Zwischen Lebenslügen und Realpolitik: Deutschlands Herausforderung mit der Migration

1. September 2024

9 5 Min.

Ulf Poschardt, Chef der „Welt“ führt einen Beitrag von Harald Martenstein mit folgenden Worten ein:

Islamistische Terroristen & ausländische Kriminelle haben es in Deutschland zu leicht. Abschiebungen durch die Ampel kurz vor den Wahlen ändern nichts daran. Kernproblem ist die Feigheit der Politik, sich nicht von den Lebenslügen zur Migration zu verabschieden.

Ulf Poschardt

Am Ende seiner Vorhaltungen an „die“ bundesdeutsche Politik kommt Martenstein zu diesem Fazit:

Das Motiv der Islamisten ist klar. Aber was ist das Motiv der Regierenden und jener Medien, die seit 2015 alle Gefahren geleugnet und alle Hellsichtigen diffamiert haben, das Motiv derer, die immer die gleichen Phrasen ausspucken und die auch diesmal ihren Worten erst kurz vor den Wahlen, aus Angst vor den Wählern, vermutlich nicht aus Einsicht, ein paar eher symbolische Taten folgen lassen?

Ich glaube, es ist inzwischen vor allem Feigheit. Es gehört Mut dazu, Irrtümer einzugestehen und sich von Lebenslügen zu verabschieden.

Harald Martenstein für „Welt“

Bevölkerung im Osten schrumpft weiter (Ausländerfeindlichkeit ist ein Grund)

Ich habe heute in einem Podcast erfahren (TableMedia), dass die Abwanderung aus Ostdeutschland unvermindert voranschreitet. Lediglich die Universitätsstädte scheinen einen leichten Zuwachs in der Bevölkerung zu verzeichnen. Insgesamt schrumpft die Bevölkerung vor allem in den ländlichen Gebieten im Osten. Übrigens ist der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund, die im Osten abwandern, besonders hoch. Begründung im Podcast: Wer will schon in einer Region leben, in denen man so unfreundlich, ja feindselig, behandelt wird?

Es gibt Gründe, weshalb diese Regierung (auch die vorige) in der Migrationsthematik versagt, wenn man das so ausdrücken möchte. Es ist schwer, eigene Fehler einzugestehen. Das ist eine Binsenwahrheit. Dass Martenstein diesen Tatbestand als Grund dafür benennt, dass die deutsche Migrationspolitik so langsam korrigiert wird, würde ich als infame und vor allem falsche Unterstellung zurückweisen.

Migrationsdruck und Änderungsbereitschaft

Es gibt viele Menschen in Deutschland, die sich nach wie vor zu den Werten bekennen, die vor der auch von mir empfundenen Überlastung durch den Migrationsdruck, hochgehalten wurden. Obwohl ich eine andere Migrationspolitik möchte, achte (und schätze) ich die Haltung der Grünen. Anders als bei der SPD herrscht dort eine klare Entschiedenheit. Wenn Hasselmann oder Stolla nach den Entscheidungen der Regierung darauf verweisen, dass die Streichung der finanziellen Unterstützung für abgelehnte Asylbewerber laut Bundesverfassungsgericht unzulässig sei, ist die öffentliche Reaktion erwartbar negativ. Aber natürlich sind diese Hinweise (so verzweifelt leise sie sein mögen) durchaus berechtigt. Andererseits, da muss ich Merz zustimmen, man kann Gesetze und Grundlagen auch ändern. Und das ist, auch in so schwierigen Fragen, die Aufgabe der Politiker. Ist der Verweis auf die Handhabung solcher Fragen in anderen demokratischen Ländern (etwa Dänemark) legitim oder nicht?

Die Pauschalität, in der heute diskutiert wird, bereitet mir Kummer. Unser Staat offenbart an vielen Stellen große Schwäche. Diese führt vielleicht in erster Linie dazu, dass sich die Dinge so negativ entwickelt haben. Der Rechtsstaat wird als hilflos und schwach empfunden. Begonnen hat das mit der juristischen Aufarbeitung der schweren sexuellen Übergriffe auf der Kölner Domplatte an Silvester 2015. Viele einzelne Entscheidungen von Gerichten sind kaum mehr nachvollziehbar und wurden deshalb von vielen infrage gestellt. Die Polizei beklagt sich über mangelnden Rückhalt der Politik. In der Bevölkerung ist diese Einstellung ebenfalls häufig vergleichbar vorhanden. Dass Rettungskräfte und Polizisten von Zivilisten angegriffen werden, zähle ich als äußere (schlimme) Zeichen einer massiven Veränderung in diesem Kontext. Da muss mir auch keiner damit kommen, dass diese Taten von Migranten begangen werden. Da sind autochthone Deutsche ebenso beteiligt.

Hellsichtige Systemfeinde

Martensteins Schlussfolgerungen offenbaren dieselbe Tendenz, wie viele Aussagen mancher AfD-Leute. Ich zähle mich zu denen, die weder zu den „Hellsichtigen“ zählen, noch zu denen, die sich mit der Einsicht, dass diese Art der Migration unsere Gesellschaft überfordert, frühzeitig angefreundet hätten. Meine Einstellung war Pro-Migration, weil ich dachte, man müsse den Menschen helfen. Ja, so platt, so gutmenschlich. Was damit allerdings in diesem Land angerichtet wurde, habe ich ignoriert.

Jetzt sehe ich das anders. Nicht, weil ich diesen Faschisten auf den Leim gegangen wäre oder zu viele rechte Websites oder anderen Dreck im Internet lese, sondern weil ich sehe, was im Land vor sich geht. Die Stimmung im Hinblick auf die Migration ist noch viel schlechter, als es in den liberaleren Teilen oder Institutionen der Republik wahrgenommen wird. Kommen wir nicht zu einer wirksamen Regulierung der illegalen Migration, werden die Probleme immer weiter wachsen.

Soziale Spannungen der nahen Zukunft

Leider könnte der sich verstärkende wirtschaftliche Abschwung dazu führen, dass andere soziale Spannungen hinzukommen. Wir erinnern uns natürlich, dass solche Veränderungen, die Unzufriedenheit mit den Maßnahmen des Staates, zum Faschismus bzw. Nationalsozialismus geführt haben. Der Hang der Deutschen nach einem starken Führer ist enttäuschenderweise überdies immer noch ausgeprägt. Deshalb finde ich es nicht falsch, eine Analogie zwischen der Weimarer Republik und unserer politisch-gesellschaftlichen Gegenwart zu erkennen.

Ähnlich wie in Italien Anfang der 20-er Jahre war die Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung, die wirtschaftliche Krise und die Schwäche der bestehenden politischen Ordnung ein Nährboden für den Aufstieg des Nationalsozialismus. Hinzu kamen Faktoren wie der Versailler Vertrag, die Propaganda der NSDAP und die Zusammenarbeit mit konservativen Kräften spielten eine entscheidende Rolle.

Hoffentlich sind sich die Deutschen dieser Gefahr bewusst. Würde man die hirnlosen zweizeiligen Zornesausbrüche und fehlenden Intelligenznachweise in den sozialen Medien als Stimmungsbarometer hernehmen, wären wir längst im Arsch. Hoffentlich wird es um 18.00 Uhr nicht gar so schlimm, wie ich fürchte. Solches Magengrimmen hatte ich früher ™ nur bei Länderspielen unserer Fußballnationalmannschaft.

Einfach die richtigen Schritte tun und nicht nur quatschen

5. Mai 2024

9 5 Min.

Berichte über Gewalt auf unseren Straßen dominieren die regionale Berichterstattung des WDR. Wem das übertrieben klingt, empfehle ich, dem Link zur Aktuellen Stunde im WDR-Fernsehen zu folgen.

Befragungen von Bürgerinnen und Bürgern zu ihrem persönlichen Sicherheitsgefühl mögen sowohl in Auswahl als auch Darstellung selektiv sein oder tendenziöse Motive haben. Ignorieren darf die Politik die Entwicklung nicht. Zumal sie nach meinem Eindruck nicht nur in größeren Städten weitverbreitet ist. Mir kommt es allerdings so vor, als geschehe genau dies. Außer dem üblichen Politiker-Betroffenheitsgebrabbel geschieht nichts. Jedenfalls sind keine positiven Entwicklungen erkennbar.

So hat es damals auch angefangen

Dass in diesem Jahr Wahlen anstehen und Rächtz profitieren wird, scheint inzwischen als schicksalhaft betrachtet zu werden. Da freuen sich manche darüber, dass die AfD bundesweit in einer Umfrage nur noch 15 % hat. Die Umfragewerte bei Wahlrecht.de sagen aus, dass die Abwärtsbewegung trotz aller Demos und Spionage-/ Korruptionsskandale sich in einem überschaubaren Rahmen (Minus 1 bis 2 %) abspielt. Vor allem im Osten des Landes sind die Zustimmungswerte weiterhin so hoch, dass sich an den Voraussetzungen für die Wahlerfolge der Rechten überhaupt nichts verändert.

»Als ich vor 14 Jahren zurückgekommen bin, hätte ich es mir nicht träumen lassen, was jetzt in der Öffentlichkeit los ist. So hat es damals auch angefangen«

Margot Friedländer (102 Jahre alt)

Wie weit sind wir in diesem Land (das angeblich vor 34 Jahren wiedervereinigt wurde) gesunken, wenn seine Bürgerinnen und Bürger Fakten bei ihren Entscheidungsfindungen nicht mehr berücksichtigen und in schlechtester Tradition Nazis wählen?

Es ist schon (fast?) wie in den USA.

Gerade auch dann nicht, wenn die Beschäftigung mit dem Dauerproblem Migration vielen aus ideologischen Gründen nach wie vor nicht in den Kram passt. Dass wir in unserem Land ein Gewaltproblem unter Migranten sehen, führt zu so grotesken Feststellungen, dass Täter und Opfer überwiegend im migrantischen Umfeld zu finden sind. Soll das heißen, dass Gewalt von und gegen Migranten weniger bedeutend für die Gesellschaft wäre?

Ich schreibe diesen Artikel auch und wieder im Hinblick auf angebliche Falschinterpretation der kürzlich vorgelegten Kriminalstatistik. Schaut man allein auf die letzten Tage und Wochen und hatte Augen und Ohren nicht komplett fest verschlossen hatte, sollten wir erkennen, dass das Zusammenleben in diesem Land aus dem Ruder läuft.

Des Kanzlers Wahrnehmung

Wie der Kanzler im Hinblick auf das Gesamtbild des Landes und insbesondere die Wirtschaft zeigen die Regierungsparteien auf dem Feld der Migration keine Einsicht. Außer dem ewigen (von mir als bloß aktionistisch wahrgenommenen) Gerede passiert nichts, was der Problemlage gerecht würde.

Trotzdem wundern sich Politiker über die Werte der AfD

Inwieweit die neuen europäischen Regeln auf diesem Feld wirklich etwas bewirken, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich wird wieder nur auf Zeit gespielt, und nach den Wahlen wird alles so weiterlaufen wie bisher. Vor den Wahlen werden sich die getroffenen Entscheidungen ohnehin nicht auswirken und danach wird erfahrungsgemäß der Druck wieder verschwinden. Darauf setzt die Politik.

Die Dauer der Asylverfahren in Deutschland sinkt trotz steigender Zahlen deutlich. Das behördliche Verfahren dauerte 2023 durchschnittlich 6,8 Monate, im Vorjahr waren es noch 7,6 Monate gewesen.

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Die Schweizer machen vieles besser

Die Schweizer sind an dieser Stelle zwar mit ihrem „Erfolgen“ auch nicht zufrieden. Der Vergleich mit Deutschland, das unter der Last der zu vielen Geflüchteten ächzt wie nie zuvor, ist dennoch erkennbar. Ob die Schweizer das Problem des Fachkräftemangels im Bereich der Justiz nicht kennen? Ich höre da anderes. Dennoch geschieht dort mehr, von dem unser Land vermutlich aus purer Ideologie sehr weit entfernt ist. Die direkte Demokratie hat den erheblichen Vorteil, dass die Politik viel schneller und deutlicher die Stimmung im Land vermittelt bekommt. Allein diese Tatsache zeigt aus meiner Sicht einen Vorteil gegenüber dem parlamentarischen System.

Im letzten Jahr war die Situation besonders angespannt. Das Dublin-Verfahren sollte eigentlich nicht länger als 60 Tage dauern. Im Schnitt nahm es 2023 aber 73 Tage in Anspruch.

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Warum erneuert Klingbeil Scholz‘-Sprech von mehr Abschiebungen im großen Stil?

31. Januar 2024

9 5 Min.

Lars Klingbeil bekräftigte in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ des Kanzlers Worte aus dem Oktober letzten Jahres. Scholz wollte Abschiebungen im „großen Stil„. Die Diskussionen waren und sind im Gange.

Die Folgen der Massendemos gegen Rechts waren wohl ebenso voraussehbar.

Viele fühlen sich bestätigt und interpretieren das Engagement der vielen Menschen für Menschlichkeit und Demokratie, wie es ihnen ihrem Weltbild entspricht. „Lasset alle zu uns kommen…“

Dazu passen Aussagen wie die von Lars Klingbeil (besser gesagt, Teile davon) nicht. Also wird in den asozialen Medien auf ihn eingedroschen. „Er hätte auch dazu aufrufen können, mehr AfD zu wagen“, schreibt einer bei Mastodon.

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Ich habe das hier mehrmals angesprochen. Die Proteste richten sich gegen die Deportations-Pläne rechter Kackbratzen (Correctiv-Beitrag). Es geht dabei nicht um das Unvermögen des Staates, seine Grenzen und Interessen zu schützen bzw. geltendes Recht durchzusetzen.

Es gibt zu viele Menschen in unserem Land mit einem Duldungsstatus. Eigentlich sollten sie das Land verlassen. Die Rechtsmittel sind ausgeschöpft. Derzeit sind dem Ausländerzentralregister zufolge etwa 279.000 Menschen ausreisepflichtig, etwa 50 Prozent von ihnen sind abgelehnte Asylbewerber.

Gegen Abschiebungen opponieren viele. Dass sie dafür kämpfen, dass jeder kommen kann, der das Wort Asyl sagt, wird aus moralischen Gründen in Ordnung gehen. Dass die Praxis unser Land gesellschaftlich entzweit, ist unbestreitbar. Sie ist nicht nur der von Medien und rechten Parteien herbeigeführten öffentlichen Überrepräsentanz des Themas geschuldet. Es gibt genügend sichtbare Probleme, die unmittelbar mit dem Thema Migration zusammenhängen. Wie sorglos das Justemilieu unseres Landes mit dem wachsenden Teil der restlichen Bevölkerung umgeht! Und dann wundern die sich über gesellschaftliche Spaltung.

„Der Staat muss funktionieren, wenn es darum geht, Menschen, die nicht bei uns bleiben können, zurückzuführen.“
Lars Klingbeil im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung

Aus meiner Sicht entstehen durch die bisherigen Unzulänglichkeiten in der Umsetzung staatlicher Aufgaben genau jene Risse in der Gesellschaft, die einerseits vermeidbar wären und die andererseits zu jenen Entwicklungen führten, gegen die jetzt so dringlich protestiert wird.

Es geht nicht darum, das Recht auf Asyl oder andere Konventionen infrage zu stellen. Mag das mitunter auch so wirken. Es geht darum, dass Ordnung und Transparenz staatlicherseits gewährleistet werden müssen. Das ist nicht der Fall.

Rigoros werden in Deutschland Menschen nur dann abgeschoben, wenn keine Gegenwehr zu erwarten ist.

Das haben wir sogar in unserem Dorf schon erlebt. Nichts hat geholfen. Die Menschen aus Albanien wurden ausgewiesen, obwohl die Leute gut integriert waren und die Kinder nicht einmal die Sprache des Herkunftslandes ihrer Eltern konnten.

Davon zu reden, dass „rigoros abgeschoben“ würde, ist falsch. Es gibt viele (Aktivisten und Anwälte), die Menschen vor der Abschiebung „bewahren“. Ob dieser Kampf gegen Abschiebungen rechtsstaatlich geführt oder ob nicht häufig mit eher fragwürdigen Tricks operiert wird, vermag ich nicht zu sagen. Hört man die Beamten aus ihrem Erfahrungsschatz berichten, kommen Zweifel an der Legitimität des Vorgehens der Abschiebungshintertreiber auf. Auch wenn unsere Behörden solche Auswüchse der Vetokratie selten benennen noch wirksam zu bekämpfen scheinen.

Im Übrigen sind IMHO die Vorwürfe an die Adresse Lars Klingbeils und die SPD schädlich für die nötigen Debatten, weil sie mit falschen Unterstellungen geführt werden.

Sie sind nicht abgedeckt durch die Massendemonstrationen auf unseren Straßen. Sie als Plebiszit für mehr Einwanderung zu interpretieren, ist falsch und wird den links-grünen Aktivisten noch auf die Füße fallen.

Eine seltsam bedrückende Stimmung macht sich breit im Land

1. November 2023

9 5 Min.

Es gibt immer wieder Abschnitte im Leben, in denen es besser läuft als zu anderen Zeiten. Momentan läuft es gar nicht so, dass ich das in diesen Zyklus einbauen könnte. Schon während der Corona-Pandemie blieben Gewissheiten auf der Strecke, die wohl durch nichts zurückzugewinnen sind.

Der nun (meteorologisch gesprochen, endlich) einsetzende Herbst ist als Tröster oder Aufheller kaum geeignet. Die Farben verblassen außerdem schnell und die paar verbliebenen Blätter bringen die Herbststürme schnell an die Erde.

Dieser Krieg in der Ukraine beschäftigt vielleicht die Medien im Moment nicht so wie das in den vergangenen Monaten noch der Fall war. Im Fokus steht zurzeit das Grauen in Israel, dem Gaza-Streifen und dem Westjordanland. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mich das Leid (aller) Menschen dieser Regionen in unserer Nachbarschaft viel stärker belastet, als das zu früheren Zeiten je der Fall war. Vielleicht hat das mit meinem Alter zu tun oder auch damit, dass ich zum ersten Mal spüre, wie nah Tod und Verderben mit der menschlichen Existenz verbunden sind. Freunden und Bekannten geht es nicht anders.

Mich beschäftigt auch die Frage viel stärker, weshalb Menschen ihren Hass auf ihr Gast- oder neues Heimatland unter Missachtung der dort geltenden Regeln ausleben. Sogenannte Experten, die mitunter selbst einen Migrationshintergrund haben, ergreifen die Chance, uns, der autochthonen Bevölkerung unmittelbar und schonungslos zu offenbaren, dass ein Teil der sich entladenden Wut daher komme, dass sie in diesem Land Diskriminierungserfahrungen gemacht haben. Wow. Wer hätte das gedacht? Migranten machen Diskriminierungserfahrungen.

So etwas ist sicher sehr belastend und kann mörderisch wütend machen. Jedenfalls könnte es Menschen dazu bringen, Messerangriffe auf Unschuldige zu starten, deutsche Frauen zu vergewaltigen oder über eine kleine Amokfahrt mit einem geklauten Lkw willkürlich in eine Ansammlung mutmaßlich Schuldiger zu rasen?

Welche Grenze würden diese Leute bei ihren Erklärungsansätzen und Begründungen für die von Migranten begangenen Vergehen ziehen?

Ich verstehe, wie belastend es sein muss, wenn man pauschal verdächtigt und sogleich in einem Atemzug mit Hamas-Terroristen genannt wird. Und wie wütend das machen kann. Wenn dann auch noch die Medien und Politiker davon reden, dass jetzt aber dringend Abschiebungen fällig geworden sind, bringt das die Stimmung zum Kochen. Abschiebungen in größerem Stil, so wie sie jetzt sogar Kanzler Scholz thematisiert, werden die Probleme, die mit der Migration entstanden sind, nicht einmal im Ansatz lösen.

Die Forderung hat etwas sehr Naives, wenn man bedenkt, wie viele der Menschen, die Israel und/oder die Juden hassen und nun ihre Erziehung auf den Straßen vermissen lassen, hier geboren sind und schon deshalb nicht einfach weggeschickt werden können. Außerdem sollte auch dem Dümmsten einleuchten, was solche Aussagen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedeuten.

Andererseits habe ich aber Verständnis dafür, dass viele Mitbürger es nicht ertragen, dass Konflikte außerhalb Deutschlands hier ausgetragen werden und dass der türkische Präsident, Erdogan, (leider nicht zum ersten Mal) eindeutige Signale in die hiesige Diaspora schickt. Dass sie hier bei Millionen von Deutsch-Türken verfangen, haben wir in der Vergangenheit bereits lernen müssen. Das hat bedrohliche Züge angenommen. Auch, weil keiner weiß, wie die realen Zahlenverhältnisse aussehen. Wer nimmt Partei für seine neue Heimat Deutschland, wer für seine türkische Heimat bzw. das Land seiner Vorfahren. Ich will gar nicht darüber nachdenken, welche Rolle Religion dabei spielen könnte und wie hoch der Einfluss von aus Istanbul gesteuerten Imamen auf das Verhalten der hier lebenden Menschen mit türkischem Migrationshintergrund ist.

In diesen Tagen habe ich wieder gehört, dass mehr Bildung gegen Antisemitismus helfen würde. Gehen wir also davon aus, dass die Menschen, die an den einschlägigen Demos teilnehmen, ungebildet sind? Das wäre genauso naiv, wie die Sache mit den Abschiebungen.

Ein Ahmad Mansour macht noch keinen Sommer. Wie groß müssten die Bemühungen sein, wie viel Manpower wäre erforderlich, welche Geldmittel müssen zusätzlich zu allem anderen aufgewendet werden, um das für Radikalität anfällige Klientel zu besänftigen, genauer gesagt auf eine andere Spur zu bringen? Lässt sich das überhaupt leisten bei der Anzahl von Menschen, die in den vergangenen Jahren immer weiter angewachsen ist und wohl zigtausende Menschen betreffen wird? Da bin ich skeptisch.

Wir haben sogar auf den Fußballplätzen, eigentlich über alle Ligen hinweg, ein Gewaltproblem. Auch dort fallen Migranten (seit Jahren) negativ auf. Einfach Fußballspielen ist da nicht mehr. Wehe, da fühlt sich einer benachteiligt. Dann geht’s ab. Und natürlich auch hier wird beklagt, wie schlecht man in diesem Land behandelt wird. Natürlich weiß jeder, welche Knöpfe er drücken muss, um der Deutschen schlechtes Gewissen zu wecken. Die Gefahr, dass dieser Schuss nach hinten losgehen könnte, erkennt man nicht. Man wähnt sich im Recht. Genau natürlich, wie die auf der „anderen“ Seite.

In Großstädten ist die Bevölkerung jünger, teilweise männlicher, migrantischer. Ein Migrationsbezug ist bei gewaltbedingten Abbrüchen überdurchschnittlich häufig zu beobachten – sowohl auf Täter- als auch auf Opferseite. 

Quelle

Egal, wie man es dreht und wendet. Es läuft immer darauf hinaus, dass die Mehrheitsbevölkerung beim geringsten Anlass Schuldzuweisungen erhebt, die in den seltensten Fällen gegen sich selbst gerichtet sind. Wenn dann dazu kommt, dass die Medien erkennen, welche Quoten sie mit einseitigen und dem Zeitgeist entsprechenden Einzelfällen erzielen können, machen sie das. Da kommt dann weder eine Form der Political Correctness zum Zuge, noch die Sorge darum, dass dies den Rechten Zucker gibt.

In Deutschland werden Gesetze nicht so angewendet, wie es sein müsste. Da vertraue ich einmal auf die Gewerkschaftsvertreter der Polizei, die diese Kritik anbringen. Die ständigen Klagen über personelle Engpässe bei der Polizei oder den Strafverfolgungsbehörden kann indes auch niemand mehr hören. So kommt es leider aber häufig dazu, dass Verbrecher festgesetzt werden und am nächsten Tag wieder auf der Straße sind. Das sorgt für zusätzlichen Frust bei denen, die sich mit diesen Aufgaben befassen. Anwälte haben es vermutlich in solchen Zeiten leicht, ihre Klientel zufriedenzustellen.

Betrachtet man, welche Exzesse während der diesjährigen Halloween-Feiern stattgefunden haben, würde ich als harmloser Vertreter meiner Generation schlicht die Feststellung treffen, dass sich dieses Land in einer Art von Selbstauflösung befindet.

Multikulti ist gescheitert. So viel scheint mir sicher. Das macht mich verrückt, weil ich immer so sicher war, dass genau das eben nicht der Fall ist. Mit etwas gutem Willen und Geduld würde das, so meine Annahme, schon werden. Nix ist.