Es brennt in Frankreich, Spanien, Portugal, Griechenland und Italien. Auch in Kanada und Kalifornien kämpfen Einsatzkräfte gegen Feuer, die sich über riesige Flächen ausbreiten. Satellitenbilder zeigen Rauchwolken von einer Größe, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wären. Für Teile des französischen Gironde-Gebiets äußern Experten inzwischen sogar Zweifel, ob sich einzelne Großbrände überhaupt noch vollständig eindämmen lassen.

Mich erschüttern diese Bilder jedes Mal aufs Neue. Noch bedrückender finde ich allerdings, wie schnell sie ihren Nachrichtenwert verlieren. Ein paar Tage beherrschen sie die Schlagzeilen, dann rücken andere Themen nach vorn – bis zur nächsten Katastrophe.
Eine Frage der politischen Prioritäten
Mich irritiert die politische Prioritätensetzung. Kaum ein anderes Thema dürfte langfristig größere Auswirkungen auf Sicherheit, Wohlstand und Lebensqualität haben. Dennoch entsteht häufig der Eindruck, als werde die Klimakrise neben vielen anderen Politikfeldern abgearbeitet – statt den Maßstab zu bilden, an dem sich politische Entscheidungen orientieren.
Stattdessen dominieren oft parteipolitische Auseinandersetzungen, ideologische Grabenkämpfe und kurzfristige Wahlkampfthemen die öffentliche Debatte. Währenddessen verlieren Menschen ihre Häuser, ganze Waldlandschaften verschwinden und Feuerwehren stoßen immer häufiger an ihre Belastungsgrenzen. Die AfD kritisiert den deutschen Umgang mit der Klimakatastrophe. Die Maßnahmen, die wir im Lande treffen, hätten ja nur marginale Auswirkungen, wenn überhaupt. Und deshalb lassen wir es also so laufen? Was für ein hirnverbrannter Blödsinn! Ob es immer noch Leute gibt, deren Horizont so verbaut ist, dass sie nicht sehen, was auf uns alle zukommt?
Vorsorge statt Verdrängung
Kein Staat kann Waldbrände vollständig verhindern. Wohl aber können Regierungen ihre Folgen begrenzen. Dazu gehören ein leistungsfähiger Katastrophenschutz, besseres Waldmanagement, ein vorausschauender Umgang mit Wasserressourcen und vor allem eine konsequente Klimapolitik, die Ursachen und Anpassung gleichermaßen berücksichtigt.
Politik bedeutet, Prioritäten zu setzen. Wenn heute weite Teile Europas und Nordamerikas regelmäßig von Bränden heimgesucht werden, sollte klar sein, welches Thema ganz oben auf dieser Liste stehen müsste.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht mehr, ob wir handeln müssen. Die Feuer geben darauf längst eine eindeutige Antwort. Die Frage lautet vielmehr, warum viele politische Verantwortliche noch immer so handeln, als sei Zeit unser geringstes Problem.
Als es um die Nachrüstung 1981 ging und in den folgenden Jahren gingen hunderttausende Menschen auf die Straße. Auch zu weiteren Gelegenheiten gab es Abertausende von Teilnehmern. Jetzt, habe ich das Gefühl, rührt sich fast nichts. Jedenfalls im Vergleich zu damals. Wieso gibt es in diesem Land keinen Generalstreik gegen die Untätigkeit dieser Regierung im Hinblick darauf? Sicher, die Leute sehen ja, wie die Reformen aussehen, auf die manche sehnsüchtig gewartet haben und erkennen nun, dass nichts besser, sondern eher alles schlechter wird. Woher wir das wissen? Keine Ahnung. Vermutlich sehen wir zu viel fern.
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