Das nervt mich besonders am Älterwerden

23. März 2015

Mit 61 merke ich die Hypothek, die mir das Älterwerden allmählich aufbürdet. Mir ist klar, dass das für sehr viele in meinem Alter überhaupt kein Thema ist. „Jedes Alter hat seine schönen Seiten“. Nee, is klar.

Man kann viel machen. Man kann sich vernünftig ernähren, Sport treiben, sich sozial engagieren, Gutes tun, einer Partei beitreten. Oder was für den Kopf tun – was Letzteres vielleicht wiederum ausschließt. 🙂 Man könnte beispielsweise studieren oder, wenn das Abi fehlt, als Gasthörer ein paar Vorlesungen des Fachs besuchen, das einen schon immer interessiert hat.

Tricks, um jung zu bleiben

Manche ziehen etwas extremere Formen vor, um jung zu bleiben. Sie tauschen die Frau, den Mann oder wagen eine Schönheits-OP, Fett absaugen und so. Das jugendliche Selbstverständnis bietet heutzutage viele Alternativen.

Bei mir ist es anders. Älterwerden liegt mir nicht. Das gebe ich unumwunden zu. Die Frage nach der Alternative muss mir aber auch keiner stellen. Nein, ich bin kein Jammerlappen – auch wenn es danach klingt. Ich versuche nur ehrlich zu sein. Mir gehts nicht um zu viele Kilos, die ich meinem Körper seit Jahren zumute und auch nicht um andere, auch optische Begleiterscheinungen des Alters.

Nach dem Berufsleben

Wenn daran denke, dass ich sehr bald meinen Beruf an den Nagel hänge und eine neue Zeitrechnung beginnt, schwanken meine Gefühle hin und her.

Wie werde ich das hinbekommen? Ich möchte meine Zeit sinnvoll nutzen und sie nicht verplempern? Ich will, solange ich kann, nicht mehr auf meinem Hintern sitzend, am Bildschirm (TV oder Internet) das Leben tracken. Ich will aktiv leben! Wie gelingt ein solches Projekt nach fast 47 Berufsjahren? Eine ganz schön große Umstellung. So viel ist mal klar. Bei meinem Vater habe ich das aus nächster Nähe beobachtet und auch bei vielen anderen. Die haben das geschafft, und ich werde es wohl auch hinbekommen.

Jeder wird Fehler machen

Vielleicht war es einer der Fehler meines (bisherigen) Lebens, zu passiv gewesen zu sein. Kann man das überhaupt noch ändern, wenn man die 60 überschritten hat? Immerhin gibt es ein Bewusstsein und Einsichten sollen ja entscheidend sein, wenn man was ändern möchte. Aber Verhaltensänderungen sind bekanntlich das schwerste, was man sich vornehmen kann.

An einer Sache will ich jedenfalls mit Vorrang arbeiten: Ich muss dringend etwas gegen meine Rührseligkeit tun. Keine Ahnung, ob das wissenschaftlich zu belegen ist. Aber mir scheint, Sentimentalität wächst mit zunehmendem Alter exponentiell. Früher habe ich das bei Älteren beobachtet und mich oft genug sogar darüber amüsiert. Bei der Selbstbespiegelung geht mir der Humor völlig ab. Es nervt einfach.

Heute passiert es mir, dass ich bei einem Konzert urplötzlich von einem Lied so ergriffen bin, dass mir die Tränen kommen. Wie peinlich! Beim Filmgucken ist das nur deshalb nicht so schlimm, weil es im Dunkeln passiert.

Rührung als Ventil

Ich kann es gar nicht nicht leiden, wenn mich die Rührung packt. Ich versuche dann krampfhaft an etwas ganz anderes zu denken. Aber das gelingt nur ganz selten. Diese Gefühle sind eigentümlich. So sehr mich auch die Szene ergreift, ein paar Minuten später ist es damit vorbei. Im wahren Leben scheint dafür ja ohnehin kein Platz. Die Prioritäten liegen anderswo.

Aber – nichts ist schwerer zu ertragen als das Leid anderer Menschen anzusehen. Es ist kaum zu ertragen, verhungernde Kinder am Fernsehbildschirm zu sehen. Und was habe ich in meinem Leben speziell dagegen getan? Ja, gespendet habe ich mal was und (natürlich) das Maul aufgerissen. Nicht nur hier im Blog.

Sentimentalität hat per Definition nichts mit Sensibilität oder Empathie zu tun. Wikipedia beschreibt den Begriff so: „Sentimentalität ist somit eine Form der emotionalen Selbststimulation ohne Handlungsantrieb.“

„Denn Sentimentalität ist das sich Erlaben an Gefühlen, die man in der Wirklichkeit nicht ernst genug nimmt, um ihnen irgendein Opfer zu bringen, um sie irgend je zur Tat zu machen.“ Hermann Hesse

Hermann Hesse

Damit ist noch nicht erklärt, weshalb ältere Menschen häufiger zu dieser Selbststimulation „greifen“ als jüngere. Das Gefühl habe ich nämlich. Bestimmt gibt es auch dagegen Pillen! Aber mir reicht ehrlich gesagt schon das Blutdruckmittel.

Ich frage mich, warum Sentimentalität bei jungen Leuten weniger ausgeprägt zu sein scheint. Vielleicht hat das mit zunehmender Lebenserfahrung zu tun. Scheiße nicht? Die Rührseligkeit nimmt also möglicherweise parallel mit der Erkenntnis zu, dass wir fast nichts an den vielen grauenhaften Dingen ändern konnten, die wir während unseres Lebens gesehen und vielleicht sogar selbst erlebt haben. Aber wir empfinden sie als sehr belastend.

Probleme, die wir nicht lösen, vergraben wir in unserem Unterbewusstsein. Deshalb können einem eben auch schon mal die Tränen kommen.

BAMS-Kamagne für die Stromerzeuger ist so durchsichtig

15. März 2015

Heute morgen habe ich beim Frühstück seit langer Zeit mal wieder eine BAMS gelesen. Soweit, so schlecht! Ich lege Wert auf die Feststellung, dass dies eine Ausnahme war, deshalb erwähne ich es zu Beginn. 🙂

Ich fand auch prompt ein Thema, über das ich mich ärgern konnte:

Keine Woche nach der Veröffentlichung der katastrophalen Wirtschaftsdaten des größten deutschen Stromerzeugers, EON (Rekordverlust von 3,2 Mrd. € in 2014), startet die Springer-Sub-Gazette eine Kampagne für die großen Stromkonzerne. Hier gehts nicht um Aufklärung der Bürger, sondern um sehr handfeste finanzielle Interessen. Ganz im Sinn der guten Sache wirft Springer die schlagkräftige SEITE ZWEI der Sonntags – Gazette in die Schlacht.

Auf 4 kompletten Seiten gibts Stimmung satt gegen die deutsche Energiewende. Platte PR für die großen Stromkonzerne. Was das wohl gekostet hat?

Die Big Four kommt praktischerweise auf diesen Seiten mit eigenen Statements „zur Sache“ vor.

Flankiert wird das Springer-Elaborat von einer Kolumne desjenigen (auch in der Blöd-Zeitung erschienen), der sich gern als Sachwalter der Vernunft geriert und dabei selten etwas anderes macht, als sich im Interesse des Großkapitals an grünen oder roten Ideen abzuarbeiten. Die Rede ist vom ehemaligen Handelsblatt-Chefredakteur, Roland Tichy.

Er sagt uns für diesen Sommer den Supergau (für unser Portemonnaie) voraus:

Wenn im kommenden Sommer Freibadwetter lacht, zahlen wir noch mehr: Dann explodiert erst die Solarstromproduktion und anschließend unsere Stromrechnung für den zusätzlichen grünen Teuer-Strom. LINK
Energiewende: Kassiert die Solar-Lobby die Kindergelderhöhung? – Wirtschaft – Bild.de

Energiewende: Kassiert die Solar-Lobby die Kindergelderhöhung? – Wirtschaft – Bild.de

In seinen Negativ-Vorhersagen vergisst er nie, das Wort „Grün“ zu erwähnen. Aus seiner und der Sicht seiner Anhänger legt der Mann „den Finger in die Wunde“. Einer der Vertreter dieser „Das-wird-man-ja-wohl-noch-sagen-dürfen-“ Fraktion.

Es gibt ein paar Jahre nach dem Start der Energiewende ein wachsendes Unbehagen bei vielen BürgerInnen. Wahrscheinlich liegt es an der Politik oder/und an ihrem mangelnden Geschick, das Projekt durchzuziehen. Möglicherweise gibt es ein Vermittlungsproblem. Aber wer möchte sich von Politikern heutzutage schon noch etwas erklären lassen? Im Internet hat man nämlich gelesen…

Für mich ist es seltsam, dass es in der Debatte kaum eine Rolle spielt, dass auch sie nach Fukushima mit fliegenden Fahnen aus dem Atomstrom aussteigen wollten. Jetzt sind sie nicht bereit dazu, Trassen für die notwendigen Maßnahmen errichten zu lassen. Und die ganzen Windkrafträder sehen ja auch scheiße aus. Abgesehen davon: höhere Preise gehen ja überhaupt nicht.

Inwieweit die Energiewende von unserer Regierung gut oder schlecht gemanagt wird, kann ich nicht beurteilen. Andere vermutlich auch nicht. Aber sie sind angepisst von der Kostenentwicklung. Das reicht.

Mich persönlich stört vor allem die Durchsichtigkeit der heutigen Kampagne. So etwas beleidigt, wie man so schön sagt, meine Intelligenz. 

Ich sollte Springer-Medien ganz meiden. Wenn ich mir vergegenwärtige, was die Blöd-Zeitung zuletzt auch wieder in Richtung Griechenland fabriziert hat, steigt schon wieder neuer Zorn in mir auf.

Historische Anekdote – Handzeichnung vom 28. Januar 1933

1. März 2015

Bei der Durchsicht alter Unterlagen fiel mir dieses Dokument in die Hände:

Wenn ich auf das Datum sehe, frage ich mich, ob unseren Verwandten damals schwante, dass zwei Tage später das „tausendjährige Reich“ begründet würde und die dunkelsten Jahre unserer Geschichte ihren Anfang nehmen würden?

Es ist schon interessant, welche Exaktheit solche Zeichnungen schon in der Preußenzeit aufzuweisen hatten.

Heute wird aus Opportunitätsgründen ja gern auf lästige Dokumentationspflichten verwiesen (s. aktuelle Debatte über die bürokratischen Erschwernisse durch den Mindestlohn). Aber so war das und so ist das: Ordnung muss sein (s. Griechenland).

(Bevor ich wieder unnötige Post kriege: war nicht ganz ernst gemeint!)

Kaum zu glauben: Zielbar gibts erst seit einem Jahr

27. Februar 2015

Es gibt Blogs, von denen denkt man, die waren schon immer da. Einer von diesen, Zielbar.de, hat heute erst seinen ersten Geburtstag. Das kann ich fast nicht glauben!

Die Idee, zum ersten Geburtstag ein eigenes Video zu produzieren und hierin die Autoren zu Wort kommen zu lassen, finde ich ausgezeichnet. Den Blog selbst kann ich von meiner Seite aus allen Bloggern nur wärmstens empfehlen.

Die Zielbar – Beiträge zeichnen sich durch verständliche und gut nachvollziehbare Inhalte aus, die für uns Blogger eine sehr gute Unterstützung bieten. Die Seite, die neben ihren Inhalten ein ansprechendes Design (insbesondere die Artikelbilder sind ausgesprochen gelungen – und selbstgemacht) sowie eine prima Benutzerführung bietet, erfreut sich zunehmender Beliebtheit und dies – auch aus meiner Sicht – völlig zu Recht.

Youtube Video

 

Der Valentinstag kann weg

14. Februar 2015

Wart‘ mal ab, in 2 Jahren haben wir das auch hier. Was in den USA im Trend ist, kommt mit ein paar Jahren Verzögerung auch zu uns.“ Die zwei Sätze habe ich so schon vor über 40 Jahren gehört. Und oft hat es zugetroffen.

Bestimmt war darunter auch viel Gutes. Mir fällt zwar gerade nichts ein. Aber was IMHO ganz bestimmt nicht dazu gehört sind Tarentino-Filme, Halloween und der Valentinstag.

Wir (meine Frau und ich) ignorieren diese Errungenschaften nach Kräften – auch und gerade die Tarrentino-Filme. Da halte ich es mit einem guten Freund, dem ich vor Jahren mal einen Kinobesuch vorgeschlagen hatte. „Nee“, meinte er. „Ich gehe doch nicht ins Kino, um mich erschrecken zu lassen.“  Recht hat er! Warum Millionen von Kinobesuchern das ganz anders sehen werde ich nie verstehen 🙂

Bei uns ist gerade Fastelovend. Ich habe von Menschen gehört, die Probleme damit haben, „auf Kommando“ lustig zu sein. Komische Haltung, denn schließlich haben die oft auch kein Problem damit auf Kommando schlechte Laune zu verbreiten.

Der Fastlovend ersetzt uns Halloween voll und ganz. Es folgt die Fastenzeit (ihr wisst schon, Ramadan für Christen) und dann ist auch bald der Frühling da.

Also Halloween haben wir schon auch aussortiert. Das braucht kein Mensch. Wenigstens haben die Feierleute am nächsten Tag (wenn sie in einer katholischen Gegend leben)  frei und können ausschlafen. Aber auch das ist auch besser beim Fastelovend geregelt – im Rheinland jedenfalls. Nur der grassierende Egoismus  die geänderten Ladenschlusszeiten schnippeln am Brauchtum herum – freie Bürger wollen schließlich auch an Fastelovend Möbel kaufen. Ein Relikt aus unserer FDP-Vergangenheit.

Für Fastelovend braucht es mehr Ausdauer als beim Halloween. Und die Kürbis-Masken sind auch hässlich!

Auf den Beitrag kam ich aber – natürlich – wegen des Valentinstages.

Auch der kam über den Großen Teich zu uns. Und jetzt haben wir Samstag und keinen Blumenstrauß. Der Ärger ist vorprogrammiert.  Die Frauen haben bei Sixx eine dieser Frauenserien geguckt. Die Erwartungshaltung ist hoch. Du weißt, sie ist in dieser Beziehung sehr sensibel. Das Missverständnis hält sich irgendwie, dass beim Valentinstag nur die Frau beschenkt wird.

Ja, es soll da wohl um Liebe gehen. Warum diese solche äußerlichen Zeichen braucht – also mindestens mal einen schönen Blumenstrauß – ich werde das immer etwas zweifelhaft finden.

Frühstückmachen wäre doch eine nette Idee – aber auch nur, wenn man das sonst nie macht. Den Ideen sind heutzutage fast keine Grenzen gesetzt. Ein gefülltes Portemonnaie wäre aber vonnöten. Geld ausgeben ist angesagt. Es ist eine angelsächsische Erfindung. Also: Money is the name of the Game.

Ich ignoriere auch den Valentinstag seit Jahren erfolgreich. Und meine Frau war auch heute morgen nicht sauer, als ich sie in den Arm nahm und sie fragte, ob sie die Herzen in meinen Augen sehen würde.

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