Nur noch schlechte Nachrichten!? Was machen all diese investigativen Alles-Schlechtredner mit uns?

Zuerst, so lautete ein Vorwurf von Rechts, hat unsere Presse kaum kritische Fragen gestellt, wenn es um die Regierung ging. Ich hielt diesen Vorwurf für unzutreffend!
Aber was jetzt passiert, würde ich als Übersprungshandlung bezeichnen.

Dieses Video habe ich mir eine Weile angesehen und darüber nachgedacht. Ich hatte die junge Frau am Montag bei Plasberg (Hart aber fair) gesehen und war beeindruckt von ihren klaren Ansagen. Das war nicht ihr erster öffentlicher Auftritt. Ich erinnere mich aber nicht, wo ich sie vorher schon gesehen habe. Die Meute, die sie bei Insta und Twitter gepackt hat, ist gewohnt brutal und unfair. Was rechte JUler, Ex-Afdler und den Rest der rechten Blase eint? Ihr könnt es euch vorstellen.

Dass es im Land so viel Grobzeug gibt, macht mich kirre. All die destruktiven (mutmaßlich stets investigativen) Beiträge, die scheinbar darauf abzielen, unseren Staat zu unterminieren und einem jeden Glauben an irgendwas zu rauben, das doch hoffentlich noch funktionieren wird, macht mürbe und verdrossen. Dass die gleichen Leute, denen scheinbar jedes Mal einer abgeht, wenn sie die nächsten schlechten Nachrichten mit möglichen neuen und vielen Superlativen ausliefern, gleichzeitig aber gern auch die Gefahr für unsere Demokratie beschreien, macht die Sache noch perfider als es die Inhalte ihrer viel zu oft sehr tendenziösen Berichte sind. Ich habe weder Zeit noch die Muße, um diese vielen Vorwürfe und Behauptungen zu analysieren und auf einen wahren Kern abzuklopfen, noch habe ich Lust dazu.

Dabei wäre das alles nicht nötig. Unsere TV-Magazine sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Vielleicht auch ein bisschen durch die Schuld ihrer Top-Manager. Die Zeit wurde seit Jahren ständig verkürzt. Ob das der Qualität gut getan hat? Ich bezweifle es. Deshalb bediente man sich kurzer und dafür umso reißerischer Themen. Wenn nur noch Vorwürfe wahlweise gegen die eigene Regierung, Behörden oder Firmen stattfinden, stimmt irgendwas nicht. Nun mag es so sein, dass ich einfach nicht wahrhaben möchte, dass wir – unser Land – total im Arsch ist und wir uns deshalb was Neues überlegen sollten…

Wer nimmt bei den Medien eigentlich die Verantwortung dafür wahr, dass nicht jeder Redakteur (auch ohne blaue Haare) sich bemüßigt fühlt, ohne Angst vor jedweder Konsequenz sozusagen alles in die Tonne zu klopfen, was in diesem Land stattfindet? Sollten nicht auch diejenigen, deren Profession eigentlich darin besteht, uns korrekt und nicht tendenziös zu informieren, dies auch als wichtige Aufgabe begriffen haben?

Es geht nicht darum, dass ich dafür plädieren würde, unser Wohlbefinden nicht mit überwiegend schlechten Nachrichten zu untergraben. Weniger wäre allerdings mehr. Jeder sucht heutzutage, solange, bis ein Thema gefunden ist, das hinreichende Chancen verspricht, Klicks und Aufmerksamkeit zu erlangen. Mittlerweile schalte ich bei den TV-Magazinen, die ohnehin nichts mehr von der Qualität vergangener Jahre besitzen, ab. Monitor, Fakt, Report und wie sie alle heißen. Alle zerreißen sich das Maul über Deutschland und unsere Wunden, die wahlweise durch unsere Politiker oder die bösen Kapitalisten gerissen werden. Dabei spielen die Medien in diesem Zirkus eine Rolle, die diese selbst nicht einmal wahrhaben wollen. Jedenfalls reden sie kaum darüber.

Kontrolliert mal zum Spaß die Titelseiten eurer Zeitung, quatsch die Überschriften eurer bevorzugten Nachrichtenangebote. Oder schaut mal am Abend in die Berichte eurer Regionalprogramme. Wir sehen uns fast täglich »Aktuelle Stunde« vom WDR an und werden drangsaliert mit üblen Nachrichten. Da sticht der Wetterbericht noch positiv heraus und das bei diesem Sommer. Dass der regelmäßig falsch ist, sei als Randnote erwähnt.

Mittlerweile ist der WDR so weit, dass nicht mehr »nur« Politiker verantwortlich gemacht werden für die Hochwasserkatastrophe und deren Auswirkungen für die Menschen in den betroffenen Regionen. Inzwischen steht die Freiwillige Feuerwehr von Erftstadt seit einigen Tagen im Kreuzfeuer der Kritik. Nun habe ich woanders gehört, dass die Ereignisse angeblich dazu geführt haben, dass es ganz viele neue Mitglieder bei der Feuerwehr und auch beim THW in den Regionen geben soll. Das wäre eine gute Sache. Denn beide klagen grundsätzlich über Nachwuchsprobleme. Ob das auch in dieser Region der Fall war, entzieht sich meiner Kenntnis.

Ich frage mich nur, was in einem Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Erftstadt abläuft, wenn sie von den massiven Vorwürfen Kenntnis erhalten? Ich könnte mir vorstellen, dass einige darüber nachdenken werden, die Brocken hinzuwerfen. Ist es das, was die Kritiker in Erftstadt bezwecken? Heute gab es in der Aktuellen Stunde wieder ein Beispiel eines Erftstädter Bürgers, der sich darüber beklagte, dass er bis heute (sic?) niemanden von der Freiwilligen Feuerwehr gesehen hätte. Das wird schwer zu überprüfen und auch schwer zu bewerten sein. Eines sollte den unzufriedenen und kritischen BürgerInnen in Erftstadt mal ins Gedächtnis gerufen werden. Es gibt so viele Stellen, die es ganz bestimmt verdient hätten, dass sich die Feuerwehr schnell und gewohnt zuverlässig um ihre Anliegen kümmert. Aber kann man die Maßstäbe anlegen, die unter normalen Umständen normal wären?

Dass BürgerInnen zufrieden sind mit dem Handeln der zuständigen Behörden oder mit dem Ordnungsamt, der Polizei und den freiwilligen Feuerwehren kann man nachvollziehen. Dass die Mikrofone des WDR immer vorn mit dabei sind (und auffallend häufig nicht einmal durchgehend funktionieren!) aber trotzdem die Klagen der Leute aufnehmen, um sie uns dann brühwarm jeden Abend (gleich mehrmals hintereinander – Aktuelle Stunde, Lokalzeit und womöglich in der Tagesschau) ist einfach zu viel des Schlechten!

Ich denke manchmal, diese Leute tun alles dafür, die Leute gegen Politiker und Behörden aufzustacheln. Das hat mit ihrem Informationsauftrag nur noch am Rande zu tun. Das ist billige und infame Stimmungsmache, die sich vor allem der WDR in den letzten Wochen hier erlaubt hat. Dass sie das auch bei anderen Themen tun – ob es um Corona geht, Afghanistan oder im negativen Sinn verwertbare Wahlkampf-Themen – ist egal. Hauptsache, es kracht.

Nochmal: ich weiß, dass der ÖRR seiner Informationspflicht nachzukommen hat. Aber bei dem, was teilweise gemacht wird, sträuben sich mir die Nackenhaare. Der Schaden für unser Land nach all den schlimmen Ereignissen, mit denen wir in vielen Monaten immer wieder (mehrmals mit den gleichen Inhalten) konfrontiert wurden, ist in den Blick zu nehmen. Aber selbst diese Verantwortung übernehmen Journalisten natürlich nicht. Die machen sich einen schlanken Fuß und reden sich bei allem damit raus, dass sie von ihrem Selbstverständnis den Finger in die Wunde legen müssten. So einfach ist das aber nicht!

In irgendeiner WDR-Sendung der letzten Tage wurde genau das Thema der Vielzahl von schlechten Nachrichten angesprochen. Der Zuschauer soll sich entsprechenden schützen, indem er weniger »Nachrichten« konsumiert und sich, falls das schon zu spät sein sollte, professionelle Hilfe suchen.

Dass wir die junge Frau an diesem System verzweifeln sehe (ich glaube den Unterstellungen nicht, die da teilweise umherschwirren), hat nicht nur mit den Politikern, mit Lobbyismus oder mit Unternehmen zu tun, sondern auch mit einer nie zuvor gekannten Dichte von zum Teil gemachten Informationen, die das Zeug haben, uns auseinanderzutreiben. Das Gegenteil wäre nötig, um gerade beim Thema Klimawandel voranzukommen. Und zwar so, dass wir uns und der Erde wenigstens noch Chancen erhalten. Aber hier ist nicht einmal ein Tempolimit möglich, dass sonst überall in Europa gilt. Die 1,9 Mio. t, die jährlich an CO₂ eingespart würden, wären dafür wohl zu wenig, sagte Blume von der CSU.


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