Warum verhängt die Regierung Ausgangsbeschränkungen?

Was denkt ihr, wenn ihr von einem der Mitautoren einer großen (Meta-) Studie hört, er zöge es vor, dass »seine« Studie nicht als Grundlage für Ausgangsbeschränkungen in Deutschland herangezogen würde? Vielleicht glaubt ihr, dies sei eine rhetorische Frage. Aber nein. Die Aussage bildet gewissermaßen den zentralen Vorwurf, der von Georg Restle, Monitor, an die Adresse der Bundesregierung ging.

Wenn Journalisten ihren Emotionen freien Lauf lassen

Die Bundesregierung bezieht sich – angeblich steht die Oxford-Studio sogar im Gesetzestext – auf diese eine Studie.

Da soll unsere Welt nicht ins Wanken geraten?

Der WDR hält jedenfalls zusammen. Die Kollegen stärken Georg Restle den Rücken, die Deutsche Welle betrachtet die Frage ein wenig differenzierter. Obwohl auch dort, eine gewisse Unsicherheit durchscheint. Das lässt sich allerdings nachvollziehen, die Haltung des WDR eher weniger.

Karl Lauterbach hat sich zwar meines Erinnerns stets auf eine Meta-Studie bezogen. Speziell von der Oxford-Studie war dabei, jedenfalls zunächst, nicht die Rede. Aber es hat den Anschein, als ginge es eben doch um diese Oxford-Studie.

Die Studie auf die sich Restle und Monitor beziehen, ist ebenfalls eine Zusammenfassung mehrerer, hauptsächlich britischer Studien. Also ist das, nach meinem Verständnis, ebenfalls eine Meta-Studie. Welcher normale nichtwissenschaftliche Mensch soll da noch durchblicken? Aber das ist Nebensache.

Georg Restle will einmal mehr – investigativ wie er nun mal allzeit unterwegs ist – nachweisen, dass unsere Regierung Entscheidungen auf einer fragwürdigen Basis getroffen hat. Vielleicht hat der Mann am Ende einfach nur Spaß daran, genau das zu tun, was er rechten Gruppierungen permanent vorwirft? Oder glaubt er, dass derart zersetzende Unterstellung irgendwem nützt – ich meine, außer den Feinden der Demokratie?

Hat die Regierung uns mit einer Ausgangsbeschränkung belegt für die es keine wissenschaftliche Grundlage gibt?

Was ist das Ziel solcher Leute wie Restle? Zig Staaten haben in den vergangenen Monaten eine oder mehrere Ausgangssperren verhängt, und zwar erfolgreich. Auch in Großbritannien hat immerhin Premier Johnson öffentlich behauptet, ohne die Ausgangsbeschränkungen sei ein Erfolg des Lockdowns nicht möglich gewesen. Es gibt deutsche Bundesländer und sogar eine Metropole (Hamburg), die Ausgangsbeschränkungen erfolgreich durchgeführt haben. Außerdem könnte es sein, dass die Stagnation bei den Inzidenzen, von der Spahn heute sprach, darauf zurückzuführen sind, dass bereits die Erwähnung von Ausgangsbeschränkungen das Verhalten der Menschen (in diesem Sinne) positiv beeinflusst hat.

Schon am 9. April schrieb übrigens Yaak Pabst  im Freitag von der Fragwürdigkeit der nun vom ach so investigativen Georg Restle erwähnten Studie.

Wohl dem, der eine wissenschaftliche Ausbildung hat, gewissermaßen also zu einer hohen Meinungstoleranz neigt oder – noch besser – dem die dringende Notwendigkeit keine Probleme bereitet, sich krass widersprechende Sichtweisen von Wissenschaftlern doch irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Übrigens sollte man Politiker dafür bewundern, dass sie den permanenten Kakofonien unserer Wissenschaftler trotzdem Entscheidungsgrundlagen entnehmen.


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