Gewaltenteilung als Schutzelement der Demokratie: Kann das weg?

29. Juli 2023

Welches Demokratieverständnis haben eigentlich diejenigen, die die Vorgänge in Israel als legitime Umbaumaßnahme des Staates gegen eine angebliche Übermacht der Richter gegenüber Regierung und Parlament interpretieren.

Sind die Demokratien bisher nicht ausgezeichnet damit gefahren, die Gewaltenteilung zu achten bzw. ist diese nicht unabdingbarer Bestandteil einer Absicherung gegen Unfug, den die restlichen Institutionen sonst anstellen könnten?

Ich denke an Trump. Er erhielt Gegenwind. Und zwar nur, weil die „Checks and Balances“ im Land trotz massiver Einflussnahme der Republikaner (Besetzung des Supreme Courts) funktioniert haben?

Roger Köppel aus dem Land der einen reinen und vollkommenen Demokratie unterstützt Benjamin Netanjahus Tabubruch. Ganz nach dem Motto, es könne ja nicht sein, dass Richter die Richtlinien der Politik bestimmen würden. Wenn es nach Köppel ginge, hat sich das Verfassungsgericht nicht darum zu kümmern, was unser deutsches Grundgesetz als Kontrolle von Executive und Legislative beschreibt.

Dass dies dazu führen kann, dass Richter politische Entscheidungen nicht nur infrage stellen, sondern tatsächlich aushebeln können, haben wir zuletzt in Deutschland erlebt. Der Klimaschutz rangierte bei den Richtern des Verfassungsgerichts höher als beim Gesetzgeber. Darüber haben sich zumindest hinter vorgehaltener Hand (nicht öffentlich) auch in Deutschland viele das Maul zerrissen.

Man mag das in Einzelfällen kritisch sehen.

Wahr bleibt allerdings, dass Demokratie von „Checks and Balances“ profitiert und sie absichert. Die Gewaltenteilung ist für eine funktionierende Demokratie fundamental.

Die Regierungen (warum sind die eigentlich alle Rechts?), die dieses Prinzip angreifen (Ungarn, Polen, Israel oder im Ansatz unter Trump die USA) oder sogar abschaffen, bekommen zu Recht ein ordentliches Problem mit ihrer Bevölkerung und mit den Institutionen, mit denen sie auf der EU-Ebene abgestimmt kooperieren wollen.


Gewaltenteilung USA

Legislative – die gesetzgebende Gewalt (Kongress, bestehend aus Repräsentantenhaus und Senat) Exekutive – die ausführende Gewalt (Präsident, Vizepräsident, Kabinett, die meisten Bundesbehörden) Judikative – die rechtsprechende Gewalt (Supreme Court und andere Gerichte)

Quelle: US Botschaft und Konsulate in Deutschland

Gewaltenteilung Israel

​Israel ist eine parlamentarische Demokratie mit Legislative, Exekutive und Judikative. Die staatlichen Institutionen sind der Präsident, die Knesset (Parlament), die Regierung, die Judikative und der Staatskontrolleur.

Quelle: Israelische Botschaft in Deutschland

Gewaltenteilung Polen

Nach einer Marathon-Sitzungswoche und zahlreichen Nachtschichten hat das polnische Parlament in beiden Kammern drei umstrittene Gesetzesvorlagen verabschiedet: eine Reform des Landesjustizrats, der ordentlichen Gerichte sowie des Obersten Gerichts. Nach Abstimmung durch das Unterhaus (Sejm) am späten Donnerstag, dem 20. Juli 2017, gab auch das Oberhaus, der Senat, in der Nacht vom Freitag zum Samstag sein Plazet.

Quelle: Konrad Adenauer Stiftung, Justizreform in Polen

Gewaltenteilung Ungarn

Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Ungarn sind in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Regierung versucht, Presse und Justiz unter ihre direkte Kontrolle zu bringen und deren Unabhängigkeit auszuhöhlen. Damit wird die Gewaltenteilung und das Gleichgewicht der Kräfte im Staat bedroht.
Aufgrund der zunehmenden Gefährdung rechtsstaatlicher Prinzipien in einigen EU-Staaten hat die EU jüngst schärfere Mechanismen zur Überprüfung und Ahndung von Verstößen in die Wege geleitet. Laut EU-Verträgen stehen die Mitgliedstaaten in der Pflicht, für die Unabhängigkeit der Justiz und eine freie Presse in ihren Ländern zu sorgen. Ebenso misst sich der Rechtsstaat auch am Umgang mit Minderheiten sowie dem Vorhandensein einer funktionsfähigen politischen Opposition.​

Quelle: Landeszentrale für politische Bildung BW

„Welt“ Online und die rechte Blase

13. Februar 2021

Das wird ganz toll. Mario Draghi ist Regierungschef in Italien. Whatever it takes.

Derweil hat die „Welt“, die bekanntlich ihren Kommentarbereich für die Allgemeinheit geschlossen hat, den Vorgänger von Christian Drosten im Amt der Charité – Virologie interviewt.

Die hätten den Pensionär nicht angesprochen, wenn dieser nicht für die Kontraposition zu seinem Vorgänger Drosten stehen würde.

Detlev Krüger leitete bis 2016 die Virologie an der Charité. Er hält den ersten harten Lockdown für richtig, fordert aber auch: Es müsse eine Abwägung zwischen gesundheitlichen und Kollateralschäden getroffen werden. Eine wichtige Messlatte sei die tatsächliche Belastung der Kliniken.

Ex-Charité-Virologe: „Angst ist fehl am Platz“ – WELT

Bei den eingesetzten Methoden sind Springer-Medien viel „besser“ als alle anderen. Bild ist dort halt überall.

Gerade sie sind es, die die üblichen Verdächtigen sich über ihre Presse-Kollegen das Maul zerreißen lassen.

Die Chefredaktionen von Springer nehmen es in Kauf, Verstöße gegen die Corona-Maßgaben der Regierung zu provozieren. Die Reaktion feiert fröhliche Urständ.

„Welt“ hat sich zum Sammelbecken für die entwickelt, die sich, um es vorsichtig auszudrücken, als die letzten staatskritischen Bürger sehen. Den anderen ist längst klar, dass es sinnlos ist, der rechten Blase der „Welt“ – Leser Paroli zu bieten.

Von unseren loyalen Abonnenten kommen die interessantesten Fragen und Argumente.
[…] Dieser zutiefst liberale Umgang mit dem Mitteilungsbedürfnis unserer Nutzer hat auch seine Schattenseiten – wenn diese Freiheit missbraucht wird, um Hass, Rassismus oder Gewaltverherrlichung zu verbreiten. […] Das wollen wir ändern, um die Qualität des Kommentarbereichs deutlich zu erhöhen und den Abonnenten ein angenehmes Umfeld für einen zivilisierten Meinungsaustausch zu bieten.

In eigener Sache: Kommentarfunktion exklusiv für WELTplus-Abonnenten – WELT

So gesehen geht die Entscheidung der Chefredaktion, die Kommentare nur noch für Abonnenten offenzulassen, voll in Ordnung.

Welche Art von Kommentaren dort gern gesehen werden, möge man an diesem willkürlichen Beispiel erkennen. Mir war sofort klar, dass das aktuelle Theme von Grenzkontrollen diejenigen „herausfordern“ würde, denen dazu gleich was passendes „einfällt“.

Dies sind die ersten beiden Kommentare, die ich beim Aufruf des Artikels zu sehen bekam:

Ob es das ist, was die Chefredaktion sich unter „Erhöhung der Qualität“ vorgestellt hatte?

Die „Stimmungskanonen“ von „Welt“, „Spiegel“ und „Focus“ sind erfolgreich dabei mit fundamentaler Kritik das Regierungshandeln auch mit Mitteln der Propaganda zu unterminieren.

Gegenwehr gegen Nationalisten und Rassisten

30. August 2019

Hoffentlich sind die AfD – Anteile bei den Umfragen günstiger, als es die Stimmenanteile nach den Wahlen sein werden. Hoffentlich gewinnen SPD und CDU und erhalten somit den Auftrag zur Regierungsbildung.

Auch wenn diese durch die stark veränderten Stimmenanteile schwieriger wird, der Zusammenhalt der Demokraten wird sich erweisen. Selbst dann, wenn es anders käme. Er manifestiert sich in der klaren Ablehnung der AfD durch alle anderen Parteien. Es finden sich für die AfD weder Koalitionspartner, noch die Bereitschaft zu einer wie auch immer gearteten Zusammenarbeit. Demokratiepolitisch ist das keine gute Sache. Schließlich sollten Demokraten untereinander koalitionsfähig sein. Aber die Feinde der Demokratie müssen wir uns mit allen zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln vom Hals halten!

Alexander Gauland ist einer der Männer, die innerhalb der AfD als gemäßigt gelten. Dabei hat er in der Vergangenheit oft genug Dinge gesagt, die andere Schlüsse nahelegten. Bei einem Wahlkampfauftritt dieser Tage in Brandenburg sagte er:

Die östlichen Bundesländer sind mit ihrer ethnisch homogenen Bevölkerung und der Diktaturerfahrung ein Pfahl im Fleisch der multikulturellen, multiethnischen, gesinnungskontrollierten alten Bundesrepublik.“

AFD-Chef gauland bei einer wahlkampfrede

Man könnte glauben, die UnterstützerInnen und WählerInnen der AfD in Ostdeutschland fühlten sich angesichts solcher Nazi – Sprüche benutzt oder missbraucht. Stattdessen aber wird so etwas ignoriert, umgedeutet oder heruntergespielt.

Extreme Wahlergebnisse – Nationalisten werden nicht so stark wie befürchtet

26. Mai 2019

Für Europa waren diesmal so viele Menschen zur Stimmabgabe bei den Europa-Wahlen unterwegs, wie seit dreißig Jahre nicht mehr. Das gilt für ganz Europa! Das war auch schon die gute Nachricht des heutigen Tages.

CDU und SPD haben schwere Niederlagen bei der Europa-Wahl erlitten. Die Grünen liegen mit ihrer Politik auf der Höhe der Zeit und somit weit vor den Sozialdemokraten.

Inwieweit solche Veränderungen auch die Stabilität im Land negativ verändern, bleibt abzuwarten. Ich sage das vor allem vor dem Hintergrund der hysterischen Klimadebatte, die – ich sag’s ganz ehrlich – mehr Sorgen als Hoffnung macht.

Die hohe Wahlbeteiligung ist erfreulich. Das Ergebnis der AfD stellt mich persönlich sehr zufrieden, denn die Rechten haben nicht einmal das Ergebnis der letzten Bundestagswahl auf europäischer Ebene erreicht. In Europa werden die Nationalisten also nicht die Rolle spielen können, die man dort erwartet hatte und von vielen von uns befürchtet wurde. Das ist die gute Nachricht des heutigen Tages.

Andererseits: Ich fand, dass in Bremen ein Regierungswechsel überfällig war. Insofern finde ich dieses Ergebnis zuerst einmal gut.
Was die Resultate für die SPD als Ganzes an Konsequenzen nach sich ziehen wird, ist absehbar. Unter solchen Voraussetzungen wird sich diese Parteispitze hoffentlich nicht mehr lange halten. Andererseits – was bringen neue Köpfe? Ich weiß es nicht.

Es grünt so grün

Der sehr hohe Anteil von jungen Grünen-Wählern in Deutschland erklärt erwartbar sehr gute Ergebnis der insbesondere von dieser Partei geschürten Klima – Hysterie.

Ich bin offensichtlich doch konservativ genug , um mir eine andere zukunftsorientierte Politik vorzustellen. Nämlich eine solche, die eben nicht kurzatmigen Protestaktionen hinterherrennt. Das von vielen Wissenschaftler und der #FridayForFuture – Bewegung vermisste Konzept hat auch die Partei nicht, die auf der politischen Bühne von der Hysterie am meisten profitiert hat.

Ich habe mir heute (übrigens zum zweiten Mal!) die Pressekonferenz der Bewegung Scientists for Future auch vor dem Hintergrund des Rezo-Videos angesehen, von dem so viele sich so positiv angesprochen fühlten.

Einerseits ist es beeindruckend, dass so viele Wissenschaftler sich klar auf die Seite der jungen Leute gestellt haben. Andererseits höre ich so unglaublich weitreichende Forderungen und Erwartungen an die Politik, das ich größte Befürchtungen für die Zukunft unseres Landes habe.

Ansagen für China, Indien u.s.w.

Wo sind die eigene Beiträge, Konzepte und Antworten auf die drängenden Fragen, die sich aus diesem Kontext ergeben? Aus den Kreisen der Wissenschaftler war zu hören, dass Deutschland gegenüber den Ländern eine Vorreiterposition einnehmen solle. Ich interpretiere diese merkwürdig anmutende, naive Haltung als Ausdruck eigener Hilfs- und Konzeptlosigkeit. Wieso sollten die Länder, die beispielsweise nach wie vor auf Atomkraft setzen, sich auf den deutschen Weg einlassen?

Für die Bürger und Unternehmen sind die Energiekosten nie so hoch gewesen wie unter der Last der so genannten Energiewende. Nun komme mir keiner mit dem flotten Spruch, dass dies nur auf die Mängel in der politischen Umsetzung zurückzuführen sei. Wieso glauben manche Deutsche eigentlich, dass Chinesen und Inder Millionen von Arbeitsplätzen zugunsten des Klimas aufgeben würden? Diese Menschen hätten dann nämlich keine Arbeit mehr, ihre Existenzen wären gefährdet, vielleicht wären sie ruiniert.

Neue Koalitionen

Für mich ist es schmerzlich zu sehen, dass die erwähnten Wissenschaftler die eine oder andere linke Positionen vertreten, es aber leider an konstruktiven Lösungsansätzen fehlen lassen. Wir müssen, wir müssen … weil sonst alles den Bach heruntergeht.

Mir ist das verdammt nochmal zu wenig!

Ohne Verzicht wird nichts besser! Das wäre doch die ehrliche Ansage, die wir von denjenigen erwarten hätten, die sich so vehement gegen die drohende Klimakatastrophe ins Zeug legen.

Aber das Aussprechen dieser Wahrheit ersparen sie sich und uns. Wenn sich die Forderungen in dieser radikal einseitigen und verantwortungslosen Art durchsetzen werden, müssen wir davon ausgehen, dass (auch hier in Deutschland) kein Stein mehr auf dem anderen bleiben wird.

Die Grünen fordern einen früheren Kohleausstieg als 2038, obwohl sie (und einige der ihnen nahestehenden NGO’s) an den eben erst im Wege eines schwierigen Kompromisses gefundenen Vereinbarungen beteiligt waren. Einmal mehr verhandeln die Grünen also nach. Um es freundlich auszudrücken.

Die Grünen fordern das Ende der Verbrennungsmotoren bis 2040. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann (wieder) die Forderung aufgestellt wird, endlich unseren Fleischkonsum einstellen. Was mit dem ganzen Lithium gemacht wird, das wir brauchen, um die ganzen (notwendigen?) Elektroautos zu betreiben, bleibt auch das Geheimnis der Lautsprecher für den Klimaschutz.