Herzlichen Glückwunsch ohne Küsse und Knuddeln

Die meisten Geburtstagsfeiern finden in unserer Familie in der dunklen Jahreszeit statt. Oktober, November, Dezember, Januar und Februar. Eine tolle Kontinuität, die uns (sonst) so ein bisschen durch den Winter trägt. Dazu kommen Weihnachten und Neujahr. Es sind die Familienfeste, die den Winter etwas erträglicher sein lassen. Normalerweise.

Wir halten uns an die Regeln. Das war von Anfang an so. Wir gehören nicht zu den Leuten, die am laufenden Band nur darüber klagen und schimpfen, wie arg die Maßnahmen sie getroffen haben. Meine Schwester ist vor ein paar Tagen zum ersten Mal geimpft worden. Wir sind zuversichtlich, dass es bald auch viel besser vorangeht und sich der gesellschaftliche Druck, der vor allem durch unverantwortliche Medien aufgebaut wurde, etwas nachlassen wird.

Auch unsere Familie wurde von einem Todesfall während der Corona-Zeit getroffen. Mein (letzter) Onkel verstarb im Alter von 84 Jahren im vergangenen Sommer an Krebs. Seine Beerdigung fand, wie es die Vorschriften bestimmten, im engsten Kreis statt. Seine Hobbys, der Modellflugzeugbau sowie seine lebenslange Leidenschaft fürs Campen, führten zu einem großen Freundes- und Bekanntenkreis. Er war sehr beliebt. An seiner Beerdigung aber nahmen nur die nächsten Angehörigen teil.

Weihnachten und Neujahr haben wir mit Mutter (97), die bei uns lebt, allein gefeiert. Mit meiner Mutter (bald 89) haben wir nur telefoniert. Der Familie unserer Nichte haben wir nur eine Stippvisite abgestattet. Keine Küsse, kein Knuddeln. Bloß ein paar über die vorgeschriebene Distanz gesprochene Sätze. Die FFP2-Masken auf dem Gesicht.

Unsere Geburtstage waren erfüllt von ganz vielen Telefongesprächen. Ich hatte am Abend rote Ohren davon. Noch nie habe ich so viele und solange Telefonate an meinem Geburtstag geführt. Bei meiner Frau, einen Monat später, war es nicht anders. Keine Gäste, kein lautes Feiern bis in die Nacht hinein. (︶^︶)

Unsere Schätze

Unser Großneffe hat heute Geburtstag. Sieben Jahre wird er alt. Eben haben wir telefoniert. Ich sagte ihm, wie sehr er uns fehlt. Er antwortete, dass er uns auch vermisse. Sein Bedauern war ehrlich und deutlich zu hören.

»Normalerweise« kommt er jede Woche zu uns. Wir holten ihn früher von der Kita, jetzt von der Schule ab und machen uns einen schönen Tag. Mal besuchten wir Spielplätze, gingen Eis essen oder ein bisschen spazieren und manchmal – je nach Wetter – guckten wir seine Lieblingsserie »Ninjago«. Im entspannten Corona – Sommer des letzten Jahres war ich mit meiner Nichte und den Kindern im Krefelder Zoo. Alles lief regelkonform ab – im Zoo und außerhalb. Meine Frau konnte nicht mit. Einer musste bei Mutter bleiben, allein kann sie schon seit Jahren nicht mehr sein.

Gerade hatte die Zeit angefangen, in der wir seine kleine Schwester einen Nachmittag in der Woche von der Kita abholten. Dann kam das Virus und alles wurde anders.

Meine Mutter und meine Schwester, also Uroma und Oma, kommen heute zum Geburtstagsbesuch. Die Kleine fragte am Telefon: »Ihr kommt doch auch?«. Ihr großer Bruder, das Geburtstagskind, erklärte ihr: »Das geht doch nicht, es ist doch Corona». Ich musste echt schlucken.

Meine Frau fährt morgen mal kurz hin, um wenigstens unser Geburtstagsgeschenk abzugeben.


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