Diese Nacht ist Oscar-Nacht. Das erinnert mich daran, dass meine Frau und ich seit ßber zehn Jahren nicht mehr im Kino waren. Schändlich. Leider interessieren uns die Kinofilme, die heutzutage gespielt werden, nicht mehr so, wie es frßher der Fall gewesen ist. Heutzutage wartet man ein paar Monate, und sie flattern via Stream fßr ein paar Euro frei Haus ins Wohnzimmer.

Hinzu kommt, dass in unserem Städtchen kein Angebot mehr vorhanden ist. FrĂźher ™ gabs hier zwei Kinos ($). Jahrelang waren sie die meist frequentiertesten Orte fĂźr meine Freunde und mich.
Die legendären Karl-May-Filme wurden später hinsichtlich der Besucherzahlen nur noch von ÂťSaturday Night FeverÂŤ Ăźbertroffen. đ Es war toll. Ich erinnere mich sehr gut, wie es in meinem Bauch kribbelte, wenn ich an der Kasse anstand, um eine Eintrittskarte zu kaufen. Einmal war ich zu spät, die Vorstellung ausverkauft. Die Besitzerin des Kinos hat mir einen Stuhl aus ihrem Wohnzimmer geholt und ihn im Gang aufgestellt. Das war nicht erlaubt. Ich fand das eine tolle Geste und war unendlich dankbar, dass ich Winnetou und Old Shatterhand doch noch zu Gesicht bekam.
Man geht nicht bloĂ ins Kino, um sich Filme anzusehen. Man geht vielmehr ins Kino, um mit zweihundert Menschen zu lachen und zu weinen.
John Naisbitt (*1930), amerik. Prognostiker
Es kam damals einige Male vor, dass die Kinos ausverkauft waren. Jedenfalls bei uns auf dem Land. Es gab ja nicht viele Angebote fĂźr junge Leute. Obwohl – ja, die Discos hatten sonntags schon um 14.00 Uhr geĂśffnet. Wir haben das einige Jahre lange ausgenutzt. Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag waren unsere Discotage. Nie war es langweilig. Zwischendrin waren Kinobesuche obligatorisch. Es kam auch vor, dass ich abends, nachdem ich meine Freundin zum Bus gebracht hatte, noch die Spätvorstellung besuchte. So was wie die Teufelskralle mit Bruce Lee oder ähnlich verheiĂungsvolle Titel standen auf dem Programm.
Heute gibts keine Kinos und keine Discos. Was machen die jungen Leute hier aufm Land heute bloĂ? Sie fahren mit ihren Autos auf leeren groĂen Parkplätzen ihre Runden. FĂźr mich wäre das nichts gewesen. Ich habe erst mit Mitte 20 den FĂźhrerschein gemacht.
Ihr wart seit kurzem nicht mehr im Kino, ich war 1999 zum letzten mal in einem. Vermisst habe ich es bisher nicht. Das mag mit der speziellen (?) Situation hier in Frankfurt zu tun gehabt haben. Jahrelang haben die zwei (es waren zwei, glaube ich mich zu erinnern) Besitzer aller Frankfurter Erstauffßhrungs-Theater die Kinolandschaft grßndlich vergammeln lassen. Stichworte fehleranfällige automatische Projektoren plus ein (1) Bedienpersonal fßr 8 Kinos und winzige Pappschachtelkinos.
Dann kamen die ÂťMultiplexeÂŤ, ich hatte erst kurz Hoffnung auf Besserung, dann ganz schnell nicht mehr. Nur noch mehr industrielle Filmabspulwirtschaft. TschĂźss Kino, willkommen Video/DVD/BD — und heute Streaming.
Ich war auch kein typischer Kinogänger. Ich wollte einen Film sehen und nicht mit anderen Leuten abhängen. Die stÜrten mich nur. Heute ist es wohl komplett unerträglich geworden, zumindest dem zu folgen, was ich gelegentlich so lese.
FĂźr mich haben gute Filme nicht notwendigerweise etwas mit FilmvorfĂźhrungssälen mit hunderten Sitzplätzen vor GroĂleinwänden zu tun.
ÂťOppenheimerÂŤ habe ich Ăźbrigens schon seit rund vier Wochen auf meiner Watchlist stehen, der ist demnächst ‚dran’…
@Boris: Jeu, das ist eine wirklich lange Zeit. Schade eigentlich. Das denke ich jedenfalls manchmal, wenn ich an unsere Abstinenz denke.
Ich erinnere mich auch hier an die Zeit, als die groĂen Kinosäle verschwanden und sie zu mehreren kleinen umgebaut wurden. Das hat IMHO dem Reiz des Kinos Abbruch getan.
UngestĂśrt, ohne Leute… da fällt mir eine Geschichte ein. Ein guter Freund, den ich in der Reihe hinter mir noch nicht bemerkt hatte, griff Ăźber meine Schulter und zerdrĂźckte mir meine EistĂźte in der Hand. Nun, so war das (hoffe ich bis heute) nicht beabsichtigt. Das Eis war Matsch und ergoss sich Ăźber meine Klamotten. So etwas passiert einem zu Hause im Wohnzimmer nicht so schnell đ
Oppenheimer habe ich vor ein paar Wochen gesehen. Ich war nicht so begeistert wie Ăźber eine Verfilmung, die ich vor vielen Jahren einmal gesehen habe. Nolans Ruf ist eine der Ăbertreibungen unserer Zeit, finde ich.
Die Serie, die ich Anfang der 80er Jahre gesehen habe, hieĂ einfach Oppenheimer. https://www.fernsehserien.de/oppenheimer
Kino sollte mind. einmal im Jahr auf dem Programm stehen, das ist einfach was anderes, als Netflix zuhause.
Und ja, es gehĂśren auch die kalorienverdächtigen Natchos oder Popcorn dazu. Ich habe mich beim letzen Mal – mit meiner kleinen Nichte im Schlepptau – Ăźber die Preise der ungesunden Kinobeikost gewundert; sei’s drum, einmal im Jahr…….
@Peter Lohren: Wenn wir das wenigstens mal hinbekämen. đ FĂźr mich wären ein paar
Spareribs vorher oder nachher ein bestechendes Argument. In dem Kino, das wir frĂźher ™ besuchten, gabs daneben ein Lokal mit wunderbaren Speisen.