Es lebe der Sport, es lebe der Zirkus. Während sich die Fans noch von der letzten WM erholen, bastelt Gianni Infantino – von mir liebevoll Infantilo genannt, weil der Mann sich in seiner Selbstüberschätzung offenbar für unsterblich hält – schon am nächsten Coup. Glaubt man den Gerüchten, die derzeit durch die Fußballwelt geistern, will er die Fußball-Weltmeisterschaft praktisch verhökern. Und zwar nicht an irgendwen, sondern angeblich an das Umfeld seines besten Kumpels: Donald der Mächtige, seines Zeichens Rote-Karten-Verteiler in eigener Sache und noch amtierender US-Präsident.
Ich sage ausdrücklich: Gerüchte. Bestätigt ist das nicht, und so lange es nicht bestätigt ist, bleibt es das, was es ist – ein Gerücht, das aber bezeichnend genug ist, um einmal grundsätzlich draufzuhauen. Denn dass die UEFA über solche Verkaufsfantasien nicht gerade in Verzückung gerät, überrascht niemanden, der noch einen Rest Verstand im Schädel hat. Man muss dafür nicht mal Fußballverstand mitbringen, ein bisschen Sportpolitik-Gefühl reicht schon.
Wie tief kann ein Verband noch sinken?
Die FIFA unter Infantino hat es geschafft, sich in wenigen Jahren von einer ohnehin schon reichlich anrüchigen Organisation zu einem Selbstbedienungsladen für Milliardäre und Autokraten zu entwickeln. Katar war der Anfang, nicht das Ende. Wer glaubt, dass ausgerechnet dieser Mann jetzt Skrupel entwickelt, wenn es darum geht, den Weltfußball zu verramschen, der glaubt auch, dass der Schweizer Käse aus Zufall Löcher hat.
Und genau da liegt das eigentliche Problem: Es geht nicht mehr um Sport. Es geht um Deals, um Nähe zur Macht, um persönliche Eitelkeiten in Anzügen. Infantino inszeniert sich seit Jahren als Freund der Mächtigen dieser Welt – ob das nun Autokraten in Golfstaaten sind oder eben ein US-Präsident, der Fußball vermutlich mit American Football verwechselt, solange nur die Kameras draufhalten.
Bestechung hat ihre Grenzen – hoffentlich
Die spannende Frage, die sich Infantilo offenbar nie gestellt hat: Reicht sein Einfluss, reichen seine Verbindungen tatsächlich aus, um so ein Vorhaben weltweit durchzudrücken? Fußball ist – noch – keine reine Handelsware, die man nach Belieben verschieben kann wie ein Fass Chemieabfall. Es gibt Verbände, es gibt Fans, es gibt (zumindest in Europa) noch ein Mindestmaß an öffentlichem Widerstand gegen die totale Kommerzialisierung.
Sollte sich bewahrheiten, was gerade kursiert, dann hoffe ich inständig, dass genug Menschen aufstehen und diesem Mann verdeutlichen, dass der Fußball nicht sein Privateigentum ist. Bis dahin bleibt mir nur eines: die Hoffnung, dass ihm die Jauche seiner eigenen Machenschaften irgendwann so richtig in die Fresse fliegt.
Update: 30.7.2026
Wünsche können wahr werden. Die UEFA macht was!
Die UEFA hat doch großartig reagiert, mehr Drohung als WM-Boykott geht nicht!
@ClaudiaBerlin: finde ich auch. Ich hätte mir gewünscht, die letzte WM wäre schon boykottiert worden.