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Geht Demokratie nicht auch ohne Parteien?

Demokratie geht ohne Parteien? Das habe ich mal gelesen. Sollten etwa Bewegungen Parteien ersetzen? Spricht der Grad der Individualisierung unserer Gesellschaften nicht eindeutig dagegen? Sind Volksparteien, die die Interessen möglichst vieler Menschen bündeln, nicht der weitaus praktikablere Weg, um den Herausforderungen (auch für die Demokratie selbst) gerecht zu werden?

Wie könnte eine Demokratie funktionieren – so ganz ohne Parteien? Gibt es dafür auch nur ein Beispiel? Dass viele in der Bevölkerung so unzufrieden sind, hat in erster Linie wohl damit zu tun, dass das politische Personal anders ist als wir es uns wünschten.

Kluge, ehrliche und integre Leute, die nicht bloß für ihre eigenen Positionen einstehen, sondern nachweislich auch für die der Menschen, die sie vertreten möchten. An ihren Standpunkten könnte man sich orientieren und entscheiden, welche Kandidaten sie oder er unterstützen möchten. So hätte ich nichts dagegen, dass diese Abgeordneten sich in Parteien zusammenschließen, um Mehrheiten organisieren zu können und organisatorische Dinge zu regeln.

Solche Menschen gibt es. Da bin ich mir sicher. Wenn da nur nicht die anderen wären, die meine Favoriten ganz anders beurteilen werden. Inzwischen glaube ich, dass es buchstäblich keine Person mehr gibt, die vor den Augen einer überkritisch gewordenen Öffentlichkeit noch bestehen würde. Man müsste einfach nur lange genug graben. Unterstützt werden »Recherchen« dieser Art erfahrungsgemäß mit maximalem Eifer durch die asozialen Medien und oft genug durch Journalisten.

Ernsthaft jetzt: Welches Mitglied der aktuellen Bundesregierung hätte kein Heer an Gegnern gegen sich, würde es eine entsprechende Nachfrage geben? Sollte uns das nicht zu denken geben? Man findet bei jeder und jedem irgendwas, wenn man nur lange genug sucht. Notfalls setzt man Plagiatsjäger ein. Der Ehrverlust ist im Erfolgsfall maximal. Es scheint, dass Politiker auf diese Art am effektivsten »aus dem Amt zu putschen« sind.

Im Finden und Ausbeuten ist diese Öffentlichkeit generell inzwischen beinahe perfekt. Auch wenn sie ebenso schnell wieder vergisst, was sie gerade noch über die Maßen empört hat.

Die parlamentarische Demokratie muss sich erneuern. Wir sind an dem Punkt angelangt, an dem es dringend wird, über mehr plebiszitäre Elemente in dieser Demokratie zu entscheiden. Ich kenne viele der Gegenargumente, möchte aber dagegen halten, dass der direkte (auch im Sinne von zügig) Einfluss der Bevölkerung auf die Parlamente der Demokratie insgesamt nur guttun könnte.

Es hat für mich wenig mit Populismus zu tun, wenn die Stimmung in der Bevölkerung schneller und direkter die gewählten Abgeordneten erreicht. Wir klagen heute recht darüber, dass »die da oben« die Lebensbedingungen ihrer WählerInnen nicht mehr kennen. Nicht nur das würde sich ändern, wenn es mehr Beteiligung der Bevölkerung an politischen Entscheidungen gäbe. Die Rückkopplung zwischen Abgeordneten und den BürgerInnen ihrer Wahlbezirke funktioniert doch heute kaum, auch wenn es bundesweit vielleicht ein paar Ausnahmen gibt.


12 Gedanken zu „Geht Demokratie nicht auch ohne Parteien?“

  1. Natürlich geht das auch ohne Parteien. Es gibt ja auch parteilose Bürgermeister.
    Das Dumme ist, dass unser System das eigentlich nicht vorsieht. Es wäre auch den Großmagnaten ein Dorn im Auge. Über das Kapital gibt es gleich mehrere Wege bei Parteien Hebel einzusetzen, um sie zu steuern.
    Da schimpfe ich gerne über die USA, aber wir sind letztlich nicht anders aufgestellt. Ein System aus Kleptokraten, dass den Großmagnaten (bzw. Oligarchen) verfallen ist. Wie so etwas zu lösen ist, weiß man von den Franzosen.
    Das Dumme dabei ist, falls die Revolution die Kinder frisst, erhält man den gleichen Standard von davor, bloß anders angemalt.
    Hier rächt es sich, dass sich der Mensch nie weiter entwickelt hat, im Gegensatz zu seiner Technik.

    „Dass viele in der Bevölkerung so unzufrieden sind, hat in erster Linie wohl damit zu tun, dass das politische Personal anders ist als wir es uns wünschten.“

    Das wäre der beste, anzunehmende Fall. Den kann man leider in die Tonne treten (was die Mehrheit angeht).
    Die Leute sind unzufrieden aufgrund ihres Status. D. h., Politik ist ihnen scheißegal, im Gegensatz zu Platz am Futtertrog.

    Stell Dir vor, Du hättest deren Lieblingsmenschen an den Schaltern der Macht. Heidi Klum, Gottlieb Wendehals, Günther Jauch, usw..
    Dann könntest Du auch gleich alles so lassen, wie ist ist.

    „Notfalls setzt man Plagiatsjäger ein. Der Ehrverlust ist im Erfolgsfall maximal.“

    Jein. Kurzfristig sicherlich. Beispiel: Wenn Buchdruck-Theo sich nicht ständig selbst in jedes Fettnäpfchen stellen würde, hätte der immer noch aus dem Stand 20 % hinter sich. Lass etwas Gras wachsen und die Leute merken es nicht mehr. Beispiel: Fotzenfritz.
    Von Merkel weggebissen und unter Laschet auferstanden.
    Dazu kann man sich auch das lebende Emoji Amthor gut anschauen.
    Irgendwann wird jeder nur noch seine AfD-Rede im Kopf haben.

    Nur einigen Akademikern ist der Titel nicht egal, denn die wollen eine Technokratie. Wie die aussehen würde, kann man sich bei Clement und seinem Werbepartner INSM anschauen.

    Im Moment werden wir größtenteils von BWLern und Juristen vertreten. Wo sind die klugen Handwerker, Techniker & so?
    Wenn man sich den Lebenslauf von Fabio di Masi anschaut, würde man nicht glauben, dass der dem Scholz Paroli bieten kann. Kann er aber. Und das ziemlich gut.

    „Kluge, ehrliche und integre Leute, die nicht bloß für ihre eigenen Positionen einstehen, sondern nachweislich auch für die der Menschen, die sie vertreten möchten. “

    Die gibt es. Die verkümmern bloß als Kassowart zu Sondermühlen im Ortsverband, da alle der Aufmerksamkeitsökonomie hinterher laufen.

    „Die parlamentarische Demokratie muss sich erneuern.“

    Das ist der ureigenste Anspruch der Demokratie. Wenn man allerdings immer die gleichen wählt, führt man die Demokratie noch schlimmer, als die Parteien es jemals könnten ad absurdum.

    Das ist aber mit den Einheimischen nicht zu machen. Es würde mich schon sehr freuen, wenn die nächste Regierungserklärung von einer Koalition aus grauen Panthern und der Tierschutzpartei abgegeben würde. Nicht weil ich deren Positionen alle teile, sondern eben: Es wäre etwas anderes.

    Die direkte Demokratie ist so eine Sache. Ich würde ungern mitbekommen, dass die Todesstrafe wieder eingeführt wird, weil
    viele das gerade im Zuge des letzten nordrheinvandalischen Eklats (Pädophilie) fordern.
    Zu Zeiten des Sachsensumpfes (90er), war es im Übrigen nicht nur für das sächsische Landesparlament Usus, nach Feierabend in den Kinderpuff einzukehren.
    Die Zeiten haben sich dann doch manchmal positiv gewandelt.

    Zudem kommt es drauf an, wie eine Volksabstimmung formuliert ist. Das man „Nein“ zum „Ja“ sagen müsste, geht inzwischen schon vielen Schweizern nicht mehr auf.
    Auch eine Räterepublik erscheint mir weitestgehend überholt.
    Da könnte man ansetzen, um wirklich alles neu zu Strukturieren.
    Mein Ideal wäre ja eine Art Star Trek ohne Militärgewalt. 😉
    Das kostest allerdings Zeit und erfordert leider neue Menschen.

    „Es hat für mich wenig mit Populismus zu tun, wenn die Stimmung in der Bevölkerung schneller und direkter die gewählten Abgeordneten erreicht.“

    Über fragdenstaat.de und Andere kriegst Du die oft schnell dran. Kaum zu glauben, aber ist so. Ob man mit den Antworten etwas anfangen kann, ist dann eine andere Sache.

    Die Meisten, die posaunen, dass sie nicht gehört werden und so viel zu sagen hätten und genau wissen, wie es laufen müsste, waren weder in den Bürgerbüros der Parteien, noch haben sie solche Institutionen genutzt.

    Warum?

    Weil sie es eigentlich nicht wollen. Es dient nur dazu, sich selbst in Szene zu setzen und herauszustellen, wie toll sie nicht sind. Diese Leute kann man aber aus gutem Grund nicht wählen, noch haben sie besonderen Einfluss.

    „Wir klagen heute recht darüber, dass »die da oben« die Lebensbedingungen ihrer WählerInnen nicht mehr kennen.“

    Das ist eine Fehlannahme. Es gibt da viele historische Beispiele, aber ich picke mir da gerne G. Schröder raus, weil der so ein plakatives Beispiel ist.
    Er kam aus armen Verhältnissen, hat sich über den zweiten Bildungsweg profiliert. Solange war das mit der Solidarität & so gegeben. Darauf folgte die Karriere. Die Solidarität entfiel, wie die alten armen Freunde, die sich den Hummer halt nicht leisten konnten. Als er am Drücker war, hat er Politik für Reiche gemacht und zugesehen, dass kein Armer seinem Weg folgen konnte, was letztlich in HartzIV und anderen Sauereien mündete.
    Das hat der gemacht, weil er die Lebenslage der Anderen sehr wohl kannte. Er hat nur einfach drauf geschissen und so schnell sollte die Karriere keinem aus seiner Klasse auch mehr möglich werden. Gerichtlich nennt man sowas Vorsatz. Zur Seite stand ihm dabei Münteferings Franze („Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!“).
    Alle beide haben ein Frauenproblem, wie Boris Becker, nur anders.
    Es wird immer gesagt, das Zitat von Münte ist fehlerhaft. Nein. Ich war dabei.
    Das Problem ist wahrlich nicht, dass die die Lebenslagen der Anderen vergessen haben. Ihr ureigenster Antrieb fußt darauf, dort niemals wieder hinzukommen und daher wird komplett mit der alten Klasse gebrochen und diese bestraft.

    Als würde es den Feudalismus noch geben.

  2. Auf der kommunalen Ebene gibt es das. Aber je größer das politische Gebilde wird (Land, Bund), desto schwieriger wird es Parteilosen fallen, das zu erreichen, was mit politischen Parteien möglich ist. Vor allem die Organisation von erforderlichen Mehrheiten für beliebige Projekte. Wer als Bürgermeister parteilos ist, hat eine Organisation (Stadtverwaltung) zur Verfügung, die einen Teil der eigenen Vorstellungen automatisch umsetzt. Auf Land- und Bundesebene gibt es das überhaupt nicht. Oder?

    Bei den Amis fängt der Einfluss der Kapitalisten schon an dem Punkt an, dass ein Kandidatur für die US-Präsidentschaft erst gar nicht möglich ist, wenn derjenige nicht selbst sehr reich ist oder zumindest die Unterstützung der Geldsäcke hat. Damit fängt der Einfluss an, der sich durch das komplette System zieht. Da sehe ich schon noch kleine Unterschiede zu unserer parlamentarischen Demokratie. Aber auch hier gibts genügend Ansätze für Kritik.

    Vielleicht stimmt es, dass viele Leute erhebliche Verlustängste bzw. Abstiegsängste haben. Das hat allerdings mit der erdrückenden Menge von Herausforderungen zu tun, die wir zwar nominal kennen, die wir aber hinsichtlich ihrer Auswirkungen überhaupt nicht einordnen können. Ich sehe auch, dass das vor allem mit dem individuellen Status vieler Leute zu tun hat. Wie man das bewerten soll, auch um die gesellschaftlichen Auswirkungen zutreffend zu beschreiben, weiß ich nicht. Klingt nach gnadenlosem Egoismus.

    Das Fabio di Masi aufhört, habe ich immer noch nicht verstanden, obwohl ich aufmerksam zugehört habe, als er das erklärt hat. Ich kann das nicht beurteilen aber intellektuell hätte so ein Mann mit Sicherheit viel zu bieten – natürlich auch in einem Regierungsamt. Zu Scholz habe ich immer vor Augen, dass der Mann als SPD-Generalsekretär die Schröder – Agenda an vorderster Front war.

    Das verzeihe ich der SPD nicht und denen, die heute immer noch ganz vorne in der Partei sind. Von der Union/FDP Koalition hätte ich nichts anderes erwartet. Dass die SPD so etwas tut, hätte ich glatt für unmöglich gehalten. Was Schröders-Gesamtagenda anlangt, hätte man das vermutlich nicht voraussehen können. Unverständlich, dass so ein Mann immer noch in der SPD ist. Der hätte hinausgeworfen werden müssen, ebenso wie Clement – Steinmeier gleich mit.

    Brandts Satz: „Mehr Demokratie wagen“ war auch nicht mehr als ein Werbeslogan. Aber damals hat mich das elektrisiert. Ich habe geglaubt, dass das möglich wäre. Und auch heute hielte ich das für möglich. Nur nicht mit den Parteien, so wie sie heute aufgestellt sind.

    Ich würde nicht die Sorge haben, dass die Deutschen die Todesstrafe wieder einführen würden, könnten sie selbst Einfluss nehmen. Die Schweizer haben zwar einige Entscheidungen getroffen, über die ich den Kopf geschüttelt habe. Aber es gab auch Entscheidungen die überraschend und – in meinem Sinn – klug waren. Der Rechtsruck (SVP) hat keine gravierenden Folgen. Das Risiko wäre dennoch zu tragen. Zu mehr Bürgerbeteiligung gibt es bald keine Alternativen mehr. Welche Menschen lassen sich heute noch für Partei rekrutieren und wie sind die Mechanismen eines Aufstiegs zu sehen? Das wird sich nie ändern. Insofern ist keine alternative Partei die Antwort, sondern „mehr Demokratie wagen“. Ein Wagnis bleibt das immer.

  3. „Mehr Demokratie wagen“ halte ich teils für sinnvoll, teils für überholt. Als Staat kriegt China inzwischen mehr gebacken, als die meisten Staaten zusammen. Ich verweise hier wieder auf die Dystopie Incorporated.
    Bei uns scheint es darauf hinauszulaufen, dass die großen Firmen den Staat bzw. dessen lukrative Teile übernehmen (vgl. Private Equity). In China hat der Kapitalismus das auch versucht. Jack Ma musste fliehen und die Bit Coin Farmen wurden dicht gemacht.
    Davon, dass der Zweck alle Mittel heiligt, bin ich kein Fan, schon gar nicht was die Methoden angeht, aber aus ihrer Sicht machen die Chinesen vieles richtig.
    Das wird man sich zwangsläufig anschauen müssen.
    Und wenn ich mir dabei so Probleme, wie den Klimawandel anschaue, wüsste ich nicht, wie man da auch nur halbwegs demokratisch etwas lösen will.
    Der neue Handel mit Zertifikaten wird es jedenfalls nicht richten.

  4. Helmut Schmidt fand China auch immer ganz töfte. Er empfahl sogar, die Frage der Menschenrechte in diesem Fall nicht zu eng zu sehen. Dass ein solches Regime es leichter hat als jede Demokratie, stimmt ohne Frage. Dass es bei elementaren Menschheitsfragen wie der Bekämpfung des Klimawandels wirksamere Mittel anwenden kann, ist richtig. Gegen diese Möglichkeiten (ich sah in einem TV-Beitrag, dass in der Region Shanghai eine digitale Gerichtsbarkeit eingeführt wurde – sogar Verhandlungen werden im Chat geführt), haben wir es mit unseren Demokratien viel schwerer. Totalitäre Regime können bis zu einem gewissen Punkt viel durchsetzen. Wenn die Chinesen plötzlich erkennen würden, dass der wirtschaftliche Aufschwung und „das bisschen“ Partizipation, dass ihnen das Regime zugebilligt hat, flöten ginge, könnte sich das allerdings auch ändern. Gut, die Wahrscheinlichkeit bei diesem Grad von Überwachungsstaat einschließlich Gewaltausübung, macht das eher unwahrscheinlich.

    Die Chinesen zeigen, dass sie trotz anderslautender Bekenntnisse, die Kohleförderung nicht wirklich reduzieren werden (G20 hat das bestätigt). Diese Statusmeldung von Vince Ebert (kluger Mann mit manchmal aus meiner Sicht etwas schrägen Ansichten) deutet die Richtung an.
    https://horstschulte.com/wp-content/uploads/2021/08/Kohlefoerderung-Entwicklung.jpeg

  5. Als ich noch bei Facebook war, habe ich mich mit dem Ebert öfters mal gezofft. 😉
    Habe halt sein Mathewitzbuch gelesen. Sagt die 0 zur 8:“ Schicker Gürtel!“
    Für mich ist er eigentlich ein typischer FDP-Mann. Ob der das auch so sieht? 😉
    Seine Kabarettprogramme sind aber oft erheiternd.

    Nicht, dass ich China über den grünen Klee loben wöllte. Ich wäre vermutlich der Erste, der in dem System komplett versacken würde. Man muss aber schauen, wo die Zukunft gestaltet wird.

    Das die das in vielen Fragen des Umweltschutzes auch noch nicht so ernst nehmen, ist einfach noch der Wirtschaftspolitik geschuldet. Auch in China braucht es immer konkrete Anlässe, um etwas zu bewegen. Das mit dem Smog in ihren Städten sind sie ja (u. a.) schon angegangen. Sobald sich anderes bei ihnen auch fatal auswirken wird, wird sicherlich auch etwas passieren. Auch dort ist die Politik in vielen Bereichen noch reaktionär, obwohl sie es nicht müsste.

  6. Meine Frau und ich haben Ebert mal hier bei uns gesehen. War ein toller Abend. Wir haben herzlich gelacht. Über die Texte, die er für die Achse des Guten (Broder) schreibt, kann ich eher weniger lachen. Das meinte ich.

    Wenn die Kommunisten schon nicht progressiv, sondern – wie du sagst – sogar reaktionäre Tendenzen haben, was sollen wir dann in diesem System machen? Dieses Land ist so unermesslich groß und verfügt über so viele hervorragend ausgebildete und darüber hinaus gedrillte Menschen, dass es nicht mehr lange dauert, bis auch der Letzte erkannt hat, dass es vor allem auf sie ankommt. Wenn die Chinesen ihre CO₂ -Emissionen erheblich reduzieren könnten, wäre das ein echter Segen. Von den Amis erwarte ich da nichts, obwohl die ja der zweitgrößte Emittent sind.

  7. Hallo Horst,

    China hat mit seiner Geburtenregelung den CO² Ausstoß bereits erheblich verringert. Sogar den zukünftigen.

    Du wirst jetzt sagen, der ist doch nicht ganz dicht.

    Ich bleibe dabei. Rechnen wir doch hoch: wenn durch die Geburtenregelung ca. 100 Mio. Menschen weniger (Nachfahren eingerechnet) unsere Erde bevölkern hat China den CO² Verbrauch Deutschlands in direkter (CO² Mensch gemacht) und in indirekter Art (CO² durch Energienutzung) eingespart.

    Klar verbraucht China viel Rohstoffe, aber unsere Politik und unsere Gesellschaft lebt davon recht gut.

    Es ist ein schwieriges Unterfangen den optimalen Weg zu finden.

    Leider werden wir in 30 Jahren von Jugendlichen gefragt werden, warum wir wegen der Klimaneutralität ganze Landstriche verwüstet und Länder ausgebeutet haben.

    Was wird unsere Antwort sein?
    „Ja, wir mussten doch etwas machen.“

    China hat etwas sehr fortschrittliches gemacht. Damit möchte ich nicht das politische System Chinas auf den Schild heben, bitte nicht falsch verstehen.

    Würden wir das auch machen, möchte ich nicht wissen, wie laut die Stimmen nach Freiheit und Würde der Menschen rufen würden.

    Ganz zu Schweigen von der Wirtschaft, deren Wachstum auf Population baut.

    Ob der Mensch, egal welcher Nation oder Hautfarbe, eine Laune der Natur war, um zu testen, wie viel Leid die Erde ertragen kann, oder um zu sehen wie viele Menschen Mutter Erde achten wird nicht geklärt werden können.

    Sicher ist jedoch, dass die Naturvölker in Afrika, Amerika und Australien täglich die Natur achten und mit dem Lauf der Zeit leben.

    Sie handeln im demokratischen Sinne, denn sie akzeptieren die Gegebenheiten und passen sich gemeinsam an.

    Interessant ist dabei, dass von Europa und Asien Unterdrückung, Verschleppung und Versklavung ind die Welt getragen wurden.

    Es stellt sich nun die Frage: was ist Hochkultur und was sind primitive Kulturen, und, haben nur Hochkulturen demokratische Verhältnisse?

    Nun zur Demokratie: ja, Demokratie ohne Parteien wäre möglich, leider sind unsere sogenannten Hochkulturen dazu nicht mehr in der Lage.

    Sie haben den Stift für das Schreiben im Heft des Handelns und Gestaltens aus der Hand gegeben. Er wurde versteckt und ist wohl nicht mehr auffindbar.

    Die Gier nach Macht, der Hunger nach Besitz und die Lust zu herrschen, werden die Möglichkeiten einer Vollentfaltung von Demokratie immer wieder verhindern.

    Ich könnte jetzt die Frage stellen, ob England überhaupt eine Demokratie hat.

    Und genau da beginnt das individuelle Empfinden für Demokratie: die einen sagen „ja, die älteste Demokratie der Welt“, die anderen meinen das sei keine Demokratie, „sondern eine der vielen monarchieakzeptierten Regierungsformen.“

    Meine Meinung: Demokratie heißt das Leben und die Natur akzeptieren und achten. Demokratie wäre danach nonverbales Verhalten jedes Einzelnen unter Beachtung seiner Worte und Sprache.

    Jetzt gebe ich Dir recht: Verhalten und Sprache, da wäre ab und an eine Erneuerung angebracht. Ein guter Start in eine neue Art Demokratie.

  8. Hallo Oskar,

    ich erinnere mich noch gut, wie wir im Westen die Nase gerümpft haben über die Einkindpolitik der Chinesen. Wenn es stimmt, was irgendwann (ich glaube von den Grünen) vorgerechnet wurde und mit einem Shitstorm quittiert wurde, war das immer mal Thema. Dort hatte man gesagt, dass weniger Kinder die Klimabilanz verbessern würden. Klar, das ist schwer zu schlucken. Vielleicht gerade in einem Land, in dem die Geburtenrate ohnehin so niedrig ist wie fast nirgendwo anders. Mich wundert etwas, dass das Problem der Überbevölkerung im Kontext des Klimawandels nur selten angesprochen wird. Das war schon anders. Report 2000 vom Club of Rome, der Anfang der 1970-er Jahre veröffentlicht wurde, hatte die entsprechenden Fragen schon formuliert. Das Thema China und die Bedeutung für die westliche Wirtschaft hatte ich Anfang des Monats aus anderer Sicht kommentiert. Der Beitrag ist in diesem Zusammenhang vlt. von Interesse?

    Die Menschheitsgeschichte lässt Euphorie nicht aufkommen. Bei diesem Grad an Individualismus gehen wir mit fliegenden Fahnen unter. Die Chinesen mit ihrem Spagat zwischen den Ismen scheinen heute besser gerüstet zu sein. Es wird ein Hauen und Stechen, vulgo Krieg, geben, der mir anhand der zu erwartenden (sozialen) Verwerfungen unvermeidlich sein dürfte. Merkwürdig ist, dass viele Leute ein flaues Gefühl in der Magengegend haben, was ihre Zukunft anlangt. Sie übersehen, dass diese Sorge von ganz elementarer Natur ist. Die nötigen Einschränkungen müssten von unseren Vorturnern, auch Elite genannt, verkauft werden. Aber die haben genau daran kein besonders Interesse. Die Politik macht das, was die wollen. Wenn sie merken, dass die Dinge anders angepackt werden müssen, ist es zu spät. So könnte ich mir das Szenarium vorstellen. Hoffentlich bin ich dann weg.

  9. Hallo Horst,
    ganz so dramatisch wird es nicht kommen.

    Selbst die sogenannten Eliten wissen, sie benötigen Menschen, welch ihnen das Leben sichern müssen.

    Tatsache bleibt, wir haben eine Spaltung der Gesellschaft weltweit.

    Dafür bestehen unterschiedlichste Gründe in jeder Ecke dieser Welt.

    Dass wir davon in Sekundenschnelle informiert werden, hängt mit dem weltweiten Datennetz zusammen, welches Stimmungen und Entscheidungen blitzschnell beeinflussen kann.

    Lassen wir uns davon nicht verrückt machen. Es gibt genug Positives, dem es sich zu widmen lohnt.

    Du „schießt“ tolle Fotos und bewahrt Dir den Blick für das Wesentliche. Das zählt.

    Außerdem sind Deine Beiträge Klasse.

  10. Hallo Oskar, das freut mich sehr zu lesen. Ich sollte nicht so negativ in die Zukunft schauen. Mein Vater hat im rheinischen Dialekt immer gesagt: Jung, et jed immer wegger. Und da ist was dran. Die Frage, die sich etwas boshaft stellt, ist nur wie es weitergeht. Bleiben wir also optimistisch. 🙂

  11. Genau so. Schließlich habe ich den rheinischen Optimismus in Rheinbach bei Bonn während der Bundeswehrzeit kennenlernen dürfen.

  12. Rheinbach liegt ungefähr 90 km von hier entfernt. Die Abschnitte unserer Hausautobahn (A61) sind aufgrund der schweren Hochwasserkatastrophe noch gesperrt. So braucht man im Moment ungefähr 1 Stunde 20 für die Strecke, für die man normalerweise ungefähr eine Stunde braucht. Aber das wird schon wieder. HG

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