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Durchgedenglichtes Politik – Allgemeinwissen á la Rezo

Nun, der Grad an Verzweiflung über die deutsche Politikkaste, den doch mehr teilen, als ich es vermutet hatte, lässt sich noch steigern. Dazu muss man sich Rezos neues »Zerstörungsvideo« anschauen. Alles wahr, nichts ist gelogen. Begegnet ist mir das alles schon mal und wenn es manchmal auch nur – ich sag mal – im Umfeld seriöser Nachrichten war.

An der einen oder anderen Stelle hat er vielleicht etwas übertrieben. Die Beschäftigung mit dem Video lohnt nicht. Dabei ist noch ein zweiter Teil angekündigt. Im ersten Video bekommen Laschet und Klöckner ihr Fett weg. In deren Haut möchte man nicht stecken. Einerseits haben sie das verdient, andererseits kriege ich so schnell Mitleid, wenn ich die Details so gerafft um die Ohren gehauen bekomme. Sicher, das ist keine Empathie, sondern eher meiner Gefühlsduseligkeit geschuldet. Die armen PolitikerInnen…

Alle, die Politik verfolgen, werden nichts Neues gefunden haben.

Was mich also mehr beunruhigt, als unser marodes Politsystem, ist diese bescheuerte durchgedenglischte Jugendsprache, mit der Rezo seine Zuschauerinnen traktiert. Das geht mir noch mehr an die Nerven, als die bekloppte Gendersprache, derer ich mich hier ja leider mitunter auch befleißige.

Immerhin, Union und SPD liegen nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA von heute bei 22 %. Beide! Die Grünen erreichen nur noch 17 %. Die AfD, so ein Mist!, hat jetzt 12 %. Da steckt an mancher Stelle noch Luft nach oben. Oder unten. Je nachdem, von wo aus man schaut.

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Ob es wirklich nur die »Genossen« waren, die INSA nicht für seriös hielten? Na, egal. Im Grund liegen die Zahlen mit einer Ausnahme im Trend. Für mich darfs so weitergehen.


7 Gedanken zu „Durchgedenglichtes Politik – Allgemeinwissen á la Rezo“

  1. „Was mich also mehr beunruhigt, als unser marodes Politsystem, ist diese bescheuerte durchgedenglischte Jugendsprache, mit der Rezo seine Zuschauerinnen traktiert.“

    Dies ist die Kommunikationsmethode in jedem Meeting in jeder deutschen Klitsche, in der nicht eh Englisch gesprochen wird. Schon seit knapp 20 Jahren. Ist aus dem Marketingsektor übergeschwappt, was man deutlich an den Begriffen ausmachen kann, die es in der Muttersprache oft nicht gibt, wie z. B. Handy.

    „Alle, die Politik verfolgen, werden nichts Neues gefunden haben.“
    Das betrifft mindestens die letzten 70 Jahre. 😉
    Politik verläuft in Deutschland leider oft reaktionär. Man handelt, wenn der Karren vor die Wand gefahren wurde oder tut so, als würde man das . Im Kleinen kann das genügen. Im Großen nie.

    Insgesamt finde ich auch dieses Video angemessen für die Kids. Welche Gedanken draus entstehen werden ist eine eigene Sache.

  2. Ich finde das Video auch gut.
    Es geht ja darum, junge Leute für Politik zu interessieren. Alte Formate tun es für die Jugend nicht mehr, sowieso nicht, also versucht man etwas Neues. Auch im TV sogar neuerdings.

  3. Ich kann ein Lied davon singen. Der letzte CEO meiner Firma legte für alle Meetings (ob es international war oder nicht) Englisch als Haussprache fest. In einem deutschen Mittelstandsunternehmen. Ich kann kein Englisch. Also habe ich ihm das von Beginn an mehr als nur einmal gesagt. Trotzdem sprach er mich (was leider oft der Fall war) immer auf Englisch an. Ich sag nur: Arschlochtime. Denkst du wirklich, dass dieses Video bei den „Kids“ angekommen ist? Aus der Zahl der Likes lässt sich das sicher nicht unbedingt schließen.

    Auf mich wirkt das Video als negative Verstärkung. Daran liegt es wohl, dass es mir weniger gefällt. Mir wirds manchmal wirklich zu viel.

  4. Er hat nichts Falsches gesagt. Ich habe es mir auch von Anfang bis Ende angehört. Ob man so lernt, dass man es besser machen kann? Ob man Leute dazu animiert, selbst Verantwortung zu übernehmen? Es wirkt alles so abgeschlossen, so als ob alles, auch das was vielleicht funktioniert, Kacke wäre und abgelöst gehörte. Ich frage mich, wo unsere Alternativen sind? Die ganzen Studienabbrecher und Schulabgänger ohne Abschluss werden es wohl nicht sein.

  5. Auch da gibt es Potenzial (*hust*). Ich würde, meinen, man muss noch den weiteren Verlauf des Videos abwarten.
    Denglisch ist halt seit Ende der 90er en Vogue.
    Ob das mit den damaligen Werbekampagnen eines bekannten Elektromarkts zusammenhängt?
    Im Gegensatz zu Dir halte ich den Abschluss eines Doktors (Masters) nicht für essenziell. Du wirst in jedem Bereich auf durchaus tolle Leute stoßen, die nicht über die nötigen Zertifikate verfügen.
    Besser wäre da: Testen!
    Hier ist der Problemfall X, jetzt mach mal.
    Wenn das Problem innerhalb einer akzeptablen Zeit gelöst ist, spricht doch nix dagegen, denjenigen einzusetzen?

  6. Einen Doktortitel hätte ich schon gern. Aber hatte ich irgendwo geschrieben, dass ich einen Titel für irgendeine Voraussetzung hielte? Ich meine, einen Abschluss sollte man schon haben. Egal, welchen Job man macht. Mir macht Sorgen, dass so viele ganz ohne Schulabschluss bleiben und andere ihre einmal angegangenen Studiengänge nicht zu Ende bringen. Das ist deshalb ein Problem, weil einerseits eine gewisse Unentschlossenheit erkennbar ist oder vlt auch Unfähigkeit, etwas zu erarbeiten. Wenn doch Bildung so wichtig ist, lässt die Tatsache fehlender Abschlüsse nicht zwingend darauf Rückschlüsse zu, naheliegend sind sie jedoch trotzdem. Und das hat weniger mit traditionellen Wertvorstellungen zu tun als mit der Tatsache, dass in Umfragen immer wieder herausgestellt wird, wie unterschiedlich sich höher gebildete im Vergleich zu weniger gebildeten auch in ganz alltäglichen Fragen verhalten. Kürzlich gab eine Statistik darüber, welche Leute sich impfen lassen und welche nicht erst wieder Aufschluss dazu. Übrigens empfinde ich das immer zwiespältig, denn ich habe nur einen Hauptschulabschluss mit anschließender Lehre. Weiterbildung Fehlanzeige.

    Noch ein Wort zum Doktortitel. Wenn ich Politiker kritisiere, dass sie sich einen akademischen Titel gewissermaßen erschlichen haben, ist das ja nicht gleichzusetzen damit, dass ich einen Doktortitel für essenziell hielte. Die Arbeit von Bundestagsabgeordneten beurteile ich schon eher objektiv und nicht nach Papierform.

  7. Da habe ich dann evtl. etwas überinterpretiert. Wie Du siehst, kann man auch mit einem anderen Bildungsweg durchaus etwas anfangen.

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