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Lebensmusik

/ Lesezeit ca. 2 Min.

Es war schon ziemlich ungemütlich; kurz vor Winter. Ich war wieder unterwegs zurück zum Hauptbahnhof. In der Kölner Filiale von Zweitausendeins machte ich Stopp. Ich erinnere mich nicht mehr, ob sie an der Schildergasse oder der Hohe Straße ansässig war. Ich hatte mein bisschen Geld in eine kleine (Wega-) Stereoanlage investiert. Dies würden meine ersten LPs sein. Mit zwanzig (1973) hatte ich wenig mehr Geld zur Verfügung als es bis zum Ende meiner Lehre im Jahr 1972 der Fall war.

Ausgeguckt hatte ich »Fireball« von Deep Purple und »Chicago V« von der gleichnamigen Band. Das waren meine ersten Platten überhaupt. Vorher hatte ich Musik fast nur via Tonband gehört.

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Meine Investitionen in winterfeste Kleidung hatten meine finanziellen Reserven aufgebraucht. Die beiden LP’s kosteten zusammen ungefähr 50 Mark. Gott sei Dank hatte ich eine Rückfahrkarte, so dass ich an diesem ungemütlichen Tag nicht nach Hause trampen musste.

Ich hatte also die beiden LPs gekauft. Mir gefielen Musik und Text eines Liedes, das gerade lief. Keine Ahnung, wer da sang. Normalerweise hätte ich wohl nicht nachgefragt. Ich machte eine Ausnahme und fragte, wer der Interpret des Liedes war, das gerade gespielt wurde.

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Damit war es keiner der deutschsprachigen Liedermacher, die ich in diesen Jahren kannte und gerne hörte. Georg Danzer, Konstantin Wecker, Reinhardt Mey, Knut Kiesewetter, Peter Horton, Ludwig Hirsch, Hannes Wader, Klaus Hoffmann, Franz Josef Degenhardt u.s.w. Robert Long kam erst Mitte der 70er dazu!

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Apropos Robert Long: Leider ist er schon vor vielen Jahren verstorben. Dass nicht einmal unter Spotify wenigstens einige seiner fantastischen Titel in deutsche Sprache zu finden sind, ist schade, vielleicht sogar eine Schande. Zum Glück habe ich wenigstens bei YouTube einige Titel gefunden. Selbst bei Amazon finden sich nur CDs und ein paar Vinyl Platten dieses wunderbaren Interpreten.

Zurück zu meinem Köln-Trip im Winter 1973: Ich fragte die Frau an der Kasse, wie der Interpret dieses wunderbaren Liedes heißt. Das war das erste Mal, dass ich etwas von Herman van Veen hörte.

Heute, Jahrzehnte später, sage ich: Es war für mich tatsächlich eine Offenbarung. Neben meiner Vorliebe für – wie ich es nennen möchte – melodischen Jazz (Smooth Jazz, den mancher (auch manche meiner Freunde) als Aufzugmusik abqualifiziert) mag ich Herman van Veen sehr gern.

Ich glaube, ich kann jedes einzelne Lied der Schallplatte »Ich hab‘ ein zärtliches Gefühl« mitsingen. Das Lied, das damals gespielt wurde, hieß »Helden«.

Ich nutzte meine nächste Stippvisite nach Köln, um mir dieses Album zu kaufen. Ich besitze die LP, die CD und das Album bei Spotify läuft immer noch ganz schon oft.

Ein Konzert in der Kölner Philharmonie, das meine Schwester vor ein paar Jahren zu meinem Geburtstag geschenkt hat, werde ich bestimmt nie vergessen.

Was ist eure Lebensmusik?



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12 Gedanken zu „Lebensmusik“

  1. Ich musste eben erst mal forschen, weil ich meine frühen Musikerlebnisse gar nicht mehr ohne weiteres den Lebensjahren zuordnen kann. Also…

    1972 kauften meine Eltern unseren ersten Plattenspieler, einen Dual 1218. Dazu einen ITT-Schaub-Lorenz-Receiver. Damit kamen auch erste LPs und Singles ins Haus. Unter meinen ersten LPs waren u.a. Suzi Quatro (Can the Can), Gary Glitter (Glitter), Deep Purple (Machine Head), The Beatles, das rote und das blaue Best-Of-Doppelalbum, EL&P (Pictuers at an Exhibition)… und dann bald —
    Pink Floyd: Meddle, Umma Gumma und danach The Dark Side of the Moon. Und und und…

    Wenn ich etwas als meine „Lebensmusik“ bezeichnen wollte, dann kann es eigentlich nur Pink Floyd sein. Keine andere Musik hat mich vom ‚meinem‘ Beginn ca. 1973 bis heute so kontinuierlich begleitet und beharrlich fasziniert wir deren Musik.

    Ähnlich kontinuierlich hat mich noch Frank Zappa begleitet, dessen Musik ich irgendwann 1974 kennenlernte und ebenfalls bis heute beständig höre.

    Herman Van Veen habe ich in der damaligen Clique so Ende 70er/Anfang 80er kennengelernt und bald darauf im Konzert in der Alten Oper hier in Frankfurt live erlebt. Absolut faszinierend!

  2. Ich musste auch kurz nachdenken. Aber weil es die ersten LPs überhaupt waren, kam ich schnell weiter. Im Keller habe ich meine Schallplatten in einem verstaubten Schrank stehen. Das sind bestimmt so ca. 600. Außerdem habe ich noch ein paar Hundert CDs. Vor vielen Jahren (Anfang/Mitte der 80-er) habe ich die Platten auf einem Trödelmarkt feilgeboten – ohne jeden Erfolg. Heute wäre das vlt leichter. Vinyl ist im Kommen. Am Ende würde ich noch richtig Geld verdienen können, wenn ich die richtigen Absatzkanäle finden würde.

    Es gibt so tolle Musik. Ich kann manchmal bei YouTube stundenlang alte Konzertaufnahmen anhören. Meine Begeisterung steigert sich dann von Stück zu Stück. Schön, dass es diesen Fundus gibt. Musik ist ein großartiges Stück Kultur. Wenns mir mies geht, höre ich mir alte Stücke an. Dann wirds schnell wieder besser. Diesen Sinn für Nostalgie teilen wohl sehr viele Menschen. Das ist in diesen verrückten Zeiten vlt etwas, an dem man sich festhalten kann.

  3. Neben „altem Zeuch“ versuche ich oft, neue Musik zu entdecken. Das mögen dann bekannte Musikerinnen sein wie z.B. Adele, deren neues Album ich mir hoffentlich in Kürze mal ganz anhören kann. Die feine Dame hatte ich zwar irgendwie schon auf dem Radar, konnte mich bislang aber noch nicht so recht erwärmen. Bis ich ein aktuelles Video von Rick Beato sah, der sich mit einem der Songs darauf (Easy On Me) befasst. Wow! Rick Beato hat mir schon wirklich erhellende Momente in Sachen Musik gebracht.

  4. Gerade im Bereich Liedermacher gibt es inzwischen wieder viele aktive Künstler.
    Blockflöte des Todes und Dota Kehr (die Kleingeldprinzessin) um nur ein paar Prominente zu nennen.
    Da kann man sich schon mal überraschen lassen.

  5. @Boris: 30 ist bei Spotify zu hören. „Easy on me“ wurde inzwischen dort schon 278 Mio. gestreamt. Das ist mal eine Hausnummer! Es ist beeindruckend, wie einzelne Künstler immer wieder neue Maßstäbe setzen. Selbst in diesen Zeiten, in denen täglich über 70.000 neue Songs dazukommen (das habe ich mal gelesen). Ich spreche ja leider kein Englisch. Deshalb kann ich Rick Beatos Begeisterung [sic?] nur erahnen. Ohne die Texte zu verstehen, macht Adeles Musik etwas mit mir. Das liegt sicher an dem sentimentalen Touch, den die Musik, ergänzt durch die wunderbare Stimme Adeles, transportiert. Wie auch immer. Musik trägt uns auch in diesen Zeiten wenigstens halbwegs.

  6. @Juri: Unter dem Begriff Liedermacher gibt es seit den 70-ern ein paar ganz tolle Alben. Einige davon habe ich. Da ist schon sehr viel geschehen. Wahrscheinlich hat der Schub mit der „Neuen Deutschen Welle“ etwas zu tun gehabt. Es gibt ja regelrechte Songphilosophen heutzutage. Deutschsprachige Lieder dieser Art mag ich sehr. Die beiden von dir genannten Namen sind mir bisher aber kein Begriff. Ich such mal danach.

  7. Die Popularität war natürlich in den 70ern, Dank Hannes Wader und Reinhard Mey und Deinen oben genannten.

    In den 80ern hat das eher abgenommen, weil die unterschiedlichen Musiksparten nicht nur der Popmusik durch viele Milieus (Punks, Gothics, Popper, Metals, Skins, Sharpskins, Rockabillies, Psychobillies, etc. pp.) abgebildet wurde und man entsprechend viel mehr zielgruppengerecht vertreiben konnte. Da sind Liedermacher meist untergegangen.

    Bis Ende der 70er wurde Hannes Wader sogar noch ab und zu im Radio gespielt (im Standardprogramm).

    Ab Mitte der 80er fing es an, Inhalte zu vermeiden. Nur wenige Songs mit lyrischer Intention schafften es noch, Gehör zu finden.

    Das änderte sich m. E. erst ab dem frühen Millenium. Da ist endlich mal was Positives aus dem Amiland rübergeschwappt.
    Es gab keine größere Stadt mehr ohne Poetry Slams.

    Junge & alte Autoren traten im Wettstreit gegeneinander an. Daraus bildeten sich schnell Varieté-Veranstaltungen, die Liedermacher und kleine Kapellen begleiteten. Auf einmal waren auch wieder Inhalte gefragt und fanden Gehör.

    Jenseits vom Dudelradio passiert das heute noch.
    Selbst die alten Haudegen werden von & mit jungen Künstlern wiederbelebt:
    (Meine Söhne geb ich nicht).

    Immer mehr Leute haben nämlich keinen Bock mehr auf Trallalo – I love you so.

  8. Musik ist großartig. Sie verbindet die Menschen. Selbst, wenn sie politisch und sonst wie vollkommen unterschiedlich ticken. Ich habe mir dieser Tage bei Arte ein Konzert von Eric Clapton angesehen. Der Mann „begleitet“ mich seit meiner frühen Jugend („Cream“). Leider sind die beiden anderen großartigen Musik schon verstorben. Wenn ich Clapton so dasitzen sehe und seine Bluesnummern spielen sehe, denke ich. So souverän und populär wäre ich auch gern als alter Mann. Dann lese ich einen Tag später in der Zeitung, dass er sich gerade mit einem guten Freund überworfen hat (Gray oder so ähnlich). Natürlich gings um Corona. Es scheint keiner vor diesem Wahnsinn gefeit zu sein. Diesmal solls also Clapton gewesen sein, der dazu eine eigenwillige Meinung zu haben scheint. Schrecklich, das alles.

  9. Mr. Slowhand. Zwar habe ich ihn immer mal mitbekommen, aber so richtig bin ich mit Blues nie warm geworden. Meinem damaligen Chef, der passionierter Bluesmusiker war, hat sich schon aufgeregt, wenn ich Stenkelfeld habe laufen lassen.
    Natürlich wird es immer kritisch, wenn sich Künstler zu Corona äußern und anderes, als das offizielle Narrativ verlauten lassen.
    Leider muss ich bei Claptons Song erst mal schauen. Der ist ja über ein Jahr her. Ich vermute mal, dass viele Sachen inzwischen zutreffen?
    Dabei möchte man auch immer beachten, dass ein Künstler sicher beim Thema übertreibt, wenn es ihm an die Tantiemen geht. Das ist auch dem geschuldet, dass die meisten klein angefangen haben und immer noch Existenzängste ausbilden, wenn man ihnen die Touren absagt.

  10. Das Thema mit den Existenzängsten verstehe ich sehr gut. Das ist etwas, dass ich als Rentner überhaupt nicht nachvollziehen kann.

  11. Clapton hat mich immer am Rande meines musikalischen Horizontes begleitet. Großartig, aber wie Juri bin ich nicht der ausgesprochene Bluesfan geworden. Mit Steve Winwood gings mir ähnlich.

    Eben gerade läuft bei mir Santana, Lotus (Live in Osaka 1973). Das ist geradezu psychedelisch! Santana kenne ich auch seit ca. 1974, meine erste Platte war Borboletta.

  12. Santana habe ich auch schon mehrfach live gesehen. Zuletzt war es hier ganz bei uns in der Nähe. Immer ein Genuss.

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