auf einen Marktanteil von 10,5 Prozent kam. Bei den jungen Zuschauern verzeichnete das Zweite Deutsche Fernsehen einen Marktanteil von 7,1 Prozent. Die Reichweite bei allen Zuschauern betrug 0,40 Millionen.

Alice Weidel bringt Markus Lanz 1,91 Millionen Zuschauer – Quotenmeter.de

Was ist die Conclusio? Sollte die Union wegen moralischer Verfehlungen in Serie die Teilnahme an den nächsten Wahlen verboten werden? Aber nein, es reicht, wenn wir die Spitze (LASCHet vornweg) so weit in den Umfragen reduzieren, dass Söder am Ende noch wie der Retter aus dem bayrischen Wald hüpft.


Oft genug zeigen die Moderatoren ein Sendungsbewusstsein, das mir immer mehr missfällt. Als Satire sehe ich die Art von Beiträgen nicht. Deshalb weiche ich dann lieber doch auf pure Comedy aus.

Martin Böttger formuliert im Beueler-Extradienst »Wie immer machte »Die Anstalt/ZDF« ein als Satire verkleidetes seriöses Analyseangebot.« Ich finde ja eher, es handelt sich um ein als Satire verkleidetes Umerziehungsprogramm. Und sowas zu schauen, macht mir persönlich echt keinen Spaß. Das heißt nicht, dass ich das Treiben der CDU nicht auch sehr kritisch sehen würde.

Ich weiß, wie beliebt Programme wie »Die Anstalt« oder die »Heute Show« bei vielen Zuschauern sind, verstehen kann ich das nicht mehr.

Über den Autor

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt.

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2 Gedanken zu „Bildungsauftrag verkleidet als Satire“

  1. „Die Anstalt“ ist allerdings das einzige verbliebene regelmäßige Kabarettprogramm, das noch in der Hildebrandt/Schneyder/Jonas/Polt/Schramm-Tradition (also „Scheibenwischer“) steht.

    Teil dieser Tradition ist eben auch, dass man, um den politischen Unsinn, der verzapft wird, entlarven zu können, bisweilen ziemlich stark in die Detailanalyse einsteigen muss. Dann kann es immer wieder geschehen, dass manche Sendung kaum noch satirisch/kabarettistisch genannt werden kann — es gibt dann oft einfach nichts mehr zu lachen.

    Auch deswegen, nicht nur wegen der Formenvielfalt, finde ich die neuere Tradition der Seiteneinsteiger wie Nuhr, Rebers, Schroeder u.a. gut, weil sie eben eher von der Comedy-Seite an die Dinge herangehen.

    Das große Dilemma jedweder Satire und vor allem des Kabaretts an sich ist natürlich, dass man in aller Regel nur die Klientel ansprechen kann, die man sowieso schon auf seiner kritischen Seite hat. Insofern ist Kabarett natürlich kein „Umerziehungsprogramm“, das funktioniert eben nicht. Ins Kabarett gehen für gewöhnlich Menschen, die das eigene empfundene störende Unbehaben an gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen auf eine gerne auch scharfe satirische Weise geklärt und herausgearbeitet haben möchten.

    Die „angegriffene Seite“ sieht sich die Programme gar nicht an, sie fällt ihre Urteile regelmäßig ohne Kenntnis aus eigener Erfahrung und ereifert sich bei zu hohen Einschaltquoten bestenfalls in Versuchen, Verbote zu erwirken.

    Im Gegensatz zu früher ist allerdings die humor- und satirebefreite Zone in unserer Gesellschaft sehr viel breiter geworden, sie erfasst mittlerweile längst auch die amtierende (identitäre) „Linke“, die genauso humorlos ist wie die „Rechte“ schon immer war. Gelacht wird bestenfalls über billige Zoten und auf Faschingssitzungen und/oder auf Kosten von (in deren Augen) auffälligen Minderheiten.

    Nur heute haben wir zusätzlich eine reaktionäre „Cancel Culture“ in beiden (nur scheinbar unterschiedlichen) politischen Lagern. Lachen muss hier erlaubt werden und die politische Genehmigungsfähigkeit wird an jederzeit beliebig aus dem Hut gezauberten absurden moralischen Messlatten gemessen.

    Da kommt dann manchmal nur noch der meist doch etwas grölende Oberflächenhumor der „Heute-Show“ als „erlaubt“ und politisch genehm durch. Einen Nuhr, einen Rebers, eine Eckhard darf es da nicht mehr geben.

    Zur Zeit entwickelt sich unsere gesamte Gesellschaft in meinen Augen in eine ziemlich lachhafte Richtung. Satire könnte es eigentlich gar nicht genug geben, um das aufzuzeigen.

    Wie heißt es so schön?

    Böse Menschen haben keine Lieder
    Reaktionäre Menschen haben keinen Humor
    (Und umgekehrt natürlich)
    Humor ist, wenn man trotzdem lacht… 🙂

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  2. Ich traure dem „Scheibenwischer“ nach. Nichts kommt da heran. Die Anstalt war es vor der personellen Erneuerung auch schon nicht mehr. Und jetzt ist sie es für mich erst recht nicht. Ich schalte die Sendungen gar nicht mehr ein. Seit Wochen habe ich keine „Heute Show“ mehr gesehen. Früher habe ich mich amüsiert und sie wirklich sehr regelmäßig geguckt.

    Heutzutage nerven mich diese ganzen Belehrungssatiriker nur noch.

    Ich mag Rebers, Schroeder, Nuhr und einige andere auch gut. Ach, wie schon war es, Leuten wie Hanns Dieter Hüsch zuzuhören. Da kriegte jeder (auch das Publikum) sein Fett weg. Das fehlt. Alles wird nur mit der links-grünen Brille betrachtet und die „Selbstheilungskräfte“ dieser Sichtweise halte ich für fatal. Es wird alles ausgeblendet, nein niedergemacht, was nicht zum Mainstream passt. Dass angebliche Kabarettisten so einen Mist mitmachen, bekümmert mich zunehmend.

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