Blühwiesen und das Meer der Verzweiflung

13. Juni 2021

Schon klar, Blümchen fotografieren ist nicht für jeden was. Ich habe das in den letzten Wochen noch häufiger als sonst gemacht.

Heute stand ich vor einem Blütenmeer, dem ich in den letzten Wochen bei seiner „Entstehung“ zugesehen habe. Das hat mich regelrecht mit Ehrfurcht erfüllt. Mit Ehrfurcht vor einer Natur, die solche Blüten hier in unserer Gegend leider nur noch mit Unterstützung der Menschen erblühen lässt.

Auch hier war die Natur etwas später dran, weil das Frühjahr zwar mehr Regen aber eben nicht die gewohnten Temperaturen geliefert hatte.

Manche Blüten kamen später, aber sie kamen – wie immer in voller Pracht.

Faule BloggerInnen

Ich habe das Gefühl, dass im Moment deutlich weniger als normalerweise geschrieben wird.

Ob das noch mit Corona und mit all dem Mist zu tun hat, der uns, wie man mehr und mehr mitbekommt, sehr heruntergezogen hat?

Ich tue mich auch schwer damit, Themen zu finden, die gesellschaftlich, medial oder auch politisch nicht so deprimierend und zum Teil auch ausgelutscht sind, wie das, was mir der vor die Brille flirrt.

Grün

Ich bin kein Fan der Grünen. Aber ganz besonders unappetitlich finde ich die schon kampagnenhaft anmutenden Breitseiten gegen die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Was sich zum Beispiel die INSM nur dabei gedacht hat, diese fiese Anzeigenserie zu schalten, über die sich sicher nicht nur Anhänger der Grünen ekeln dürften.

Andererseits muss ein/e Spitzenpolitiker/in auch mit krasser Kritik umzugehen wissen. Mit Kohl, Merkel, Schröder und selbst mit Helmut Schmidt sind die Leute auch nicht gerade fair umgegangen.

Links

Ein junger Journalist (28) hat in der „Berliner Zeitung“ einen Essay geschrieben, der mich sehr beeindruckt hat. Er heißt Jan Karon. Der Essay handelt von seinem Bruch mit dem, was wir gemeinhin unter Links verstehen. Der Titel heißt: „Warum ich mit der linken woken Generation gebrochen habe“.

Wer meinen Blog verfolgt, weiß, dass es mir ähnlich geht. Nun, zur „woken Generation“ kann ich mich mit meinen 67 Jahren nicht zählen. Aber die Befindlichkeiten und auch die Schlussfolgerungen, die Jan Karon für sich beschreibt, passen auf meine Gefühlslage fast zu 100 %.

Wie bekloppt es in unserer Gesellschaft zugeht, zeigt die aktuelle Diskussion um den Vortrag von Carolin Emcke beim Grünen Parteitag. Es geht nicht um das, was Martenstein in seiner Kolumne „Jana schon wieder“ behauptet. Keiner will Zweifel und Kritik tabuisieren. Die Debatten sind doch in vollem Gange und zwar mit durchaus offenem Ausgang.

Es geht andererseits allerdings darum, eine Debattenkultur zurückzugewinnen, die nicht von gegenseitigem Missverstehenwollen bis hin zum Hass und damit am Ende zur Sprachlosigkeit und zur Verfestigung einer unproduktiven gesellschaftlichen und vielleicht sogar zerstörerischen Polarisierung führt.

Wer möchte, kann in diesem Video die Rede Emckes „nachhören“. Was CDU, „BILD“ und Rechte daraus machen, ist kaum zu glauben. Aber es soll dem übergeordneten Ziel dienen: Der Zerstörung der Grünen. Bei manchen Leuten dürfte es funktionieren. Das sieht man ja hervorragend an den Umfragewerten der Partei bzw. gegen Baerbock.

Hier die entscheidende Passage aus Emckes kurzer Rede:

Emcke zunächst, es sei „ganz gleich, welche Parteienkonstellation in die nächste Regierung eintreten wird“. Und konstatierte dann: „Die radikale Wissenschaftstfeindlichkeit, die zynische Ausbeutung sozialer Unsicherheit, die populistische Mobilisierung und die Bereitschaft zu Ressentiment und Gewalt werden bleiben.“ Anschließend wies sie darauf hin: „Vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feministinnen und die Virolog:innen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscher:innen.“

Juden-Vergleich: Carolin Emckes Rede auf Grünen-Parteitag spaltet die Gemüter | STERN.de
Youtube Video
Blütenmeer

Kein Büttel von irgendwem

28. Mai 2021

Als ich die Bild-Schlagzeile: „Grünen-Nachwuchs will Dorf umbenennen“ und die ersten Kommentare dazu las, dachte ich, es handle sich um eine Reaktion von Rechten auf die Anerkennung des zweiten Völkermordes der Deutschen im letzten Jahrhundert. Einen, der dem Holocaust, der Shoah, diesem – wie immer betont wird – singulären Zivilisationsbruch vorausgegangen war, und der schon mehr als einhundert Jahre zurückliegt.

In diesem Fall fand der Völkermord in Afrika statt. Die Deutschen sind aber auch echt ein mieses Volk. Wie lange brauchen wir denn, um unsere Schuld zuzugeben? Hoffentlich kommt das Bundesverfassungsgericht nicht bald um die Ecke und stellt fest, dass die Bürde für die nachfolgenden Generationen nicht zumutbar wäre. Schließlich kostet das 7 Jahre gesuchte Verhandlungsergebnis über eine Milliarde Euro! Können wir das nachfolgenden Generationen so einfach aufbürden?

Für den wird Bundespräsident Steinmeier nun – etwas verspätet – offiziell um Entschuldigung bitten (ich hoffe, die Kameras sind eingeschaltet beim Kniefall!)

Gleichzeitig wird, über 30 Jahre verteilt, noch etwas über eine Milliarde Euro an Entschädigung gezahlt wird.

N


-Büttel!!!

Falsch verstanden, du Horst!

Die Bild schreibt, die Grüne Jugend hätte sich (diesmal auf regionaler Ebene in Bad Segeberg) darüber echauffiert, dass ein Dorf in der Region einen Namen hat, der in diesen Zeiten zur sofortigen Ausgliederung dieser Kommune führen müsste, wenn nicht zur sofortigen Umbenennung.

Die hysterische Antirassismus-Kampagne wirkt in Deutschland längst auf breitester Front. Dazu sind wir gewissermaßen schon durch unsere Geschichte verpflichtet. Keine Macht einer deutschen Sprache, die solche Benennungen stotterfrei hervorbringt, schon gar nicht irgendwelchen Dialekten. Gendern ist hier unerwünscht. Umbenennen reicht. Selbst dann nicht, wenn sie kaum einer versteht. Eine neue Sau wird durch eine ländliche Region in Norddeutschland getrieben.

Bild nennt die Initiatoren und gibt netterweise noch ein paar Farbfotos dazu. Nur die Adressen fehlen. Aber die werden im Internet bestimmt ein paar nette Rechte herausfinden und unter die Leute bringen. Oder verstößt sowas jetzt gegen das Urheberrecht?

Wenn man seinen Auftrag ernst nimmt, muss man gegen diesen sprachlichen Missbrauch natürlich unmittelbar und gnadenlos Stellung beziehen. Da macht es sich allerdings nicht gut, wenn man, wenns ernst wird, verkrümelt und die anderen den Karren aus dem Dreck ziehen lässt.

Ich vermute mal, so ein Verhalten hat auch mit diesen himmelschreienden Ungerechtigkeiten zu tun, von denen wir im Moment immer hören und denen die Jungen allein zu Gunsten der Alten während der Corona-Krise ausgesetzt waren. Da muss man die eigenen Überzeugungen leben und braucht bei dem Rückenwind auch nicht mehr darüber nachzudenken, was man mit solchen geplanten Aufregeraktionen eigentlich bewirkt. Nun, wir werden es am 26. September um 18.00 Uhr genauer wissen.

Der Wahlkampf der Grünen scheint ein Riesenerfolg zu werden…

Link: Negernbötel im Kreis Segeberg: Grünen-Politiker wollen Dorf umbenennen – DER SPIEGEL