Acht von Tausend sollen schwere Nebenwirkungen durch die Coronaimpfung erlitten haben

Wasser auf die Mühlen der Impfgegner und Querdenker

Der »Focus« hat wie einige andere Medien die noch nicht veröffentlichte Studie eines Charité Professors aufgegriffen. Prof. Matthes und seine Kollegen fordern eine bessere Betreuung der durch die Impfung geschädigten Menschen.

Die Meldung wurde von manchen Medien bereits seit einer Weile herbeigegiert. Dazu gehören auch Blogs wie Broders »Achse des Guten« und andere regierungskritische Medien. Klar, auch AfD und NPD stellen Fragen.

Bla bla von berufener Seite

In Broders Blog habe ich vor einer Weile einen Artikel gelesen, in dem die Folgen der Coronaimpfungen in seinen Dimensionen mit dem Contergan-Skandal verglichen wurden.

Unter Nebenwirkungen gelitten – Eine total aussagefähige Umfrage im »Focus«.

Den bisherigen Meldungen zufolge soll das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bei der Ermittlung der schweren Impfnebenwirkungen eine Untererfassung von 70 % zu verantworten haben. Eine Bewertung dieser gewaltig scheinenden Zahl erfolgt zwar nicht, sie bleibt frivoler Weise den LeserInnen diverser Medienmeldungen überlassen. Nach Prof. Matthes habe er mit solchen Zahlen gerechnet, weil die Daten aus dem Ausland dies nahegelegt haben. Aha.

An der Studie der Charité haben 40.000 Personen teilgenommen.

Witzig finde ich die als Screenshot eingefügte »Focus«-Umfrage. Dort beklagen die Hälfte der Befragten »schwere Nebenwirkungen«. Ich persönlich kenne zwar nicht so viele Menschen. Aber ich kann sagen, dass sich darunter niemand befindet, der die nach der Impfung aufgetretenen Nebenwirkungen (die es gab!) persönlich als schwer bezeichnet hätte. In der Regel waren es leichte Beschwerden am Oberarm, die am folgenden Tag bereits wieder abgeklungen waren. Ich kenne einen Impfling, der einen Tag im Bett verbracht hat, weil er sich nicht gut gefühlt hat. Das war’s. Gut, ich sagte, dass ich nicht zu den Leuten mit einem großen Bekanntenkreis zähle. Aber da kommen schon ein paar Dutzend Leute zusammen. Diese sind häufig in meinem Alter oder noch älter. Was ist also so eine Umfrage im »Focus« wert? Aber das gilt IMHO für »Focus« generell.

Belegt die Charité-Studie wirklich 40-mal so viele Impfnebenwirkungen?, Spektrum.de

Ein Stiftungsprofessor für Anthroposophische Medizin berichtet neue Daten – und Journalisten verbreiten seine Ergebnisse kritiklos. Was ist dran an der Sache? An der Berliner Charité läuft zurzeit die Studie Sicherheitsprofil von COVID-19 Impfstoffen. Unter Leitung von Harald Matthes, Stiftungsprofessor für Integrative und Anthroposophische Medizin, werden Internetnutzer zum Ausfüllen eines Online-Fragebogens eingeladen.



Die vorläufigen Ergebnisse von rund 40.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehen zurzeit durch die Medien. Beispielsweise berichtete die B.Z. gestern, “Die Zahl der schwer Geschädigten nach einer Corona-Impfung ist weit größer als bisher bekannt war.” Die Häufigkeit schwerer Nebenwirkungen nach Impfungen gegen COVID sei 40-mal höher als bisher vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) berichtet.

Der MDR griff schon vorgestern die Ergebnisse auf und verbreitete die Forderung, man brauche mehr Ambulanzen für Impfgeschädigte. Die WELT berichtet heute von einem Streit um die Nebenwirkungen – und spricht übrigens von nur 10.000 Teilnehmenden. Telepolis formulierte es heute immerhin als Frage. LINK

Belegt die Charité-Studie wirklich 40-mal so viele Impfnebenwirkungen? » MENSCHEN-BILDER » SciLogs – Wissenschaftsblogs

Ich bin mal gespannt, ob und wann das PEI oder die vorgesetzte Dienststelle (das Bundesgesundheitsministerium) es für notwendig erachtet, diese Meldungen aufzunehmen und eine einleuchtende Erklärung für diese besorgniserregenden Daten anzubieten. Es gibt leider zu viele Leute, die auf solche »Nachrichten« händeringend warten, um ihren im Grunde (hoffentlich) verlorenen Kampf bis in alle Ewigkeit weiterführen zu können. Das sind die, die so tolle Hashtags wie #ichhabemitgemacht kreiert haben und dabei ihre demokratiefeindliche Gesinnung nicht mehr unterdrücken konnten.

An der Spitze derjenigen Medien, denen derartige Nachrichten nicht dramatisch genug sein können, gehört die Springer »Welt« mit ihrem oberinvestigativen Tim Röhn. Die Coronaleugner und so genannten Querdenker haben ihren Säulenheiligen im Sektor der vermeintlich seriösen Medien gefunden.

Was bleibt, ist eine ethisch und wissenschaftlich fragwürdige Medienberichterstattung. Hatten Impfgegner die Impfstoffe nicht vor allem deshalb abgelehnt, weil die Studien zu möglichen Nebenwirkungen aufgrund der schnellen Zulassung nur vorläufig waren? Findet man hingegen das ideologisch passende Ergebnis, scheint ihnen Vorläufigkeit recht und billig.

Stephan Schleim ist studierter Philosoph und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden tätig, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie.

Beitragsfoto von (sofern nicht von mir oder nicht Public Domain):

Pusteblumen im Gras