Ist der Ruf erst ruiniert, regiert es sich ganz ungeniert

Es scheint ein Novum in unserer Geschichte, dass eine Regierung Beschlüsse, die soeben getroffen wurden, am Tag danach schon wieder über den Haufen wirft. Es macht sich Verzweiflung breit. Nicht »nur« bei uns Bürgern, sondern offenkundig auch bei denen, die versuchen, dieses Land zu regieren. Anders ist all das nicht mehr zu erklären.

Nun kann man die Rücknahme des Ostern-Zu-Wahnsinns natürlich auch als Einsicht verkaufen. Oder als Einknicken vor der veröffentlichten Meinung oder als Ergebnis irgendwelcher Umfragen.

Was hängen bleibt ist die unsägliche Unsicherheit, in der Deutschland mit seinen 16 Premierministern durch diese Krise schlittert.

Foto von Marta Longas von Pexels

Merkel dürfte anhand ihres persönlichen Maßbandes einigermaßen erleichtert darüber sein, dass diese Quälerei, jedenfalls für sie persönlich, bald ein Ende hat.

Man könnte sich – je nach politischer Couleur, darüber freuen, weil in diesem Jahr wichtige Wahlen stattfinden und das Erscheinungsbild dieser Regierung Anlass zur Hoffnung auf einen politischen Wechsel weckt.

Aber das ist zu kurz gesprungen, weil alle politischen Parteien (FDP, Grüne und AfD eingeschlossen) durch die Einlassungen ihres Spitzenpersonals in dieser Krise nicht überzeugend sind. Denn: quatschen kann jeder. Beim besser machen muss man nur in die einzelnen Bundesländer gucken. Der Einfluss der FDP (vor allem die Leistungen der Kultusministerin Gebauer) hat Laschets Regierung zum Gruselkabinett verformt. Wenn ich an das Gerede von Habeck oder Göring-Eckart denke, ist es damit inhaltlich auch nicht weither.

Und dann die Medien. Sie spielen bei alledem, was in diesem Land schiefläuft zumindest eine Verstärkerrolle. Da werden Gerüchte und Halbwahrheiten unverzüglich und ohne weitere Prüfung in die Welt hinausposaunt, ganz offensichtlich ohne einmal darüber nachzudenken, was mit diesen ganz oft völlig faktenfreien Meinungsäußerungen angerichtet wird.

3 Gedanken zu „Ist der Ruf erst ruiniert, regiert es sich ganz ungeniert“

  1. Ich fasse das einfach nicht!

    Ist das alles ein perfider Versuch, zu beweisen, dass eine Regierung doch immer noch inkompetenter sein kann, als man bisher zu glauben wagte?

    Ach, was rede ich: Regierung. Es ist ja nicht einmal eine Regierung, die hier agiert. Die ist ja genau wie der Bundestag schon lange abgeschaltet zugunsten einer ministerpräsidentiellen Schattenregierung unter Leitung der Bundeskanzlerin.

    Ich habe keine Lust mehr, mir ist das alles ab sofort egal. Vertrauen in „Regierungs“-Handeln habe ich keins mehr übrig. Ende. (Der Bundestagswahl bleibe ich sowieso fern, weil ein Bundestag, der nach wie vor mindestens 700 Wohl-Alimentierte satt und zufrieden machen soll, in meinen Augen illegitim ist. Eine Reform hat man jahrelang gekonnt verschleppt, bis es keine mehr geben konnte.)

    Ich mache in Sachen Corona fortan eigenverantwortlich das, was ICH angesichts der Corona-Lage für richtig und gut begründet halte. Das ist einfach wissenschaftlich glaubwürdiger als der immer hanebüchenere Unsinn, den dieses absurde Ministerpräsidentenregime verzapft.

    Wohin sind wir nur abgestiegen? Unfassbar.

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  2. Ein selten diskutierter Aspekt:

    „Rund zwölf Stunden haben die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen über die neuen Corona-Beschlüsse verhandelt. Erst tief in der Nacht, kurz nach halb drei, traten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor die Hauptstadtpresse. Ich sah eine müde Merkel. Ich sah einen müden Müller. Ich sah einen müden Söder. Und ich konnte verstehen, dass sie müde waren, denn ich war es auch!“

    schreibt Andreas Wunn / ZDF. Um dann zu seiner „Föderalismusmüdigkeit“ zu kommen… kein weiteres Wort über die im Grunde doch unfassbare Belastung, die 12 Stunden verhandelt für alle Beteiligten bedeutet!!!

    Ich kenne Meetings, bei denen es um etwas ging, was mir wichtig war: Das ist sauanstrengend, man muss sich durchweg konzentrieren, gut zuhören, überzeugend kommunizieren, die richtigen Momente zum Reden erwischen, die Interaktionen untereinander mitbekommen.. schon nach 2 Stunden spürt man die Anstrengung, vier Stunden sind richtig ätzend, länger ist eigentlich kaum möglich – und ich rede von Meetings mit Menschen um die 25 bis 35.

    Merkel ist 5 Tage älter als ich, wie die sowas durchsteht, ist mir schleierhaft. Und die anderen sind auch keine Jungspunde… Kein Wunder, dass „Undurchdachtes“ heraus kommt, weil alle endlich ins Bett wollen!
    Dazu der Druck von außen: es MUSS irgendwas raus kommen – und die Idee von Merkel, dass einfach nur das Bestätigen der letzten Beschlüsse „vor der Bevölkerung nicht reicht“, war ja auch nicht falsch.
    Alles in allem eine Gemengelage, von der man keine sinnvollen, wegweisenden Ergebnisse erwarten kann.
    Ich finde, Sitzungen länger als 8 Stunden (mit einer Stunde Pause in der Mitte) sollten Politikern verboten sein! Das sind doch auch nur Menschen, die immer mehr abbauen, je länger es dauert.

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  3. @Boris, es ist kaum mehr auszuhalten, was sich da vor unseren Augen abspielt. Nie hätte ich so etwas überhaupt für möglich gehalten. Und – machen wir uns nichts vor – es kann noch schlimmer werden. Die AfD fordert die Aufhebung aller Corona-Beschränkungen und will zur „Normalität“ zurück. Dass es für diese Idioten immer noch Zustimmungswerte von um die 10% gibt, ist für mich erschütternd. Nicht ganz so wie das, was uns die Regierung vorführt. Aber es zeigt, dass es für unsere Demokratie noch viel schlimmer kommen könnte. Wenn auf solche Pfosten gehört wird, sind wir endgültig durch – und zwar mit allem.

    @Claudia, die menschliche Seite wird oft ganz ausgeblendet. Andererseits kommt es mir aber so vor, als würde man mit Marathon-Sitzungen dieser Art die besondere Ernsthaftigkeit und Professionalität der Teilnehmer beweisen wollen. Wahr ist, dass dieses Verhalten seit Jahren sowas wie eine Domäne von Merkel darstellt. Ich denke an die Endlossitzungen auf EU-Ebene. Lächerlich ist das. Außerdem stimmt es, dass kein Mensch solchen Strapazen gewachsen ist. Jedenfalls dann nicht, wenn sie in so exzessiver Weise praktiziert werden. Sie müssen zu anderen Verfahren kommen. Das hat die MP-Runde in Teilen inzwischen wohl auch eingesehen. Allerdings finde ich die Einwende unserer so genannten Opposition (FDP, Grüne und AfD) für so lächerlich und fadenscheinig, dass ich in einem Kompletttausch dieser Pfosten keine Lösung mehr sehen kann. Als ob es irgendetwas brächte, wenn die Parlamente in die Prozeduren eingespannt würden. Es würde lediglich noch weniger effizient bzw. noch länger dauern als es jetzt schon der Fall ist. Heute las ich übrigens einen „Zwischenruf“ im „Spiegel“, der andeutungsweise sowas wie eine Richtungsänderung andeutet. Damit meine ich diese Pressefritzen, die alles nur schlimmer machen mit ihrem Dauerbeschuss der Politik. Da sind eben auch nur Menschen. Und die gehen nach dieser ganzen Scheißzeit allmählich eben auf dem Zahnfleisch. Genau das aber nutzen die Presseleute schamlos aus und geilen sich am Versagen von Menschen in politischen Spitzenämtern auf. Ich habe echt keinen Bock mehr auf diese Idioten.

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