Notwehr? Aggressive Parker und Beobachter

Deutschland, wat haste dir verändert.

Freitag war »Muttertag«. Ich hatte mich bei meiner Mutter zum Besuch angemeldet. Sie (89) kommt etwas kurz, weil meine Frau und ich zeitlich eingeschränkt sind.

Wie häufig, war der große Parkplatz, der sich ungefähr 300 Meter von ihrem Haus befindet, voll. Die kleine Seitenstraße, in der ich oft parke, bot ebenfalls keine freien Parkplätze. Also benutzte den Parkplatz, der für Bewohner und Besucher des Miethauses, in dem meine Mutter wohnt. So weit, so spektakulär.

Ein älterer Herr brachte sich hinter meinem Auto in Position. Jetzt pass auf! Ich stieg aus dem Auto, während er gleich drauf los knutterte: »Hier parkt aber auch jeder Hinz und Kunz.« Ich antwortete: »Nein! Mein Name ist weder Hinz noch Kunz. Ich heiße Horst Schulte und meine Mutter wohnt in diesem Haus.

Der Herr räusperte sich und ging von dannen.

Auch am Samstag hat es geregnet. Am Tag davor hatte ich beim Vorbeifahren ein Fotomotiv (eine kleine Allee) entdeckt, das ich mir fürs Wochenende vormerkte. Ich baute mein Stativ auf und machte ein paar Fotos. Eine Frau mit Hund kam mir entgegen. Ich unterbrach kurz, weil ich sie nicht auf dem Bild haben wollte.

Spazierweg an der Kleinen Erft

Sie fragte mich – für meinen Geschmack ein wenig aggressiv -, was es denn da zu fotografieren gebe. Freundlich, wie ich auch sein kann, erklärte ich ihr kurz mein Motiv. Ich merkte, sie war nicht überzeugt. Ihre ein bisschen schnepfelige Antwort: »Ein paar Meter weiter auf der rechten Seite sehen sie eine schöne Fahne. Die können sie auch fotografieren«.

Und dafür habe ich mich sogar noch bedankt.

Auf dieser Fahne stand der Satz: »Gott sieht alles, die Nachbarn sehen noch mehr».

Was ist das? Erst vor ein paar Monaten hatte ich die letzte unangenehme Erfahrung beim Fotografieren gemacht.

Welches Misstrauen bringen manche Leute ihren Mitmenschen entgegen? Ist es wirklich so schlimm, dass Menschen in dem von mir beschriebenen Szenarium die Vorbereitung eines Einbruchs sehen oder hat das nicht schon eher pathologische Züge?

Andererseits beteiligen meine Frau und ich uns ebenfalls am »Wandel der Sitten«.

Wir erleben regelmäßig (Rentner mit eingeschränktem Bewegungsradius), dass die Zufahrt vor unseren Parkplätzen zugestellt wird. Wir ärgern uns darüber, dass so was selbst hier im Dorf immer häufiger vorkommt.

Unseren Nachbarn gehts nicht anders.

Einmal ist ein Fahrzeug sogar abgeschleppt worden, weil es die ganze Nacht über dort stand und früh morgens einer unserer Nachbarn sein Auto brauchte, um zur Arbeit zu kommen. Das ist ein Mittel. Aber die meisten werden sich ärgern und irgendwie darüber hinwegsehen. Es natürlich darauf an, wie lange die Parkbuchten zugestellt bleiben.

Kürzlich habe ich einen dieser Falschparker angemault. Statt sich zu entschuldigen, blaffte er zurück, ich solle mich nicht so anstellen, er fahre ja jetzt weg. Hatte er recht?

An der Situation, die er verursacht hatte, war schließlich nichts mehr zu ändern. Was soll man sich darüber noch aufregen. Die Konsequenz wäre jedoch, dass die Regelbrecher sich immer stärker durchsetzen. Darauf habe ich keinen Bock!


3 Gedanken zu „Notwehr? Aggressive Parker und Beobachter“

  1. Mir scheint, die Menschen in unserem Land werden immer unzufriedener, unglücklicher, verärgerter.

    Und zwar, weil ich ziemlich überzeugt davon bin, dass die eigene gefühlte Unzufriedenheit (mit Stress und Belastungen aller Art) dazu führt, dass man sich in die Be- und Verurteilung von Regelbrechern geradezu hinein steigert. Die sind dann das rational begründbare Ventil, den Ärger rauszulassen.

    Wer sich im eigenen Leben wohl fühlt, wird eher keine emotionale Energie an ein paar Regelbrecher verschwenden, denn „sich ärgern“ und womöglich in Auseinandersetzungen einsteigen macht ja nicht etwa glücklicher, ganz im Gegenteil: es zieht runter.

  2. Was leider nicht ausbleibt. Nicht nur ich fühle mich in einem Land, das ich zu kennen glaubte. Wenigstens einigermaßen, soweit man das als Durchschnittsbürger eben kann.

    Es sind zu viele Punkte, die zeitlich nach vorn und nach hinten orientiert, ein bisher unbekanntes Gefühl des Ausgeliefertseins an unfähige Politiker und Behörden ergeben. Es scheint fast, als würde nichts mehr so laufen wie „man“ es sich wünschen würde. Dabei hat diese von mir konstatierte Unfähigkeit eine so wankelmütige Basis. Mir persönlich fehlen klare Ansagen oder wenigstens der erkennbare Wunsch, eine offene Debatte darüber zu führen, was geschehen werden müsste. Keiner kann in die Zukunft sehen und natürlich will ich nicht, dass mir Politiker was vom Pferd erzählen. Aber Gesellschaften brauchen Orientierung. Und wenn die ausbleibt, weil die politischen Apologeten nicht den Mut dazu aufbringen, sind wir geliefert. Und daran trägt eine Gesellschaft die Mitschuld. Wir lassen es schließlich zu, dass jede Flitzpiepe (auch wir Blogger natürlich) und die ganzen Idioten in den asozialen Netzwerken ihre individuellen Beiträge zum Miesmachen unseres Landes leisten. Die Medien scheinen sich im Moment in einem Wettkampf zu befinden, wie man dieses Land und seine „Elite“ am wirkungsvollsten in Grund und Boden stampft. Bei „Hart aber fair“ hatte sich Gesundheitsminister Spahn getraut, einen Satz aus dem Anfang der Pandemie zu wiederholen. „Ich hätte während dieser Pandemie in keinem Land lieber gelebt als hier in Deutschland“. Ich hätte gern mal gesehen, wie die Deutschen vor dem TV-Gerät ausgeflippt sind, als er dafür auch noch Argumente lieferte. Wir sind einfach kurz davor, alles zu verspielen. Davon bin ich überzeugt.

  3. Ich bin nicht sicher, ob es ein paar Regelbrecher sind. Es lassen sich (ohne Kinder und Jugendliche) Millionen nicht impfen. Das ist keine Trägheit oder fehlende Zeit oder was noch an Begründungen gefunden werden kann. Das ist die pure Ignoranz und Dummheit. Davon haben wir wahrlich genug im Land.

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