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Google „Zeitachse“ zeigt meinen begrenzten Radius und die reduzierte Zahl von Foto-Motiven


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Unsere »Fußfessel« heißt Margarete und ist fast 97 Jahre alt. Wir haben uns dafür entschieden, meine Schwiegermutter zu uns zu nehmen. Das war vor ungefähr sieben Jahren. Wir nehmen unsere Verpflichtung ernst.

Es ist nicht leicht, einem Menschen zur Seite zu stehen, der in mancherlei Hinsicht immer weniger wird. Im Grunde sind wir Augenzeugen des schwersten Prozesses, den jeder Mensch durchlebt und der doch – jedenfalls in unseren Breitengraden – aus dem bewussten Leben verbannt wird. Das ist manchmal ziemlich belastend.

Diejenigen, die meinen Blog regelmäßig lesen, kennen die Geschichte, weil ich auch das eine oder andere Detail erzählt habe. U.a. ging es um diverse Krankenhausaufenthalte, die nicht zu den besten Erfahrungen zählen, die wir mit unserem Gesundheitssystem machen durften.

Mit der intensiven Pflege eines Menschen sind Dinge verbunden, die man nicht auf dem Zettel hat, wenn man sich dafür entscheidet, ein Elternteil im Alter zu pflegen. Dazu gehört, dass irgendwann der Zeitpunkt erreicht ist, an dem meine Frau oder ich immer anwesend sein müssen. Selbst kurze (einstündige) gemeinsame Spaziergänge, die wir früher regelmäßig machten, finden nicht mehr statt. Keine gemeinsamen Einkäufe, keine Restaurantbesuche, wenig Kontakt zu Freunden.

Uns sind zwei Stunden geblieben, die einmal in der Woche – wenn alles glattgeht – genossen werden. An diesem Tag kommt sehr regelmäßig eine Dame, die mit Mutter »Mensch ärgere dich nicht« spielt.

Urlaub machen wir seit sieben Jahren nicht mehr. Wir haben natürlich überlegt, ob wir Mutter in eine Kurzzeitpflege geben sollten, um uns wenigstens diese Erholungsphase zu gönnen. Wir haben uns dagegen entschieden, weil wir die Sorge haben, dass sie diese Zeit nicht gut überstehen würde. Dass das eine falsche Entscheidung gewesen sein könnte, dämmert uns. Aber heute wäre es definitiv nicht mehr möglich, diesen Schritt praktisch nachzuholen.

Den Umgang mit der kräftezehrenden und manchmal auch nervenaufreibenden Herausforderung haben wir nach diesen Jahren gelernt. Die Corona-Krise stellte innerhalb des Zeitraumes eine weitere Belastung dar, weil wir den ohnehin wenigen Kontakt zu Freunden noch weiter eingeschränkt haben, sogar zur Familie. Unseren Großneffen und unsere Großnichte haben wir vor Corona einmal in der Woche von der Kita / Schule abgeholt und mit ihnen den Nachmittag verbracht. Das war in den vielen Monaten auch nicht mehr der Fall.

Inzwischen sind wir zwar alle geimpft, aber das hat lange gedauert. Übrigens, auch deshalb, weil wir zunächst keinen Hausarzt für meine Schwiegermutter finden konnten. Hier auf dem Land herrscht auch Ärztemangel. Neue Patienten wurden nicht aufgenommen. Erst vor wenigen Wochen hatte ich mal Glück – nachdem ich fast alle Ärzte im Ort persönlich nachgefragt hatte.

Die Voraussetzungen haben dazu geführt, dass ich zwar mein Hobby, das Fotografieren, intensiviert habe, dass mir jedoch die Motive irgendwie knapp werden. Meinen Bewegungsradius könnt ihr dem kleinen Ausschnitt entnehmen, den ich aus den »Google Aktivitäten« herauskopiert habe:

Mein Bewegungsradius im August wird so maximal 4-5 Kilometer gewesen sein.

Das spielte sich im Monat August ab, der nun leider auch schon fast beendet ist. Klar also, dass ich viel auf unserem Balkon fotografiere und bei meinen einsamen Spaziergängen in der näheren Umgebung. Den weitesten Ausflug (ca. 50 km) habe ich (ohne meine Frau) mit meiner Nichte und ihren beiden Kindern zum Krefelder Zoo gemacht. Das war im letzten Jahr.

Erzählt habe ich das alles vor allem deshalb, weil es meinen Fotos ein wenig an Abwechslung mangelt, finde ich jedenfalls manchmal. Die Wege und schönen Plätzen in unserer näheren Gegend sind eben irgendwann einmal besucht und abgelichtet. Andererseits zwingt einen das, mehr als man es normalerweise täte, auf Details zu achten.


12 Gedanken zu „Google „Zeitachse“ zeigt meinen begrenzten Radius und die reduzierte Zahl von Foto-Motiven“

  1. Makromotive findet man in allernächster Umgebung.
    Ich fuhr die letzten 3 Tage – zusätzlich – zu Stellen, die max. 1,9 km weg sind und zwar deswegen, weil ich da ungestört bin und eine ordentliche Fülle habe.
    Aber im Frühjahr habe ich meine besten Motive nur 30 m entfernt getätigt.

  2. Deshalb schrieb ich in meinem letzten Satz: „Andererseits zwingt einen das, mehr als man es normalerweise täte, auf Details zu achten.“ Makros habe ich für mich erst vor ziemlicher kurzer Zeit entdeckt. Du hast einen Anteil daran 🙂

  3. Ja, sich um ältere Menschen zu kümmern ist schon eine Herausforderung. Wir haben da (im Moment) noch Glück. Meine Mutter ist 89 und meine Schwiegermutter ist 86. Beide sind jedoch noch so fit und brauchen nicht allzu viel Unterstützung. Da meine Frau bei einem Pflegedienst arbeitet kenne ich die Probleme, die die Pflege älterer Menschen mit sich bringt. Respekt, dass ihr das alles so leistet.

  4. Mit der Zeit wird die Aufmerksamkeit grösser. Das habe ich gerade in diesem Jahr gemerkt.
    Im Grunde genügt es, vor einer Parzelle Sträucher und Bäume auszuharren und zu warten, was auf den Blättern so alles landet.

  5. @Horst: Meine Mutter ist auch 89. Ihr gehts noch relativ gut. Aber es bröckelt auch schon bei ihr. Ich drücke euch die Daumen, dass alles möglichst lange gut bleibt.

  6. Respekt Horst! Ich würde nicht behaupten, dass ich zur Pflege in der Lage wäre.

    Wir haben derzeit aber auch so unsere Themen mit den älteren Menschen in unserer Familie. Aus diesem Grund haben wir es uns auch erst geklemmt, einen kurzen Urlaub einzuschieben, abgesehen von ein paar Tagen mit meiner Tochter aus einer früheren Beziehung.

    Allerdings haben wir das Glück, dass in einem Pflegeheim Platz wurde, sodass eine dement werdende Person mit eine „9“ am Anfang untergebracht werden konnte. Das nimmt viel Verantwortung von uns. Und darüber sind wir schon froh.

  7. Vor der beginnenden Demenz haben wir auch einen großen Respekt. Hoffentlich wird das nicht zu schlimm. Ab einem bestimmten Punkt wird man das Zuhause schwer gehandhabt bekommen, glaube. Nun, noch gehts.

  8. Respekt, Horst. Da erfüllt Ihr eine ganz wichtige Aufgabe. Genauso, wie es zur Generationenaufgabe gehört, Kinder aufzuziehen, gehört es für diese Kinder naturgegeben dazu, Ihre Alten zu versorgen. Heute wird diese Arbeit zu 97 % wegdeligiert und vorher finanziell (durch arbeitszeitbegleitende Pflegeversicherungsanteile) abgegolten. Ihr kümmert Euch also nun quasi zum zweiten mal um Eure Schwiegermutter.
    Aber natürlich ein Zeugnis menschlicher Nähe und Verbundenheit.
    Hoffentlich habt Ihr es später auch mal so gut.

  9. Bewundernswert, dass Ihr das schafft!

    Aber warum lasst Ihr nicht wenigstens einen ambulanten Pflegedienst kommen? Das wäre doch eine große Entlastung!

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